5 Kennzahlen

Klimabericht

In der heutigen Finanzwelt ist die Berücksichtigung von klima- und nachhaltigkeitsbezogenen Informationen zunehmend eine strategische Notwendigkeit und häufig eine aufsichtliche Anforderung (siehe Kapitel 1.1). Die Bundesbank legt ebenso wie alle weiteren Zentralbanken des Eurosystems entsprechende Kennzahlen offen, um zur Transparenz über Klimarisiken und -auswirkungen im Finanzsektor beizutragen. Die Berichterstattung ermöglicht der Bundesbank zudem, entsprechende Aspekte ihrer Finanzanlagen kontinuierlich zu analysieren. Auf dieser Basis kann sie Risiken frühzeitig erkennen und steuern.

Ein Überblick über die Portfolios, Anlageklassen und Kennzahlen, über die in diesem Kapitel berichtet wird, ist in Abbildung 9 dargestellt. Im Fokus der Berichterstattung stehen THG-Kennzahlen wie die Weighted Average Carbon Intensity (WACI), die Total Carbon Emissions und der Carbon Footprint. Seit 2023 basieren die Berechnungsmethoden auf einem gemeinsam vereinbarten Offenlegungsrahmenwerk der Eurosystem-Zentralbanken, welches jährlich weiterentwickelt und aktualisiert wird. Es orientiert sich an den Empfehlungen der Task Force on Climate-related Financial Disclosures (TCFD) und der Partnership for Carbon Accounting Financials (PCAF). Die Berechnungsmethoden sind im Anhang detailliert aufgeführt.

Überblick der im folgenden Kapitel abgedeckten Kennzahlen
Überblick der im folgenden Kapitel abgedeckten Kennzahlen

Gegenüber dem vorherigen Berichtsstichtag ist das Euro-Portfolio um Anleihen von Förder- und Entwicklungsbanken (sowie weiteren Institutionen mit öffentlichem Auftrag) erweitert worden. Bereits zuvor hat das Euro-Portfolio Covered Bonds umfasst, die im vorliegenden Bericht erstmals auf physische Klimarisiken untersucht werden. Eine weitere Neuerung stellen Kennzahlen zu den Forderungen der Bundesbank an den IWF dar. Diese decken die betriebsbedingten Emissionen des IWF ab.

5.1 Eigene nicht-geldpolitische Finanzanlagen

5.1.1 Anlagen in Finanzinstituten (Euro-Portfolio und Währungsreserven)

Zum Stichtag 31.12.2025 sind das Euro-Portfolio vollständig und die Währungsreserven zum Teil in Anleihen von Banken investiert. Das Euro-Portfolio enthält überwiegend Covered Bonds. Hierbei handelt es sich um von Banken emittierte Anleihen, welche hauptsächlich mit Immobilienhypotheken besichert sind. Im Berichtsjahr 2025 wurden Anleihen von Förder- und Entwicklungsbanken sowie von weiteren Institutionen mit öffentlichem Auftrag 1 als neue Anlageklasse in das Euro-Portfolio aufgenommen. Diese sind weiterhin auch Bestandteil der Währungsreserven. 

Die nachfolgenden Kennzahlen basieren auf THG-Daten zu Wertpapieremittenten. Maßgeblich für die Kennzahlenberechnung ist somit die Klima- und Nachhaltigkeitsbilanz der Finanzinstitute, welche die in den Portfolios der Bundesbank gehaltenen Wertpapiere begeben haben. Im Zuge der neuen European Sustainability Reporting Standards (ESRS) 2 haben europäische Geschäftsbanken, welche die Mehrheit der Covered-Bond-Emittenten des Euro-Portfolios stellen, ihre Offenlegungen zu Scope 3-Emissionen signifikant ausgeweitet. Die verbesserte Datenlage ermöglicht der Bundesbank nun die erstmalige Berichterstattung über entsprechende Kennzahlen zu ihrem Bestand an Covered Bonds. 3

5.1.1.1 THG-Kennzahlen

Die wesentlichen THG-Emissionen bei Anlagen in Banken sind die von den Banken finanzierten Emissionen, die zu den Scope 3-Emissionen zählen. Dies ist auch beim Covered-Bonds-Bestand im Euro-Portfolio der Fall. Zum 31.12.2025 beträgt hierbei die WACI nach Scope 3 3.297,6 und nach Scope 1 und 2 1,2 Tonnen CO2e pro Mio € Bruttoertrag (siehe Tabelle 1). Diese Ergebnisse beruhen vorläufig auf den neuesten verfügbaren THG-Daten für 2024. Diese wurden zudem verwendet, um die Scope 1- und 2-Kennzahlen zum Portfolio-Stichtag 31.12.2024 rückwirkend zu aktualisieren.

