1 Einleitung

Klimabericht

Der Klimawandel, der Verlust von Natur und Biodiversität sowie die Transformation zu einer treibhausgasneutralen Wirtschaft stellen weiterhin zentrale Herausforderungen für die Stabilität von Wirtschaft und Finanzsystemen dar. Bestehende Abhängigkeiten von fossilen Energieträgern wirken sich wirtschaftlich zunehmend negativ aus. Angesichts geopolitischer Spannungen und wirtschaftlicher Unsicherheiten büßten Klima- und Naturschutz in vielen Ländern und Institutionen zuletzt jedoch an Aufmerksamkeit und Priorisierung ein. Ungeachtet dessen steigt die Treibhausgaskonzentration in der Atmosphäre kontinuierlich an, wodurch eine Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad Celsius – das zentrale Ziel des Pariser Klimaabkommens – immer unwahrscheinlich wird (siehe Abbildung 2 1 ). Dies zeigt die Dringlichkeit, den Treibhausgasausstoß zu reduzieren, um nationale und internationale Klimaschutzziele noch erreichen zu können. Diese globalen Entwicklungen betreffen unmittelbar die Kerngeschäftsfelder der Bundesbank

Atmosphärische Treibhausgaskonzentration
Atmosphärische Treibhausgaskonzentration

Durch die Treibhausgaskonzentration ergeben sich einerseits so genannte akute und chronische physische Klimarisiken, wie Fluten, Dürren und dauerhafter Temperatur- und Meeresspiegelanstieg. Diese Risiken werden mit steigender Treibhausgaskonzentration weiterhin zunehmen. Andererseits können durch klimapolitische Maßnahmen zum Erreichen der Treibhausgasneutralität, technologische Neuerungen oder ein geändertes Konsumverhalten so genannte transitorische Klimarisiken oder auch Chancen entstehen. 2 So wurden zuletzt die Abhängigkeiten der deutschen und europäischen Wirtschaft von fossilen Energieträgern und die damit verbundenen wirtschaftlichen Unsicherheiten und Risiken deutlich. Das Ausmaß von transitorischen Risiken oder Chancen hängt von verschiedenen, teils politischen Faktoren ab, und ist daher oft nur schwer quantifizierbar. Wie Abbildung 3 zeigt, können physische und transitorische Klimarisiken wirtschaftliche Folgen haben. Auf Mikroebene können dies bspw. die Zerstörung von Anlagen und Vermögenswerten oder Produktivitätseinbußen von Unternehmen sein. 3 Zudem kann die Zahlungsfähigkeit oder der Sicherheitenwert von Kreditnehmern (Unternehmen oder Haushalten) beeinträchtigt werden. Auf Makroebene können öffentliche Einnahmen und fiskalische Spielräume 4 sowie die Preisstabilität und Transmission der Geldpolitik 5 beeinträchtigt werden, womit weitere wichtige Kerngeschäftsfelder der Bundesbank betroffen sind. Über diese wirtschaftlichen Transmissionskanäle wirken physische und transitorische Klimarisiken als Treiber bestehender finanzieller Risiken auf das Finanzsystem. Inwieweit die Stabilität des deutschen Finanzsystems durch Klimarisiken und die langfristige Tragfähigkeit fossiler Geschäftsmodelle gefährdet ist, beleuchtet der Fokusbeitrag

Wie der Klimawandel zu Finanzrisiken führt
Wie der Klimawandel zu Finanzrisiken führt

