Kurzbericht: Konjunkturlage Monatsbericht – Januar 2026
Veröffentlicht am 22.1.2026
Kurzbericht: Konjunkturlage Monatsbericht – Januar 2026
Monatsbericht
1 Deutsche Wirtschaft zum Jahresende mit leichtem Plus
Die deutsche Wirtschaft zeigte zum Jahresende 2025 hin eine leichte Aufwärtstendenz. Gemäß erster und sehr früher Schätzung des Statistischen Bundesamtes stieg das reale BIP im vierten Quartal saisonbereinigt 1 um 0,2 % gegenüber dem Vorquartal. 2 Die Industrie dürfte sich wieder gefangen haben. Zwar nahmen die Exporte nach den bisher vorliegenden Angaben erneut ab, unter anderem, weil die Ausfuhren in die USA weiterhin schwach waren. Die Auslandsnachfrage blieb aber trotz angehobener US-Zölle und einer laut ifo Institut weiter verschlechterten Wettbewerbsposition Deutschlands in der Tendenz aufwärtsgerichtet. Zudem stieg die Inlandsnachfrage zuletzt kräftig. Dazu dürften insbesondere Aufträge für Militärausrüstungen beigetragen haben. Die noch niedrige Kapazitätsauslastung belastet allerdings weiterhin die Unternehmensinvestitionen. Die Bauproduktion profitiert dagegen vor allem von Modernisierungen der öffentlichen Infrastruktur und einem Zuwachs im Ausbaugewerbe. Positive Impulse dürften zudem vom privaten Konsum und den damit verbundenen Dienstleistungsbereichen ausgegangen sein. Die kräftig gestiegenen Löhne schufen Spielraum für zusätzliche Konsumausgaben. Das spiegelte sich in gestiegenen, realen Einzelhandelsumsätzen und Kraftfahrzeugzulassungen wider. Die zuletzt wieder etwas pessimistischeren Erwartungen der Unternehmen sprechen gleichwohl dafür, dass die Wirtschaftsleistung im ersten Quartal des laufenden Jahres nur verhalten zulegen dürfte. Die Lockerung der Fiskalpolitik dürfte im weiteren Jahresverlauf aber für stärkeren Auftrieb sorgen. 3
2 Industrieproduktion deutlich gestiegen
Die Industrieproduktion stieg im vierten Quartal wohl deutlich. Im November 2025, bis dahin liegen Werte vor, erhöhte sie sich saisonbereinigt erneut erheblich im Vergleich zum Vormonat. Im Durchschnitt von Oktober und November lag sie deutlich über dem Niveau des Vorquartals. Hauptverantwortlich für die starke Produktionsentwicklung waren die Hersteller von Investitionsgütern. Hier erhöhte sich die Produktion im Vorquartalsvergleich über alle Branchen hinweg. Allerdings sank die Zahl produzierter Personenkraftwagen gemäß Angaben des VDA im Dezember saisonbereinigt und dadurch auch im Quartalsmittel. Die preisbereinigten Industrieumsätze entwickelten sich erheblich verhaltener als die Industrieproduktion. Trotz eines kräftigen Anstiegs im November lagen sie im Durchschnitt von Oktober und November nur leicht über dem Niveau des Vorquartals. Darin dürfte sich auch der zeitliche Nachlauf der Umsätze zur Produktion widerspiegeln.