Tabelle 1: THG-Kennzahlen zum Bestand an Covered Bonds im Euro-Portfolio

 

Portfolio zum Stichtag:

 

31.12.2021

31.12.2022

31.12.2023

31.12.2024

31.12.2025

Portfoliobestand

(nach Nominalwert)

10,0 Mrd €

8,9 Mrd €

7,3 Mrd €

5,2 Mrd €

5,4 Mrd €

WACI

(in tCO2e/Mio € Bruttoertrag)

Scope 1 & 2

1,49
(86,4 %)

0,89
(92,3 %)

0,45
(94,1 %)

1,17
(83,8 %)

1,20
(80,6 %)

Scope 3

-

-

-

3.291,9
(91,2 %)

3.297,6
(86,7 %)

Total Carbon Emissions

(in tCO2e)

Scope 1 & 2

1.445
(80,0 %)

1.037
(87,0 %)

646
(80,2 %)

984
(78,3 %)

672
(80,6 %)

Scope 3

-

-

-

3.336.976
(91,2 %)

2.691.548
(86,7 %)

Carbon Footprint 

(in tCO2e/Mio € Investition)

Scope 1 & 2

0,18
(80,0 %)

0,13
(87,0 %)

0,11
(80,2 %)

0,24
(78,3 %)

0,16
(80,6 %)

Scope 3

-

-

-

741,9 
(91,2 %)

632,5
(86,7 %)

Abdeckung (nach Portfoliovolumen) kursiv und in Klammern.

Quellen: ISS ESG, eigene Daten und Berechnungen.

Abbildung 10 legt dar, dass es sich bei den Scope 3-Emissionen fast ausschließlich um von den Banken finanzierte Emissionen handelt. Diese hängen beispielsweise von den vergebenen Unternehmens- oder Immobilienkrediten der Banken und damit den Emissionen entsprechender Unternehmen und Immobilien ab. 4 Bei Banken fallen anderweitige nachgelagerte Scope 3-Emissionen ebenso wie Scope 1-, Scope 2- und vorgelagerte Scope 3-Emissionen in der Regel nur in vergleichsweise geringen Mengen an.

Covered Bonds (Euro-Portfolio): WACI nach Scope 3
Covered Bonds (Euro-Portfolio): WACI nach Scope 3

Der Anstieg der Scope 1- und 2-Kennzahlen zwischen 2023 und 2024 auf niedrigem Niveau steht ebenfalls im Zusammenhang mit ESRS-Anforderungen an die Nachhaltigkeitsberichterstattung. In der Konsequenz wechselten vereinzelte Banken den Ansatz zur Erfassung ihrer THG-Emissionen und berichten für die Jahre ab 2024 höhere Emissionswerte als für die vorherigen Jahre. Zwischen 2023 und 2024 bestehen somit teilweise Strukturbrüche in den verfügbaren THG-Daten.

Im Vergleich zu europäischen Geschäftsbanken legen insbesondere außereuropäische Förder- und Entwicklungsbanken nur vereinzelt ihre betrieblichen und finanzierten Emissionen offen. Somit lassen sich bislang weder für das Euro-Portfolio noch für die Währungsreserven THG-Kennzahlen berechnen, die einen größeren Teil der Anleihen von Förder- und Entwicklungsbanken abdecken. Für den vorliegenden Bericht wird daher davon abgesehen, entsprechende Kennzahlen für diese Bestände auszuweisen.

Zu den Währungsreserven gehören darüber hinaus Forderungen der Bundesbank an den IWF. Diese resultieren aus der Mitgliedschaft der Bundesrepublik Deutschland im IWF und der damit verbundenen Bereitstellung von Währungen, Sonderziehungsrechten und Gold auf Basis eines Bundesgesetzes. 5 Der IWF greift nach eigenem Ermessen auf die von allen Mitgliedern bereitgestellten Finanzmittel zu, wenn er Finanzhilfen an Mitgliedsländer im Rahmen wirtschaftspolitischer Anpassungsprogramme vergibt, und finanziert seine eigene Tätigkeit aus Gebühren- und Zinseinnahmen sowie Erträgen eigener Finanzanlagen. Die Höhe der Forderungen der Bundesbank an den IWF unterliegt daher nicht den Anlageentscheidungen der Bundesbank.

