Geldpolitik und Bankgeschäft Monatsbericht – August 2026

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1 Geldpolitik und Geldmarktentwicklung

In seiner geldpolitischen Sitzung im Juni 2026 beschloss der EZB‑Rat, die drei Leitzinssätze der EZB um jeweils 25 Basispunkte anzuheben; im Juli 2026 beließ er sie unverändert. Damit notiert der Zinssatz für die Einlagefazilität, mit dem der EZB‑Rat den geldpolitischen Kurs steuert, bei 2,25 %. Ausschlaggebend für die Entscheidung des EZB‑Rats war der vom Krieg im Nahen Osten ausgehende Druck auf die Inflation. Gemäß dem Basisszenario der Eurosystem-Projektionen aus dem Juni dürfte die durchschnittliche Gesamtinflation 2026 bei 3,0 %, 2027 bei 2,3 % und 2028 bei 2,0 % liegen. Im Juni ging die Gesamtinflation von 3,2 % im Mai auf 2,8 % zurück. Die Auswirkungen des Energiepreisschocks auf die Inflation sind allerdings noch nicht vollständig zum Tragen gekommen. Die Aussichten für die Energiepreise sind zwar sehr volatil, liegen aber derzeit in der Nähe des Basisszenarios der Projektionen vom Juni und deutlich über dem Niveau, das vor dem Konflikt im Nahen Osten verzeichnet wurde. 

Die kurzfristigen Geldmarktsätze vollzogen die Leitzinserhöhung im Juni nahezu vollständig nach. Die Euro-Short Term Rate (€STR) notierte zuletzt bei 2,19 % und damit rund 6 Basispunkte unterhalb des Niveaus des Einlagesatzes.

Laut Umfragen kurz vor der Juli-Sitzung erwarteten Marktteilnehmer bis Ende 2026 eine weitere Leitzinserhöhung. Die Teilnehmer an der vor der Sitzung im Juli durchgeführten Eurosystem-Umfrage unter Geldmarktexperten (Survey of Monetary Analysts) erwarteten im Median eine weitere Anhebung des Einlagesatzes um 25 Basispunkte im September auf 2,5 % und anschließend unveränderte Leitzinsen bis zum Jahresende. In den Geldmarktterminsätzen, die weiterhin stark in Abhängigkeit von den Entwicklungen im Nahen Osten schwanken, sind aktuell für das laufende Jahr zusätzliche 39 Basispunkte an Zinserhöhungen eingepreist. 

Leitzinssätze und Geldmarktzinsen im Euroraum
Leitzinssätze und Geldmarktzinsen im Euroraum

2 Monetäre Entwicklung im Euro-Währungsgebiet

Das Wachstum des breit gefassten Geldmengenaggregats M3 setzte sich auch im zweiten Quartal 2026 fort. Die monetäre Dynamik blieb weitgehend stabil: Die Jahreswachstumsrate von M3 lag Ende Juni bei 3,3 % und damit innerhalb der Spanne der Vorquartale (Schaubild 2.2). Die größten Zuflüsse entfielen im Berichtsquartal auf kurzfristige Termineinlagen. Deren gestiegene Verzinsung erhöhte ihre Attraktivität erkennbar. Auf der Entstehungsseite stützte die fortgesetzte Erholung der Buchkreditvergabe an den inländischen Privatsektor die monetäre Dynamik. Besonders kräftig nahmen die Buchkredite an nichtfinanzielle Unternehmen zu. Dahinter standen zum einen temporäre Faktoren wie das Nachholen der zu Beginn des Krieges im Nahen Osten eingebrochenen Nachfrage nach Investitionskrediten. Hinzu kamen ein günstiges Umfeld bei den Finanzierungskosten und ein gestiegener Finanzierungsbedarf, da die Ausgaben für Betriebsmittel durch den Krieg im Nahen Osten zugenommen haben. Zum anderen spielte auch die im Berichtsquartal grundsätzlich ausgeweitete Investitionstätigkeit im Euroraum eine Rolle. Die moderate Kreditvergabe an private Haushalte beschleunigte sich dagegen nicht weiter. Die Banken strafften ihre Angebotspolitik gegenüber Unternehmen und privaten Haushalten erneut. Dies dämpfte die Kreditvergabe aber nicht deutlich. Grund für die Straffungen waren vor allem höher eingeschätzte Kreditrisiken. 

