Monatsbericht – März 2026 78. Jahrgang, Nr. 3

Monatsbericht

1 Konjunkturlage

1.1 Deutsche Wirtschaft zu Jahresbeginn schwunglos

Die deutsche Wirtschaftsleistung wird wohl im ersten Quartal 2026 auf der Stelle treten. Nach dem deutlichen Anstieg im Vorquartal könnte das reale BIP im laufenden Quartal saisonbereinigt 1 lediglich stagnieren. Nach wie vor ist die Kapazitätsauslastung in der Industrie gering, was die privaten Investitionen dämpft. Aufgrund ihrer schwachen Wettbewerbsposition kann die deutsche Industrie nur begrenzt vom wachsenden Welthandel profitieren. Die Lockerung der Fiskalpolitik dürfte erst im weiteren Verlauf des Jahres für spürbaren Auftrieb sorgen. Zwar deuten die im vierten Quartal 2025 außergewöhnlich hohen inländischen Neuaufträge im Sonstigen Fahrzeugbau sowie bei den Herstellern von Waffen und Munition auf umfangreiche staatliche Aufträge im Bereich Verteidigung hin. Allerdings dürfte es eine Zeit dauern, bis diese Aufträge die Produktion deutlich anheben. Produktion und Umsätze der Industrie gaben im Januar unterschiedliche Signale, deuten insgesamt aber auf einen verhaltenen Start der Industrie in das neue Jahr hin. Eine tendenziell steigende Nachfrage im Wohnungsbau und im Tiefbau stützt zwar die Bauwirtschaft, allerdings belastete die ungünstige Witterung sie im Januar und Februar. Der Krieg im Nahen Osten dürfte die privaten Haushalte und die Unternehmen zusätzlich belasten, insbesondere über höhere Energiepreise. Dies könnte sich noch im ersten Quartal bemerkbar machen und trübt den Ausblick für das zweite Quartal. Sollte sich der Konflikt noch in das zweite Quartal hineinziehen, dürfte von damit einhergehender hoher Unsicherheit und einer schwächeren Weltwirtschaft zusätzlicher Gegenwind kommen. Auch für die Aussichten ab der zweiten Jahreshälfte wird es maßgeblich darauf ankommen, wie lange der Konflikt anhält und in welchem Umfang das globale Energieangebot beeinträchtigt wird.    

Bruttoinlandsprodukt in Deutschland
Bruttoinlandsprodukt in Deutschland

1.2 Industrie startete verhalten in das neue Jahr

Produktion und Umsätze in der Industrie geben entgegengesetzte Signale und deuten zusammengenommen auf einen verhaltenen Jahresstart. Die Industrieproduktion sank im Januar 2026 saisonbereinigtdeutlich gegenüber dem Vormonat und gegenüber dem Vorquartal. Hierbei könnte die Kalenderkonstellation zu Beginn des Jahres mit relativ vielen Brückentagen eine Rolle gespielt haben. Die Produktion ging in den meisten Sektoren zurück. Allerdings stieg die Herstellung von Waffen und Munition kräftig. Dies spiegelt die bereits seit über zwei Jahren aufwärtsgerichteten Aufträge wider, nicht aber unbedingt den starken Auftragsschub zum Ende des vergangenen Jahres. Denn die Reichweite der Auftragsbestände in diesem Bereich stieg gemäß Daten des Statistischen Bundesamtes stark an, auf rund 64 Monate im Schlussquartal 2025. Ein Jahr zuvor waren es rund 58 Monate gewesen. Diese zusätzlichen Aufträge dürften sich also erst allmählich auf die Produktion auswirken. Dabei wird eine Rolle spielen, wie rasch die Kapazitäten in der Rüstungsindustrie erweitert werden können. Die preisbereinigten Umsätze in der Industrie zeichnen einen deutlich günstigeren Start in das Jahr als die Produktion. Sie erhöhten sich sowohl gegenüber dem Vormonat als auch gegenüber dem Vorquartal. Ein solches Auseinanderlaufen mit der Produktion ist ungewöhnlich. Die jeweiligen Signale der beiden Indikatoren sind daher mit Vorsicht zu interpretieren. 

