Kurzbericht: Konjunkturlage Monatsbericht – Juli 2026
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Kurzbericht: Konjunkturlage Monatsbericht – Juli 2026
Monatsbericht
1 Deutsche Wirtschaft trotzt Gegenwind
Die Wirtschaftsleistung in Deutschland dürfte sich im zweiten Quartal 2026 etwas erhöht haben. Trotz des Gegenwinds durch den Krieg im Nahen Osten dürfte das reale BIP im zweiten Quartal 2026 saisonbereinigt 1 etwas zugelegt haben. Die Industriekonjunktur blieb resilient. Dafür sprechen die für April und Mai verfügbaren Daten. Die Industrie profitiert von einer dynamischen Auslandsnachfrage und wachsenden Exporten. Die Verbraucherinnen und Verbraucher ließen sich von den hohen Energiepreisen und damit verbundenen Kaufkraftverlusten verhältnismäßig wenig beeindrucken: Sie hielten ihre Konsumausgaben wohl mindestens stabil. Schließlich stützt die expansive Fiskalpolitik die Wirtschaftsaktivität. Insgesamt spricht das gegenwärtige Indikatorenbild für ein etwas höheres konjunkturelles Grundtempo als in der Deutschland-Prognose der Bundesbank vom Juni erwartet. 2 Hinzu kommen temporär wachstumsstützende Faktoren. So waren die realen Warenimporte – vermutlich infolge des Irankriegs – nach den bislang vorliegenden Daten schwach. 3 Zudem könnten deutsche Exporteure davon profitiert haben, dass ihre internationalen Wettbewerber (vor allem in Asien) stärker von Engpässen bei Vorprodukten betroffen waren. Darüber hinaus haben Vorzieheffekte in Erwartung von Knappheiten und Preissteigerungen möglicherweise Teile der Industrie stabilisiert. Außerdem dürfte die Bauproduktion trotz höherer Bauzinsen deutlich zugelegt haben. Ein Gutteil des Zuwachses ist jedoch auf eine Gegenbewegung nach dem witterungsbedingt schwächeren Niveau im Vorquartal zurückzuführen. Im dritten Quartal könnten – soweit die Situation im Nahen Osten sich nicht weiter zuspitzt – die kriegsbedingten Belastungen geringer ausfallen als im Durchschnitt des zweiten Quartals. 4 Allerdings dürften sich dann auch die vorübergehend stützenden Faktoren aus dem zweiten Quartal umkehren oder entfallen. In der Summe könnte das BIP dann etwas schwächer zulegen.
2 Industriekonjunktur überraschend robust
Die deutsche Industrie zeigt sich in Anbetracht des Irankriegs überraschend robust und trug wohl positiv zur Bruttowertschöpfung bei. Sowohl die Produktion als auch die Umsätze der Industrie legten im Mai gegenüber dem April zu. Und im Mittel der Monate April und Mai weisen die Daten zur Industrieproduktion auf einen leichten und die preisbereinigten Industrieumsätze sogar auf einen deutlichen Anstieg der Industrieaktivität im Vergleich zum Vorquartal hin. Besonders günstig entwickelte sich demnach die Produktion von Vorleistungsgütern und in den energieintensiven Wirtschaftszweigen. Infolge des Krieges im Nahen Osten sahen sich die deutschen Hersteller von Grundstoffen sowie von chemischen Erzeugnissen einer gesteigerten Nachfrage gegenüber. Das lag möglicherweise auch daran, dass ihre Abnehmer aufgrund befürchteter Lieferengpässe und Preissteigerungen Bestellungen vorzogen. Gleichzeitig dürften deutsche Hersteller im internationalen Wettbewerb (insbesondere gegenüber asiatischen Ländern) von weniger angespannten Lieferketten profitiert haben. Dagegen ging die Produktion in der deutschen Automobilindustrie wohl zurück. Hier konnten Produktions- und Umsatzsteigerungen im Mai den deutlichen Rückgang vom April nicht wettmachen. Die bereits bis Juni gemeldeten Stückzahlen des Verbands der Automobilindustrie (VDA) deuten für das zweite Quartal auch allenfalls auf eine Stagnation hin. Die Stimmungsindikatoren zeigen sich, gemessen an den internationalen Belastungsfaktoren, weitgehend robust. So verbesserte sich laut ifo Institut die Lageeinschätzung im Verarbeitenden Gewerbe im zweiten Quartal nochmals deutlich und gab im Juli nur leicht nach. Auch der Einkaufsmanagerindex von S&P Global lag durchgängig über der Expansionsschwelle.