In diesem herausfordernden Umfeld bleibt die Bundesbank ihrer Verantwortung verpflichtet, die Auswirkungen des Klimawandels und des Natur- und Biodiversitätsverlustes auf das Wirtschafts- und Finanzsystem zu analysieren und ihnen in ihrer eigenen Bilanz mit entsprechenden Risikomanagementmaßnahmen zu begegnen. Auf Ebene des Eurosystems verständigten sich die Zentralbanken bereits 2021 auf einen gemeinsamen Rahmen, um die nachhaltige Ausrichtung der nicht-geldpolitischen Portfolios zu fördern und die eigene klimabezogene Transparenz zu erhöhen. 6 In den darauffolgenden Jahren wurden im Eurosystem weitere Maßnahmen beschlossen, um klimabezogene Risiken im Rahmen des Mandats stärker in die geldpolitischen Geschäfte einzubeziehen und bei der zukünftigen Ausgestaltung des geldpolitischen Handlungsrahmens zu berücksichtigen. 7 Im Rahmen der Strategieüberprüfung im Jahr 2025 verpflichtete sich der EZB-Rat, die Auswirkungen des Klimawandels und des Natur- und Biodiversitätsverlustes im Rahmen seines Mandats in der Geldpolitik sowie seiner allgemeinen Tätigkeit zu berücksichtigen. 8  

Mit dem vorliegenden fünften jährlichen Bericht als Teil der eurosystemweiten klimabezogenen Berichterstattung möchte die Bundesbank die Bedeutung von klimabezogenem Risikomanagement von Finanzanlagen sowie Transparenz und Offenlegung ein weiteres Mal unterstreichen. Gerade in Zeiten, in denen kurzfristige Risiken im Vordergrund stehen, ist es umso wichtiger, langfristige Entwicklungen nicht aus den Augen zu verlieren und die Weichen für eine nachhaltige Zukunft zu stellen: Nicht nur im Rahmen der Berücksichtigung des Klimaschutzgesetzes, sondern auch zur Sicherung der wirtschaftlichen und finanziellen Stabilität.

1.1 Bisherige Meilensteine und Highlights 2025

Die Bundesbank befasst sich bereits seit mehreren Jahren umfassend mit dem Klimawandel und seinen Auswirkungen auf ihr Mandat und ihre Geschäftsfelder, insbesondere mit klima- und zunehmend naturbezogenen Risiken. Zudem setzt sich die Bundesbank für ein nachhaltigeres Wirtschafts- und Finanzsystem ein. Abbildung 4 gibt einen Überblick über die wesentlichen Meilensteine der vergangenen Jahre. 

Meilensteine der Bundesbank im Bereich Nachhaltigkeit
Meilensteine der Bundesbank im Bereich Nachhaltigkeit

Ein wichtiger Aspekt der klimabezogenen Arbeiten der Bundesbank war auch im Jahr 2025 die Kooperation auf nationaler und internationaler Ebene mit verschiedensten Akteuren, um ein besseres Verständnis der wirtschaftlichen und finanziellen Risiken aus Klimawandel und Klimapolitik zu schaffen. Auf nationaler Ebene ist die Bundesbank seit April 2018 Beobachterin im Ständigen Ausschuss des Sustainable Finance Cluster (SFC), der als zentraler Ansprechpartner für Fragen rund um Sustainable Finance in Deutschland agiert. Sie trägt so zum laufenden Dialog mit wichtigen Akteuren der Finanzwelt zu Nachhaltigkeitsthemen und insbesondere zu den Auswirkungen des Klimawandels und des Natur- und Biodiversitätsverlustes auf das Finanzsystem bei. Beispielsweise organisierte die Bundesbank im Oktober 2025 gemeinsam mit dem SFC einen Austausch zum Thema „Nachhaltige Finanzanlagen“ für ihre Mandatsgeber in der Vermögensverwaltung aus dem öffentlichen Sektor. 9 Themen waren die aktuellen Entwicklungen im Bereich Sustainable Finance, dessen regulatorische Rahmenbedingungen und praktische Erfahrungen öffentlicher Investoren mit dem Thema Nachhaltigkeit. Außerdem hat die Bundesbank im Dezember 2025 die vierteljährliche Sitzung des ständigen Ausschusses des SFC ausgerichtet.

