Nachfrage nach Euro-Banknoten und Euro-Münzen bei der Bundesbank: aktuelle Entwicklungen Monatsbericht – März 2026

Monatsbericht

Die Bundesbank berichtet regelmäßig über die Nachfrage nach Euro-Bargeld. Viele Jahre stieg die Bargeldhaltung, obwohl die Bargeldverwendung zum Bezahlen deutlich zurückging – ein sogenanntes Banknoten-Paradoxon. Seit 2022 hat sich die Euro-Bargeldnachfrage jedoch auffallend schwach entwickelt. Der von der Bundesbank ausgegebene Bargeldbestand ist im Unterschied dazu weiter angestiegen – wenn auch deutlich langsamer als zuvor. Dieser Aufsatz untersucht die Gründe für diese Entwicklungen und stellt neue Schätzungen zur Verwendung der in Deutschland emittierten Euro-Münzen vor.

Ende 2025 lag der Wert der vom Eurosystem ausgegebenen Banknoten (Banknotenumlauf) bei 1 619 Mrd €. Nach dem starken Anstieg während der Corona-Pandemie endete das Wachstum mit der Zinswende der EZB im Sommer 2022. Seither nimmt der Banknotenumlauf des Eurosystems ohne Bundesbank ab. Der Umlauf der Bundesbank betrug Ende 2025 990 Mrd € (61 % des Eurosystems), und er steigt seit Anfang 2023 wieder, aber weniger als vor der Coronakrise. 

Ende des vierten Quartals 2025 befand sich schätzungsweise 46 % des Wertes der von der Bundesbank ausgegebenen Banknoten im Ausland (459 Mrd €), davon etwa 273 Mrd € außerhalb des Euroraums. Im Inland wurden Banknoten im Wert von etwa 531 Mrd € gehalten, wovon schätzungsweise 496 Mrd € zur Wertaufbewahrung dienten. Bis 2014 wurde der Banknotenumlauf hauptsächlich von der Auslandsnachfrage getragen. Seitdem ist die Dynamik zunehmend auf die inländische Nachfrage zur Wertaufbewahrung infolge niedriger Zinsen zurückzuführen. Während der Corona-Pandemie stieg der Umlauf der von der Bundesbank ausgegebenen Euro-Banknoten stark an, da viele Personen Bargeld zur Wertaufbewahrung horteten und die Konsummöglichkeiten durch die Lockdowns eingeschränkt waren. Mit der Zinswende endete der Anstieg, da höhere Zinsen Bargeld weniger attraktiv machten. Infolgedessen reduzierten die Kreditinstitute ihre Kassenbestände in kurzer Zeit deutlich. Gleichzeitig begannen die Nichtbanken, ihre während der Niedrigzinsphase und der Pandemie aufgebauten Bestände abzubauen. Die erneute Zunahme der Bargeldhaltung zur Wertaufbewahrung in den Jahren 2024 und 2025 dürfte auf die Zinssenkungen der EZB ab Juni 2024 zurückzuführen sein. 

Der Umlauf von in Deutschland ausgegebenen Euro-Münzen stieg seit der Euro-Bargeldeinführung Anfang 2002 von 3,8 Mrd € (11,1 Milliarden Stück) auf 10,7 Mrd € (45,2 Milliarden Stück) im Dezember 2025. Während der Coronavirus-Pandemie sanken die Nettoemissionen deutscher Euro-Münzen infolge der rückläufigen Bargeldnutzung deutlich. Auch nach der Pandemie blieb die Nachfrage nach Münzgeld niedrig. Gleichwohl steigt der Münzumlauf weiter an. Rechnerisch besaß zuletzt jeder Einwohner in Deutschland 541 Münzen im Wert von 128 €, darunter 280 Kleinmünzen im Wert von 4 €. Diese Menge kann durch deren Verwendung als Zahlungsmittel nicht erklärt werden. Aktuelle Schätzungen zeigen, dass die Anteile der Transaktionskassenbestände am Münzumlauf, besonders bei Kleinmünzen, seit 2009 deutlich gesunken sind: 2025 lagen sie bei nur noch 12,4 % (1-Cent) und 14,9 % (2-Cent). Von den Kleinmünzen wird nur noch ein kleiner Teil zum Bezahlen genutzt, und sie eignen sich wegen ihres geringen Wertes nicht zur Wertaufbewahrung. Die Kosten für Herstellung, Verpackung und Transport sind im Verhältnis zu ihrem Nennwert hoch. Daher erscheint auch für Deutschland eine gesetzliche Rundungsregel sinnvoll, bei der Barzahlungen auf 5 Cent gerundet werden und die einige europäische Ländern bereits eingeführt haben.

1 Einleitung

Die öffentliche Diskussion über die Bargeldnachfrage konzentriert sich meist auf das Bezahlen beim Einkaufen. Der Barzahlungsanteil sinkt seit Jahren, was vor allem an der wachsenden Beliebtheit kontaktloser und mobiler Bezahlverfahren sowie am zunehmenden Onlinehandel liegt. Die Coronakrise hat diesen Trend beschleunigt. 1 Gleichzeitig ist der Wert der von der Bundesbank in Umlauf gebrachten Euro-Banknoten (Euro-Banknotenumlauf der Bundesbank) weiter stark gewachsen. Das Phänomen, dass die Bargeldnachfrage steigt, obwohl immer weniger bar bezahlt wird, bezeichnet man als „Banknoten-Paradoxon“. 2 Die Betrachtung der Nutzung von Bargeld für Zahlungen (Transaktionskassenbestand) bietet daher nur ein unvollständiges Bild der Bargeldnutzung. 