Wie einige der zuvor betrachteten Finanzinstitute legt der IWF seine Emissionen teilweise offen. Auf dieser Basis lässt sich die THG-Intensität des IWF berechnen und daraus den Forderungen an den IWF eine hypothetische WACI zurechnen (siehe Tabelle 2). Die Angaben umfassen die betriebsbedingten, jedoch keine finanzierten Scope 3-Emissionen des IWF. Letztere dürften maßgeblich von den Emissionen der Mitgliedsländer des IWF und somit von den internationalen Fortschritten bei der Dekarbonisierung abhängen.

Tabelle 2: WACI der Forderungen an den IWF auf Basis der betriebsbedingten Emissionen des IWF

 

31.12.2025

WACI

(in tCO2e/Mio € operative Erträge)

Scope 1 & 2

1,08

Scope 3 

(nur betriebsbedingt)

3,92

Berechnungen auf Basis der Angaben des IWF im IMF Annual Report 2025 zu seinen betriebsbedingten Emissionen im Kalenderjahr 2024 und seinen operativen Erträgen im Geschäftsjahr Mai 2024 bis April 2025.

Quellen: IWF, eigene Berechnungen.

5.1.1.2 Grüne und braune Anteile der Geschäftsaktivitäten

Die „grünen“ und „braunen“ Anteile eines Portfolios ergeben sich aus den Anteilen grüner und brauner Geschäftsaktivitäten am Umsatz der vom Portfolio finanzierten Unternehmen. Dem zugrunde liegt ein Klassifikationssystem des Datenanbieters ISS ESG, welches in Anlehnung an die UN Sustainable Development Goals (SDGs) Geschäftsaktivitäten als umweltschutzfördernd („grün“) oder umweltschädigend („braun“) einstuft. 6 Handelt es sich bei den Unternehmen um Banken, werden anstelle der Anteile am Umsatz die Anteile am Geschäftsvolumen (einschließlich Kreditvergabe und Investitionen) angerechnet. Basierend auf diesen Anteilen wird für das Portfolio analog zur WACI-Methodik ein gewichteter Durchschnitt errechnet. 7

Für den Bestand an Covered Bonds im Euro-Portfolio ergibt sich zum Portfoliostichtag Ende 2025 ein grüner Anteil von 1,4 Prozent (siehe Abbildung 11). Er entfällt überwiegend auf Finanzierungen der Banken, die erneuerbaren Energien, Energieeffizienzmaßnahmen und als energieeffizient zertifizierten Immobilien dienen. Gegenüber dem Vorjahr ist der grüne Anteil um 0,4 Prozentpunkte zurückgegangen. Dies ist wesentlich darin begründet, dass in der Kennzahlenberechnung nun einige Covered Bonds einem anderen Emittenten zugeordnet werden. Hintergrund ist die Übernahme einer Bank mit einem besonders hohen grünen Anteil durch eine Bank mit einem geringeren grünen Anteil. Der braune Anteil ist mit 0,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr annähernd unverändert. Erfasst sind hierbei im Wesentlichen die Vergabe von Krediten für den Kauf von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren, die Beteiligung einer Bank an der Finanzierung eines Flughafens und Kredite vereinzelter nordeuropäischer Banken für die Schifffahrtsindustrie.

Anleihen von Finanzinstituten: Grüne und braune Anteile der Geschäftsaktivitäten
Anleihen von Finanzinstituten: Grüne und braune Anteile der Geschäftsaktivitäten

Die im Jahr 2025 begonnene Aufnahme von in Euro denominierten Anleihen von Förder- und Entwicklungsbanken ins Euro-Portfolio hat dessen Nachhaltigkeitsbilanz verbessert. Mit 22,0 Prozent befindet sich der grüne Anteil der Geschäftsaktivitäten entsprechender Banken auf einem hohen Niveau. Damit übersteigt er den bereits hohen grünen Anteil der in Fremdwährungen denominierten Anleihen von Förder- und Entwicklungsbanken in den Währungsreserven. Hier ist der grüne Anteil gegenüber dem Vorjahr etwas zurückgegangen. Dies ist überwiegend auf die Erweiterung der Währungsreserven um Anleihen von Förderbanken zurückzuführen, die einen geringeren ökologischen Fokus als die bereits im Portfolio gehaltenen Anleihen von Förder- und Entwicklungsbanken aufweisen.

In beiden Portfolios ergeben sich die grünen Anteile, die zum Klimaziel im Sinne der SDGs beitragen, unter anderem aus Finanzierungen von erneuerbaren Energien, Energieeffizienzmaßnahmen und Infrastruktur für öffentliche Verkehrsmittel durch die Förder- und Entwicklungsbanken. Grüne Anteile, die primär weiteren Umweltzielen zugeordnet werden, umfassen überwiegend die Finanzierung von Wasseraufbereitungsanlagen. Zudem tragen kleinere Anteile an den Finanzierungsaktivitäten zu natur- und biodiversitätsbezogenen Umweltzielen bei. Sie dienen etwa Projekten zum Schutz von Ökosystemen an Land und in Gewässern.