Komponenten und Gegenposten der Geldmenge im Euroraum
Komponenten und Gegenposten der Geldmenge im Euroraum

Die Geldhaltung der Nichtbanken im Euroraum ist erneut deutlich gestiegen, insbesondere im Privatsektor. Der nichtfinanzielle Privatsektor baute weiter hoch liquide Mittel in Form täglich fälliger Einlagen auf, jedoch fielen die Zuflüsse deutlich geringer aus als in den Vorquartalen (Tabelle 2.1). Stattdessen war im Berichtsquartal vor allem der Aufbau kurzfristiger Termineinlagen ausschlaggebend (Schaubild 2.3). Diese wurden sowohl von privaten Haushalten als auch in besonderem Maße von nichtfinanziellen Unternehmen nachgefragt. Ein Grund dafür dürfte der spürbare Anstieg der Zinssätze für diese Einlagenkategorie gewesen sein, der täglich fällige Einlagen weniger attraktiv machte. Die in M3 enthaltenen marktfähigen Instrumente wurden ebenfalls weiter aufgebaut, insbesondere von finanziellen Unternehmen. 

Geldmenge M3 im Euroraum
Geldmenge M3 im Euroraum

Anlageformen außerhalb von M3 blieben für die Anleger ebenso attraktiv. Dies spiegelte sich vor allem in einem verstärkten Erwerb längerfristiger Bankschuldverschreibungen wider. Ausschlaggebend dürfte die gestiegene Rendite dieser Anlageform gewesen sein. Vonseiten der Banken könnte auch das Motiv der Zinssicherung angesichts der Erwartung zukünftig steigender Leitzinsen eine Rolle gespielt haben. Zudem baute der Bankensektor seine Bestände längerfristiger Termineinlagen im Zuge von Verbriefungstätigkeiten deutlich ab. Insgesamt wirkte die Geldkapitalbildung aber dämpfend auf das Wachstum der Geldmenge M3.

Tabelle 2.1: Konsolidierte Bilanz des MFI-Sektors im Euroraum1) 
Veränderung gegenüber Vorquartal in Mrd €, saisonbereinigt

Aktiva

1. Vj.

2026 2. Vj.

Passiva

1. Vj.

2026 2. Vj.

Forderungen gegenüber privaten Nicht-MFIs im Euroraum

158,3

116,3

Verbindlichkeiten gegenüber Zentralstaaten2)

19,0

– 25,6

davon:

 

Buchkredite

153,2

156,6

Geldmenge M3

151,4

147,7

Buchkredite, bereinigt3)

149,5

159,0

davon Komponenten:

Wertpapiere

5,1

– 40,3

Bargeld und täglich fällige Einlagen (M1)

96,9

25,8

 

Übrige kurzfristige Einlagen (M2-M1)

– 9,7

94,0

Forderungen gegenüber öffentlichen Haushalten im Euroraum

14,4

– 26,9

Marktfähige Finanzinstrumente (M3-M2)

64,2

27,8

davon:

 

Buchkredite

24,8

7,8

Geldkapital

44,2

80,2

Wertpapiere

– 10,4

– 34,7

davon:

 

Kapital und Rücklagen

8,1

28,7

Nettoforderungen gegenüber Ansässigen außerhalb des Euroraums

139,2

90,3

Sonstige längerfristige Verbindlichkeiten

36,0

51,5

Andere Gegenposten von M3

– 97,3

22,5

 

1 Statistisch bedingte Veränderungen (zum Beispiel statistische Brüche) und Umbewertungen ausgeschaltet. 2 Einschließlich Einlagen der Zentralstaaten beim MFI‑Sektor sowie der von Zentralstaaten gehaltenen Wertpapiere, die vom MFI‑Sektor begeben wurden. 3 Bereinigt um Kreditverkäufe, Kreditverbriefungen und um Positionen im Zusammenhang mit durch MFIs erbrachten fiktiven Cash-Pooling-Dienstleistungen.