Global prägt die Bundesbank das Engagement des NGFS, dem Bundesbank-Vizepräsidentin Sabine Mauderer noch bis Juni 2026 vorsteht. Zudem tragen verschiedene Fachbereiche der Bundesbank aktiv zur Arbeit in mehreren NGFS-Arbeitsgruppen bei, etwa zum makroökonomischen Einfluss der Klimapolitik auf die Geldpolitik oder durch die Co-Leitung des Experten-Netzwerks zur Schließung von Datenlücken. Zu den wichtigsten Veröffentlichungen des NGFS im Jahr 2025 zählten die innovativen Kurzfrist-Klimaszenarien, die die unmittelbaren Auswirkungen des Klimawandels und der Klimapolitik auf Wirtschaft und Finanzsystem untersuchen, 10 sowie erstmals ein Input-Papier für die G20. 11 Darin werden ein praxisorientiertes Rahmenwerk zur Verankerung von Klimaanpassung in der Transitionsplanung sowie Leitlinien für die Entwicklung von Anpassungszielen und -Kennzahlen vorgestellt.

Gemeinsam mit dem BMF vertritt die Bundesbank zudem Deutschland in der G20 SFWG. Diese hat sich 2025 unter anderem damit befasst, wie Unternehmen Investitionen zur Anpassung an den Klimawandel in ihre Transitionspläne integrieren können und wie die Datenstandardisierung im globalen Handel mit CO2-Ausgleichszertifikaten verbessert werden kann. Ebenfalls zusammen mit dem BMF ist die Bundesbank Mitglied der 2025 neu eingerichteten SFWP der OECD. Die SFWP bringt Zentralbanken, Aufsichtsbehörden und Finanzministerien aus 39 Jurisdiktionen zusammen, um effiziente, offene und solide Finanzmärkte zu fördern, die auch Nachhaltigkeitsaspekte berücksichtigen. Zudem beteiligt sich die Bundesbank am Wissenstransfer (darunter im Eurosystem, im NGFS sowie im Rahmen der G7), etwa durch den Austausch von Erfahrungen bei der Modellierung klimabezogener Risiken sowie die Veröffentlichung eigener Analyseinstrumente, die sie so interessierten Nutzern zur Verfügung stellt. 12

Risiken aus Natur- und Biodiversitätsverlust rücken stärker in den Fokus. In der 2025 erfolgten geldpolitischen Strategieüberprüfung verpflichtete sich der EZB-Rat, die Auswirkungen des Klimawandels und des Natur- und Biodiversitätsverlustes auf die Geldpolitik und die Tätigkeit der Zentralbanken im Rahmen ihres Mandats in vollem Umfang zu berücksichtigen. 13 Eine Untersuchung der Bundesbank zeigt erstmals eine hohe Abhängigkeit der Banken in Deutschland von Ökosystemleistungen durch ihre Unternehmenskreditvergabe. 14 Ökosystemleistungen stellen Inputfaktoren für wirtschaftliche Aktivitäten bereit. Sind diese durch Natur- und Biodiversitätsverlust nicht mehr oder nur eingeschränkt verfügbar, kann das Angebot von Gütern und Dienstleistungen verschiedener Wirtschaftssektoren gefährdet sein. Diese Risiken können durch die Kreditvergabe an betroffene Unternehmen auf Banken übertragen werden. Darüber hinaus untersucht die Bundesbank in internen Analysen, inwieweit ihre eigenen Finanzanlagen naturbezogene Risiken aufweisen.