Vom Außenhandel kamen zu Jahresbeginn keine Impulse für die Industrie. Die preisbereinigten Warenexporte sanken im Januar deutlich gegenüber dem Vormonat und dem Vorquartal. Die Exporte in die Euro-Länder sanken kräftig, nachdem sie in den vier Quartalen zuvor deutlich gestiegen waren. Dagegen überschritten die zuvor rückläufigen Exporte in die Drittstaaten außerhalb des Euroraums das Vorquartal. Dabei stiegen die nominalen Exporte in die USA kräftig. Diese waren aufgrund der Zollpolitik der USA und der Aufwertung des Euro gegenüber dem US-Dollar zuvor deutlich gesunken. Der Anstieg deutet auf eine gewisse Normalisierung hin. In Reaktion auf das Urteil des Obersten Gerichtshofs in den USA zu den länderspezifischen Zusatzzöllen Ende Februar ersetzte die US-Regierung diese mit einem globalen Zusatzzoll von 10 %. Der Effektivzollsatz für Ausfuhren aus der EU ist dadurch zwar ein wenig niedriger. Die Auswirkungen des neuen Zollregimes auf die deutsche Wirtschaft dürften gleichwohl gering sein.

Deutsche Industrie
Deutsche Industrie

1.3 Auftragseingang in der Industrie normalisiert sich nach enormen Großaufträgen

Die Nachfrage nach deutschen Industrieerzeugnissen war zuletzt stark von Großaufträgen geprägt. Das Volumen an Großaufträgen in der deutschen Industrie war – insbesondere aus dem Inland – im vierten Quartal 2025 außergewöhnlich hoch. Im Januar 2026 nahmen die neu zugehenden Großaufträge deutlich ab, und der Auftragseingang insgesamt sank saisonbereinigt kräftig gegenüber dem Vormonat und dem Vorquartal. Er lag aber immer noch über dem Niveau aus dem dritten Quartal 2025. Dies gilt auch, wenn Großaufträge herausgerechnet werden. Die Auftragslage zeigt sich also nach wie vor deutlich verbessert. Zum Ende des Vorjahres hatte es in hohem Maße Neuaufträge aus dem Inland bei den Herstellern von Waffen und Munition sowie im Sonstigen Fahrzeugbau gegeben, zu welchem auch Militärfahrzeuge gehören. Somit dürften staatliche Aufträge für die Verteidigung eine wichtige Rolle gespielt haben. Dies taten sie auch noch im Januar – wenn auch nicht mehr in diesem ganz außergewöhnlich hohen Umfang. So verzeichnete der Sonstige Fahrzeugbau im Januar bei den Inlandsaufträgen erneut einen deutlichen Anstieg. Die Hersteller von Waffen und Munition konnten das hohe Niveau des Vorquartals hingegen nicht halten. Aber auch bei ihnen gingen immer noch deutlich mehr Aufträge aus dem Inland ein als im dritten Quartal. Trotz der belebten Binnennachfrage bleibt für die deutsche Industrie die Auslandsnachfrage von großer Bedeutung. Die Neuaufträge aus dem Ausland waren im vierten Quartal ebenfalls durch Großaufträge erhöht gewesen, die sich im Januar normalisierten. Ohne Großaufträge gerechnet verharrten sie auf dem Vorquartalsniveau. In der Grundtendenz sind sie nach wie vor leicht aufwärtsgerichtet.

1.4 Lage am Arbeitsmarkt unverändert

Die durch die schwache Konjunktur gedämpfte Lage am Arbeitsmarkt blieb zu Jahresbeginn 2026 nahezu unverändert. Beschäftigungsverluste im Verarbeitenden Gewerbe wurden durch Zuwächse in den Dienstleistungen weitgehend ausgeglichen. Die gesamte Erwerbstätigkeit sank im Januar saisonbereinigt gegenüber dem Vormonat um 13 000 auf 45,92 Millionen Personen. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten blieb dagegen stabil; die aktuelle erste Hochrechnung liegt hier allerdings erst für Dezember 2025 vor. Auf Branchenebene zeigte sich jedoch eine zweigeteilte Entwicklung. Im Verarbeitenden Gewerbe verringerte sich die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung weiter deutlich. Dieser Sektor wird stark vom strukturellen Wandel geprägt. Dagegen legten die Dienstleistungsbereiche zu, vor allem das seit Jahren kräftig wachsende Gesundheits- und Sozialwesen. Der demografische Wandel stützt die Arbeitsnachfrage in diesem Sektor weiter kräftig. Im Baugewerbe nahm die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten marginal zu. Die Inanspruchnahme wirtschaftlich bedingter Kurzarbeit ist im Trend rückläufig.

