Die Zukunft der G20-Zusammenarbeit im Bereich grenzüberschreitender Zahlungen Ein Blick nach vorne
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Die Zukunft der G20-Zusammenarbeit im Bereich grenzüberschreitender Zahlungen Ein Blick nach vorne
Das Jahr 2027 rückt näher – und mit ihm der entscheidende Termin der G20 für das Erreichen der quantitativen Ziele der „Roadmap for Enhancing Cross border Payments“. Unter anderem sollen die Kosten für grenzüberschreitende Zahlungen auf unter 1 % des Transaktionswertes sinken, der Großteil der grenzüberschreitenden Zahlungen innerhalb einer Stunde abgewickelt werden sowie Zugang und Transparenz deutlich verbessert werden.
Nicht zuletzt aufgrund geopolitischer Verschiebungen seit der Zielsetzung im Jahr 2021 erscheint eine vollständige Zielerreichung bis Ende nächsten Jahres zunehmend unwahrscheinlich. Dennoch wurden bereits wichtige Fortschritte erzielt: So konnten ISO-20022-Nachrichten global harmonisiert, höhere Servicelevel bei RTGS-Systemen erreicht und die Verknüpfung von Echtzeitzahlungssystemen (Fast Payment Systems/FPS) angestoßen werden. Auch die Zentralbanken des Eurosystems haben maßgeblich zu diesen Verbesserungen beigetragen. Neben den verlängerten Öffnungszeiten der T2-Plattform sind insbesondere die Bestrebungen hervorzuheben, die Echtzeitzahlungsplattform TIPS(TARGETInstant Payments Settlement) für grenzüberschreitende Zahlungen öffnen. Dänemark und Schweden sind bereits auf die Plattform migriert und Verknüpfungen mit der Schweiz und Indien befinden sich in Planung.
Trotz dieser Fortschritte werden die angestrebten Ziele voraussichtlich nicht vollständig erreicht. Die G20 steht daher vor der Entscheidung, wie die Roadmap nach dem ursprünglich gesetzten Enddatum 2027 angesichts der veränderten Rahmenbedingungen und des neuen politischen Umfeldes fortgeführt werden soll.
Das bedeutet jedoch kein Scheitern der Roadmap. Denn sie hat bereits zu schnelleren, kostengünstigeren und transparenteren grenzüberschreitenden Zahlungen beigetragen. Ein kompletter Neustart würde zudem wertvolle Erfahrungen zunichtemachen. Sinnvoll erscheint es daher, entweder an den bestehenden Zielen festzuhalten oder die Roadmap um neue, realistischere Zielsetzungen zu ergänzen. Dabei sollten zwei Schwerpunkte im Fokus stehen.
Zum einen gilt es zu prüfen, ob die derzeitige Governance-Struktur ausreichend effektiv ist, um die aktuellen Herausforderungen zu bewältigen. Die Zusammenarbeit zwischen privaten und öffentlichen Akteuren war bisher ein wesentlicher Erfolgsfaktor. Allerdings können die wirtschaftlichen Interessen privater Akteure einzelnen Zielen entgegenstehen. Beispielsweise kann eine Verknüpfung von Zahlungsverkehrsinfrastrukturen Monopolisierungstendenzen entgegenwirken und damit im Widerspruch zu den Bestrebungen einzelner Marktakteure stehen, eine möglichst dominante Stellung zu erlangen.
Deshalb ist weiterhin ein starkes Engagement des öffentlichen Sektors erforderlich. So war etwa die Community of Practice (CoP) bei der Verbesserung von RTGS-Servicelevels bereits erfolgreich. Künftig könnte ein ähnlich kollaborativer Ansatz für Echtzeitzahlungssysteme dazu beitragen, den Austausch zwischen Notenbanken mit Echtzeitzahlungssystemen zu intensivieren und langfristig die G20-Ziele zu erreichen.
Weiterhin sollte auch festgelegt werden, wie Innovationen im Zahlungsverkehr im Rahmen der Roadmap behandelt werden. Innovative Ansätze isoliert zu betrachten und damit eine künstliche Trennung zwischen „alter Welt“ und „neuer Welt“ zu schaffen, würde einer ganzheitlichen Perspektive auf den globalen Markt für grenzüberschreitende Zahlungen im Wege stehen. Stattdessen sollten neue technologische Lösungen in die bestehende Governance-Struktur integriert werden. Die CPMI-Arbeitsgruppe „Future of Payments“ setzt bereits auf einen integrativen Ansatz, um Innovation und bewährte Prozesse miteinander zu verzahnen. Diese Arbeiten sollten fortgeführt und stärker mit dem „klassischen“ Zahlungsverkehr verknüpft werden.
Für die Zukunft stehen die Zeichen gut, dass einige der bereits in der Umsetzung befindlichen Arbeitsstränge der Roadmap weitere substanzielle Verbesserungen bringen werden: Das Interlinking von Fast-Payment-Systemen befindet sich noch am Anfang, könnte aber einen Durchbruch bei Geschwindigkeit, Transparenz und Kosten bewirken – insbesondere im Bereich Retail-Transaktionen und potenziell auch bei Remittances. Das Eurosystem nimmt mit den TIPS-Aktivitäten eine Vorreiterrolle ein. Weiterhin könnten Konzepte wie „Wholesale-CBDC-Plattformen“ Großbetragszahlungen erheblich beschleunigen. Das Eurosystem arbeitet diesbezüglich an den Projekten Pontes und Appia. Nicht zuletzt wird auch die Innovationskraft der Privatwirtschaft weiterhin für Dynamik sorgen.
Herausforderungen bleiben bestehen, insbesondere aufgrund länderspezifischer Unterschiede bei Regulierung und Aufsicht. Auch deshalb ist die Arbeit an der Roadmap nicht abgeschlossen, sondern muss kontinuierlich fortgeführt und an neue Entwicklungen angepasst werden. Die Erfahrungen der vergangenen sechs Jahre bilden eine solide Grundlage, um grenzüberschreitende Zahlungen weiter zu optimieren und die angestrebten Ziele auch perspektivisch zu erreichen.