Klimarisiken bleiben auch weiterhin im Fokus der Finanz- und Bankenaufsicht. Dabei gewinnen physische Klimarisiken wie Extremwetterereignisse zunehmend an Bedeutung. 15 Die Bundesbank wirkt an der Umsetzung der bankaufsichtlichen Regulierung aus dem sogenannten Bankenpaket und der Adressierung von Nachhaltigkeitsrisiken mit. Dazu gehört die Unterstützung der European Banking Authority (EBA) bei der Erstellung von Leitlinien und technischen Standards im Bereich der ESG-Risiken, u. a. zum Risikomanagement, Szenarioanalysen, Stresstests und Offenlegung. Auch im Bereich der Finanzstabilität untersucht die Bundesbank fortlaufend mögliche Verwundbarkeiten des Finanzsystems aufgrund von Klimarisiken (siehe hierzu auch: Fokusbeitrag).

Gleichzeitig zeigt die Bundesbank in ihren Analysen, dass der Bankensektor grundsätzlich in der Lage ist, die Transformation zur Treibhausgasneutralität zu finanzieren. In einer umfassenden Analyse untersucht die Bundesbank den Investitions- und Finanzierungsbedarf, der für die Umstellung auf eine treibhausgasneutrale Wirtschaft in Deutschland bis 2045 erforderlich ist, sowie die Rolle des deutschen Bankensystems bei der Bereitstellung der notwendigen Mittel. 16 Die Ergebnisse zeigen, dass die Kapitalausstattung der Banken selbst unter konservativen Annahmen ausreicht, um die zusätzlichen Investitionen zu stemmen. Gleichzeitig wird jedoch deutlich, dass strukturelle Hemmnisse und fehlende Anreize die Investitionsbereitschaft für Dekarbonisierungsmaßnahmen in wichtigen Sektoren bislang bremsen. Darauf deuten auch die Ergebnisse von Bundesbank-Umfragen hin. Die Studie liefert damit wertvolle Impulse für die aktuelle Debatte und die Gestaltung effektiver Rahmenbedingungen für die Transformationsfinanzierung.

Federführend für das Europäische System der Zentralbanken (ESZB) hat die Bundesbank erneut die Beschaffung von Klima- und weiteren Nachhaltigkeitsdaten erfolgreich durchgeführt und Verträge mit zwei Datenanbietern abgeschlossen. Damit sichert sie weiterhin die gemeinsame Datengrundlage der nationalen Zentralbanken im ESZB in diesem Bereich. Sie bildet eine wichtige Voraussetzung für vergleichbare Klimakennzahlen im Portfoliomanagement und in der Berichterstattung (siehe Kapitel 5) sowie für die Umsetzung der vom EZB-Rat beschlossenen Anwendungsfälle mit Bezug zur Geldpolitik. 17

Zur Erschließung neuer Datenquellen im Bereich Sustainable Finance nutzt die Bundesbank innovative Technologien. Beispielsweise wird in Kooperation mit der Ludwig-Maximilians-Universität München im Projekt „Greenhouse Gas Insights and Sustainability Tracking(GIST) künstliche Intelligenz (GenAI) eingesetzt, um Nachhaltigkeitsinformationen aus unstrukturierten öffentlichen Quellen, wie Nachhaltigkeits- und Jahresberichten, zu extrahieren und für Zentralbank- und Statistikzwecke nutzbar zu machen. Ein wesentliches Ziel ist die Verbesserung der Transparenz und Konsistenz der von Unternehmen gemeldeten und teils durch kommerzielle Anbieter bereitgestellten Treibhausgasemissionsdaten und weiteren umweltbezogenen Metriken. Damit leistet die Bundesbank einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Datenbasis für Forschung und Analyse sowie allgemeiner zur Erschließung neuer Datenquellen und Methoden in der Statistik.

