Überblick Monatsbericht – Februar 2026

Monatsbericht

1 Weltwirtschaft und internationale Finanzmärkte

1.1 Weltwirtschaft in unruhigen Zeiten weiter auf Kurs

Die Weltwirtschaft expandierte im Schlussquartal 2025 erneut moderat, und der Warenhandel nahm weiter zu. In den USA setzte sich das schwungvolle gesamtwirtschaftliche Wachstum offenbar fort. In China blieb die Konjunktur gedämpft. Im Euroraum stieg die Wirtschaftsleistung erneut moderat an. Der Welthandel nahm weiter zu. Gleichzeitig verfestigten sich die regionalen Veränderungen: Die US-Warenimporte sanken unter dem Einfluss der höheren Zölle, die Exporte Chinas und einiger kleiner asiatischer Länder stiegen erneut deutlich an. Insgesamt erwies sich die Weltwirtschaft weiterhin als widerstandsfähig.

Handelspolitische Spannungen und geopolitische Risiken hielten an. Die USA setzten ihre aggressive Handelspolitik fort. Zugleich intensivierte die Europäische Kommission ihre Bemühungen um eine Vertiefung der wirtschaftlichen Beziehungen zu anderen Handelspartnern. Die Verhandlungen zu Handels- und Investitionsabkommen zwischen der EU und Indien sowie mit den Mercosur-Staaten kamen zu einem Abschluss. Diese Abkommen unterstreichen die Bestrebungen der EU, ihre Handelsbeziehungen breiter aufzustellen. Zudem könnten sie ein wichtiges Signal für offene Märkte und regelgebundenen Handel in einem zunehmend fragmentierten globalen Umfeld senden. Dieses Signal wurde jedoch im Falle des Mercosur-Abkommens durch die Anrufung des Europäischen Gerichtshofs durch das Europäische Parlament infrage gestellt.

1.2 Disinflation macht Fortschritte, Rohstoffpreise zuletzt aber gestiegen

Vor dem Hintergrund erhöhter geopolitischer Risiken zogen die Rohstoffpreise zuletzt auf breiter Front an. Im Zusammenhang mit der angespannten Lage im Iran und Förderausfällen in Kasachstan stiegen die Rohölnotierungen auf zuletzt 71 US-$ je Fass, nachdem sie bis zum Jahresende 2025 gesunken waren. Auch die europäischen Gaspreise erhöhten sich zeitweise etwas. Ausschlaggebend hierfür war vor allem eine witterungsbedingt verstärkte Nachfrage. Die Preise für Industrierohstoffe legten zuletzt besonders kräftig zu. Neben Angebotsausfällen wirkte auch eine im Zuge der geopolitischen Spannungen gestiegene, vorsichtsgetriebene Nachfrage preistreibend.

Der Disinflationsprozess nahm in den letzten Monaten in den Industrieländern wieder Fahrt auf. Die Vorjahresrate der Verbraucherpreise sank von 3,0 % im September auf 2,3 % im Januar. Ausschlaggebend hierfür war vor allem das Nachlassen der Kerninflation (ohne Energie und Nahrungsmittel) auf zuletzt 2,4 %. Dies spiegelt insbesondere Entwicklungen in den USA wider, wo der zollbedingte Preisauftrieb bei Waren ins Stocken geriet und die Teuerung bei Dienstleistungen merklich nachgab. Im Euroraum hingegen kam die Disinflation bei Dienstleistungen in jüngster Zeit nur langsam voran. Die seit Jahresbeginn wieder anziehenden Rohstoffpreise könnten in den kommenden Monaten den weiteren Rückgang der Inflationsraten in den Industrieländern erschweren. 