Die Nachfrage nach Industrieerzeugnissen wurde zuletzt maßgeblich durch Großaufträge aus dem Inland angetrieben. Der Auftragseingang in der deutschen Industrie stieg im November aufgrund vermehrter Großaufträge gegenüber dem Vormonat saisonbereinigt kräftig. Auch im Durchschnitt von Oktober und November lag der Auftragseingang deutlich über dem Niveau des Vorquartals. Hierzu dürfte das Bestreben der Bundesregierung beigetragen haben, die Verteidigungsausgaben zu erhöhen. Denn der Auftragseingang aus dem Inland erhöhte sich besonders stark. Das starke Wachstum ging außerdem zu einem großen Teil auf Aufträge im Bereich der Metallerzeugung sowie des sonstigen Fahrzeugbaus zurück, der auch militärische Fahrzeuge umfasst. 4 Auch ohne Berücksichtigung von Großaufträgen zeigte sich insgesamt ein Auftragsplus. Es fiel allerdings für die Aufträge aus dem Inland deutlich schwächer aus als mit Großaufträgen. Indes blieb die Aufwärtstendenz der Auslandsnachfrage trotz des Dämpfers im dritten Quartal bestehen. Zwar gingen die Auftragseingänge aus dem Ausland im November im Vormonatsvergleich leicht zurück. Im Mittel von Oktober und November erhöhten sie sich gegenüber dem Vorquartal jedoch deutlich.
3 Baugewerbe lieferte positiven Wachstumsimpuls
Die Bauproduktion dürfte im vierten Quartal gestiegen sein. Zwar ging sie im November saisonbereinigt im Vergleich zum Vormonat leicht zurück. Sie lag jedoch im Durchschnitt von Oktober und November – die Werte für Dezember liegen noch nicht vor – deutlich über dem Niveau des Vorquartals. Der Zuwachs war auf das Ausbaugewerbe und den Tiefbau zurückzuführen. Die Bautätigkeit dürfte dabei maßgeblich von Investitionen in die Infrastruktur und Modernisierungen gestützt worden sein. Im Hochbau hingegen ging die Produktion weiter zurück, was auf einen weiterhin schwachen Wohnungsbau hindeutet. Die heterogene Entwicklung im Bausektor setzte sich also fort. Gemäß Umfragen des ifo Instituts berichteten im vierten Quartal noch 46 % der Wohnungsbauunternehmen von Auftragsmangel. Im Tiefbau waren es dagegen nur 28 % der Unternehmen. Allerdings nahmen die Aufträge im Wohnungsbau im Oktober deutlich zu, während sie in den meisten anderen Bereichen spürbar zurückgingen. Unter dem Strich lag der Auftragseingang im Oktober deutlich unter dem hohen Wert des Septembers, der noch von umfangreichen öffentlichen Aufträgen geprägt war. Zudem verschlechterten sich die Geschäftserwartungen im vierten Quartal. Damit dürfte sich eine weitreichende Erholung im Bau, wie sie in der Dezember-Prognose erwartet wurde, noch etwas verzögern.
4 Im Gesamtjahr 2025 erhöhte sich die Wirtschaftsleistung leicht
Die deutsche Wirtschaftsleistung wuchs im Gesamtjahr 2025 leicht, nachdem sie zwei Jahre in Folge geschrumpft war. Das reale BIP stieg den vorläufigen Berechnungen des Statistischen Bundesamtes zufolge gegenüber dem Vorjahr um 0,2 % (kalenderbereinigt um 0,3 %). 5 Die US-Zölle, die Euro-Aufwertung sowie der hohe Wettbewerbsdruck insbesondere aus China führten zu rückläufigen Exporten. Politische Unsicherheiten und eine schwache Kapazitätsauslastung in der Industrie belasteten zudem die Investitionstätigkeit. Die Wohnungsbauinvestitionen blieben rückläufig. Positiv trug dagegen der Konsum zum BIP-Anstieg bei. Der private Konsum wurde dabei von den weiter kräftig steigenden Löhnen gestützt.
Im Verarbeitenden Gewerbe sank die Bruttowertschöpfung weniger stark als im Vorjahr – im Einklang mit nicht mehr so kräftig zurückgehenden Exporten und Ausrüstungsinvestitionen. Der Bausektor konnte bisher keinen Erholungskurs einschlagen. Die Nachfrage legte zwar zu, dies reichte jedoch noch nicht aus, um die Produktion spürbar anzukurbeln. Deutliche Wachstumsimpulse kamen hingegen aus dem Dienstleistungssektor, dessen Wertschöpfung in den meisten Branchen deutlich über dem Vorjahresniveau lag.