Arbeitsmarkt in Deutschland
Arbeitsmarkt in Deutschland

Die Vorlaufindikatoren der Beschäftigung signalisieren kurzfristig keine Verbesserung. Das ifo Beschäftigungsbarometer, das die Personalplanungen der gewerblichen Wirtschaft für die nächsten drei Monate abbildet, fiel im Februar leicht und blieb auf sehr niedrigem Niveau. Das IAB-Arbeitsmarktbarometer Beschäftigung, das auch öffentlich finanzierte Branchen einbezieht, verharrte knapp oberhalb der neutralen Schwelle. Daher ist gesamtwirtschaftlich in den kommenden Monaten ein stabiles Beschäftigungsniveau zu erwarten. Die Zahl der bei der Bundesagentur für Arbeit (BA) gemeldeten offenen Stellen stieg per saldo seit Oktober um 35 000, nachdem sie mehr als drei Jahre zurückgegangen war. Laut BA soll der Anstieg auf Meldungen nur einzelner Arbeitgeber beruhen und ist daher noch nicht als Anzeichen für einen breiten Beschäftigungsanstieg zu werten. 2

Die Arbeitslosigkeit blieb im Februar wie in den Vormonaten stabil. Die Zahl der registrierten Arbeitslosen lag saisonbereinigt bei 2,98 Millionen und blieb damit gegenüber Januar nahezu unverändert. Die Arbeitslosenquote betrug weiterhin 6,3 %. Auch die gesamte Unterbeschäftigung veränderte sich in saisonbereinigter Rechnung wie in den Vormonaten nur geringfügig. Offenbar stabilisierte sich zuletzt die Zahl der Personen, die an Integrations- oder arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen teilnehmen und deshalb nicht als arbeitslos zählen. Die Aussichten auf einen Rückgang der registrierten Arbeitslosigkeit haben sich im Februar jedoch merklich verschlechtert. Das IAB‑Barometer Arbeitslosigkeit fiel deutlich unter die neutrale Schwelle. Damit könnte die Arbeitslosigkeit in den kommenden Monaten leicht steigen.

1.5 Energierohstoffpreise seit Beginn des Konflikts im Nahen Osten stark gestiegen

Die Energierohstoffpreise zogen zuletzt auf breiter Front stark an. Maßgeblich hierfür war die Eskalation des Konflikts im Nahen Osten. In deren Folge wurde die Straße von Hormus – eine zentrale Route des globalen Öl- und Flüssiggashandels – blockiert. Über sie werden üblicherweise rund 20 % des weltweiten Öl- und Flüssiggasangebots verschifft. Zwar bestehen begrenzte Möglichkeiten zur Umleitung von Lieferungen, und Mitgliedstaaten der Internationalen Energieagentur (IEA) haben angekündigt, Rekordmengen aus ihren strategischen Reserven freizugeben. Diese Maßnahmen können die infolge der Blockade ausfallenden Energiemengen jedoch nur teilweise kompensieren. So kostete Rohöl der Sorte Brent zum Abschluss des Berichtszeitraums 108 US-$ je Fass und damit 53 % mehr als im Februar. Noch etwas stärker stiegen die Preise für Diesel, Heizöl oder Kerosin, was die große Bedeutung der Golfstaaten für die Versorgung dieser Märkte widerspiegelt. Auch die europäischen Gaspreise legten kräftig zu und beliefen sich zuletzt auf 53 € pro Megawattstunde. Hierzu trug insbesondere die Beschädigung wichtiger Anlagen zur Flüssiggasproduktion in Katar bei sowie die Entscheidung des Landes, die Flüssiggasproduktion infolge des Konflikts vorübergehend vollständig einzustellen. Die Preisanstiege werden derzeit noch durch die Erwartung der Marktteilnehmer eines schnellen Endes der Blockade der Straße von Hormus gedämpft. Bei einer länger anhaltenden Blockade und schweren Schäden an der Energieinfrastruktur in der Region dürfte zusätzlicher Aufwärtsdruck auf die Energiepreise entstehen.