Die Auslandsnachfrage nach deutschen Industrieerzeugnissen blieb dynamisch. Die Auftragseingänge stiegen im Mai gegenüber April an. Auch im Mittel der Monate April und Mai lagen sie spürbar über dem Niveau des Vorquartals – sowohl mit als auch ohne die oft volatilen Großaufträge gerechnet. Dabei überlagert eine weiter lebhafte Dynamik im Auslandsgeschäft eine verhaltene Inlandsnachfrage. Die Zuwächse gingen vor allem auf zusätzliche Aufträge für Vorleistungsgüter, insbesondere für Erzeugnisse der Chemie- und der Metallindustrie, zurück. Darüber hinaus trug auch der Sonstige Fahrzeugbau erneut wesentlich zum Anstieg bei. Im Kontrast zur verbesserten Geschäftslage und zur günstigen Auftragsentwicklung verschlechterten sich laut ifo die Export- und die Geschäftserwartungen der Unternehmen im Durchschnitt des zweiten Quartals erheblich. Auch sie durchschritten ihren Tiefpunkt inzwischen aber. Im Juli blickten die Industrieunternehmen weniger pessimistisch in die Zukunft als noch im Durchschnitt des zweiten Quartals.
3 Dienstleister und privater Konsum verhalten
Der Dienstleistungssektor könnte im zweiten Quartal leicht zugelegt haben. Die Produktion im Dienstleistungssektor (ohne Handel) stieg im April – bis dahin liegen Daten vor – gegenüber dem schwachen März wieder merklich. Sie erreichte daher ein Niveau leicht oberhalb des Vorquartalsdurchschnitts. Für die weitere Entwicklung zeichnen die bereits vorliegenden Stimmungsindikatoren ein uneinheitliches Bild. Die ifo Geschäftslage für die Dienstleistungsunternehmen gab zwar infolge des Krieges im Nahen Osten etwas nach, verbesserte sich aber im Juni und Juli wieder nahezu auf das Vorkriegsniveau. Gleichzeitig sank der Einkaufsmanagerindex von S&P Global deutlich unter die Expansionsschwelle und blieb auch im Juli noch knapp darunter.
Der private Konsum könnte die Aktivität der Dienstleister leicht gestützt haben. Vor dem Hintergrund von Preisanstiegen und Realeinkommensverlusten infolge des Krieges im Nahen Osten blieben die Konsumindikatoren überraschend stabil. Die bis Mai verfügbaren realen Umsätze im Gastgewerbe lagen im Durchschnitt zwar unter dem Niveau des Vorquartals. Die Umsätze im Einzelhandel (ohne Kraftfahrzeuge) entwickelten sich aber günstiger: Sie lagen im Mittel leicht über dem Vorquartalsdurchschnitt. Zudem weist die Unternehmensbefragung des ifo Instituts für beide Konsumbereiche auf eine etwas weniger pessimistische Einschätzung der Geschäftslage im Juni und Juli hin. Schließlich stiegen die Pkw-Zulassungen privater Haushalte nach Angaben des VDA zuletzt spürbar an, insbesondere für Elektrofahrzeuge. 5 Dennoch war die Anschaffungsneigung der Konsumentinnen und Konsumenten laut GfK-Umfrage im zweiten Quartal insgesamt getrübt, verbesserte sich aber im Juli etwas. Obgleich sich die Konjunktur- und Einkommenserwartungen der Verbraucherinnen und Verbraucher im Vergleich zu den Tiefständen zu Kriegsbeginn im Iran wieder merklich erholt haben, bleiben sie immer noch deutlich hinter den Vorkriegswerten zurück. Zudem bleibt die Kaufkraft der real verfügbaren Einkommen geschmälert, und auch die Arbeitsmarktentwicklung zeigt sich weiter schwach.
