Der Klimawandel und der Verlust von Natur und Biodiversität haben Auswirkungen auf wirtschaftliche Größen wie Wachstum, Preisstabilität und fiskalische Spielräume. Analysen der Bundesbank zeigen, dass diese Entwicklungen auch das Finanzsystem vor neue Herausforderungen stellen (siehe Fokusbeitrag). Die Bundesbank wird daher auch zukünftig klima- sowie natur- und biodiversitätsbezogene Aspekte in ihre Analysen integrieren. Weiterhin entwickelt sie ihre eigene Nachhaltigkeitsstrategie sowie daraus abgeleitete Ziele für die einzelnen Fachbereiche weiter und wird ihr Schulungs- und Informationsangebot im Bereich Klima- und Naturrisiken weiter ausbauen. In nationalen und internationalen Gremien wie dem SFC und dem NGFS setzt sich die Bundesbank weiterhin für ein nachhaltiges Wirtschafts- und Finanzsystem ein.
Die Zentralbanken des Eurosystems setzen sich gemeinschaftlich dafür ein, dass eigene, nicht-geldpolitische Finanzanlagen, die sie selbst verwalten, auf einen Pfad ausgerichtet sind, der die Ziele des Pariser Klimaabkommens sowie die im Europäischen Klimagesetz verankerten Klimaneutralitätsziele der EU unterstützt. Dies beinhaltet die Festlegung mindestens eines weit gefassten langfristigen Klimaziels, das sämtliche unter der Verwaltung einer Zentralbank stehenden nicht-geldpolitischen Finanzanlagen umfasst und mit den Vorgaben des Pariser Klimaabkommens sowie den Klimaneutralitätszielen der EU im Einklang steht.
Im Rahmen ihres gesetzlichen Mandats ist auch die Bundesbank bestrebt, klima- und nachhaltigkeitsbezogene Aspekte in ihren eigenen Anlageentscheidungen zu berücksichtigen, um damit zum Erreichen der Ziele des Pariser Klimaabkommens und der Klimaneutralitätsziele der EU sowie der Bundesrepublik Deutschland beizutragen. Dabei muss die Ausgestaltung im Einklang mit den eigentlichen Zwecken der Finanzanlagen der Bundesbank stehen, womit bestimmte Restriktionen verbunden sein können. So ergibt sich z. B. aus dem Charakter von Devisenportfolios als Teil der Währungsreserven unmittelbar, dass sie sich auf bestimmte Währungen sowie sichere und liquide Anlageformen konzentrieren. Für das Euro-Portfolio bestehen aufgrund seiner gegenwärtigen Zusammensetzung und Ausgestaltung nur begrenzte Ansatzpunkte, um die damit verbundenen Emissionen unmittelbar zu steuern oder zu reduzieren. Im Rahmen einer möglichen Neuausrichtung der Anlagestrategie 1 könnten jedoch Spielräume entstehen,die vorbehaltlich der vorrangigen Zielsetzung der Portfolios eine stärkere quantitative Berücksichtigung von Klima- und Nachhaltigkeitszielen ermöglichen.
Die Bundesbank erachtet Markttransparenz durch klima- und naturbezogene Offenlegung als essenziell für die Analyse und Steuerung entsprechender Risiken mit Blick auf das Finanzsystem als Ganzes, aber auch auf ihre eigene Bilanz. Im kurz- bis mittelfristigen Zeithorizont setzt sich die Bundesbank für eine verbesserte Verfügbarkeit und Qualität von Nachhaltigkeitsdaten ein, insbesondere mit Blick auf die Scope 3-Emissionsdaten von Finanzinstituten und naturbezogene Daten. Im Zuge ihrer federführenden Rollen bei verschiedenen Datenbeschaffungsprojekten zu Klima- und weiteren Nachhaltigkeitsdaten für das ESZB trägt sie entscheidend dazu bei, dass dessen Mitglieder über möglichst hochwertige, flächendeckende und granulare Nachhaltigkeitsdaten verfügen. Auch deshalb beobachtet die Bundesbank die Entwicklung der Datenlage genau. Im Zuge ihrer Gremienarbeit wirkt sie auf die Konsistenz von Offenlegungsanforderungen und die Fokussierung auf entscheidungsrelevante Daten hin.
Die Analysetätigkeiten sowie die Nachhaltigkeitskonzepte für das Euro-Portfolio und den Devisenanteil der Währungsreserven sollen vor diesem Hintergrund weiterentwickelt werden. Die jährliche klimabezogene Berichterstattung der Bundesbank erfüllt in diesem Zusammenhang eine wichtige Funktion, um Fortschritte zu beobachten und zu dokumentieren.