Für eine Reihe von Fragestellungen ist es zweckmäßiger, das gesamte von der Bundesbank in Verkehr gebrachte Bargeldvolumen zu betrachten, das heißt die Summe aus dem Transaktionskassenbestand und den für andere Zwecke – wie zum Beispiel die Wertaufbewahrung – gehaltenen Bargeldbeständen. Es bestimmt den Geldschöpfungsgewinn aus der Ausgabe von Banknoten (Seigniorage) und der Emission von Münzgeld. Zudem ist die Entwicklung des Bargeldumlaufs zentral für die Banknoten- und Münzbedarfsplanung. Die EZB und die nationalen Zentralbanken des Eurosystems sind gemeinsam für die Ausgabe der Euro-Banknoten verantwortlich. In Deutschland sorgt die Bundesbank dafür, dass Euro-Banknoten in ausreichender Menge und guter Qualität zur Verfügung stehen. Für die Ausprägung der deutschen Euro-Münzen ist laut Münzgesetz der Bund zuständig (sogenanntes Münzregal). Das Bundesministerium der Finanzen (BMF) entscheidet, welche Münzen in welchen Mengen hergestellt werden. Die Bundesbank ist im Auftrag des BMF als sogenannter „fiscal agent“ tätig: Sie kauft dem BMF die Münzen zum Nennwert ab und bringt diese in Verkehr. Die Differenz zwischen Nennwert und Prägekosten – der sogenannte Geldschöpfungsgewinn – fließt direkt an das BMF. Der Gesamtwert der jährlich in Umlauf gebrachten Münzen muss vom EZB-Rat genehmigt werden.

Im Rahmen der jährlichen Banknotenbedarfsplanung des Eurosystems prognostiziert die Bundesbank die Menge neu zu druckender Banknoten. Diese hängt von der erwarteten Zahl nicht mehr umlauffähiger Banknoten und der prognostizierten Nachfrage ab. Die Bundesbank berät bereits seit der DM-Zeit traditionell den Bund über den erwarteten Bedarf an Münzen für das kommende Jahr. Im Rahmen der Münzgeldbedarfsplanung prognostiziert sie jedes Jahr im Januar, Mai und September für das BMF für jede Stückelung die Veränderung des Münzumlaufs. 3 Je unsicherer die künftige Entwicklung des Banknoten- und Münzumlaufs ist, desto schwieriger sind die Prognosen – insbesondere bei Trendbrüchen wie der Coronakrise. 4

Vor diesem Hintergrund beschreibt dieser Aufsatz die aktuelle Entwicklung der Nachfrage nach Banknoten und Münzen bei der Bundesbank. Dazu wird die Bargeldnachfrage in ihre Komponenten – Transaktionskasse, Wertaufbewahrung und Auslandsumlauf – sowie nach kleinen, mittleren und großen Stückelungen unterteilt. So werden die unterschiedlichen Motive der Bargeldnachfrage berücksichtigt. Betrachtet werden die kumulierten Nettoemissionen (Bargeldumlauf), also die Summe der ausgegebenen abzüglich der eingezahlten Banknoten und Münzen, sowie die zugrunde liegenden Einzahlungen und Auszahlungen. 5 Während der Bargeldumlauf eine Bestandsgröße ist, handelt es sich bei den Auszahlungen und Einzahlungen sowie deren Differenz, den Nettoemissionen, um Stromgrößen. Diese Stromgrößen sind Teil des Banknoten- beziehungsweise des Münzkreislaufs.

Der Banknotenkreislauf beschreibt die Zahlungsströme von Banknoten zwischen der Bundesbank, den Kreditinstituten, den Verbrauchern und dem Handel. Die Bundesbank gibt Banknoten über ihre Filialen an die Kreditwirtschaft aus, die diese dann über Schalter oder Geldautomaten an ihre Kunden weitergibt. Verbraucher nutzen die Banknoten für Barzahlungen im Handel und anderswo. Anschließend werden die Banknoten vom Handel direkt oder über Geschäftsbanken bei der Bundesbank eingezahlt. Die eingezahlten Banknoten werden dort auf Echtheit und Umlauffähigkeit geprüft und anschließend wieder ausgegeben. Die Bargeldtransporte übernehmen meist Wertdienstleister. Der Banknotenkreislauf bezieht sich vor allem auf den aktiven Banknotenumlauf, also auf die Banknoten, die tatsächlich für Zahlungen am Verkaufsort verwendet werden. 6

