Anhang

Klimabericht

I. THG- und Klimakennzahlen: Hintergrundinformationen und Methoden

„Carbon“ als Synonym für THG

In Anlehnung an weitgehend etablierte englischsprachige Bezeichnungen für THG-Kennzahlen wird in diesem Bericht „Carbon“ als Synonym für THG verwendet. Jedoch ist der „Carbon“-Begriff ungenau, da die THG-Kennzahlen nicht nur „Carbon Dioxide“ bzw. Kohlendioxid (CO2), sondern auch weitere THG im Sinne des Kyoto-Protokolls wie Methan (CH4) und Lachgas (N2O) abdecken.

THG

Anteil an weltweiten

Emissionen (nach CO2e) 1

Beispiele für wesentliche Quellen

Kohlendioxid (CO2)

72,3 %

  • Verbrennung fossiler Energieträger
  • Herstellung von Zement
Methan (CH4)

19,4 %

  • Landwirtschaft: Rinderzucht
  • Erdgas: Lecks bei Förderung, Transport
Lachgas (N2O)

5,6 %

  • Landwirtschaft: Einsatz von Düngemitteln
Sonstige

2,8 %

 

CO2e als Einheit für THG

Die verschiedenen THG werden anhand ihrer THG- bzw. Erwärmungswirkungen in CO2-Äquivalenten (CO2e) oder Tonnen CO2-Äquivalenten (tCO2e) gemessen.

Größenordnungen der THG-Emissionen weltweit und in Deutschland

Die jährlichen weltweiten THG-Emissionen betragen rund 51 Mrd tCO2e. 2 In Deutschland betragen sie jährlich rund 741 Mio tCO2e. Damit betragen die durchschnittlichen Pro-Kopf-Emissionen in Deutschland knapp 9 tCO2e.

II. THG- und Klimakennzahlen zu Euro-Portfolio und Anleihen von Förder- und Entwicklungsbanken

Quelle der THG-Daten

Für die Berechnung der THG-Kennzahlen der Anlagen der Bundesbank, die in Banken investiert sind, werden THG-Angaben verwendet, die den Offenlegungen (zum Beispiel Nachhaltigkeitsberichten) der Banken entstammen. Die Bundesbank bezieht entsprechende Daten über den Nachhaltigkeitsdatenanbieter ISS ESG. Bei den Berechnungen der THG-Kennzahlen verzichtet die Bundesbank auf von Datenanbietern modellierte oder geschätzte Daten zu THG-Emissionen. 3  

Vorlaufzeiten von THG-Daten und rückwirkende Aktualisierungen der THG-Kennzahlen vorheriger Portfolio-Stichtage

Grundsätzlich wird angestrebt, dass sich Portfoliobestände und THG-Daten auf dasselbe Jahr beziehen, soweit die Datenverfügbarkeit dies ermöglicht. Mit Blick auf die Stichtage 31.12.2024 und 31.12.2025 beruhen die THG-Kennzahlen allerdings gleichermaßen auf Daten zu den THG-Emissionen der Banken im Jahr 2024. Diese stellten zum Zeitpunkt der Berichterstellung die neuesten verfügbaren THG-Daten dar, die somit ebenfalls für den Portfolio-Stichtag 31.12.2024 herangezogen wurden. Für den nächstjährigen Klimabericht ist eine rückwirkende Anpassung dieser Berechnungen auf THG-Daten für 2025 vorgesehen. Nach diesem Prinzip werden im vorliegenden Klimabericht die Berechnungen zum Portfoliostichtag 31.12.2024 auf THG-Daten für 2024 umgestellt (2023 im vorherigen Klimabericht).