Die Entwicklung der Netto-Auslandsposition trug positiv zum Geldmengenwachstum bei. Zahlungsbilanzdaten für April und Mai deuten darauf hin, dass Sondereffekte im Zusammenhang mit umfangreichen Anleiheemissionen gebietsfremder Unternehmen dabei eine Rolle gespielt haben könnten. Hierzu zählen auch Anleiheemissionen großer US‑Technologieunternehmen zur Finanzierung von Investitionen im Bereich künstlicher Intelligenz. Im Gegensatz dazu verringerten sich die Mittelzuflüsse aus dem Leistungsbilanzüberschuss im zweiten Quartal. Von den Portfolioinvestitionen ging anders als im Vorquartal kein nennenswerter Einfluss auf die Netto-Auslandsposition aus. 

Die Zuflüsse zu den Forderungen der Banken an Nichtbanken im Euroraum schwächten sich im zweiten Quartal 2026 gegenüber den beiden Vorquartalen ab. Ausschlaggebend war zum einen, dass mehr Staatsanleihen aus den geldpolitischen Ankaufprogrammen des Eurosystems ausliefen als in den Vorquartalen; die Geschäftsbanken stockten ihre Bestände nicht in gleichem Umfang auf. Zum anderen bauten sowohl das Eurosystem als auch die Geschäftsbanken ihre Schuldverschreibungen von privaten Emittenten per saldo ab. Bei den Banken war dies vor allem auf das Auslaufen früherer Kreditverbriefungstransaktionen zurückzuführen. 1 Dem stand eine weiterhin lebhafte Buchkreditvergabe an den Privatsektor gegenüber. 

Die Kreditvergabe an nichtfinanzielle Unternehmen verstärkte sich im zweiten Quartal 2026 deutlich, vor allem im längerfristigen Laufzeitensegment. Die Jahreswachstumsrate der an nichtfinanzielle Unternehmen vergebenen Buchkredite stieg im Aggregat auf 4,0 %. Ein Grund für die Beschleunigung dürfte gewesen sein, dass Unternehmen, die zu Beginn des Krieges im Nahen Osten zunächst abgewartet hatten, Kreditfinanzierungen für Investitionen in einem Umfeld wieder sinkender Unsicherheit nachholten. Dazu passt, dass in vielen Ländern des Euroraums die Zuwächse bei den mittel- bis langfristigen Krediten besonders hoch waren (Schaubild 2.4). Zudem dürften Unternehmen Finanzierungen zeitlich vorgezogen haben, weil sie im Zuge der geldpolitischen Straffung mit steigenden Bankkreditzinsen rechneten. Des Weiteren ist davon auszugehen, dass kapitalmarktfähige Unternehmen die teurer gewordene Finanzierung über Schuldverschreibungen teilweise durch vergleichsweise günstigere Bankkredite ersetzten. Neben diesen überwiegend temporären Einflussfaktoren stützte die im Berichtsquartal grundsätzlich ausgeweitete Investitionstätigkeit im Euroraum die Kreditnachfrage (Kapitel „Konjunktur im Euroraum überraschend robust“ im Artikel „Internationales und europäisches Umfeld“). Hier dürften auch die an Schwung gewinnenden Investitionen in Digitalisierung, Rüstung und Energieeffizienz zusätzliche Impulse gesetzt haben.