2 Finanzmarktumfeld

2.1 Günstige Konjunktursignale und robuster Risikoappetit prägten die Finanzmärkte

An den Finanzmärkten standen günstige Konjunktursignale und ein robuster Risikoappetit im Vordergrund, zeitweise überschattet von Sorgen vor einer Überbewertung des US-Aktienmarkts und geopolitischen Risiken. Günstige Konjunkturdaten beiderseits des Atlantiks, so zum Beispiel zum Arbeitsmarkt in den USA, stützten die Erwartung eines robusten globalen Wirtschaftswachstums. Diese konjunkturelle Zuversicht gab den Renditen zehnjähriger US-Treasuries und Bundesanleihen bis in den Januar Auftrieb. Besonders kräftig stiegen die langfristigen Staatsanleiherenditen in Japan. Hierzu trug aber weniger das makroökonomische Umfeld bei als Sorgen vor einer Lockerung der Haushaltsdisziplin dort. An den internationalen Aktienmärkten wurden die großen Indizes von einem robusten Risikoappetit gestützt und erreichten Rekordstände, nachdem zu Jahresende 2025 aufgekommene Sorgen vor einer „KI-Blase“ wieder abgeklungen waren.

2.2 Geopolitische Risiken belasteten die Märkte

Im neuen Jahr rückten dann aber geopolitische Risiken in den Vordergrund. In der Folge des US-Besitzanspruchs gegenüber Grönland entstand im Januar Unsicherheit über mögliche neue US-Zölle gegen europäische Länder. Dies führte dazu, dass die Marktteilnehmer die Risiken für das Wachstum, vor allem in den USA, als höher einschätzten, was wiederum das Vertrauen in den US-Dollar belastete. Denn gleichzeitig wertete der US-Dollar ab, die Renditen von US-Treasuries stiegen, und die Aktienkurse fielen weltweit – ein Zusammenspiel an Vermögens­preisänderungen, das zuletzt auch als „debasement trade“ bezeichnet wurde. Das Reaktionsmuster entsprach dabei – wenn auch abgeschwächt – den Marktreaktionen nach den umfassenden weltweiten Zollankündigungen der US-Regierung Anfang April 2025. Auch der Goldpreis zog deutlich an. Dass der Grönlandkonflikt schließlich nicht eskalierte und die USA von ihrer Zollandrohung abrückten, trug nachfolgend zu einer Erholung an den Aktienmärkten bei. Gleichwohl blieb die geopolitische Unsicherheit weiterhin hoch. Dies erhöhte insbesondere gegen Ende des Berichtszeitraums die Nachfrage nach vergleichsweise sicheren Anlagen und dämpfte vor allem die zehnjährigen US-Staatsanleiherenditen. Der Euro verzeichnete gegenüber dem US-Dollar per saldo ein leichtes Plus.

3 Geldpolitik und Bankgeschäft

3.1 EZB-Rat lässt Leitzinsen weiterhin unverändert

Auf seinen geldpolitischen Sitzungen im Dezember 2025 und Februar 2026 ließ der EZB-Rat die Leitzinssätze unverändert. Der Zinssatz für die Einlagefazilität, mit dem der EZB-Rat den geldpolitischen Kurs steuert, beträgt weiterhin 2 %. Nach dem Basisszenario der Eurosystem-Projektionen aus dem Dezember dürfte die durchschnittliche Gesamtinflation 2026 bei 1,9 %, 2027 bei 1,8 % und 2028 bei 2,0 % liegen. 

3.2 Buchkreditvergabe an Privatsektor im Euroraum legt deutlich zu

Im vierten Quartal 2025 beschleunigte sich die monetäre Dynamik im Euroraum. Private Haushalte und nichtfinanzielle Unternehmen zeigten weiterhin eine hohe Präferenz für liquide Mittel. Im Vergleich zu den Vorquartalen stockten zudem finanzielle Unternehmen ihre kurzfristigen Bankeinlagen kräftig auf. Dabei handelte es sich teilweise um eine Reaktion dieser institutionellen Anleger auf die an den Finanzmärkten sprunghaft gestiegene Unsicherheit über die Ertragsaussichten in technologie- und KI-nahen Investitionsfeldern. Da der Zufluss zu M3 dem Niveau des Vorjahresquartals ähnelte, bewegte sich die Jahreswachstumsrate des breit gefassten Geldmengenaggregats M3 mit 2,8 % Ende Dezember dennoch seitwärts. 