Fokusbeitrag

Verwundbarkeiten des Finanzsystems aus Klimarisiken im Blick behalten

Die Deutsche Bundesbank ist gemäß ihrem Mandat verpflichtet, zur Wahrung der Stabilität des deutschen Finanzsystems beizutragen, und widmet sich daher auch intensiv der Analyse von Klimarisiken. Diese Aufgabe erfüllt sie durch eigene, unabhängige Analysen sowie durch eine enge internationale Zusammenarbeit mit Institutionen wie dem Financial Stability Board (FSB) und dem NGFS, wie in Abbildung 5 dargestellt wird. Ziel ist es, die potenziellen Auswirkungen des Klimawandels und der Klimapolitik auf das Finanzsystem zu verstehen und systemische Verwundbarkeiten frühzeitig zu identifizieren. Dabei untersucht die Bundesbank, wie physische Risiken des Klimawandels und Transitionsrisiken – also Risiken, die sich aus dem Übergang zu einer treibhausgasneutralen Wirtschaft ergeben – über Kredit-, Markt-, Liquiditäts- und Versicherungsrisiken auf das Finanzsystem wirken. 1 Die Bundesbank hat dafür einen makroprudenziellen Analyserahmen entwickelt, der an den globalen Szenariorahmen des NGFS und die international abgestimmten Klimarisikoanalysen des FSB anknüpft und speziell auf das deutsche Finanzsystem zugeschnitten ist. In mehreren Finanzstabilitätsberichten und Einzelveröffentlichungen hat die Bundesbank bereits detailliert mögliche Folgen von Klimawandel und -politik auf das deutsche Finanzsystem untersucht und verschiedene Modelle zeigen, dass es gegenüber den bislang analysierten Transitionsrisiken insgesamt widerstandsfähig ist.

Nachhaltigkeitsbezogene Finanzstabilitätsanalyse in der Bundesbank
Nachhaltigkeitsbezogene Finanzstabilitätsanalyse in der Bundesbank

Deutschland ist ein hoch industrialisiertes Land, das im Vergleich zu anderen Regionen der Welt relativ wenigen Naturgefahren ausgesetzt ist. Daher liegt der bisherige Schwerpunkt der Analysen auf Transitionsrisiken, die sich aus Klimapolitik, technologischem Wandel und veränderten Präferenzen ergeben können. Diese Risiken können sich über die Realwirtschaft in die Bilanzen von Banken, Versicherern und anderen Finanzintermediären hinein auswirken, insbesondere durch Portfolio-Konzentrationen in emissionsintensiven Branchen. Gleichzeitig nehmen physische Risiken wie Extremwetterereignisse weiter zu. Die Bundesbank erkennt mögliche daraus resultierende Folgen an und analysiert, ob sich physische und Transitionsrisiken im Finanzsystem bündeln und verstärken können, etwa durch gleichgerichtete Reaktionen an den Finanzmärkten oder durch Konzentrationen in besonders gefährdeten Wirtschaftszweigen.

Die Bundesbank untersucht, wie sich verschiedene Klimapolitiken auf Wirtschaft sowie Banken, Fonds und Versicherer auswirken könnten. Dazu nutzt sie eigene Klimaszenarien sowie die Klimaszenarien des NGFS, die zeigen, wie sich Emissionen, CO-Preise und Temperaturen je nach politischem Kurs entwickeln könnten von weiter wie bisher bis hin zu ehrgeizigeren Klimazielen. Mit Hilfe von Wirtschaftsmodellen werden daraus die möglichen Folgen für Deutschland berechnet, zum Beispiel für das Wirtschaftswachstum, die Inflation, Zinsen und die Stabilität des Finanzsystems. Ein spezielles, sektorales Modell der Bundesbank schaut sich außerdem an, wie einzelne Branchen betroffen sind. 2 Besonders energieintensive Bereiche wie Teile der Industrie, der Verkehr und die fossile Energieerzeugung könnten im Verhältnis zu ihrer Wirtschaftsleistung besonders große Verluste erleiden. Dienstleistungsbranchen sind meist weniger stark betroffen.