Buchkredite des MFI-Sektors an den nichtfinanziellen Privatsektor im Euroraum
Buchkredite des MFI-Sektors an den nichtfinanziellen Privatsektor im Euroraum

Der Krieg im Nahen Osten erhöhte zudem den Betriebsmittelbedarf der Unternehmen. Gegenüber dem Vorquartal nahmen auch die kurzfristigen Kredite der Unternehmen erkennbar zu. Wesentliche Treiber der höheren Nachfrage dürften kriegsbedingt höhere Energie- und Materialkosten, Lieferverzögerungen und der Aufbau zusätzlicher Lagerbestände gewesen sein. So berichteten die Unternehmen in der Umfrage SAFE (Umfrage über den Zugang von Unternehmen im Euroraum zu Finanzmitteln) zunehmend von steigenden Kosten, gerade auch für Energie und Material. Die in der Umfrage zum Kreditgeschäft (Bank Lending SurveyBLS) befragten Banken nannten über alle Unternehmensgrößen hinweg den Finanzierungsbedarf für Lagerhaltung und Betriebsmittel ebenfalls als einen Grund für den Anstieg der Kreditnachfrage im zweiten Quartal. 

Trotz des deutlichen Anstiegs der ausgezahlten Unternehmenskredite meldeten die BLS‑Banken im Berichtsquartal nur eine marginale Zunahme der Nachfrage nach Unternehmenskrediten. 2 Die Zunahme der Nachfrage beschränkte sich auf große Unternehmen. Für das dritte Quartal 2026 erwarten die im BLS befragten Banken, dass der Bedarf der Unternehmen an Bankkrediten im Aggregat weiter steigt.

Die Banken im Euroraum strafften ihre Angebotspolitik für Unternehmenskredite im zweiten Quartal weiter. Die Straffungen fielen schwächer aus als die BLS‑Banken im Vorquartal erwartet hatten. Die Auswirkungen des Krieges im Nahen Osten auf die Kreditrichtlinien blieben insgesamt begrenzt. Wie schon in den vergangenen Quartalen führten die BLS‑Banken die strengeren Kreditrichtlinien vor allem auf das im Unternehmensgeschäft gestiegene Kreditrisiko zurück. Eine Sonderfrage des BLS zeigt, dass die Banken ihre Kreditrichtlinien in den vergangenen sechs Monaten in allen wichtigen Wirtschaftssektoren strafften. Am stärksten fiel die Straffung bei Krediten an das kraftfahrzeugproduzierende Gewerbe, das energieintensive Verarbeitende Gewerbe sowie den Handel aus. Diese Branchen sind teils von den geopolitischen Spannungen, teils von eher strukturellen Herausforderungen besonders betroffen. Zugleich schlug sich das gestiegene Kreditrisiko laut BLS in einer Straffung der Kreditbedingungen nieder, insbesondere in höheren Zinsen und ausgeweiteten Margen für risikoreichere Kredite. Refinanzierungskosten sowie Liquiditäts- oder Eigenkapitalbeschränkungen der am BLS teilnehmenden Banken spielten für die Angebotspolitik dagegen insgesamt keine bedeutende Rolle.

Die Kreditvergabe an private Haushalte im Euroraum setzte sich im zweiten Quartal 2026 mit weitgehend unveränderter Dynamik fort. In keinem der vier größten Länder haben sich die Zuwächse im Kreditgeschäft gegenüber dem Jahresende 2025 verstärkt: Die Jahreswachstumsrate verharrte mit 3,0 % auf moderatem Niveau. Der größte Teil der Kreditvergabe entfiel weiterhin auf Wohnungsbaukredite (Schaubild 2.4). Allerdings verlor die Ende 2023 begonnene Erholung der Kreditzuflüsse an Schwung. Passend dazu beobachteten auch die im BLS befragten Banken zum ersten Mal seit gut zwei Jahren einen Rückgang der Nachfrage nach Wohnungsbaukrediten. Ihren Angaben zufolge dämpften vor allem das gesunkene Verbrauchervertrauen und das allgemeine Zinsniveau die Kreditnachfrage. Zudem schätzten die privaten Haushalte die Aussichten am Wohnimmobilienmarkt ungünstiger ein. Die Antworten der BLS‑Banken sind vor folgendem Hintergrund zu sehen: Seit Jahresbeginn sind die Zinsen für Wohnungsbaukredite leicht gestiegen. Zugleich steigen die Immobilienpreise weiter. Außerdem dämpft der Krieg im Nahen Osten die Einkommens- und Beschäftigungsaussichten der privaten Haushalte. Dieses Umfeld dürfte die Erschwinglichkeit kreditfinanzierter Wohnimmobilienkäufe verringert haben.