1.6 Inflationsrate im Februar leicht auf 2,0 % gesunken

Die Preise auf den vorgelagerten Wirtschaftsstufen entwickelten sich zuletzt uneinheitlich. Während die Preise für gewerbliche Erzeugnisse im Inlandsabsatz im Februar saisonbereinigt sanken, erhöhten sich die Einfuhrpreise im Januar, dem letzten verfügbaren Berichtsmonat. Im gewerblichen Inlandsabsatz waren vor allem die Energiepreise rückläufig, während die Erzeugerpreise ohne Energie stagnierten. Bei den Einfuhren erhöhten sich hingegen die Preise sowohl für Energie als auch für andere Güter. Im Vergleich zum Vorjahr sanken die gewerblichen Erzeugerpreise um 3,3 % und die Einfuhrpreise um 2,3 %.

Die Inflationsrate ging im Februar leicht zurück. In der Vorjahresbetrachtung sank die Gesamtteuerungsrate gemäß dem Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) von 2,1 % im Januar auf 2,0 % im Februar. 3 Dieser leichte Rückgang ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass Nahrungsmittel sich vor einem Jahr außergewöhnlich stark verteuert hatten. Die Kernrate (ohne Energie und Nahrungsmittel) erhöhte sich hingegen leicht von 2,4 % auf 2,5 %. Im Vormonatsvergleich stieg der HVPI im Februar saisonbereinigt um 0,1 %, nach 0,4 % zu Jahresbeginn. Die Preise für Dienstleistungen bewegten sich weiterhin dynamisch aufwärts. Dies war insbesondere auf eine deutlich stärkere Verteuerung der administrierten Dienstleistungen zurückzuführen. Aber auch bei den übrigen Dienstleistungskomponenten blieb der Preisauftrieb spürbar. Die Energiepreise erhöhten sich insgesamt nur leicht, weil rückläufige Strompreise die Anstiege bei Kraftstoffen weitgehend kompensierten. Die Preise für Nahrungsmittel und Industriegüter ohne Energie blieben hingegen unverändert.

Die Inflationsrate wird in den kommenden Monaten deutlich anziehen. Der Inflationsausblick ist derzeit allerdings besonders unsicher. In den kommenden Monaten dürfte die Inflationsrate vor allem durch den Konflikt im Nahen Osten und die daraus resultierenden Schwankungen bei den Energierohstoffpreisen, insbesondere für Öl und Gas, geprägt sein. Der zuletzt deutlich gestiegene Rohölpreis erhöht kurzfristig insbesondere die Kraftstoff- und Heizölpreise auf der Verbraucherebene. Infolgedessen dürfte die Inflationsrate in nächster Zeit deutlich in Richtung 3 % ansteigen. Die weitere Entwicklung der Inflationsrate hängt maßgeblich vom weiteren Verlauf des Konflikts ab. So könnte beispielsweise eine lang anhaltende Sperrung der Straße von Hormus für den Schiffsverkehr und das damit einhergehende geringere Energieangebot die Inflationsrate über einen längeren Zeitraum deutlich erhöhen.

Gesamt- und Kerninflation in Deutschland
Gesamt- und Kerninflation in Deutschland

2 Öffentliche Finanzen

2.1 Gesetzliche Krankenversicherung

2.1.1 Ergebnis im Jahr 2025

Finanzierungssalden der gesetzlichen Krankenversicherung
Finanzierungssalden der gesetzlichen Krankenversicherung

Stark steigende Beitragssätze führten 2025 zu einem deutlich besseren Ergebnis bei der gesetzlichen Krankenversicherung. Die Krankenkassen und der Gesundheitsfonds verbuchten zusammen nach ersten Angaben einen Überschuss von 3 Mrd €. Gegenüber dem Vorjahr verbesserte sich das Ergebnis erheblich (+ 13 Mrd €). Ursächlich war, dass die Zusatzbeitragssätze im Durchschnitt um 1,2 Prozentpunkte auf etwa 2,9 % stiegen: Dadurch entstanden für sich genommen Mehreinahmen von fast 23 Mrd €. 

