Grußwort Geschäftsbericht 2025

Geschäftsbericht
Joachim Nagel, Präsident der Deutschen Bundesbank
Joachim Nagel, Präsident der Deutschen Bundesbank
Handschriftliche Anrede: „Liebe Leserinnen und Leser“
Handschriftliche Anrede: „Liebe Leserinnen und Leser“

wir alle haben aus 2025 eine wichtige Errungenschaft mit ins neue Jahr nehmen können: Im Euroraum herrscht wieder Preisstabilität. Nach den Jahren teils viel zu hoher Inflationsraten ist das eine sehr gute Nachricht. Preisstabilität schafft ein Stück Verlässlichkeit in diesen unruhigen Zeiten, sodass Verbraucherinnen und Verbraucher, Unternehmen sowie der Staat besser planen können.

Dieser Erfolg beruht auch auf dem Vertrauen in das Stabilitäts­versprechen der unabhängigen Zentralbanken im Euroraum. Breites Vertrauen der Bevölkerung ist zugleich eine Rückversicherung für die Unabhängigkeit der Zentralbank. Sie wurde gewährt, um das Mandat für stabile Preise frei von politischem Einfluss erfüllen zu können. Aus langer Erfahrung wissen wir als Bundesbank: Zentralbankunabhängigkeit gehört zur DNA einer erfolgreichen, wirksamen Geldpolitik. Dieses hohe Gut zu schützen, ist daher wichtiger denn je.

Die Inflationsrate im Euroraum hat sich im Jahresverlauf 2025 nahe 2 % eingependelt. Gleichzeitig sind die Einkommen weiter gestiegen. Daher können sich die Bürgerinnen und Bürger auch real wieder mehr leisten – im Durchschnitt mehr als vor der Pandemie und der Energiekrise. Allerdings wissen wir aus Umfragen, dass die Menschen das nicht unbedingt so empfinden. Viele fühlen sich heute ärmer, etwa wenn sie in den Supermarkt gehen. Zudem besteht die Sorge weiter steigender Preise. Uns ist bewusst, dass die Teuerungswelle nicht spurlos vorübergegangen ist. Umso wichtiger ist es, die Inflation nachhaltig bei unserem Ziel zu stabilisieren. Dafür setzen wir uns auch 2026 mit aller Kraft ein.

Das Handeln der Geldpolitik im Euroraum spiegelt sich in den Bilanzen der Zentralbanken wider. Die umfangreichen Wertpapierkäufe der Vergangenheit und der anschließende Zinsanstieg wirken noch immer nach. Sie haben auch 2025 die Bundesbank finanziell erheblich belastet. Der Verlust hat sich im Vergleich zum Vorjahr aber um mehr als die Hälfte reduziert. Auch für die nächsten Jahre ist noch mit Verlusten zu rechnen. Entscheidend ist: Unsere Bilanz ist solide. Wir bleiben uneingeschränkt handlungsfähig. Wir können und werden weiterhin alles Notwendige tun, um Preisstabilität zu gewährleisten.

Für die Bundesbank war 2025 ein Jahr der intensiven Arbeit. Wir haben die Vorbereitungen vorangetrieben, unser Geld fit für die Zukunft zu machen. Das betrifft den digitalen Euro für die Bürgerinnen und Bürger, digitales Zentralbankgeld für Banken und die nächste Generation Banknoten für unser Bargeld. Wir haben uns eingebracht für ein stabiles und starkes Finanzsystem in Deutschland und in Europa, etwa mit Vorschlägen, das Regelwerk für Banken zu vereinfachen. Zudem treiben wir in der Bundesbank ein großes Modernisierungsprogramm voran. Angesichts eines sich rasant wandelnden Umfelds wollen wir reaktionsschneller, anpassungsfähiger und technologisch am Puls der Zeit sein. Wir modernisieren die Bundesbank gemeinsam, um auch in stürmischen Zeiten ein verlässlicher Anker zu bleiben.

All diese Arbeiten – nach außen wie nach innen – sind eine große Teamleistung. Zu verdanken haben wir das dem Engagement unserer Beschäftigten. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Bundesbank haben 2025 mit großer Expertise und Loyalität für unser aller Gemeinwesen gearbeitet. Im Namen des gesamten Vorstands danke ich ihnen ganz herzlich!

Ich lade Sie ein, sich in diesem Geschäftsbericht ein Bild von unserer Arbeit im Jahr 2025 zu machen. Bei aller Unsicherheit von Prognosen, eines kann ich Ihnen versprechen: Die Bundesbank steht auch 2026 für stabiles Geld und ein stabiles Finanzsystem. 

Handschriftliche Grußformel: „Ihr Joachim Nagel“
Handschriftliche Grußformel: „Ihr Joachim Nagel“

Prof. Dr. Joachim Nagel
Präsident der Deutschen Bundesbank