5 Lage am Arbeitsmarkt unverändert
Der durch die schwache wirtschaftliche Entwicklung gedämpfte Arbeitsmarkt zeigte sich zum Jahresende 2025 praktisch unverändert. Anhaltende Beschäftigungsverluste in der Industrie werden weitgehend durch den Zuwachs in den Dienstleistungen kompensiert. Die gesamte Erwerbstätigkeit in Deutschland blieb im November saisonbereinigt auf dem Vormonatsniveau von 45,95 Millionen Personen. Ebenso stabil blieb die Gesamtzahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten, deren erste Hochrechnung sich aktuell auf den Monat Oktober bezieht. Die Arbeitsplätze im Verarbeitenden Gewerbe verringerten sich unverändert deutlich. Auch im Handel und der bereits seit drei Jahren erheblich schrumpfenden Arbeitnehmerüberlassung gingen die Beschäftigtenzahlen weiter spürbar zurück. Dem entgegen nahm die Beschäftigung in weiteren Dienstleistungsbereichen zu. Dies betrifft in erster Linie das Gesundheits- und Sozialwesen. In geringerem Ausmaß steigt die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung unter anderem aber auch in der Logistik, der öffentlichen Verwaltung sowie den sonstigen, oft personenbezogenen Dienstleistungen. Im Baugewerbe blieb die Zahl der Stellen stabil. Die Inanspruchnahme wirtschaftlich bedingter Kurzarbeit ist im Trend leicht rückläufig.
Die Vorlaufindikatoren der Beschäftigung lassen keine Verbesserung in den kommenden Monaten erwarten. Das ifo Beschäftigungsbarometer, welches die Personalplanungen der gewerblichen Wirtschaft für die nächsten drei Monate abbildet, sank im Dezember noch einmal und erreichte einen neuen Tiefstwert seit der Covid-Pandemie. In weiten Teilen der gewerblichen Wirtschaft wurden die Einstellungspläne zuletzt nochmal zurückgenommen. Auch das IAB-Arbeitsmarktbarometer Beschäftigung, welches auch die öffentlich finanzierten Branchen mit in den Blick nimmt, verringerte sich etwas. Allerdings befindet sich dieses noch knapp oberhalb der neutralen Schwelle, sodass gesamtwirtschaftlich weiterhin ein stabiles Beschäftigungsniveau zu erwarten ist. Die Zahl der bei der BA gemeldeten offenen Stellen stieg zwar den zweiten Monat in Folge an, nach einem über drei Jahre andauernden Rückgang zuvor. Allerdings soll der Anstieg laut BA auf den Meldungen nur einzelner Arbeitgeber beruhen, die von Großaufträgen profitieren. 6 In der Breite ist auch hier noch keine Verbesserung in Sicht.
Die Arbeitslosigkeit erhöhte sich im Dezember marginal. Die Zahl der registrierten Arbeitslosen stieg gegenüber dem November saisonbereinigt um 4 000 Personen auf 2,98 Millionen. Die Arbeitslosenquote betrug rundungsbedingt unverändert 6,3 %. Dieser geringfügige Anstieg kehrt sich zu einem leichten Rückgang um, wenn man die gesamte Unterbeschäftigung betrachtet. Dahinter steht eine geringere Zahl an Personen, die an Integrations- oder arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen teilnimmt und nur deshalb nicht als arbeitslos zählt. Die Aussichten, dass auch die registrierte Arbeitslosigkeit zurückgeht, haben sich zuletzt jedoch etwas verschlechtert. Das IAB-Barometer Arbeitslosigkeit sank wieder in den neutralen Bereich, der für die kommenden drei Monate ein weitgehend unverändertes Niveau der Arbeitslosigkeit anzeigt.