Die Buchkredite an nichtfinanzielle Unternehmen und private Haushalte im Euroraum setzten ihren Erholungskurs fort, begünstigt durch eine lebhaftere Investitionstätigkeit und verbesserte Aussichten am Wohnimmobilienmarkt. Zwar strafften die Banken laut Umfrage zum Kreditgeschäft (Bank Lending Survey, BLS) im vierten Quartal ihre Richtlinien für Kredite an Firmenkunden sowie für Konsumenten- und sonstige Kredite im Durchschnitt. Die Verschärfungen im Firmenkundengeschäft beschränkten sich jedoch auf wenige Mitgliedsländer, darunter Deutschland, und betrafen dort vor allem große Unternehmen. Neben den Krediten an den nichtfinanziellen Privatsektor weiteten die Banken auch ihre Kreditvergabe an finanzielle Unternehmen kräftig aus, die ihrerseits einen Teil ihrer Bilanzsumme zur Finanzierung inländischer Unternehmen und öffentlicher Haushalte verwenden.

4 Deutsche Wirtschaft

4.1 Deutsche Wirtschaftsleistung im vierten Quartal 2025 deutlich gestiegen

Die deutsche Wirtschaft beendete das Jahr 2025 mit einem deutlichen Plus. Gemäß der Schnellmeldung des Statistischen Bundesamtes erhöhte sich das reale BIP gegenüber dem Vorquartal um saisonbereinigt 0,3 %. Der Anstieg zum Jahresende 2025 wurde vor allem vom privaten und staatlichen Konsum getragen. Die privaten Haushalte nutzten wohl den höheren Ausgabenspielraum aus den kräftigen Lohnzuwächsen. Dies gab auch den konsumnahen Dienstleistern einen Schub. Die hohen US-Zölle und der im Vergleich zum US-Dollar starke Euro dürften die Exportentwicklung noch immer etwas gedämpft haben. Vor dem Hintergrund einer zunehmenden Inlandsnachfrage konnte sich die Industrie aber wieder etwas fangen. Sie weitete ihre Produktion aus, und die Umsätze stiegen leicht. Trotz der weiterhin unterausgelasteten Kapazitäten in der Industrie erhöhten sich wohl auch die Ausrüstungsinvestitionen. Die bereits seit einiger Zeit aufwärtsgerichtete Nachfrage nach Bauleistungen dürfte sich zudem in steigenden Bauinvestitionen niedergeschlagen haben. Die Bauproduktion wurde darüber hinaus durch eine im Dezember für die Jahreszeit günstige Witterung gestützt.

4.2 Kreditgeschäft deutscher Banken verlangsamt

Das Buchkreditgeschäft deutscher Banken mit Unternehmen und privaten Haushalten verlangsamte sich im vierten Quartal 2025. Das lag daran, dass die Buchkredite an nichtfinanzielle Unternehmen nach einem merklichen Anstieg im Vorquartal per saldo zurückgingen. Die schwache Kreditvergabe in diesem Segment spiegelt das weiterhin herausfordernde makroökonomische Umfeld wider. Hierzu passt, dass die Banken in Deutschland laut BLS ihre Kreditrichtlinien im vierten Quartal 2025 erneut restriktiver gestalteten und dies im Wesentlichen damit begründeten, dass sowohl ihre Risikotoleranz gesunken als auch das Kreditrisiko gestiegen sei. Trotz der etwas restriktiveren Vergabepolitik setzte sich im Segment der Wohnungsbaukredite an private Haushalte die seit Sommer 2024 beobachtete Erholung fort. Die kräftig gestiegenen Realeinkommen der Haushalte sowie eine optimistischere Einschätzung der Aussichten am Wohnimmobilienmarkt stützten die Nachfrage in diesem Segment. 

