Konzentration des Bankenmarkts ohne eindeutige Wirkung auf die Stärke der geldpolitischen Transmission 81. Ausgabe – Februar 2026

Sebastian Bredl

81. Ausgabe – Februar 2026

Konzentration des Bankenmarkts ohne eindeutige Wirkung auf die Stärke der geldpolitischen Transmission

— Sebastian Bredl

doi.org/10.71734/RB-81-de

Die Konzentration des Bankenmarkts beeinflusst potenziell die Kreditzinssätze. Eine neue Studie (Bredl, 2025), die im Rahmen des ChaMP-Forschungsnetzwerkes erstellt wurde, untersucht diesen Zusammenhang genauer. Dabei liegt der Fokus auf der Konzentration regionaler Bankenmärkte sowie auf dem Kreditgeschäft mit kleinen Unternehmen. Die Ergebnisse zeigen, dass die regionale Konzentration keine eindeutige Wirkung auf die Weitergabe geldpolitischer Impulse hat.

Die Skyline von Frankfurt am Main im Sonnenuntergang – Quelle:: David J. Engel – stock.adobe.com
Die Skyline von Frankfurt am Main im Sonnenuntergang
Quelle: David J. Engel – stock.adobe.com

Ein wichtiger Teil der geldpolitischen Transmission ist die Zinsweitergabe. Sie beschreibt, wie stark Banken ihre Kredit- und Einlagezinsen anpassen, wenn sich Geldpolitik oder Marktzinssätze ändern. Die Struktur des Bankenmarkts könnte diesen Zusammenhang beeinflussen. So könnte gemäß dem „Struktur-Verhaltens-Paradigma“ ein konzentrierterer Bankenmarkt mit einem geringeren Wettbewerb zwischen Banken einhergehen. Dies wiederum könnte die Zinsweitergabe im Bankensektor schwächen (vgl. Deutsche Bundesbank, 2026). Allerdings ist es auch denkbar, dass eine hohe Konzentration die Folge eines intensiven Wettbewerbs ist, in dem nur die effizientesten Banken bestehen.

Marktkonzentration auf regionaler Ebene relevanter als auf nationaler Ebene

In der Literatur findet sich keine starke Evidenz für einen Zusammenhang zwischen Marktkonzentration des Bankenmarkts und der Wettbewerbsintensität auf nationaler Ebene (vgl. Claessens und Laeven, 2004). Eine Ursache könnte sein, dass die Struktur des Bankenmarkts auf regionaler und nicht auf nationaler Ebene entscheidend für die Wettbewerbsintensität ist.

Tatsächlich finden Heckmann-Draisbach und Hardt (2024) Evidenz dafür, dass eine stärkere Konzentration des deutschen Bankenmarkts auf regionaler Ebene den Wettbewerb hemmt und eine schwächere Zinsweitergabe bedingt. Die von den Autorinnen verwendeten Daten geben Aufschluss darüber, welche Entwicklung Banken hinsichtlich ihrer Zinssätze für Kredite an private Haushalte, nichtfinanzielle Unternehmen (NFU) und den Staat sowie für Einlagen in zwei Szenarien erwarten. Die beiden Szenarien unterscheiden sich nur im Hinblick auf die Höhe des allgemeinen Zinsniveaus, sodass die Differenz der Kredit- und Einlagenzinssätze zwischen beiden Szenarien ein geeignetes Maß für die Zinsweitergabe darstellt. Zur Berechnung der regionalen Marktkonzentration wird das gesamte Geschäft einer Bank jener Region zugeordnet, in der sich ihr Hauptsitz befindet.

Krediteinzeldaten als Grundlage zur Berechnung der regionalen Marktkonzentration

Die Studie von Bredl (2025) basiert auf Krediteinzeldaten aus der Kreditdatenstatistik AnaCredit für den gesamten Euroraum. Diese Datenbasis bietet mehrere Vorteile. Zunächst ermöglicht sie die Berechnung von Marktkonzentrationsmaßen auf verschiedenen regionalen Ebenen, ohne ad hoc Annahmen zur regionalen Zuordnung des Geschäftes von Banken treffen zu müssen. Denn für jeden Kredit sind die kreditgebende Bank und das kreditnehmende Unternehmen bekannt. Da viele Banken in mehreren regionalen Märkten vertreten sind, kann untersucht werden, ob Zinssätze, die eine Bank für Kredite verlangt, ja nach regionaler Marktkonzentration unterschiedlich ausfallen. Weiterhin ermöglichen die Krediteinzeldaten, den Fokus auf ein bestimmtes Geschäftsfeld zu legen. In der Studie werden nur Kredite an kleine nichtfinanzielle Unternehmen betrachtet, da ein Effekt der regionalen Marktstruktur am ehesten für diese Unternehmen zu erwarten ist. Weiterhin enthalten die Daten eine Vielzahl an Informationen zu den vergebenen Krediten, die in der Analyse berücksichtigt werden können. Dadurch lässt sich ein etwaiger Effekt der Marktkonzentration besser isolieren. 