Konsumentenkredite verzeichneten abermals ein kräftiges Wachstum, die Zuwächse zeigten aber weniger Dynamik als Ende 2025. Von den sonstigen Krediten gingen nur geringe Impulse aus. Nach Ansicht der BLS‑Banken dämpfte vor allem das in den letzten Monaten gesunkene Verbrauchervertrauen die Nachfrage nach Konsumenten- und sonstigen Krediten. Zudem schränkten die privaten Haushalte ihre Ausgaben für langlebige Konsumgüter ein. Für das dritte Quartal 2026 rechnen die BLS-Banken mit einer weiter sinkenden Nachfrage nach Wohnungsbaukreditenwährend der Mittelbedarf für Konsum- und sonstige Zwecke unverändert bleiben könnte.

Die Banken strafften das Kreditangebot an private Haushalte vor allem, weil sie die Kreditrisiken höher einschätzten und deshalb vorsichtiger Kredite vergaben. Im zweiten Quartal strafften die befragten Banken per saldo ihre Richtlinien im gesamten Kreditgeschäft mit privaten Haushalten. Sie begründeten dies mit einem gestiegenen Kreditrisiko infolge der angespannten Wirtschaftslage sowie einer gesunkenen Kreditwürdigkeit der privaten Haushalte. Hinzu kam eine geringere Risikotoleranz der Banken, insbesondere bei Konsumenten- und sonstigen Krediten. Das vorsichtigere Kreditvergabeverhalten der Banken spiegelte sich auch in tendenziell steigenden Kreditablehnungsquoten im Geschäft mit Privatkunden wider. 

3 Einlagen- und Kreditgeschäft deutscher Banken mit inländischen Kunden

Das Einlagengeschäft deutscher Banken mit inländischen Nichtbanken expandierte im zweiten Quartal 2026 spürbar. Anders als in den Vorquartalen waren nicht mehr täglich fällige Einlagen der Haupttreiber des Wachstums. Stattdessen standen kurzfristige Termineinlagen im Mittelpunkt des Einlagenaufbaus – wie auch im Euro-Währungsgebiet insgesamt (Tabelle 2.2). Vor allem nichtfinanzielle Unternehmen und, anders als im Vorquartal, auch private Haushalte erhöhten ihre Bestände an kurzfristigen Termineinlagen erkennbar. Diese Entwicklung spricht dafür, dass die Renditeunterschiede zwischen den Einlageformen für die Anlageentscheidungen der Bankkunden wieder eine größere Rolle spielten (Schaubild 2.5). 

Zinssätze für Bankeinlagen in Deutschland
Zinssätze für Bankeinlagen in Deutschland

Das Kreditgeschäft deutscher Banken mit inländischen Kunden legte im zweiten Quartal 2026 ebenfalls kräftig zu. Dabei gingen sowohl vom öffentlichen als auch vom privaten Sektor deutlich stärkere Impulse aus als in den Vorquartalen. Ausschlaggebend für die starke Ausweitung der Kredite an inländische öffentliche Haushalte waren vor allem die Wertpapierkredite an öffentliche Emittenten. Ihr Aufbau war im zweiten Quartal 2026 so stark wie seit Ende 2010 nicht mehr. 

Der ausgeprägte Zuwachs der Kredite an öffentliche Haushalte spiegelte die expansiv ausgerichtete Finanzpolitik und das hohe staatliche Defizit in Deutschland wider. Diese Faktoren führten zu einem hohen Bedarf an einer Finanzierung über den Rentenmarkt. Vor allem der Bund nahm umfangreich Kredite auf, nicht zuletzt über die neue Bereichsausnahme für Verteidigung und das Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität (Artikel „Öffentliche Finanzen“ in diesem Bericht). Gleichzeitig dürften das höhere Renditeniveau, die hohe Bonität und Liquidität öffentlicher deutscher Schuldverschreibungen und ihre besondere Rolle als sichere Anlage ihre Attraktivität für die Wertpapier- und Liquiditätsportfolios der Banken begünstigt haben.