Bei den Währungsreserven ist der braune Anteil von 2,1 Prozent auf 0,6 Prozent gesunken. Hierzu beigetragen hat die Reduktion des Finanzierungsvolumens der Förder- und Entwicklungsbanken für den fossilen Energiesektor. Für die im Euro-Portfolio vertretenen Förder- und Entwicklungsbanken werden keine braunen Geschäftsaktivitäten im erfassbaren Umfang verzeichnet.

5.1.1.3 Physische Risiken bei Covered Bonds (Euro-Portfolio)

Durch ihre Covered-Bond-Anlagen entstehen für die Bundesbank Rückzahlungsansprüche – primär gegen die emittierenden Banken und in zweiter Linie gegen die Deckungsmasse (Cover Pools), mit denen Covered Bonds besichert sind. Die Cover Pools umfassen überwiegend Wohnimmobilienhypotheken. Deren Ausfallwahrscheinlichkeiten werden auch durch physische Klimarisiken an den Standorten der Immobilien beeinflusst. 

Zwar liegen für die folgende Auswertung keine Adressdaten der Immobilien vor, jedoch legen insbesondere europäische Covered-Bond-Emittenten auf freiwilliger Basis in Harmonised Transparency Templates (HTT) des European Covered Bond Councils die regionale Verteilung der Cover Pools nach Ländern und subnationalen Regionen offen. Diese ermöglichen eine näherungsweise geographische Auswertung der physischen Risiken der Cover Pools. Zum Stichtag 31.12.2025 sind entsprechende Angaben für rund 79 Prozent (nach Nominalvolumen) des Covered-Bonds-Bestands im Euro-Portfolio verfügbar.

Für die Auswertung werden die Angaben zur subnationalen regionalen Verteilung der Cover Pools mit Subsovereign-Daten von Moody’s zu physischen Klimarisiken verknüpft. Die Moody’s-Daten bilden für jede Region ab, welche Anteile der Bevölkerung an Standorten mit hohen physischen Risiken wohnen. Für die Auswertung wird näherungsweise angenommen, dass diese Wohnorte der Bevölkerung repräsentativ für die Adressen der Immobilienhypotheken in den Cover Pools sind. Die Auswertung bietet damit eine Indikation, ob sich die Cover Pools auf Regionen konzentrieren, in denen besonders viele Immobilien durch physische Risiken wie den Meeresspiegelanstieg, Fluten oder Flächenbrände gefährdet sind. 8

Zum Stand 31.12.2025 stammen die Covered Bonds im Euro-Portfolio aus den Jurisdiktionen Australien, 9 Belgien, Deutschland, Finnland, Frankreich, Niederlande, Norwegen und Schweden (siehe Abbildung 12). Den größten Anteil dieses Bestands stellen in Deutschland begebene Pfandbriefe, deren Cover Pools überwiegend aus Immobilienhypotheken in Deutschland bestehen. In der Gesamtbetrachtung konzentrieren sich die Cover Pools der gehaltenen Covered Bonds auf bevölkerungsreiche Regionen wie Nordrhein-Westfalen, Bayern, Île-de-France (Großraum Paris) und Großraum Helsinki.

Verteilung der Cover Pools auf potenziell vom Meeresspiegelanstieg (links) und durch Fluten (rechts) bedrohte Regionen
Verteilung der Cover Pools auf potenziell vom Meeresspiegelanstieg (links) und durch Fluten (rechts) bedrohte Regionen

Die Auswertung deutet darauf hin, dass besonders vom Meeresspiegelanstieg bedrohte Regionen im Vergleich zu den Regionen im Landesinneren nur einen eher geringen Anteil der Cover Pools stellen (siehe Abbildung 12, linke Seite). Dahingegen sind Flutrisiken in allen für die Cover Pools relevanten Regionen moderat bis stark verbreitet (siehe Abbildung 12, rechte Seite). Sie betreffen besonders hohe Bevölkerungsanteile in von Gewässern geprägten Regionen wie Flevoland (Niederlande), Bremen und Hamburg. Hohe Risiken für Wald- bzw. Flächenbrände indiziert Moody’s in französischen Überseegebieten 10 und südfranzösischen Regionen. Insgesamt treten diese Risiken in den für die Cover Pools relevanten Regionen deutlich seltener auf als beispielsweise in Regionen Südeuropas. Mit Blick auf Risiken durch Wirbelstürme wie Hurrikans weist Moody’s von den Cover-Pool-Regionen ausschließlich französische Überseegebiete als hochgefährdet aus, die einen geringen Teil des Cover Pools stellen.