Tabelle 1.1: Gesetzliche Krankenversicherung: Finanzierungsübersicht
in Mrd €
EinnahmenseiteAusgabenseite
Position20241)20252)2026f)Position20241)20252)2026f)
Gesundheitsfonds (GF)
Beiträge3)

266,5

280,5

292,2

Zuweisungen an KK

314,9

350,7

369,5

Zusatzbeiträge

30,5

54,1

57,2

Verwaltung

0,1

0,1

0,0

Bundeszuschüsse

14,4

14,4

14,4

krisenbezogene Maßnahmen

0,9

−⁠ 0,2

0,0

Sonderzahlungen Bund

1,0

1,3

2,5

Sonstige Ausgaben 4)

0,4

0,4

0,6

Sonstige Einnahmen

0,1

0,0

0,0

 
Defizit

3,7

0,6

3,8

Überschuss

-

-

-

Summe

316,2

351,0

370,1

Summe

316,2

351,0

370,1

Krankenkassen (KK)
Zuweisungen des GF

314,9

350,7

369,5

Leistungsausgaben

311,7

335,7

354,8

Sonstige Beiträge

1,2

1,3

.

Verwaltung

12,6

13,3

14,1

Bundeszuschuss an LKK5)

0,1

0,1

0,1

Sonstige Ausgaben 7)

3,1

3,4

0,1

Sonstige Einnahmen6)

4,7

3,8

.

 
Defizit

6,6

-

-

Überschuss

-

3,5

0,6

Summe

327,4

355,9

369,6

Summe

327,4

355,9

369,6

Gesundheitsfonds und Krankenkassen zusammen
Beiträge8)

298,2

335,9

349,4

Leistungsausgaben

311,7

335,7

354,8

Bundeszuschüsse

14,5

14,5

14,5

Verwaltung

12,7

13,3

14,1

Sonderzahlungen Bund

1,0

1,3

2,5

krisenbezogene Maßnahmen

0,9

−⁠ 0,2

0,0

Sonstige Einnahmen

4,8

3,8

0,0

Sonstige Ausgaben

3,5

3,8

0,7

Defizit

10,3

-

3,2

Überschuss

-

2,9

-

Summe

328,7

355,5

369,6

Summe

328,7

355,5

369,6

nachrichtlich: 
Darlehen des Bundes

.

2,3

2,3

 

kumulierter Darlehensbestand

1,0

3,3

5,6

Liquiditätsreserve GF

5,7

7,7

6,2

Rücklagen Kassen

2,1

5,2

5,8

f Geschätzte Werte auf Basis der Annahmen des GKV-Schätzerkreises. Für sonstige Beiträge, sonstige Einnahmen und sonstige Ausgaben der Krankenkassen liegen keine Annahmen des Schätzerkreises vor, ausgenommen sind die Zuweisungen der Krankenkassen an den Innovationsfonds. 1 Endgültige Jahresergebnisse (KJ 1). 2 Vorläufige Vierteljahresergebnisse (KV 45). 3 Ohne Landwirtschaftliche Krankenversicherung (LKK)-Beiträge. 4 Einschließlich Zuweisungen an Innovations- und Strukturfonds. 5 Landwirtschaftliche Krankenversicherung. 6  Die Einnahmen der KK vom GF liegen über den Zuweisungen an die KK, die der GF ausweist. Diese Differenz sowie die Differenz aus Forderungen und Verbindlichkeiten sind hier eingerechnet. 7 Einschließlich Zuweisungen an Innovationsfonds. 8 Einschließlich Zusatzbeiträge und LLK-Beiträge.