2 Nachfrage nach Euro-Banknoten bei der Bundesbank

Die Entwicklung des Euro-Banknotenumlaufs bis 2021 ist bereits gut dokumentiert. 7 Die Entwicklung des Euro-Banknotenumlaufs wird hier bis Ende 2025 weiterverfolgt. Anfang 2002, kurz nach Einführung des Euro-Bargeldes, lag der Banknotenumlauf des Eurosystems noch bei 221 Mrd €. Seitdem ist er stark angewachsen und belief sich Ende 2025 auf 1 619 Mrd € (Schaubild 2.1). Die von der Bundesbank ausgegebenen Euro-Banknoten verzeichneten einen besonders kräftigen Anstieg: von 73 Mrd € zu Beginn des Jahres 2002 auf 990 Mrd € Ende 2025. Bemerkenswert dabei ist, dass der deutsche Banknotenumlauf – abgesehen von der Coronakrise – schneller wuchs als der des Eurosystems ohne Bundesbank. Anfangs lag das an der starken Nachfrage aus dem Ausland, seit 2014 spielte zunehmend die gestiegene Nachfrage von Nichtbanken infolge der niedrigen Zinsen eine Rolle. Die Corona-Pandemie sorgte für einen regelrechten Schub: Viele Menschen horteten Bargeld, während die Möglichkeiten zum Konsum eingeschränkt waren. Doch mit der Zinswende der EZB im Sommer 2022 war dieser Boom vorbei. 8 Die höheren Zinsen machten Bargeld weniger attraktiv. In der Folge verringerten die Kreditinstitute ihre Kassenbestände in kurzer Zeit erheblich. Gleichzeitig begannen auch die Nichtbanken, ihre während der Niedrigzinsphase und der Pandemie aufgebauten Bestände abzubauen. Seitdem zeigt sich ein interessantes Bild: Der Banknotenumlauf des Eurosystems ohne Bundesbank geht zurück, während der deutsche Banknotenumlauf nach einem kurzfristigen Einbruch wieder ansteigt – allerdings schwächer als vor der Coronakrise. Bemerkenswert ist, dass der Anstieg des Banknotenumlaufs der Bundesbank den Rückgang beim übrigen Eurosystem überkompensiert. Dadurch nimmt der gesamte Euro-Banknotenumlauf weiterhin zu, wenn auch nur leicht. Die Hauptursache hierfür ist die hohe Nachfrage nach deutschen Euro-Banknoten durch Nichtbanken, vor allem aus dem Inland. Zuletzt näherten sich die Wachstumsraten beider Banknotenumläufe aber wieder an; im Dezember 2025 lag die Rate im Eurosystem ohne Bundesbank mit rund – 0,4 % nur noch leicht im Minus. Der deutsche Banknotenumlauf folgt seit dem Trendbruch 2022 einem neuen, flacheren Trend. Ob dieser sich in den kommenden Jahren als stabil erweist, bleibt abzuwarten. Für die Banknotenbedarfsplanung führt dies zu erhöhter Unsicherheit.

Euro-Banknotenumlauf
Euro-Banknotenumlauf

Der Banknotenumlauf lässt sich aufteilen in Banknoten, die im Ausland umlaufen (außerhalb und innerhalb des Euroraums), und solche, die im Inland genutzt werden – sei es für alltägliche Zahlungen (Transaktionskasse) oder zur Wertaufbewahrung. Diese regionale Verteilung und die Verwendungszwecke der von der Bundesbank ausgegebenen Euro-Banknoten geben Aufschluss über die Ursachen, die hinter der Entwicklung des Banknotenumlaufs stehen. Die Schätzung des Auslandsumlaufs beruht auf zwei Komponenten: Zum einen werden die Lieferungen von Euro-Banknoten an das Ausland außerhalb des Euroraums durch internationale Sortengroßhändler (sogenannte Net Shipments) berücksichtigt, zum anderen die direkten Nettoexporte über den Reiseverkehr. 9 Um die inländische Wertaufbewahrung zu ermitteln, werden vom gesamten Banknotenumlauf der geschätzte Auslandsumlauf sowie der geschätzte Bestand an Banknoten für Transaktionen im Inland abgezogen. 10 Der Transaktionskassenbestand wird dabei aus einem Anfangswert zu Beginn des Jahres 2002 abgeleitet, der sich aus der Entwicklung der DM- und Euro-Banknoten während der Euro-Bargeldeinführung ergibt. Dieser Wert wird mit der Wachstumsrate der nominalen privaten Konsumausgaben fortgeschrieben. 11 In den aktuellen Schätzungen wird zudem berücksichtigt, dass der Anteil der Barzahlungen am Verkaufsort – wie bereits beschrieben – zurückgeht. Dadurch liegen die neuen Schätzwerte für den inländischen Transaktionskassenbestand unter den bisherigen.

Ende des vierten Quartals 2025 befand sich schätzungsweise 46 % des Wertes der von der Bundesbank ausgegebenen Euro-Banknoten im Ausland, davon knapp 30 % außerhalb des Euroraums und knapp 20 % im restlichen Euro-Währungsgebiet (siehe Tabelle 2.1). Der geschätzte Auslandsumlauf lag bei 459 Mrd €, davon 186 Mrd € in anderen Euro-Mitgliedstaaten und 273 Mrd € im übrigen Ausland. Der Anteil des Auslandsumlaufs ist im Laufe der Jahre deutlich gestiegen: von knapp einem Viertel Ende 2002 auf nahezu drei Viertel Anfang 2014. Seitdem ist er jedoch rückläufig und liegt seit Anfang 2024 unter dem Inlandsanteil (Schaubild 2.2). Gründe hierfür sind zum einen der starke Anstieg der inländischen Bestände zur Wertaufbewahrung bis zur Zinswende 2022; bis dahin sorgten die niedrigen Opportunitätskosten für eine hohe Nachfrage nach Bargeld zur Wertaufbewahrung. 12 Zum anderen spielt die schwache Entwicklung des Auslandsumlaufs seit Beginn der Coronakrise eine Rolle für seinen rückläufigen Anteil am gesamten Banknotenumlauf. Der geschätzte Bestand an Banknoten für alltägliche Transaktionen liegt seit Beginn der Coronavirus-Pandemie bei knapp 35 Mrd € und macht damit rund 4 % des gesamten Banknotenumlaufs aus.