Das Kreditgeschäft mit inländischen Unternehmen und Privatpersonen verzeichnete im zweiten Quartal 2026 spürbare Zuflüsse. Die entsprechenden Buch- und Wertpapierkredite stiegen zusammengenommen etwa doppelt so stark wie im ersten Quartal und übertrafen damit die Zuwächse sämtlicher Quartale seit Sommer 2022 deutlich. Anders als im Kreditgeschäft mit öffentlichen Haushalten konzentrierte sich die Kreditvergabe in diesem Segment vor allem auf Buchkredite (Tabelle 2.2). Die Ausweitung verteilte sich zu annähernd gleichen Teilen auf Ausleihungen an private Haushalte, nichtfinanzielle Unternehmen und sonstige finanzielle Unternehmen. 

Tabelle 2.2: Banken in Deutschland: Kredit- und Einlagenentwicklung1)
Veränderung gegenüber Vorquartal in Mrd €, saisonbereinigt

Position

2026

2026

1. Vj.

2. Vj.

Einlagen von inländischen Nicht-MFIs2)

 

täglich fällig

20,8

8,8

mit vereinbarter Laufzeit

 

bis zu 2 Jahren

– 0,6

26,9

über 2 Jahre

2,1

4,1

mit vereinbarter Kündigungsfrist

 

bis zu 3 Monaten

– 4,6

– 6,7

über 3 Monate

1,3

3,0

Kredite

 

Kredite an inländische öffentliche Haushalte

 

Buchkredite

2,6

4,9

Wertpapierkredite

3,9

15,0

Kredite an inländische Unternehmen und Privatpersonen

 

Buchkredite3)

14,3

27,7

darunter:

 

an private Haushalte4)

9,6

9,7

an nichtfinanzielle Unternehmen5)

– 0,6

8,2

Wertpapierkredite

1,7

4,5

Banken einschließlich Geldmarktfonds. Quartalsendstände, statistisch bedingte Veränderungen (zum Beispiel statistische Brüche) und Umbewertungen ausgeschaltet. Unternehmen, private Haushalte (sowie private Organisationen ohne Erwerbszweck) und öffentliche Haushalte (ohne Bund). Bereinigt um Kreditverkäufe und -verbriefungen. Und Private Organisationen ohne Erwerbszweck. Nichtfinanzielle Kapitalgesellschaften und Quasi-Kapitalgesellschaften.

Das aktuelle Kreditgeschäft mit nichtfinanziellen Unternehmen unterschied sich von der weitgehend kraftlosen und oft rückläufigen Kreditvergabe der letzten Quartale deutlich. Der Zuwachs im zweiten Quartal wurde überwiegend von langfristigen Buchkrediten mit Laufzeiten von mehr als fünf Jahren getragen. Kurzfristige Ausleihungen mit Laufzeiten von bis zu einem Jahr trugen ebenfalls zum Kreditgeschäft bei, wenngleich in deutlich geringerem Umfang. Die mittelfristigen Buchkredite mit Laufzeiten von einem bis fünf Jahren blieben dagegen erneut ohne Impuls (Schaubild 2.6).

Buchkredite deutscher Banken an den inländischen nichtfinanziellen Privatsektor
Buchkredite deutscher Banken an den inländischen nichtfinanziellen Privatsektor

Die aktuelle Ausweitung der Buchkredite an nichtfinanzielle Unternehmen passt zu einem robusten, aber durch Belastungsfaktoren geprägten Konjunkturbild. Der zunehmenden Belebung der deutschen Wirtschaft stehen Herausforderungen durch den Konflikt im Nahen Osten wie Unsicherheit, die erhöhten Energie- und Rohstoffpreise sowie Lieferkettenstörungen gegenüber. Die damit verbundenen Kostensteigerungen in Unternehmen dürften auch der wesentliche Grund für den Nettoaufbau von kurzfristigen Buchkrediten gewesen sein. Die merkliche Ausweitung von langfristigen Ausleihungen dürfte dagegen analog zum gesamten Euroraum teilweise auch mit der Finanzierung von längerfristigen Investitionsprojekten in Verbindung stehen. 