6 Energierohstoffpreise stiegen zuletzt leicht an
Die Energierohstoffpreise stiegen zuletzt leicht an. Nach einem Rückgang der Rohölnotierungen im Dezember infolge eines ausreichenden globalen Angebots zogen sie im Januar wieder leicht an. Maßgeblich dafür waren Angebotssorgen im Zusammenhang mit den Unruhen im Iran. Die militärische Intervention der USA in Venezuela wirkten sich hingegen kaum auf den Ölpreis aus. Ein Fass der Sorte Brent kostete zuletzt 68 US-$ und damit rund 19 % weniger als vor einem Jahr. Auch die europäischen Gaspreise stiegen im Januar infolge witterungsbedingt höherer Nachfrage wieder spürbar an. Zum Abschluss dieses Berichts lagen sie mit 36 € je Megawattstunde aber weiterhin um rund ein Drittel unter dem Vorjahresniveau.
7 Inflationsrate sank im Dezember deutlich auf 2,0 %
Die Preise auf den vorgelagerten Wirtschaftsstufen entwickelten sich zuletzt uneinheitlich. Bei den Einfuhren stiegen die saisonbereinigten Preise im November gegenüber dem Vormonat an, sowohl bei Energie als auch bei anderen Gütern. Demgegenüber gingen die gewerblichen Erzeugerpreise, für die bereits Angaben zum Dezember vorliegen, leicht zurück. Ausschlaggebend hierfür waren sinkende Energiepreise, während sich die Preise für andere Waren leicht erhöhten. Im Vergleich zum Vorjahr sanken die Einfuhrpreise um 1,9 % und die gewerblichen Erzeugerpreise um 2,5 %.
Die Inflationsrate ging im Dezember kräftig zurück. In der Vorjahresbetrachtung sank die Gesamtteuerungsrate gemäß dem Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) von 2,6 % im November auf 2,0 % im Dezember. 7 Auch die Kernrate (ohne Energie und Nahrungsmittel) verringerte sich erheblich (von 3,0 % auf 2,5 %). Dieser Rückgang ist unter anderem auf den Wegfall eines im Vorjahr preistreibenden Basiseffekts bei Industriegütern ohne Energie zurückzuführen. Im Vormonatsvergleich sank der HVPI im Dezember saisonbereinigt um 0,2 %, nachdem die Preise im Vormonat noch leicht gestiegen waren. Ausschlaggebend hierfür waren rückläufige Warenpreise, insbesondere bei Energie infolge niedrigerer Kraftstoffpreise. Auch die Preise für Industriegüter ohne Energie gaben deutlich nach. Nahrungsmittel verbilligten sich insgesamt leicht, wobei vor allem günstigere Molkereiprodukte eine Rolle spielten. Die Preise für Dienstleistungen stiegen hingegen moderat, wobei die Mieten im langfristigen Vergleich weiterhin überdurchschnittlich angehoben wurden.
In der Jahresbetrachtung setzte sich der Disinflationsprozess 2025 fort, verlor jedoch an Dynamik. Die Inflationsrate sank im Jahresdurchschnitt auf 2,3 %, nach 2,5 % im Jahr 2024 und 6,0 % im Jahr 2023. Bei Dienstleistungen schwächte sich die Teuerung, auch bedingt durch das kräftige Lohnwachstum, nur geringfügig ab und blieb weit überdurchschnittlich. Bei Nahrungsmitteln sowie bei Industriegütern ohne Energie ließ der Preisauftrieb eben-falls etwas nach und lag in der Nähe des jeweiligen langjährigen Durchschnitts unter Einbeziehung der vergangenen Hochinflationsphase. Die Energiepreise gingen erneut deutlich zu-rück, wenn auch weniger stark als im Vorjahr.
Zum Jahresanfang dürfte die Inflationsrate kaum weiter sinken und sich in der Nähe der 2 %-Marke bewegen. 8 Preiserhöhend wirken ab Januar 2026 die Verteuerung des Deutschlandtickets sowie der Anstieg des nationalen CO₂-Preises für Wärme und Verkehr. 9 Demgegenüber stehen sinkende Strompreise infolge geringerer Übertragungsnetzentgelte sowie die Abschaffung der Erdgasspeicherumlage. Die ebenfalls ab Januar geltende niedrigere Umsatzsteuer auf Speisen in der Gastronomie dürfte hingegen nur in geringem Maße an die Verbraucher weitergegeben werden.