THG-Emissionen nach Scope 1, 2 und 3

Kategorie

Beinhaltet

Beispiele für Sektoren mit vergleichsweise hohen Emissionen 

Scope 1Direkte THG-Emissionen
  • Stromproduzenten
  • Produzenten von Zement, Stahl
  • Fluggesellschaften
Scope 2Indirekte THG-Emissionen aus der Erzeugung eingekaufter Energie (vor allem Strom)
  • Schwerindustrie
  • Chemiekonzerne
Scope 3VorgelagertIndirekte THG-Emissionen entlang der Wertschöpfungskette (außer Scope 2)
  • Einzelhandel
  • Lebensmittelkonzerne
Nachgelagert
  • Öl- und Gasproduzenten
  • Hersteller von Autos, Flugzeugen
  • Banken

 

Anhang II Formel-Diagramm
Anhang II Formel-Diagramm

III. THG- und Klimakennzahlen zu Anlagen in Staaten

Quellen und Messansätze von THG-Daten

Die in diesem Bericht verwendeten THG-Daten zu Sovereigns werden größtenteils über die Datenbank der UNFCCC (United Nations Framework Convention on Climate Change) bezogen. Die UNFCCC listet dort THG-Werte, die von Staaten erfasst und an die UNFCCC berichtet werden. Sofern in der UNFCCC-Datenbank keine THG-Daten der jüngeren Vergangenheit für einen Staat verfügbar sind, werden für diesen Bericht modellierte THG-Daten des World Resources Institutes (WRI) verwendet. Den Daten liegt der produktionsbasierte bzw. territoriale Messansatz zugrunde: Staaten werden THG-Emissionen zugerechnet, die innerhalb ihrer Grenzen bzw. in ihrer Jurisdiktion anfallen. 

Für Subsovereigns bzw. Gliedstaaten/Regionen werden ebenfalls die produktionsbasierten bzw. territorialen THG-Emissionen herangezogen. Als Datenquellen dienen die jeweiligen nationalen Behörden (z. B. Statistikämter).

Daneben werden in diesen Bericht vereinzelt auch THG-Daten auf Basis des konsumbasierten Messansatzes betrachtet. Bei diesem Ansatz werden Außenhandelsdaten herangezogen. Im Unterschied zum produktionsbasierten Ansatz werden Staaten THG-Emissionen durch exportierte Güter nicht zugerechnet und THG-Emissionen durch importierte Güter zusätzlich zugerechnet. Allerdings führen verschiedene konsumbasierte Methoden bislang zu mitunter größeren Diskrepanzen, so dass hierbei eine vergleichsweise hohe Datenunsicherheit besteht.

Vorlaufzeiten von THG-Daten und rückwirkende Aktualisierungen der THG-Kennzahlen vorheriger Portfolio-Stichtage

Grundsätzlich wird angestrebt, dass sich Portfoliobestände und THG-Daten auf dasselbe Jahr beziehen, soweit die Datenverfügbarkeit dies ermöglicht. Allerdings sind bei Staaten längere Vorlaufzeiten der THG-Daten als bei THG-Daten zu Unternehmen zu verzeichnen. Zum Zeitpunkt der Berichterstellung beziehen sich die aktuellsten verfügbaren THG-Daten auf das Jahr 2024. Für die THG-Kennzahlen zum Portfolio-Stichtag 31.12.2025 dienen die THG-Daten in den meisten Fällen daher nur als provisorische Grundlage. Um dennoch zeitliche Entwicklungen der THG-Bilanzen der Staaten aussagekräftig abbilden zu können, werden für die THG-Kennzahlen (WACI, Total Carbon Emissions, Carbon Footprint) längere Zeiträume als bei Anlagen betrachtet, die nicht in Staaten investiert sind.

LULUCF als THG-Sektor

Messungen von THG-Emissionen von Staaten unterscheiden sich häufig darin, ob der Sektor Landnutzung, Landnutzungsänderung und Forstwirtschaft (Land Use, Land-Use Change and Forestry; kurz LULUCF) angerechnet wird. Beispielsweise können LULUCF in von Waldflächen geprägten Regionen im Falle von Abholzungen eine gewichtige und mitunter die größte THG-Quelle darstellen. Im Falle von Wiederaufforstungen resultieren hingegen Negativemissionen in einer Verbesserung der THG-Bilanz. LULUCF verkörpern dann THG-Senken.

LULUCF stellen somit einen wichtigen Bestandteil vieler nationaler und internationaler Klimaziele dar. Zugleich wird in der Klimaforschung aber oftmals auf die eingeschränkte Datenqualität und -vergleichbarkeit angesichts der komplexen Erfassung von LULUCF-Faktoren hingewiesen. 

Die THG-Kennzahlen im vorliegenden Bericht werden sowohl mit als auch ohne Anrechnung von LULUCF ausgewiesen.