Insbesondere die Krankenkassen verbesserten ihr Ergebnis stark. Sie erzielten einen Überschuss von 3½ Mrd € (Vorjahr: Defizit von 6½ Mrd €). Zwar wuchsen die Leistungsausgaben mit gut 7½ % dynamisch: für Krankenhausbehandlungen um 9 %, für Heil- und Hilfsmittel um 8 %, für ärztliche Behandlungen um 7 % und für Arzneimittel um 6 %. Die Mehreinnahmen aus den höheren Zusatzbeitragssätzen schlugen aber noch stärker ins Gewicht. Damit konnten die Kassenrücklagen steigen. Sie lagen aber zum Jahresende mit 5 Mrd € (in der Summe) leicht unter 0,2 Monatsausgaben (5½ Mrd €). 4  

Der Gesundheitsfonds schloss mit einem kleinen Defizit von ½ Mrd € ab, nach einem Defizit von gut 3½ Mrd € im Vorjahr. Einnahmenseitig schlugen sich die höheren Beitragsätze sowie ein kräftiger Anstieg der beitragspflichtigen Entgelte (vor allem Arbeitsentgelte und Renten) um 5 % nieder. Zur Verbesserung trug bei, dass ein guter Teil der Bundeszuweisungen für sogenannte Sofort-Transformationskosten der Krankenhäuser 5 noch nicht abfloss (nur gut ½ Mrd € von 1½ Mrd €). Zum Jahresende errechnete sich eine Rücklage des Fonds von 7½ Mrd €. Darin enthalten sind die Reste für die Sofort-Transformationskosten. Zudem leistete der Bund ein Darlehen von 2,3 Mrd € und erhöhte damit zum guten Teil die Rücklage des Fonds (ohne Wirkung auf den Finanzierungssaldo des Gesundheitsfonds). Damit soll der künftige Druck zu einem weiteren Anstieg der Zusatzbeitragssätze vorrübergehend gemildert werden. Das Darlehen soll ab 2029 schrittweise zurückgezahlt werden. Dies erhöht dann spiegelbildlich den Druck auf den Beitragssatz. 

2.1.2 Ausblick auf das Jahr 2026

Für das Jahr 2026 ging die Bundesregierung von einem etwa unveränderten Zusatzbeitragssatz von 2,9 % aus. Damit sollten die Kassen ein weitgehend ausgeglichenes Ergebnis erzielen und der Gesundheitsfonds ein Defizit von gut 3½ Mrd € (vgl. Tabelle 1.1). 6  Im Gesundheitsfonds legen die Beitragseinnahmen mit den Annahmen des GKV-Schätzerkreises mit 4 % deutlich zu. Die Zuweisungen an die Kassen steigen aber mit gut 5½ % noch stärker: Dahinter steht erstens ein neuerliches Bundesdarlehen von 2,3 Mrd €, 7 das der Fonds als Zuschuss an die Kassen weiterleitet. Zweitens leitet der Bund zusätzliche Mittel für Sofort-Transformationskosten von 2½ Mrd € 8 durch den Fonds an die Kassen weiter. Der Gesundheitsfonds führt zudem aus seiner Liquiditätsreserve ½ Mrd € an den Innovations- und Strukturfonds ab. Die Leistungsausgaben der Krankenkassen sollen weiter kräftig um 6½ % gegenüber 2025 stiegen. 

Aus heutiger Sicht könnte bei den Kassen eine etwas günstigere Entwicklung mit einem kleinen Überschuss entstehen. Ursächlich ist, dass die Kassen die Zusatzbeitragssätze auf durchschnittlich 3,1 % erhöhten. Gegenüber den Annahmen der Bundesregierung ergeben sich daraus Mehreinnahmen von etwa 3 Mrd €. Damit könnten die Kassen ihre Rücklagen aufstocken, um nicht zuletzt das gesetzliche Minimum wieder einzuhalten.

