Aktuelle Herausforderungen für den europäischen Nachhandelssektor auf dem Weg zur Europäischen Spar- und Investitionsunion

Obwohl die nachgelagerten Wertschöpfungsstufen des Wertpapierhandels oft weniger im öffentlichen Fokus stehen als der Handel selbst, sind sie für das effiziente Funktionieren des Finanzmarktes von ganz entscheidender Bedeutung. So war der Nachhandelsbereich schon in der Vergangenheit Gegenstand von verschiedenen Initiativen zur Vollendung der europäischen Kapitalmarktunion. Ganz aktuell ist er auch Bestandteil der ehrgeizigen Pläne der Europäischen Kommission zur Schaffung einer umfassenden europäischen Spar- und Investitionsunion (SIU). Dabei geht es insbesondere um die bestmögliche Nutzung innovativer Technologien, die Beseitigung bestehender Hemmnisse für grenzüberschreitende Aktivitäten sowie die Verkürzung des Wertpapierabwicklungszyklus. Das Eurosystem leistet seit langem auf verschiedenen Ebenen einen wesentlichen Beitrag zu diesen Entwicklungen, sei es als Finanzmarktinfrastrukturanbieter oder als Katalysator für Veränderungen und weitere Harmonisierung. Auch die Bundesbank spielt als Teil des Anbieterkonsortiums der sog. 4ZB sowie in ihrer Eigenschaft als nationales Bindeglied zum deutschen Finanzmarkt eine bedeutende Rolle.

  • Bereits in unseren vorangegangenen Newsletters haben wir mehrfach über innovative Technologien für Finanztransaktionen mit dem Schwerpunkt auf Optionen für das Settlement DLT-basierter Assets in Zentralbankgeld berichtet, zuletzt im Zusammenhang mit der im Sommer 2025 verabschiedeten dualen Eurosystemstrategie (siehe auch Beitrag zum Pontes-Projekt in diesem Newsletter).
  • Die bei der EZB angesiedelte Marktkontaktgruppe „Advisory Group on Market Infrastructures for Securities and Collateral“ – kurz AMI-SeCo – hat Ende September 2025 den Bericht Remaining barriers to integration in securities post-trade services – issues and recommendations“ veröffentlicht, der einen umfassenden Überblick über aktuell bestehende Hemmnisse im Nachhandelsbereich bietet. Dieser Bericht, der auf einer umfassenden Erhebung in den AMI-SeCo-Märkten basiert und von bedeutenden europäischen Finanzmarktakteuren im Rahmen der Securities Group analysiert wurde, identifiziert insgesamt 43 Barrieren mit unterschiedlich eingeschätzter Priorität. Die Beseitigung dieser Barrieren erfordert oft nicht nur das Engagement der Marktteilnehmer, sondern auch regulatorische Maßnahmen, insbesondere wenn es um Hemmnisse im Bereich des rechtlichen Rahmenwerks geht. Mehr als 20 Jahre nach Veröffentlichung der grundlegenden Giovannini Berichte und rund acht Jahre nach dem letzten Statusbericht des European Post-Trade Forums ist dieser AMI-SeCo-Bericht von besonderem Wert für die EU-Kommission und deren drängende SIU-Ambitionen. Die AMI-SeCo plant zügig in die Folgearbeiten inklusive des Monitorings der Implementierung einzusteigen, um die Beseitigung der Barrieren voranzutreiben. Damit leisten Marktteilnehmer in Kooperation mit dem Eurosystem einen wesentlichen Beitrag zur weiteren Vereinheitlichung des europäischen Nachhandelssektors.
  • Im Zuge des globalen Trends zu verkürzten Abwicklungszyklen im börsengehandelten Wertpapierbereich hat sich auch Europa entschieden, ab Oktober 2027 auf T+1 umzusteigen. Diese Entscheidung wird dem Großteil des europäischen Finanzmarktes zugutekommen, insbesondere in Bezug auf die damit verbundene Risikoreduzierung und die gegebene Vernetzung mit internationalen Kapitalmärkten. Erfreulicherweise hat sich nach dieser Entscheidung ein umfassender Industrieworkstream in Form des sogenannten EU T+1 Industry Committees herausgebildet, der die notwendigen Anpassungen und Vorbereitungen ehrgeizig vorantreibt. Die Marktteilnehmer sehen vor allem Anpassungsbedarf im Pre-Settlement-Bereich, also im Zeitraum zwischen Handel und Abwicklung. Obwohl die zentrale europäische Drehscheibe für Wertpapiersettlement, TARGET2-Securities (T2S), bereits heute gleichtägige Transaktionen abwickeln kann, sind auch hier Anpassungen erforderlich, um auch künftig die Wertpapierprozesse effizient und reibungslos auszugestalten. Die notwendigen Änderungen in T2S wurden frühzeitig identifiziert und werden aktuell im Rahmen des regulären T2S Change Managements adressiert.

Bericht der Advisory Group on Market Infrastructures for Securities and Collateral "AMI-SeCo "

(in englischer Sprache)

 

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