5.1.1.4 Weitere Nachhaltigkeitsaspekte

Das Euro-Portfolio und die Währungsreserven enthalten im niedrigeren bis moderaten Umfang Green Bonds und vergleichbare Anleiheformen, wobei die nachhaltigen Anlagekonzepte für die entsprechenden Portfolios keine gezielten Ankäufe beinhalten. Die nachfolgenden Anteile an den Anlagevolumina werden als Intervalle wiedergegeben (Tabelle 3). Diese berücksichtigen, ob Green Bonds oder vergleichbare Anleiheformen, die von ihren Emittenten als solche deklariert wurden (Intervallende), auch durch Second Party Opinion als im Einklang mit ICMA-Standards verifiziert wurden (Intervallanfang). 11

Tabelle 3: Anteile von Green, Social, Sustainability und Sustainability-Linked Bonds an gehaltenen Anleihen von Finanzinstituten (nach Nominalwert)

 

Green

Social

Sustainability

Sustainability-Linked

Covered Bonds (Euro-Portfolio)

6,7 % −⁠ 7,0 %

0,0 %

0,0 %

0,0 %

Anleihen von Förder- & Entwicklungsbanken (Euro-Portfolio)

0,0 %

0,0 %

0,0 % −⁠ 5,0 %

0,0 %

Anleihen von Förder- & Entwicklungsbanken (Währungsreserven)

3,0 % −⁠ 3,3 %

0,0 % −⁠ 3,0 %

1,5 % −⁠ 22,8 %

0,0 %

Quellen: Centralised Securities Database des Eurosystems, eigene Daten und Berechnungen.

5.1.2 Anlagen in Staaten (Währungsreserven)

Die in den Währungsreserven umfassten Anlagen in Staaten richten sich nach den Staaten der von der Bundesbank gehaltenen Reservewährungen. Sie bestehen vor allem aus Anleihen von Zentralstaaten, größtenteils der USA. Zudem beinhalten sie Einlagen bei Zentralbanken entsprechender Staaten 12 und Anleihen von „Subsovereigns“ bzw. Gliedstaaten (Regionen eines Landes, zum Beispiel Bundesstaaten).

5.1.2.1 THG-Kennzahlen

THG-Daten für Staaten weisen besonders lange Vorlaufzeiten auf. Mit Blick auf die Anlagen in Staaten sind sie zum Zeitpunkt der Berichterstellung bis maximal 2024 verfügbar. Die vorläufigen THG-Kennzahlen für das Jahr 2025 beruhen daher auf THG-Daten der Vorjahre. Die THG-Kennzahlen werden sowohl ohne als auch mit Einbeziehung des Sektors Land Use, Land-Use Change and Forestry (LULUCF) berechnet. Zum 31.12.2025 ist die WACI bzw. THG-Intensität der Anlagen in Staaten stetig gesunken und liegt bei 212 Tonnen CO2e pro Mio € BIP nach Kaufkraftparität (KKP) (siehe Abbildung 13).

Staaten (Währungsreserven): WACI aufgeschlüsselt nach Sektoren
Staaten (Währungsreserven): WACI aufgeschlüsselt nach Sektoren

Grundlage der Berechnungen sind hierbei die Netto-Emissionen der Staaten unter Berücksichtigung von LULUCF. In den Staaten, deren Anleihen als Währungsreserven gehalten werden, binden bzw. verhindern LULUCF zumeist größere THG-Mengen als sie ausstoßen. Im Vergleich hierzu fällt die weltweite Bilanz umgekehrt aus. 

Weitere Gründe für die im Vergleich zur weltweiten THG-Intensität (auf Basis von Daten für 2023) geringere WACI der gehaltenen Anlagen sind die Emissionen der Energiewirtschaft, die überwiegend bei der Erzeugung von Strom und Wärme anfallen, und der Landwirtschaft. Relativ zur Wirtschaftsgröße der Staaten fallen diese geringer aus als im weltweiten Durchschnitt. Höher als im weltweiten Durchschnitt sind dahingegen die relativen Emissionen durch den Verkehrssektor.