2.1.3 Kurzfristige Maßnahmen sollen strukturelle Finanzierungslücken 2027 schließen

Der Bund überbrückt derzeit insbesondere mit seinen überjährigen Darlehen strukturelle Finanzierungslücken. Eine Kommission soll bis Ende März kurzfristige Reformvorschläge erarbeiten, um diese 2027 zu schließen und den weiteren Ausgabenanstieg zu verlangsamen. Strukturreformen und Effizienzsteigerungen könnten den trendmäßig starken Anstieg der Leistungsausgaben in der Krankenversicherung begrenzen. Wenn das Kostenbewusstsein der Versicherten gestärkt werden soll, wären eine Art Praxisgebühr oder gewisse Selbstbehalte Optionen. 9

2.2 Soziale Pflegeversicherung 10

2.2.1 Ergebnis im Jahr 2025

Finanzierungssalden der sozialen Pflegeversicherung
Finanzierungssalden der sozialen Pflegeversicherung

Die soziale Pflegeversicherung verbuchte im Jahr 2025 ein Defizit von ½ Mrd €. 11 Trotz des höheren Beitragssatzes konnte sie die Finanzierungslücke folglich nicht ganz schließen. Um die Finanzierung der Pflegeversicherung zu sichern, stieg zu Jahresbeginn 2025 der Beitragssatz um 0,2 Prozentpunkte auf 3,6 % für Standardversicherte (mit einem Kind) und 4,0 % für Kinderlose. Dadurch entstanden Mehreinnahmen von 4 Mrd €. Das Defizit verringerte sich gegenüber dem Vorjahr hingegen nur um 1 Mrd €.

Ein Darlehen des Bundes sicherte die Liquidität der Pflegeversicherung. Ende 2025 betrug die Rücklage nur noch 5 Mrd €. Sie lag damit etwa 1 Mrd € unterhalb der Untergrenze einer Monatsausgabe. Um die Zahlungsfähigkeit der Pflegeversicherung im Jahresverlauf abzusichern, hatte der Bundeshaushalt ein Darlehen von ½ Mrd € ausgezahlt, das erst in einigen Jahren zurückzuzahlen ist.

Die Einnahmen der Pflegeversicherung wuchsen mit 10 % kräftig. Darunter stiegen die beitragspflichtigen Entgelte (vor allem Arbeitseinkommen und Renten) um gut 4½ %. Der höhere Beitragssatz trug etwa 6 Prozentpunkte zum Anstieg bei. 

Die Ausgaben der Pflegeversicherung wuchsen mit 8½ % fast genauso stark. Dämpfend wirkte dabei einmalig, dass eine Nachzahlung an den Vorsorgefonds aus dem Jahr 2024 (2½ % der Gesamtausgaben beziehungsweise gut 1½ Mrd €) im Jahr 2025 entfiel. Die Leistungsausgaben stiegen mit + 11½ % weiter dynamisch und damit sehr viel stärker als die Beitragsbasis. Zu dem Anstieg trug bei, dass sich die Leistungssätze beim Pflegegeld und für Pflegesachleistungen zu Jahresbeginn erhöhten (+ 4½ %).

2.2.2 Ausblick

Die strukturelle Entwicklung der Pflegeversicherung bleibt defizitär. Umfangreiche Darlehen des Bundes verhindern vorübergehend, dass der Beitragssatz erneut steigen muss. Der Bund leistet 2026 weitere Darlehen von fast 3½ Mrd €. Rückzahlungen erhöhen den Finanzierungsdruck in den Folgejahren. Ohne Reformen sind regelmäßige spürbare Beitragssatzanstiege angelegt, weil die Leistungsausgaben weiter deutlich schneller wachsen als die Beitragsbasis.

Eine Reformkommission blieb Ende 2025 ohne konkrete ausgabenbremsende Vorschläge. Um allein den demografisch bedingten Finanzierungsdruck zu dämpfen, wäre vor allem der Versicherungsumfang in den Blick zu nehmen. 12 Der Druck lässt sich auch nicht auflösen, indem der Bund wachsende Zuschüsse leistet: Der Bundeshaushalt ist bereits sehr angespannt, und auch dort wären die Lasten folglich gegenzufinanzieren. 

In diesem Beitrag wurden Daten bis zum 25. März 2026, 11:00 Uhr berücksichtigt.

Literaturverzeichnis

Deutsche Bundesbank (2024), Öffentliche Finanzen, Monatsbericht, November 2024.

Statistik der Bundesagentur für Arbeit (2026), Berichte: Blickpunkt Arbeitsmarkt Februar 2026 - Monatsbericht zum Arbeits- und Ausbildungsmarkt , Nürnberg, Februar 2026.

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