Tabelle 2.1: Schätzwerte der Komponenten der von der Bundesbank emittierten Euro-Banknoten zum Ende des vierten Quartals 20251)
KomponentenMrd €Anteil am 
gesamten
Banknotenumlauf in %
Auslandsumlauf insgesamt (geschätzt)

459

46

davon innerhalb des Euroraums

186

19

davon außerhalb des Euroraums

273

28

Inlandsumlauf insgesamt (geschätzt)

531

54

davon Transaktionskassenbestand

35

4

davon Wertaufbewahrung

496

50

Banknotenumlauf (kumulierte Nettoemissionen)

990

100

Quellen: Bartzsch et al. (2011a und 2011b) und eigene Berechnungen. 1 Die Werte in der Tabelle sind gerundet. Die Summe der Unterpositionen entspricht daher nicht unbedingt der jeweiligen Hauptposition.
Regionale Verteilung der von der Bundesbank emittierten Euro-Banknoten
Regionale Verteilung der von der Bundesbank emittierten Euro-Banknoten

Ein Blick auf die jährlichen Veränderungen macht die Entwicklung des deutschen Banknotenumlaufs und seiner einzelnen Komponenten besonders anschaulich. Nach den außergewöhnlich hohen Nettoemissionen von über 60 Mrd € in den Jahren 2020 und 2021 waren die Nettoemissionen in den Jahren 2022 und 2023 mit 16 Mrd € beziehungsweise 21 Mrd € besonders niedrig. 13 Auch in den Jahren 2024 und 2025 blieben sie unter dem Niveau vor der Corona-Krise (Schaubild 2.3). Sowohl der Inlands- als auch der Auslandsumlauf trugen zu dieser Entwicklung bei. Die schwache Entwicklung des Inlandsumlaufs seit 2022 war anfangs vor allem auf die Bestände zur Wertaufbewahrung zurückzuführen (Schaubild 2.4). Im Jahr 2022 wuchsen diese Bestände schwächer, da die Banken nach der Zinswende ihre Kassenbestände um mehr als 30 Mrd € abbauten. Auch die Nichtbanken reduzierten ihre Bargeldbestände, weil die höheren Zinsen das Halten von Bargeld weniger attraktiv machten. Gleichzeitig begannen sie, die während der Corona-Pandemie angesammelten Bargeldreserven wieder abzubauen. In den Jahren 2024 und 2025 stiegen die Bestände zur Wertaufbewahrung wieder an. Dies dürfte vor allem an der erneuten Zinswende ab Juni 2024 liegen, als der Einlagesatz innerhalb eines Jahres in mehreren Schritten von 4,00 % auf 2,00 % gesenkt wurde. Wie das Schaubild zur sektoralen Nachfrage nach von der Bundesbank emittierten Euro-Banknoten weiter unten zeigt, entwickelten sich die beiden Komponenten des Auslandsumlaufs unterschiedlich: Die Nettoexporte über den Reiseverkehr erreichten 2022 und 2023 wieder das Vorkrisenniveau, nachdem sie zuvor pandemiebedingt stark zurückgegangen waren. Vermutlich handelte es sich dabei um Nachholeffekte, denn 2024 und 2025 gingen die reisebedingten Nettoexporte wieder zurück. Während diese Exporte stets positiv zum Auslandsumlauf beitrugen, waren die Net Shipments – also die Lieferungen von Banknoten ins Ausland außerhalb des Euroraums – seit 2020 durchweg negativ. 14 Im Jahr 2025 überwogen die negativen Net Shipments die positiven Nettoexporte über den Reiseverkehr, sodass der Auslandsumlauf insgesamt erstmals seit Einführung des Euro-Bargeldes zurückging. 

Regionale Komponenten der von der Bundesbank emittierten Euro-Banknoten
Regionale Komponenten der von der Bundesbank emittierten Euro-Banknoten
Inlandsumlauf der von der Bundesbank emittierten Euro-Banknoten
Inlandsumlauf der von der Bundesbank emittierten Euro-Banknoten

Die Nachfrage nach deutschen Euro-Banknoten lässt sich nicht nur nach Regionen und Verwendungszwecken, sondern auch nach Sektoren aufteilen (Schaubild 2.5). Dabei wird zwischen Banken und Nichtbanken unterschieden. Die Nachfrage der inländischen Kreditinstitute entspricht ihren Kassenbeständen. Die Nachfrage der inländischen Nichtbanken ergibt sich, indem man von der geschätzten Inlandsnachfrage die Kassenbestände der Banken abzieht. Die Net Shipments spiegeln die Nachfrage ausländischer Kreditinstitute wider, und die Auslandsnachfrage von Nichtbanken entspricht den Nettoexporten über den Reiseverkehr. Seit 2015, also etwa seit Beginn der Negativzinsphase, wird der deutsche Banknotenumlauf zum allergrößten Teil von der Nachfrage der Nichtbanken bestimmt – und zwar hauptsächlich im Inland. Die Kreditinstitute hingegen haben ihre Banknotenbestände seit 2021 deutlich verringert.

Sektorale Nachfrage nach von der Bundesbank emittierten Euro-Banknoten
Sektorale Nachfrage nach von der Bundesbank emittierten Euro-Banknoten

Weitere interessante Einblicke bietet ein Blick auf die Aus- und Einzahlungen von Banknoten bei der Bundesbank, aus denen sich deren Nettoemissionen ergeben. 15 Diese Aus- und Einzahlungen sind sogenannte Stromgrößen und spielen eine zentrale Rolle im Banknotenkreislauf in Deutschland. 16 Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, wie sich die seit 2022 schwachen Nettoemissionen auf den Banknotenkreislauf ausgewirkt haben. Dabei wird zwischen kleinen (5-Euro, 10-Euro und 20-Euro), mittleren (50-Euro) und großen (100-Euro, 200-Euro und 500-Euro) Banknotenstückelungen unterschieden. Kleine Banknotennominale werden vor allem für alltägliche Zahlungen genutzt, große Banknotenwerte dienen überwiegend der Wertaufbewahrung. 17 Die 50-Euro-Banknote wird für beide Zwecke nachgefragt. Wie bereits erwähnt sind die Nettoemissionen im Jahr 2022 deutlich auf nur noch 16 Mrd € gesunken und blieben auch in den Folgejahren unter dem Niveau vor der Coronakrise (Schaubild 2.6). Dieser starke Rückgang betraf ausschließlich die großen Banknoten. Während die Auszahlungen stabil blieben, stiegen die Einzahlungen großer Stückelungen im Jahr 2022 deutlich an. Ursachen hierfür waren die Zinswende der EZB und der beginnende Abbau der während der Coronakrise aufgebauten Bargeldreserven. 