Die Ergebnisse des BLS stützen diese Einordnung der Kreditentwicklung im Unternehmensgeschäft. Nach Angaben der befragten Banken nahm die Nachfrage nach Unternehmenskrediten im zweiten Quartal in einem etwas stärkeren Ausmaß zu und übertraf damit die Erwartungen aus der vorangegangenen Umfragerunde. Die gestiegene Nachfrage ging laut BLS jedoch ausschließlich von großen Unternehmen aus und betraf nur langfristige Kredite. Als wichtigsten Grund für den höheren Mittelbedarf nannten die Banken Umfinanzierungen, Umschuldungen und Neuverhandlungen bestehender Finanzierungen. 3 Große Unternehmen fragten darüber hinaus auch mehr Buchkredite für Anlageinvestitionen nach. Der im Aggregat über alle Banken gemeldete merkliche Zuwachs der langfristigen Buchkredite an nichtfinanzielle Unternehmen dürfte somit neben der Ablösung und Neuordnung bereits bestehender Finanzierungen auch durch neue Investitionsfinanzierungen bedingt gewesen sein. Kleine und mittlere Unternehmen fragten dagegen weniger Kredite nach.

Bankkonditionen in Deutschland für Buchkredite an nichtfinanzielle Kapitalgesellschaften
Bankkonditionen in Deutschland für Buchkredite an nichtfinanzielle Kapitalgesellschaften

Gleichzeitig dürfte die höhere Kostenbelastung der Unternehmen ihre aus laufenden Erträgen verfügbaren Innenfinanzierungsmittel gedämpft haben. Hinweise darauf liefern sowohl die Daten der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen für das erste Quartal als auch die Ergebnisse der Unternehmensumfrage SAFE für das erste und zweite Quartal 2026. Beide Datenquellen konstatieren eine gegenüber den Vorquartalen verhaltene Entwicklung der Unternehmensgewinne. Damit dürfte sich der Anteil der Ausgaben, der aus den Gewinnen der Unternehmen finanziert werden kann, verringert haben. Die dadurch entstandene Finanzierungslücke könnte teilweise mit langfristigen externen Mitteln und insbesondere mit langfristigen Bankkrediten geschlossen worden sein. Das Zinssicherungsmotiv dürfte diese Tendenz zusätzlich gestützt haben.

Von der Kreditangebotspolitik der Banken gegenüber Unternehmen gingen dämpfende Einflüsse aus. Die Richtlinien für Unternehmenskredite wurden im zweiten Quartal erneut gestrafft, wenn auch weniger stark als im Vorquartal und weniger deutlich als von den Banken zuvor geplant. Die Straffung konzentrierte sich vor allem auf große Unternehmen. Von den strengeren Kreditvergaberegeln waren in den letzten sechs Monaten besonders der Immobiliensektor, das Verarbeitende Gewerbe und der Handel betroffen. Innerhalb des Verarbeitenden Gewerbes wurden die Richtlinien besonders für das kraftfahrzeugproduzierende und das energieintensive Gewerbe strenger. Restriktive Anpassungen gab es jedoch auch in allen übrigen erfragten Wirtschaftszweigen. Als Gründe nannten die Banken insbesondere branchen- und firmenspezifische Risiken sowie die gedämpfte Wirtschaftslage und die verhaltenen Konjunkturaussichten. Der Konflikt im Nahen Osten hatte bislang kaum unmittelbare zusätzliche Auswirkungen auf die Kreditrichtlinien. Angesichts der Unsicherheit über den weiteren Verlauf schlossen die Banken spätere Anpassungen allerdings nicht aus. Auch die tatsächlich vereinbarten Kreditbedingungen gestalteten die Banken restriktiver. Dies zeigte sich in höheren Kreditzinssätzen, ausgeweiteten Margen für risikoreichere Kredite und strengeren Zusatz- und Nebenvereinbarungen (Schaubild 2.7). 