Marktkonzentration ohne eindeutigen Einfluss auf die Zinsweitergabe

Die Marktkonzentration wird anhand zweier Variablen gemessen. Die erste ist der regionale Herfindahl-Hirschman-Index (HHI). Dieser berechnet sich, indem die quadrierten Marktanteile über alle Banken in einer Region summiert werden. Als zweite Variable dient der bankspezifische Marktanteil in einer Region. Somit lässt sich untersuchen, ob eine höhere Marktkonzentration die Zinssetzung aller Banken in einer Region in gleicher Weise beeinflusst, oder ob der Effekt für Banken mit hohen und niedrigen Marktanteilen unterschiedlich ist.

Es zeigt sich, dass Banken mit höherem Marktanteil in einer Region tendenziell höhere Kreditzinsen verlangen. Die regionale Marktkonzentration spielt dagegen keine Rolle für die Kreditbepreisung. Dies suggeriert, dass hohe bankspezifische Marktanteile die Wettbewerbsintensität abschwächen, was wiederum die Durchsetzung höherer Kreditzinsen ermöglicht. Allerdings verschwindet dieser Effekt, wenn bankenspezifische Eigenschaften vollumfänglich in den Schätzungen berücksichtigt werden. Die Höhe der Kreditzinsen treiben somit anscheinend eher unbeobachtete Bankcharakteristika, die mit der Höhe regionaler Marktanteile korreliert sind. 

Weiterhin findet sich kein systematischer Zusammenhang zwischen dem Marktanteil einzelner Banken in einer Region und der Stärke der Zinsweitergabe im Zuge der geldpolitischen Straffung in den Jahren 2022 und 2023. Dieses Bild ergibt sich sowohl für die Weitergabe von Veränderungen eines kurzfristigen Marktzinssatzes (Dreimonats-EURIBOR) als auch von sogenannten geldpolitischen Überraschungen (siehe Abbildung 1). Diese geldpolitischen Überraschungen werden gemessen anhand der Veränderung von Marktzinsen in einem engen Zeitfenster rund um die Verkündung einer geldpolitischen Entscheidung gemäß der Datenbank von Altavilla et al. (2019). 

Abbildung 1: Relative Reaktionen der Kreditzinssätze auf eine geldpolitische Überraschung
Abbildung 1: Relative Reaktionen der Kreditzinssätze auf eine geldpolitische Überraschung
Abbildung 1: Relative Reaktionen der Kreditzinssätze auf eine geldpolitische Überraschung

Konzentration des Bankenmarkts ohne eindeutigen Effekt auf die geldpolitische Transmission

Die Ergebnisse der Studie legen nahe, dass die regionale Konzentration des Bankenmarkts keine bedeutende Rolle für die geldpolitische Transmission spielt. Allerdings zeigt die Studie von Heckmann-Draisbach und Hardt (2024), dass sich in der einschlägigen Literatur auch abweichende Evidenz findet. Insgesamt scheint weitere Forschung notwendig, um besser zu verstehen, was die Quelle dieser divergierenden Ergebnisse ist. So wäre es denkbar, dass die Konzentration nur bei bestimmten Kredit- oder Einlagenkategorien oder in bestimmten Ländern eine Rolle für die Zinsweitergabe spielt. Weiterhin könnten Unterschiede im Hinblick auf die Datengrundlage oder die verwendeten methodischen Ansätze eine Rolle spielen.

Literaturangaben

Altavilla, C., L. Brugnolini, R. S. Gürkaynak, R. Motto und G. Ragusa (2019). Measuring euro area monetary policy , Journal of Monetary Economics 108, S. 162 −⁠ 179.

Bredl, S. (2025). Regional loan market structure, bank lending rates and monetary transmission , Bundesbank Discussion Paper No 30/2025.

Claessens, S. und L. Laeven (2004). What Drives Bank Competition? Some International Evidence , Journal of Money, Credit and Banking 36(3,2) S. 563 −⁠ 583.

Deutsche Bundesbank (2026). Führt die gestiegene Konzentration des Bankenmarkts im Euroraum zu einer veränderten Zinsweitergabe?, Monatsbericht, Januar 2026.

Heckmann-Draisbach, J. und J. Hardt (2024). Hampered Monetary Policy Transmission – A Supply Side Story? , Journal of Money, Credit and Banking, forthcoming.

Haftungsausschluss

Die hier geäußerten Ansichten spiegeln nicht zwangsläufig die Meinung der Deutschen Bundesbank oder des Eurosystems wider.

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