Banknotentransaktionen mit der Bundesbank
Banknotentransaktionen mit der Bundesbank

Der Banknotenumlauf stieg in den Jahren 2022 bis 2025, während die jährlichen Aus- und Einzahlungen bei der Bundesbank zurückgingen. Besonders auffällig ist der Rückgang der Einzahlungen: Im Jahr 2024 wurden rund 28,3 Mrd € weniger eingezahlt als im Vorjahr. Dieser Rückgang konnte weder durch ein verstärktes privates Banknotenrecycling 18 – das um etwa 2,0 Mrd € zunahm – noch durch höhere Cashback-Umsätze 19 – die um rund 1,3 Mrd € stiegen – kompensiert werden. Das bedeutet: Der Banknotenumlauf der Bundesbank wächst weiter, obwohl der gesamte Banknotenkreislauf in Deutschland insgesamt kleiner wird. Dieses Phänomen spiegelt das eingangs erwähnte „Banknoten-Paradoxon“ wider. 

3 Nachfrage nach Euro-Münzen bei der Bundesbank

Seit der Einführung des Euro-Bargeldes ist der Umlauf von Euro-Münzen stetig gestiegen (Schaubild 2.7). 20 Im gesamten Euro-Währungsgebiet erhöhte sich der Münzumlauf von 12,3 Mrd € (38,1 Milliarden Stück) Ende Januar 2002 auf 35,4 Mrd € (154 Milliarden Stück) Ende Dezember 2025. Der deutsche Umlauf stieg im gleichen Zeitraum von 3,8 Mrd € (11,1 Milliarden Stück) auf 10,7 Mrd € (45,2 Milliarden Stück). Der Anteil deutscher Euro-Münzen am gesamten Euro-Münzumlauf ist damit deutlich kleiner als beim Euro-Banknotenumlauf (Schaubild 2.8).

Euro-Münzumlauf
Euro-Münzumlauf
Beitrag der Bundesbank zum wertmäßigen Bargeldumlauf des Eurosystems
Beitrag der Bundesbank zum wertmäßigen Bargeldumlauf des Eurosystems

Rechnerisch besitzt jeder Einwohner in Deutschland 541 Münzen im Wert von 128 €. Der Anteil der einzelnen Stückelungen am Umlauf unterscheidet sich je nach Betrachtung nach Stückzahl oder Wert: Mengenmäßig dominieren die 1-Cent- und 2-Cent-Münzen (Kleinmünzen), auf die inzwischen mehr als die Hälfte aller Münzen entfällt. Die 1-Euro- und 2-Euro-Münzen machen zusammen nur rund 11 % der Stückzahl aus. Das bedeutet: Jeder Einwohner besitzt rechnerisch 280 Kleinmünzen, aber nur 58 Münzen der Stückelungen 1 Euro oder 2 Euro. Beim Wert zeigt sich das umgekehrte Bild: Die 2-Euro-Münze macht mehr als die Hälfte des Gesamtwerts aus, gefolgt von der 1-Euro-Münze mit 18 %. Die drei kleinsten Stückelungen (1-Cent, 2-Cent, 5-Cent) kommen zusammen nur auf etwa 6 % des Wertes. Pro Kopf entfallen 93 € auf 1-Euro- und 2-Euro-Münzen, aber nur 4 € auf Kleinmünzen.

Wie bei den Banknoten gibt es auch beim Münzumlauf verschiedene Komponenten: die inländische Transaktionskasse für Zahlungen, die inländische Wertaufbewahrung (einschließlich verlorener, gesammelter oder zerstörter Münzen) und den Umlauf im Ausland. Nach Schätzungen von Altmann und Bartzsch (2014) mit der saisonalen Methode lag der Transaktionskassenbestand an Euro-Münzen in Deutschland 2011 bei 2,3 Mrd €, das waren rund 36 % des gesamten Münzumlaufs. 21 Der Bestand an Münzen zur Wertaufbewahrung (Hortung) und der Auslandsumlauf ergeben sich aus der Differenz zwischen dem Münzumlauf und dem geschätzten Transaktionskassenbestand (siehe den Exkurs Auslandsumlauf und Hortung von deutschen Euro-Münzen). Unter der plausiblen Annahme, dass die Transaktionskassenbestände seit 2011 unverändert geblieben sind, wurden die Schätzwerte dieser Komponenten für 2012 bis 2025 fortgeschrieben. 22 Die Differenz zwischen Münzumlauf und den als konstant angenommenen Transaktionskassenbeständen nimmt im Zeitverlauf deutlich zu besonders bei den kleinen Stückelungen und der 2-Euro-Münze. Zwischen Anfang 2012 und Ende 2025 erhöhte sich der Umlauf der 2-Euro-Münze bei als konstant angenommenem Transaktionskassenbestand um rund 84 %.