4 Arbeitsmarkt weiterhin leicht abwärtsgerichtet
Der moderate Beschäftigungsrückgang in der Gesamtwirtschaft setzte sich im Frühjahr fort, wobei der Arbeitsplatzabbau in der Industrie weiter erheblich ist. Die Zahl der Erwerbstätigen in Deutschland sank im Mai gegenüber dem Vormonat saisonbereinigt um 8 000 auf 45,82 Millionen Personen. Damit ging die Beschäftigung nach dem deutlichen Rückgang im Winterquartal wie schon im April nur noch leicht zurück. Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung – hier liegt die erste Hochrechnung für den Monat April vor – sank moderat. Allerdings verringerte sich die Zahl der Arbeitsplätze im Verarbeitenden Gewerbe weiter erheblich. In geringerem Umfang bauten auch die Arbeitnehmerüberlassung und der Handel Personal ab. Im Baugewerbe blieb die Beschäftigung stabil. Zusätzliche Arbeitskräfte waren wie schon seit längerem vor allem im Gesundheits- und Sozialwesen gefragt. In geringerem Umfang galt dies auch für die unternehmensnahen Dienstleistungen. Neben der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung sank auch die Zahl der ausschließlich geringfügig entlohnten Arbeitnehmer sowie der Selbstständigen.
Die Frühindikatoren liefern keine Anzeichen für eine Erholung am Arbeitsmarkt in den kommenden Monaten. Das ifo Beschäftigungsbarometer, welches die Personalplanungen der gewerblichen Wirtschaft für die nächsten drei Monate abbildet, ist weiterhin tief im negativen Bereich und sank im Juni erneut. Das IAB‑Arbeitsmarktbarometer Beschäftigung, welches auch die öffentlich finanzierten Branchen mit in den Blick nimmt, sank nach einer leichten Verschlechterung minimal unter die neutrale Schwelle. Gesamtwirtschaftlich deutet dies auf ein weitgehend stabiles Beschäftigungsniveau hin. Die Zahl der bei der BA gemeldeten offenen Stellen blieb zum wiederholten Mal nahezu unverändert. Vor allem gingen ausgesprochen wenige neue Stellenangebote ein. Kurzfristig ist damit keine zunehmende Dynamik am Arbeitsmarkt zu erwarten.
Die Arbeitslosigkeit sank zuletzt geringfügig. Die Zahl der registrierten Arbeitslosen belief sich im Juni saisonbereinigt auf 2,98 Millionen Personen. Die Arbeitslosenquote verharrte bei 6,3 %. Zwar stieg die eng mit der aktuellen Wirtschaftsentwicklung verbundene Arbeitslosigkeit im Versicherungssystem des SGB III zuletzt weiter an. Die Arbeitslosigkeit im Grundsicherungssystem des SGB II ging jedoch zurück. Die gesamte Unterbeschäftigung sank etwas stärker als die registrierte Arbeitslosigkeit. Dahinter dürfte ein leichter Rückgang der Zahl von Personen in arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen stehen. Dem IAB‑Barometer Arbeitslosigkeit zufolge dürfte die Arbeitslosigkeit in den nächsten Monaten kaum noch steigen. Der Frühindikator steigt seit einigen Monaten an und nähert sich langsam dem neutralen Schwellenwert.
5 Energierohstoffpreise von hoher Volatilität geprägt
Nach kräftigen Rückgängen im Juni zogen die Preise für Energierohstoffe im Juli wieder deutlich an. Maßgeblich für die zunächst fallenden Notierungen war die zwischenzeitliche Entspannung des Konflikts im Nahen Osten. Die Ölpreise kehrten daraufhin zeitweise auf das Niveau vor Ausbruch des Irankriegs Ende Februar zurück. Inzwischen verschärfte sich die geopolitische Lage in der Region jedoch wieder. Neuerliche militärische Angriffe und die Wiederaufnahme der US‑Seeblockade iranischer Häfen ließen den Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus wieder weitgehend zum Erliegen kommen. Zuletzt verschlechterte sich zudem die Sicherheitslage im Roten Meer. Die Energierohstoffpreise zogen im Zuge dieser Entwicklungen wieder erheblich an. Ein Fass Rohöl der Sorte Brent kostete zum Redaktionsschluss rund 90 US-$ und damit 25 % mehr als vor dem Beginn des Krieges. Die europäischen Gaspreise (TTF) lagen bei etwa 60 € je Megawattstunde, und damit fast doppelt so hoch wie vor Kriegsbeginn. Hier machen sich zusätzlich längerfristige, kriegsbedingte Ausfälle von Produktionskapazitäten wichtiger Förderländer bemerkbar.