Im Zeitverlauf ist seit 2015 – dem Jahr des Pariser Klimaabkommens – die WACI der gehaltenen Staatsanleihen fast kontinuierlich zurückgegangen. Die Rückgänge erfolgten insbesondere in der Energiewirtschaft und im Verkehr, obwohl diese weiterhin die höchsten Emissionen aller Sektoren erzeugen. Als Staaten, die zu den Unterzeichnern des Pariser Klimaabkommens gehören, haben sich Kanada, Japan, Australien, China und das Vereinigte Königreich Ziele gesetzt, in der langen Frist Treibhausgasneutralität zu erreichen. Der Austritt der USA aus dem Pariser Klimaabkommen trat im Januar 2026 in Kraft. Im Februar 2026 folgte die Ankündigung der USA, von der gesamten UN-Klimarahmenkonvention (United Nations Framework Convention on Climate Change, UNFCCC) zurückzutreten. In der Folge reichen die USA keine Angaben mehr zu ihren THG-Emissionen zur Veröffentlichung bei UNFCCC ein. Mit Blick auf Portfoliobestände an US-Staatsanleihen können für den Zeitraum ab 2023 daher nur geschätzte Emissionsdaten aus Drittquellen herangezogen werden. 

Dabei zeigt Abbildung 14 anhand der Aufschlüsselung der derzeitigen WACI nach Ländern, dass diese vor allem von US-Staatsanleihen abhängt, die mit einem Nominalwert von umgerechnet knapp 20 Mrd € den überwiegenden Teil der Anlagen in Staaten stellen (gesamter Nominalwert: 25,4 Mrd €). 

Staaten (Währungsreserven): WACI aufgeschlüsselt nach Ländern und Sektoren
Staaten (Währungsreserven): WACI aufgeschlüsselt nach Ländern und Sektoren

Bei der Interpretation der bisherigen WACI-Reduktion ist zu berücksichtigen, dass die WACI – wie auch andere THG-Kennzahlen – dem Risiko unterliegt, durch Inflation nach unten verzerrt zu werden. Beispielsweise würde ein inflationsbedingter Anstieg des BIP trotz gleichbleibender THG-Emissionen zu einer WACI-Reduktion führen. 13

Die bislang angewandte Berechnungsweise der WACI für Staaten verwendet als finanzielle Bezugsgröße das BIP nach KKP. Letztere spiegelt allerdings nur relative Kaufkraftänderungen zwischen Staaten wider. Die zusätzliche Berechnung der WACI mit dem realen BIP nach KKP berücksichtigt zudem den Preisanstieg in allen betrachteten Staaten. Als Basisjahr dient dabei das Jahr 2015. Wird das BIP für alle darauffolgenden Jahre nach diesem Ansatz inflationsbereinigt, so ergibt sich bis 2025 anstelle einer WACI-Reduktion um nominal 40,7 Prozent lediglich eine WACI-Reduktion um real 26,0 Prozent (siehe Abbildung 15). Ein erheblicher Teil der Reduktion ließe sich daher mit der Inflation erklären. Insbesondere ab 2022 ist infolge der stark gestiegenen Inflationsraten eine verstärkte Divergenz zu verzeichnen. 

Staaten (Währungsreserven): WACI-Reduktion seit 2015 nur zum Teil durch Emissionsrückgang begründet
Staaten (Währungsreserven): WACI-Reduktion seit 2015 nur zum Teil durch Emissionsrückgang begründet

Eine weitere Einordnung ermöglichen die Pro-Kopf-Emissionen: Wird anstelle des BIP die Bevölkerungszahl als Bezugsgröße verwendet, fällt die WACI-Reduktion mit 15,6 Prozent zwischen 2015 und 2025 noch einmal deutlich geringer aus. Dabei hat die Divergenz ab 2021 besonders zugenommen. Die im Vergleich zur WACI weitestgehend stabilen Pro-Kopf-Emissionen deuten darauf hin, dass die WACI-Reduktion der letzten Jahre primär auf nominales, aber auch auf reales Wirtschaftswachstum zurückzuführen ist. Dahingegen sind die tatsächlichen THG-Emissionen der Staaten seit 2021 nur geringfügig gesunken.

Für die THG-Kennzahlen können zusätzlich zu den bislang betrachteten THG-Daten nach produktionsbasiertem Messansatz auch die THG-Daten nach konsumbasiertem Ansatz herangezogen werden. Der Vergleich von Pro-Kopf-Emissionen auf Basis produktionsbasierter und konsumbasierter THG-Daten zeigt, dass Letztere erheblich höher ausfallen (Abbildung 16). Ursächlich ist, dass die in den Währungsreserven enthaltenen Staatsanleihen mit Ausnahme Chinas von Industrieländern begeben wurden, die THG-intensiv hergestellte Güter in größeren Mengen importieren als exportieren.