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Auslandsumlauf und Hortung von deutschen Euro-Münzen

Die nationalen Umläufe (kumulierte Nettoemissionen) von Münzen setzen sich aus Inlands- und Auslandsumlauf zusammen. Der Auslandsumlauf lässt sich weiter unterteilen in Münzen, die außerhalb und innerhalb des Euroraums zirkulieren. Er ergibt sich rechnerisch aus den kumulierten Nettoabflüssen: Sind mehr Münzen aus einem Euro-Mitgliedsland ins Ausland abgeflossen als zugeflossen, ist der Auslandsumlauf positiv; im umgekehrten Fall negativ, sodass die inländische Nachfrage teilweise durch ausländische Münzausgabestellen gedeckt wird. Der Inlandsumlauf umfasst Münzen für Transaktionszwecke sowie gehortete Münzen, also solche, die gespart, gesammelt oder verloren wurden. 1 Diese Komponenten der Münznachfrage sind nicht direkt beobachtbar und müssen geschätzt werden. Im Folgenden wird zusammengefasst, was über die Hortung und den Auslandsumlauf von in Deutschland emittierten Euro-Münzen („deutsche“ Euro-Münzen) bekannt ist. 2

Für eine grobe Abschätzung des Auslandsumlaufs insgesamt kann man die Entwicklung der Anteile des deutschen Münzumlaufs am gesamten Euro-Münzumlauf heranziehen. 3 Wenn sich die Inlandsnachfragen nach Bargeld innerhalb einer Währungsunion gleichmäßig entwickeln und netto Bargeld aus einem Mitgliedsland ins Ausland (innerhalb oder außerhalb des Euroraums) fließt, dann äußert sich dies mit der Zeit in einem steigenden Anteil dieses Landes am Bargeldumlauf in der Währungsunion. 4 Die Anteile der deutschen Münzumläufe an den jeweiligen gesamten Euro-Münzumläufen sind bei allen Stückelungen über die Zeit jedoch recht stabil geblieben (Schaubild 2.9). Unter der Annahme, dass sich die inländische Münznachfrage in Deutschland wie im Euroraum ohne Deutschland entwickelt, spricht dies dafür, dass – im Gegensatz zum Banknotenumlauf – netto keine Münzen aus Deutschland ins Ausland abfließen.

Anteile der deutschen Münzumläufe an den Münzumläufen des Eurosystems
Anteile der deutschen Münzumläufe an den Münzumläufen des Eurosystems

Für den Auslandsumlauf deutscher Euro-Münzen im übrigen Euroraum wird diese Vermutung durch eine Stichprobe der Bundesbank zur Münzmigration im Euroraum bestätigt. Jährlich analysiert die Bundesbank anhand von Münzstichproben aus Filialeinzahlungen die Herkunft der Münzen. 5 Pro Jahr werden jeweils rund 60 000 Münzen der Stückelungen 2-Euro, 1-Euro, 50-Cent und 20-Cent untersucht. Modellrechnungen zeigen, dass etwa gleich viele dieser Münzen aus Deutschland in andere Euro-Länder abfließen wie umgekehrt. 6 Diese Schätzungen sind jedoch mit Unsicherheiten behaftet.

Deutsche Euro-Münzen gelangen auf drei Wegen in Länder außerhalb des Euroraums. Erstens nehmen deutsche Touristen und Geschäftsreisende Münzen zu Transaktionszwecken in bestimmte Urlaubsgebiete (zum Beispiel Türkei) mit. Zweitens gelangen sie in Länder außerhalb der Eurozone, die ihre Währungen an den Euro gekoppelt haben. 7 Drittens bringen Touristen und Geschäftsreisende aus Nicht-Euro-Ländern Euro-Münzen von ihren Reisen im Euroraum in ihre Heimatländer. Beim ersten Kanal ist – wie bei der Münzmigration innerhalb des Euroraums – anzunehmen, dass Privat- und Geschäftsreisende etwa genauso viele Münzen in Länder außerhalb der EWU mitnehmen wie sie von dort zurückbringen. Es kommt daher nicht zu einem Nettoexport deutscher Euro-Münzen. Der zweite Kanal betrifft nur wenige kleine Länder und Gebiete wie Montenegro, Kosovo und Monaco; diese Bestände sind vernachlässigbar. Am wichtigsten ist der dritte Kanal: Touristen aus Nicht-Euro-Ländern nehmen Euro-Münzen von ihren Reisen mit nach Hause, wo diese – anders als Banknoten – meist nicht eingetauscht werden können und daher gehortet werden. Ein Großteil dieser Münzen kehrt nicht zurück und kann als dauerhaft gehortet gelten. 8 Solche Sickerverluste könnten bedeutsam sein, da Deutschland ein beliebtes Reiseziel ist. Laut Europäische Zentralbank (2017) sind die Euro-Münzbestände außerhalb des Euroraums jedoch insgesamt vernachlässigbar.

Insgesamt spielt der Auslandsumlauf deutscher Euro-Münzen vermutlich nur eine geringe Rolle. Die Differenz zwischen dem wertmäßigen deutschen Euro-Münzumlauf und dem inländischen Transaktionskassenbestand dürfte daher überwiegend aus inländischen Münzhorten bestehen. Diese Annahme wird durch Erfahrungen mit dem DM-Umlauf gestützt. Zum einen war der Auslandsanteil an DM-Münzen gering. 9 Zum anderen deuten die großen Mengen an DM-Münzen, die noch nicht zur Bundesbank zurückgekehrt sind, sowie der nur langsame Rückgang des DM-Umlaufs auf einen hohen Anteil dauerhaft gehorteter oder verlorener Münzen hin (siehe Tabelle 2.2). 10 Den größten Anteil an den noch umlaufenden DM-Münzen haben mit 56 % die Kleinmünzen (1-Pfennig- und 2-Pfennig-Münzen).