6 Inflationsrate im Juni vorübergehend auf 2,4 % gesunken
Im Inlandsabsatz gingen die gewerblichen Erzeugerpreise im Juni gegenüber dem Vormonat saisonbereinigt leicht zurück. Maßgeblich hierfür waren die niedrigeren Energiepreise, die in den Monaten zuvor stark gestiegen waren. Ohne Berücksichtigung der Energiekomponente stiegen sie moderat an. Insbesondere Vorleistungsgüter verteuerten sich zuletzt deutlich. Hier dürften sich zunehmend die Auswirkungen der gestiegenen Energierohstoffpreise der vorangegangenen Monate bemerkbar machen. Im Vorjahresvergleich stiegen die gewerblichen Erzeugerpreise um 1,8 %. Die saisonbereinigten Einfuhrpreise erhöhten sich im Mai, dem letzten verfügbaren Berichtsmonat. Während die Einfuhrpreise ohne Energie deutlich aufwärtsgerichtet waren, verteuerten sich die Energiepreise nach zuvor kräftigen Anstiegen nur noch leicht. Im Vergleich zum Vorjahr erhöhten sich die Einfuhrpreise um 6,8 %.
Die Inflationsrate sank im Juni etwas weiter, vor allem wegen niedrigerer Energiepreise. Die Vorjahresrate des Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) sank im Juni auf 2,4 %, von 2,7 % im Mai. 6 In beiden Monaten wirkte die befristete Senkung der Energiesteuer auf Benzin und Diesel (Tankrabatt) dämpfend. 7 Im Juni ließ außerdem die Preisdynamik vor allem bei Energie nach. Aber auch die Kernrate (ohne Energie und Nahrungsmittel) ging leicht von 2,6 % auf 2,5 % zurück. Im Vormonatsvergleich sank der HVPI im Juni saisonbereinigt erneut um 0,2 %. Das lag vor allem an niedrigeren Preisen für Kraftstoffe und Heizöl, die die infolge der Entspannung des Konflikts im Nahen Osten gesunkenen Rohölpreise widerspiegelten. Aber auch die Nahrungsmittelpreise waren erneut rückläufig. Industriegüter ohne Energie verbilligten sich ebenfalls leicht, nachdem sie im Vormonat noch kräftig gestiegen waren. Lediglich Dienstleistungen verteuerten sich weiterhin moderat.
Die Inflationsrate dürfte von dem gegenwärtig immer noch erhöhten Niveau aus in den kommenden Monaten wieder etwas ansteigen. Dazu trägt vor allem bei, dass der Tankrabatt Anfang Juli auslief. Außerdem dürften sich allmählich die indirekten Effekte des jüngsten Energiepreisschubs auch auf der Verbraucherpreisstufe bemerkbar machen. Höhere Energiepreise schlagen sich in der Regel erst mit Verzögerung auf den gesamten Warenkorb des HVPI nieder. Diese Verzögerung ist unter anderem abhängig davon, wie schnell Unternehmen mit gestiegenen Produktions-, Transport- und Vorleistungskosten konfrontiert werden und wie schnell sie diese an die Haushalte weitergeben. 8 Insgesamt bleibt die Unsicherheit über den weiteren Verlauf der Inflationsrate hoch. So flammte jüngst der schwelende Konflikt im Nahen Osten wieder auf. Sollten die Spannungen anhalten, dürften die Energiepreise auch auf der Verbraucherstufe erneut steigen und den Inflationsdruck wieder verstärken.
In diesem Beitrag wurden Daten bis zum 27. Juli 2026, 11:00 Uhr berücksichtigt.