Das deutsche Finanzsystem ist bisherigen Analysen zufolge gut gegen die Folgen des Klimawandels gewappnet, 3 vereinzelt könnten Banken und Versicherer jedoch stärker betroffen sein. Untersuchungen zeigen, dass bei einem schrittweisen Übergang zu mehr Klimaschutz – wie im Szenario „Net Zero 2050“ – die Auswirkungen auf Inflation und Wirtschaftswachstum in Deutschland eher moderat bleiben und das Finanzsystem die Belastungen verkraften kann. Finanzinstitute mit hohen Investitionen in kohlenstoffintensiven Branchen und sehr langfristigen Anlagen sollten ihre daraus resultierenden Risiken umfassend berücksichtigen. Die bei plötzlichen klimapolitischen Veränderungen, wie einem schnellen Anstieg des CO-Preises, steigenden Wertpapier- und (moderat) steigenden Kreditverluste sprechen für einen langsamen, geordneten grünen Wandel. Physische Klimarisiken gelten langfristigen Analysen folgend für Deutschland eher als moderat, könnten aber in Zukunft zunehmen. 4 Deshalb arbeitet die Bundesbank daran, diese Risiken noch genauer zu erfassen.

Die Bundesbank engagiert sich aktiv in der internationalen Zusammenarbeit zur Beurteilung von Klimarisiken. Sie unterstützt die Entwicklung und Anpassung von Klimaszenarien im Rahmen des NGFS. Ebenso hat die Bundesbank zur Analyse zunehmender physischer Risiken durch Extremwetterereignisse und deren Auswirkungen auf deutsche Finanzmarktakteure im Rahmen der G7 beigetragen. Ein weiteres Tätigkeitsfeld der Bundesbank stellen die Arbeiten an einem Monitoring-Toolkit des FSB dar, das Indikatoren zu Klimarisiken und Verwundbarkeiten erfasst. Es umfasst Proxies, die Klimarisiken und politische Rahmenbedingungen abbilden, Exposure-Metriken zur Messung der Exponierung des Finanzsystems gegenüber diesen Risikotreibern sowie Risikokennzahlen, die potenzielle Verluste quantifizieren. Die Arbeiten an diesem Toolkit sollen im Laufe des Jahres 2026 abgeschlossen und in das reguläre Risikomonitoring integriert werden.

Gleichzeitig zeigt sich, dass die Analyse von Klimarisiken weiterhin mit erheblichen Herausforderungen verbunden ist. Wichtige Datenlücken bestehen insbesondere bei granularen Emissionsdaten und Informationen zur Transition auf Unternehmensebene sowie bei Georeferenzdaten zur präzisen Verortung von realen Vermögenswerten mit erhöhtem Risiko für physische Klimarisiken. Zudem fehlen konsistente, international vergleichbare Offenlegungen über Klimarisiken und -strategien. Eine breite Datenverfügbarkeit bzw. Offenlegung und Transparenz am Markt über Klimarisiken sind daher von großer Relevanz. Die Bundesbank adressiert diese Lücken durch Unternehmens- und Haushaltsumfragen, den Einsatz von KI-gestützten Verfahren zur Auswertung unstrukturierter Daten aus Unternehmensberichten, 5 eigene Datenbeschaffungsprojekte und die Beteiligung an internationalen Initiativen zur Harmonisierung von Offenlegungsstandards und Klimadaten.

Die bisherigen Ergebnisse zeigen, dass Klimarisiken über traditionelle finanzwirtschaftliche Kanäle auf das Finanzsystem wirken, aber neue Anforderungen an die Finanzstabilitätsanalyse stellen. Insbesondere die zeitliche Entwicklung, Unsicherheiten innerhalb des Modells und potenziell komplexe, nichtlineare Zusammenhänge erfordern eine fortlaufende Weiterentwicklung der Analysemethoden. Insgesamt erscheint das deutsche Finanzsystem gegenüber klimabezogenen Risiken widerstandsfähig, auch wenn langfristige Herausforderungen bestehen bleiben. Die Bundesbank wird ihre Analysen weiter vertiefen, um die Stabilität des Finanzsystems auch angesichts zunehmender Klimarisiken im Blick zu behalten.

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