Tabelle 2.2: Verlustquoten bei DM-Münzen
Münzen zu DMUmlauf in Tausend Stück am 31. Dezember 2025Umlauf in Tausend Stück am 31. Dezember 1999Verlustquote in %
5

355 833

1 135 507

31,34

2

335 738

1 181 715

28,41

1

757 790

2 320 860

32,65

0,5

898 667

2 269 613

39,60

0,1

4 383 011

10 685 573

41,02

0,05

3 244 290

6 472 055

50,13

0,02

3 372 264

7 543 218

44,71

0,01

9 553 834

16 718 159

57,15

Summe

22 901 426

48 326 699

Quelle: Eigene Berechnungen, vgl.: Deutsche Bundesbank (2013b).

Diese Entwicklung wird noch deutlicher, wenn man die Transaktionskassenanteile betrachtet, die als Quotienten aus Transaktionskassenbestand und Münzumlauf (stückelungsweise) berechnet werden. Da der Münzumlauf weiter steigt, die Transaktionskassenbestände aber konstant bleiben, sinken die Transaktionskassenanteile kontinuierlich (Schaubilder 2.10, 2.11, 2.12 und 2.13.). 23 Beim gesamten wertmäßigen Münzumlauf sank dieser Anteil von 40,8 % im Jahr 2007 auf 21,7 % im Jahr 2025. Besonders niedrig sind die Anteile bei den Kleinmünzen: 12,4 % (1-Cent) und 14,9 % (2-Cent) im Jahr 2025. Das liegt daran, dass diese Münzen häufig beiseitegelegt oder verloren werden. 24 Die Transaktionskassenanteile der mittleren Stückelungen sind deutlich höher als beim Gesamtumlauf, am höchsten ist der Anteil bei den 50-Cent-Münzen mit zuletzt noch 33 %. Bei den großen Stückelungen liegt der Anteil der 1-Euro-Münzen unter dem der 50-Cent-Münzen, hat sich aber stark angenähert. Auffällig ist der relativ niedrige Transaktionskassenanteil der 2-Euro-Münzen, der zwar über denjenigen der kleinen Stückelungen liegt, aber deutlich unter denen der mittleren Stückelungen und der 1-Euro-Münzen. Dies ist eine Ausnahme von der Regel, dass die Transaktionskassenanteile mit der Stückelungsgröße steigen. Ursache dürfte sein, dass sich die 2-Euro-Münze wegen ihres hohen Wertes besonders gut zum Ansparen eignet. Zudem ist sie als Sammelobjekt gefragt, insbesondere in Form der 2-Euro-Gedenkmünzen, wie etwa der Bundesländer-Serie. 25

Anteil des inländischen Transaktionskassenbestandes am gesamten deutschen wertmäßigen Euro-Münzumlauf
Anteil des inländischen Transaktionskassenbestandes am gesamten deutschen wertmäßigen Euro-Münzumlauf
Anteil des inländischen Transaktionskassenbestandes am deutschen wertmäßigen Euro-Münzumlauf bei den kleinen Stückelungen
Anteil des inländischen Transaktionskassenbestandes am deutschen wertmäßigen Euro-Münzumlauf bei den kleinen Stückelungen
Anteil des inländischen Transaktionskassenbestandes am deutschen wertmäßigen Euro-Münzumlauf bei den mittleren Stückelungen
Anteil des inländischen Transaktionskassenbestandes am deutschen wertmäßigen Euro-Münzumlauf bei den mittleren Stückelungen
Anteil des inländischen Transaktionskassenbestandes am deutschen wertmäßigen Euro-Münzumlauf bei den großen Stückelungen
Anteil des inländischen Transaktionskassenbestandes am deutschen wertmäßigen Euro-Münzumlauf bei den großen Stückelungen

Der Verzicht auf Kleinmünzen könnte den Zahlungsverkehr effizienter und nachhaltiger machen. 1-Cent- und 2-Cent-Münzen sind wegen ihres geringen Wertes kaum zur Wertaufbewahrung geeignet und wenig beliebt. 26 Sie landen häufig im Sparschwein oder gehen verloren. Die Kosten für Herstellung, Verpackung und Transport sind im Verhältnis zum Nennwert hoch. Kleinmünzen werden vor allem zum Herausgeben passender Beträge benutzt. Das Nationale Bargeldforum hat deshalb das BMF gebeten, sich für eine gesetzliche Rundungsregel in Deutschland einzusetzen und diese voranzutreiben, wonach Barzahlungen auf die nächsten fünf Cent auf- oder abgerundet werden. 27 In einigen europäischen Ländern wie Finnland oder den Niederlanden ist dies bereits üblich, eine einheitliche europäische Lösung gibt es jedoch bislang nicht. Die in diesem Aufsatz geschätzten niedrigen und weiter sinkenden Transaktionskassenanteile der Kleinmünzen sprechen zusätzlich für eine solche Rundungsregel.