Bei den Buchkrediten an private Haushalte blieb der Nettozufluss nahezu auf dem Niveau des Vorquartals. Die volumenmäßig bedeutenden Wohnungsbaukredite stellten weiterhin den größten Teil der Kreditvergabe, gewannen gegenüber dem ersten Quartal aber nicht weiter an Dynamik. Konsumentenkredite verzeichneten lediglich einen moderaten Nettozufluss und fielen damit kaum ins Gewicht. Die sonstigen Kredite an private Haushalte, zu denen unter anderem Ausleihungen an Selbstständige zählen, wurden dagegen erneut geringfügig abgebaut. Insgesamt blieb die seit Mitte 2024 beobachtete positive Entwicklung der Kreditvergabe an private Haushalte bestehen, zeigte jedoch seit Anfang 2026 keine weitere Beschleunigung (Schaubild 2.6).

Die Einschätzungen der im BLS befragten Banken zeichnen für die aktuelle Kreditnachfrage privater Haushalte ein etwas schwächeres Bild als die Daten der monatlichen Bilanzstatistik. 4 Laut BLS ging die Nachfrage sowohl nach Wohnungsbaukrediten als auch nach Konsumenten- und sonstigen Krediten so stark zurück wie zuletzt vor drei Jahren. Die Banken führten dies vor allem auf das gesunkene Verbrauchervertrauen, geringere Ausgaben für langlebige Konsumgüter und das höhere allgemeine Zinsniveau zurück (Schaubild 2.8). Darüber hinaus gingen von den Aussichten am Wohnimmobilienmarkt erstmals seit zwei Jahren negative Impulse auf die Nachfrage nach Wohnungsbaukrediten aus. 

Bankkonditionen in Deutschland für Buchkredite an private Haushalte
Bankkonditionen in Deutschland für Buchkredite an private Haushalte

Von der Kreditangebotspolitik kamen keine stützenden Impulse für die Dynamik der Kredite an die privaten Haushalte. Die befragten Banken strafften ihre Kreditrichtlinien sowohl für Wohnungsbaukredite als auch für Konsumenten- und sonstige Kredite. Maßgeblich hierfür war nach Angaben der Banken ein gestiegenes Kreditrisiko. Diesen Anstieg führten die Banken in erster Linie auf die gedämpfte Wirtschaftslage und die gesunkene Kreditwürdigkeit der privaten Haushalte zurück. Bei den Wohnungsbaukrediten gestalteten die Banken zudem die Kreditbedingungen restriktiver. Dies spiegelte sich in höheren Kreditzinssätzen und ausgeweiteten Margen für risikoreichere Finanzierungen wider. Klimabezogene Faktoren verstärkten dabei die Differenzierung innerhalb der privaten Baufinanzierung. Die Banken waren restriktiver bei Krediten, die der Finanzierung von Gebäuden mit niedriger Energieeffizienz dienen und kaum zu Effizienzverbesserungen führen. Bei Konsumenten- und sonstigen Krediten blieben die Bedingungen dagegen per saldo unverändert. Für das dritte Quartal erwarten die Banken einen weiteren Rückgang der Kreditnachfrage der privaten Haushalte, während sie ihre Kreditrichtlinien weitgehend unverändert lassen wollen. 

Die Banken berichteten darüber hinaus von etwas verschlechterten eigenen Refinanzierungsbedingungen. Insbesondere der Zugang zu kurzfristigen Kundeneinlagen und die Refinanzierung über Schuldverschreibungen hätten sich verschlechtert. Für das dritte Quartal rechnen die Banken mit Ausnahme einer weiteren Verschlechterung des Zugangs zu kurzfristigen Kundeneinlagen mit weitgehend unveränderten Refinanzierungsbedingungen.