Staaten (Währungsreserven): Pro-Kopf-Emissionen in der konsumbasierten Betrachtung höher als in der produktionsbasierten
Staaten (Währungsreserven): Pro-Kopf-Emissionen in der konsumbasierten Betrachtung höher als in der produktionsbasierten

Weitere THG-Kennzahlen zu den Anlagen in Staaten sind in Tabelle 7 im Anhang ausgewiesen.

5.1.2.2 Fördermengen fossiler Energieträger

Die Betrachtung von Fördermengen fossiler Energieträger ermöglicht zusätzliche Aufschlüsse über die Klimabilanz von Anlagen in Staaten. So sind mit dem Export von fossilen Energieträgern durch diese Staaten indirekte Emissionen verbunden, die in den verfügbaren THG-Daten nicht berücksichtigt werden. Zudem sind mit potenziellen wirtschaftlichen Abhängigkeiten kohle-, erdöl- und erdgasproduzierender Länder und Regionen von entsprechenden Exporten finanzielle Risiken verbunden. Diese können sich aus mittelfristig sinkender Nachfrage, beispielsweise infolge der Abkehr von Kohleverstromung und Verbrennerfahrzeugen, aber auch aus Exporthindernissen infolge geopolitischer Konflikte ergeben.

Hinsichtlich der gehaltenen Staatsanleihen liegt die Fördermenge an Kohle relativ zur Wirtschaftsgröße zum 31.12.2025 deutlich unter dem globalen Durchschnitt (siehe Abbildung 17). Dahingegen übersteigen sowohl die Fördermenge an Erdöl als auch die Fördermenge an Erdgas relativ zur Wirtschaftsgröße das weltweite Niveau.

Staaten (Währungsreserven): Fördermengen fossiler Energieträger (relativ zur Wirtschaftsgröße)
Staaten (Währungsreserven): Fördermengen fossiler Energieträger (relativ zur Wirtschaftsgröße)

5.1.2.3 Naturbezogene Aspekte

Schäden an Naturflächen führen zu einem häufig unumkehrbaren Verlust an Biodiversität. Zugleich schwächen sie die Fähigkeit der Natur zur Kohlenstoffaufnahme, einer wichtigen Voraussetzung zur Erreichung vieler Klimaziele auf internationaler und nationaler Ebene (vgl. Kapitel 5.1.2.1 und LULUCF). Auch vor diesen Hintergründen ist der Schutz von Naturflächen an Land und im Meer ein zentrales Ziel des UN-Biodiversitätsabkommens von Kunming und Montreal, auf das sich die internationale Staatengemeinschaft im Jahr 2022 einigte. Das Abkommen hat unter anderem zum Ziel, bis 2030 mindestens 30 Prozent der weltweiten Land- und Meeresflächen unter Schutz zu stellen. Abbildung 18 zeigt, dass die meisten der für die Währungsreserven relevanten Staaten ebenso wie die Welt insgesamt noch deutliche Lücken zu dieser Zielmarke aufweisen.

Staaten (Währungsreserven): Geschützte Land- und Meeresflächen
Staaten (Währungsreserven): Geschützte Land- und Meeresflächen

5.1.2.4 Weitere Nachhaltigkeitsaspekte

Die Währungsreserven enthalten im niedrigeren bis moderaten Umfang Green Bonds und vergleichbare Anleiheformen, wobei die nachhaltigen Anlagekonzepte für die entsprechenden Portfolios keine gezielten Ankäufe beinhalten. Die nachfolgenden Anteile an den Anlagevolumina werden als Intervalle wiedergegeben (Tabelle 4). Diese berücksichtigen, ob Green Bonds oder vergleichbare Anleiheformen, die von ihren Emittenten als solche deklariert wurden (Intervallende), auch durch Second Party Opinion als im Einklang mit ICMA-Standards verifiziert wurden (Intervallanfang). 14

Tabelle 4: Anteile von Green, Social, Sustainability und Sustainability-Linked Bonds an gehaltenen Anleihen von Staaten (nach Nominalwert)

 

Green

Social

Sustainability

Sustainability-Linked

Anleihen von Staaten (Währungsreserven)

0,5 %-3,7 %

0,0 %

0,0 %

0,0 %

Quellen: Centralised Securities Database des Eurosystems, eigene Daten und Berechnungen.