 

Anhang III Formel-Diagramm
Anhang III Formel-Diagramm

Methodische Vorbehalte bei Total Carbon Emissions und Carbon Footprint von Anlagen in Staaten

Für Anlagen in Staaten sind die Berechnungsweisen von Total Carbon Emissions und Carbon Footprint weniger etabliert als für Anlagen in Unternehmen. Methodische Herausforderungen bestehen insbesondere darin, adäquat abzubilden, welche Anteile der Staaten und somit von deren THG-Emissionen durch die Anlagen im Portfolio finanziert werden. 

Frühe klimabezogene Offenlegungen verwendeten oftmals die Staatsverschuldung als Bezugsgröße. In der Tat bilden (in einem Portfolio gehaltene) Staatsanleihen einen Teil der Staatsverschuldung ab. Allerdings werden Staaten und deren THG-Emissionen nicht allein durch die Staatsverschuldung finanziert. Die finanzierten Emissionen würden daher überschätzt.

Die PCAF empfiehlt, als Bezugsgröße stattdessen das BIP nach KKP heranzuziehen. Anders als die Staatsverschuldung steht das BIP nach KKP in ersichtlicher Relation zu den THG-Emissionen eines Staates. Nicht eindeutig ist allerdings die Beziehung zwischen (in einem Portfolio gehaltene) Staatsanleihen und dem BIP nach KKP.

Beide Ansätze sind daher mit erheblichen Nachteilen verbunden. Trotz der Vorbehalte werden in diesem Bericht die Total Carbon Emissions und Carbon Footprint nach beiden Ansätzen ausgewiesen, um zum Austausch über methodische Entwicklungen beizutragen und Differenzen in den Ergebnissen aufzuzeigen.

Fördermengen fossiler Energieträger: Methodik der Indikatoren

Die Fördermengen an Kohle, Erdöl und Erdgas werden nach Energiegehalt in Terajoule (TJ) 4 bemessen und analog zur WACI-Methodik ins Verhältnis zur Wirtschaftsgröße (BIP nach KKP) gesetzt. Für die Anlagen in Staaten werden auf dieser Basis gewichtete Durchschnitte zu den Intensitäten der Förderung von Kohle, Erdöl und Erdgas errechnet.

Tabelle 7: Ergänzende THG-Kennzahlen zu Anlagen in Staaten (Währungsreserven)

 Portfolio zum Stichtag:
31.12.201931.12.202131.12.202331.12.2025

Portfoliobestand

(nach Nominalwert)

24,4 Mrd €

25,1 Mrd €

25,6 Mrd €

25,4 Mrd €

Total Carbon Emissions

(in Mio tCO2e)

Mit BIP nach KKP als BezugsgrößeMit LULUCF

7,27
(100 %)

7,05
(100 %)

5,61
(100 %)

5,17*
(100 %)

Ohne LULUCF

8,31
(100 %)

8,08
(100 %)

6,35
(100 %)

5,83*
(100 %)

Carbon Footprint 

(in tCO2e/Mio € Investition)

Mit LULUCF

297,3
(100 %)

280,5
(100 %)

219,0
(100 %)

203,0*
(100 %)

Ohne LULUCF

340,0
(100 %)

321,3
(100 %)

247,7
(100 %)

229,0*
(100 %)

Total Carbon Emissions

(in Mio tCO2e)

Mit Staatsverschuldung als BezugsgrößeMit LULUCF

5,47
(100 %)

5,19
(100 %)

4,86
(100 %)

4,28*
(100 %)

Ohne LULUCF

6,26
(100 %)

5,92
(100 %)

5,45
(100 %)

4,79*
(100 %)

Carbon Footprint 

(in tCO2e/Mio € Investition)

Mit LULUCF

223,6
(100 %)

206,3
(100 %)

189,6
(100 %)

168,3*
(100 %)

Ohne LULUCF

255,9
(100 %)

235,3
(100 %)

212,5
(100 %)

188,1*
(100 %)

*) Vorläufige Kennzahlen auf Basis der neuesten verfügbaren THG-Daten (größtenteils für 2024).
Total Carbon Emissions und Carbon Footprint mit Abdeckung (nach Portfoliovolumen) kursiv und in Klammern.

Quellen: ISS ESG, eigene Daten und Berechnungen.

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