Abschließend werden die jährlichen Auszahlungen und Einzahlungen von Euro-Münzen bei der Bundesbank sowie die entsprechenden Nettoemissionen betrachtet. Wie bei den Banknoten spielen Ein- und Auszahlungen auch im Münzkreislauf eine wichtige Rolle. Aufgrund des geringen Wertes stehen bei Münzen jedoch eher die Stückzahlen als die Beträge im Vordergrund. 28 Im Jahr 2021 sind die Nettoemissionen deutlich gefallen, was vor allem auf den Rückgang der Bargeldnutzung während der Coronavirus-Pandemie zurückzuführen ist (Schaubild 2.14). Nach der Coronakrise hat sich die Nachfrage nach Münzgeld nicht mehr erholt. Die Nettoemissionen fielen 2023 weiter und erreichten 2025 nur noch gut ein Drittel des Vorkrisenniveaus. Diese Entwicklung ist vor allem auf die geringere Nachfrage nach kleinen und mittleren Münzen bei der Bundesbank zurückzuführen, was möglicherweise mit dem zunehmenden Rückzug der Geschäftsbanken aus der Münzgeldannahme und -bereitstellung zusammenhängt. Teilweise schließen Automatenhersteller diese Lücke, indem sie gegen Gebühr Münzgeld in Wertbons umtauschen, die an der Ladenkasse verrechnet oder ausgezahlt werden. Dennoch waren die Nettoemissionen in allen Jahren positiv, das heißt, der Umlauf deutscher Euro-Münzen ist auch nach der Coronavirus-Pandemie weiter gewachsen – aber längst nicht mehr so stark wie zuvor. 29 Die Auszahlungen aller Stückelungen gingen bereits 2020 stark zurück und sind seit 2024 wieder deutlich rückläufig. Auch die Einzahlungen zeigen einen ähnlichen Trend. Insgesamt ist der Münzumlauf seit der Coronakrise bei rückläufigen Aus- und Einzahlungen weiter gestiegen, aber längst nicht mehr so stark wie vor der Krise. Nach den hier vorgestellten Schätzungen ist der Anstieg des Münzumlaufs auf inländische Hortungen zurückzuführen.

Münztransaktionen mit der Bundesbank
Münztransaktionen mit der Bundesbank

4 Fazit

Das starke Wachstum des Banknotenumlaufs der Bundesbank während der Coronakrise endete abrupt mit der Zinswende der EZB im Sommer 2022. Seitdem nimmt der deutsche Banknotenumlauf zwar weiterhin zu, jedoch deutlich langsamer als vor der Pandemie. Seit dem Trendbruch 2022 folgt er einem neuen, flacheren Wachstumspfad. Ob sich dieser Trend in den kommenden Jahren als stabil erweist, bleibt abzuwarten. Dadurch steigt die Unsicherheit bei der Banknotenbedarfsplanung.

Zwar steigt der deutsche Banknotenumlauf (Bestandsgröße) auch nach Ende der Coronakrise weiter an, die zugrunde liegenden Ein- und Auszahlungen bei der Bundesbank (Stromgrößen) sind aber gesunken, ohne dass deren Rückgang durch privates Recycling ausgeglichen wurde. Das bedeutet: Der Banknotenumlauf der Bundesbank steigt weiter, während der Banknotenkreislauf, der die Zahlungsströme von Banknoten zwischen Bundesbank, Kreditinstituten, Verbrauchern und Handel abbildet, insgesamt schrumpft. Diese Entwicklung spiegelt den Rückgang des Barzahlungsanteils beim Einkauf wider. 

Anders als in der Vergangenheit wird die dynamische Entwicklung des deutschen Banknotenumlaufs nicht mehr durch die Auslandsnachfrage getrieben. Seit dem Jahr 2014 nimmt ihre Bedeutung ab. Ihr Anteil am Gesamtumlauf ist seitdem mit einer kurzen Unterbrechung von 73 % auf 46 % im vierten Quartal 2025 gesunken. Die Ursachen dafür sind zum einen der starke Anstieg der inländischen Nachfrage zur Wertaufbewahrung in der Niedrigzinsphase und zum anderen die schwache Auslandsnachfrage nach Euro-Banknoten seit Beginn der Coronakrise. Im Jahr 2025 ging der Auslandsumlauf insgesamt erstmals seit der Euro-Bargeldeinführung zurück. 

Wie bereits vor der Coronakrise entwickeln sich die Banknotenumläufe der Bundesbank und des Eurosystems ohne Bundesbank wieder auseinander. Während der deutsche Banknotenumlauf seit Ende 2022 um rund 90 Mrd € gestiegen ist, sind die Nettoemissionen im übrigen Eurosystem im gleichen Zeitraum um gut 40 Mrd € zurückgegangen. Die Hauptursache hierfür ist die hohe Nachfrage nach deutschen Euro-Banknoten durch Nichtbanken, vor allem aus dem Inland.  

Während der Coronavirus-Pandemie sind die Nettoemissionen deutscher Euro-Münzen infolge der rückläufigen Bargeldnutzung deutlich gesunken. Auch nach der Pandemie blieb die Nachfrage nach Münzgeld niedrig. Gleichwohl steigt der Münzumlauf weiterhin an. Dabei werden immer weniger Münzen tatsächlich zum Bezahlen verwendet. Rechnerisch besitzt jeder Einwohner in Deutschland 541 Münzen im Wert von 128 €. Mengenmäßig dominieren die Kleinmünzen (1-Cent und 2-Cent), auf die mehr als die Hälfte aller Münzen entfällt. Dieser hohe Umlauf lässt sich jedoch nicht durch ihre Nutzung als Zahlungsmittel erklären. Aufgrund ihres geringen Wertes eignen sich Kleinmünzen kaum zur Wertaufbewahrung. Sie werden vor allem zum Herausgeben passender Beträge genutzt, landen aber häufig im Sparschwein oder gehen verloren. In diesem Aufsatz wurden frühere Schätzungen zum Anteil der Transaktionskassen am Münzumlauf bis 2025 fortgeschrieben. Seit 2009 sind diese Anteile bei allen Stückelungen deutlich gesunken und liegen bei den Kleinmünzen am niedrigsten: 12,4 % (1-Cent) und 14,9 % (2-Cent) im Jahr 2025. Das unterstreicht die geringe Bedeutung der Kleinmünzen im Zahlungsverkehr. Vor diesem Hintergrund wird eine Rundungsregel diskutiert, bei der Barzahlungen auf die nächsten 5 Cent auf- oder abgerundet werden.

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