5.1.3 Goldbestände

Für die nachfolgend ausgewiesenen THG-Kennzahlen wird ein hypothetischer Ansatz angewendet. 15 Hierbei wird eine Goldmenge angenommen, die dem aktuellen Goldbestand der Bundesbank entspricht und entsprechend dem weltweiten Mix der heutigen Goldproduktion gewonnen wurde. Dazu wurden Studienergebnisse und Finanzmarktberichte zur THG-Bilanz der Goldproduktion der Gegenwart oder der jüngeren Vergangenheit herangezogen. Um die unterschiedlichen Ergebnisse in der Literatur zur THG-Bilanz der Goldproduktion abzubilden, werden die nachfolgenden Kennzahlen in Intervallen ausgewiesen. 

Zum Stichtag 31.12.2025 betrugen die Goldbestände der Bundesbank 3.350 Tonnen. Für diese Goldmenge beliefe sich der absolute THG-Fußabdruck nach dem hypothetischen Ansatz auf 52,7 bis 90,7 Mio Tonnen CO2e. Relativ zum Marktwert der Goldbestände zum 31.12.2025 in Höhe von 395,2 Mrd € entspräche dies einem Carbon Footprint von 133 bis 230 Tonnen CO2e pro Mio € Investition. Verteilt auf die durchschnittliche Haltedauer der Goldbestände der Bundesbank von bisher rund 64 Jahren würde der Carbon Footprint jährlich etwa drei bis fünf Tonnen CO2e pro Mio € Investition betragen.

Gegenüber dem Vorjahr hat sich dieser „annualisierte“ Carbon Footprint der Goldbestände deutlich verkleinert. Dies ist geringfügig in der fortschreitenden Haltedauer begründet, vor allem aber durch den erheblichen Anstieg des Goldpreises begünstigt worden: Hierdurch schreibt der Carbon Footprint den Goldbeständen eine gemessen am Anlagewert höhere THG-Effizienz zu.

5.2 Geldpolitische Finanzanlagen

Im Hinblick auf die geldpolitischen Bestände des Eurosystems an Covered Bonds und Unternehmensanleihen berichtet die Bundesbank nachfolgend über THG-Kennzahlen, die zentral von der EZB für das Eurosystem berechnet wurden (Tabelle 5 und Tabelle 6). Sie werden ebenso in der klimabezogenen finanziellen Berichterstattung zu den geldpolitischen Beständen des Eurosystems veröffentlicht. 

Auf die nationalen Zentralbanken des Eurosystems werden die Einkünfte und Risiken aus diesen Beständen entsprechend ihren Anteilen am Kapitalschlüssel der EZB aufgeteilt. Daher hat sich das Eurosystem darauf verständigt, die Total Carbon Emissions des Eurosystems gemäß den Kapitalschlüsseln nach nationalen Zentralbanken aufzuschlüsseln. Relative THG-Kennzahlen wie die WACI und der Carbon Footprint werden unabhängig von der Portfoliogröße ausgewiesen und sind daher für alle Zentralbanken des Eurosystems identisch.

Tabelle 5: Covered Bonds in geldpolitischen CBPP3- und PEPP-Portfolios zum 31.12.2025

Eurosystem-Bestand

(nach Nominalwert, in Mrd €)

215,4

Kapitalschlüssel der Bundesbank

26,63 %

WACI 

(in tCO2e/Mio € Bruttoertrag)

Scope 1 & 2

1,3

Scope 3

2.567

Total Carbon Emissions des Bundesbank-Anteils

(in tCO2e)

Scope 1 & 2

15.496

Scope 3

28,0 Mio

Carbon Footprint

(in tCO2e/Mio € Investition)
Scope 1 & 2

0,32

Scope 3

575,6

Anmerkung: Die EZB weist in ihrem Klimabericht darauf hin, dass der Anstieg der THG-Kennzahlen im Vergleich zu den im Vorjahr berichteten Zahlen größtenteils auf einen einzelnen Ausreißer zurückzuführen ist, der voraussichtlich im nächstjährigen Klimabericht der EZB revidiert wird. 

Quellen: ISS ESG, Daten und Berechnungen der EZB

 

Tabelle 6: Unternehmensanleihen in geldpolitischen CSPP- und PEPP-Portfolios zum 31.12.2025

Eurosystem-Bestand

(nach Nominalwert, in Mrd €)

287,9

Kapitalschlüssel der Bundesbank

26,63 %

WACI

(in tCO2e/Mio € Bruttoertrag)

Scope 1 & 2

160,6

Scope 3

1.179

Total Carbon Emissions des Bundesbank-Anteils

(in tCO2e)

Scope 1 & 2

7,0 Mio

Scope 3

62,1 Mio

Carbon Footprint

(in tCO2e/Mio € Investition)

Scope 1 & 2

94,0

Scope 3

830,1

Quellen: ISS ESG, Daten und Berechnungen der EZB

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