4.3 Keine Trendwende am Arbeitsmarkt

Der Arbeitsmarkt verharrte auch im Schlussquartal 2025 in einer Seitwärtsbewegung. Die Erwerbstätigkeit nahm im Herbst geringfügig ab. Insgesamt ist das Beschäftigungsniveau jedoch weiterhin hoch, wobei sich die Situation in den einzelnen Wirtschaftsbereichen weiter sehr unterscheidet. Die Arbeitslosenquote blieb unverändert. Die Frühindikatoren versprechen kurzfristig keine Verbesserung der gedämpften Arbeitsmarktentwicklung. 

Hinter der vergleichsweise stabilen Zahl sozialversicherungspflichtig Beschäftigter verbergen sich erhebliche Verschiebungen. Der Strukturwandel, dem die Industrie in Deutschland besonders ausgesetzt ist, führt gleichzeitig zu Personalabbau und Fachkräftemangel. So sind nicht nur zwischen den Branchen erhebliche Verschiebungen zu beobachten, sondern auch zwischen den Berufen. 

Die Tarifverdienste stiegen im vierten Quartal stark an. Einschließlich der Nebenvereinbarungen nahmen sie im Herbst um 3,4 % gegenüber dem Vorjahr zu. Sie wurden etwas durch Sondereffekte gedämpft. Die Grundvergütungen stiegen im Herbst mit 4,0 % daher etwas kräftiger, aber weniger stark als im Sommer (5,0 %). Die jüngsten Lohnforderungen der Gewerkschaften für verschiedene Branchen liegen etwas niedriger als im Vorjahr. Da sich das gesamtwirtschaftliche Umfeld wohl nur allmählich verbessert, dürften neue Tarifabschlüsse moderat ausfallen.

Die Effektivverdienste stiegen im Herbst voraussichtlich kräftig. Darauf weisen die Nominallöhne für Oktober bis Dezember aus der Verdiensterhebung des Statistischen Bundesamtes hin, die stärker zulegten als die Tarifverdienste. Im Gesamtjahr 2025, für das im Gegensatz zum vierten Quartal bereits vorläufige Werte des Statistischen Bundesamtes vorliegen, erhöhten sich die Löhne weniger stark als in den Vorjahren. Die Effektivverdienste stiegen demnach um 4,6 % gegenüber dem Vorjahr, nach 5,2 % im Jahr 2024. 

4.4 Inflationsrate zum Jahreswechsel bei etwa 2 %

Die Verbraucherpreise (HVPI) stiegen im Herbst etwas stärker an als in den beiden vorherigen Quartalen. Im Durchschnitt der Monate Oktober bis Dezember 2025 erhöhten sich die Verbraucherpreise saisonbereinigt um 0,6 %, nach 0,5 % in den beiden Vorquartalen. Die ohnehin dynamischen Dienstleistungspreise stiegen nochmals kräftiger. Der Preisauftrieb bei Industriegütern ohne Energie kam dagegen fast zum Erliegen. Hier dürfte sich die Aufwertung des Euro in der ersten Hälfte des Jahres 2025 verzögert niedergeschlagen haben. Die Dynamik der Nahrungsmittelpreise ließ aufgrund niedrigerer Rohstoffpreise im Schlussquartal 2025 ebenfalls deutlich nach. Die Energiepreise stagnierten trotz im vierten Quartal 2025 im Vergleich zum Vorquartal rückläufiger Rohölpreise weitgehend. In der Vorjahresbetrachtung stieg die Inflationsrate im vierten Quartal 2025 unterstützt von Basiseffekten aus dem Vorjahr auf 2,3 %, nach 2,1 % im dritten Quartal. Die Kerninflationsrate (ohne Energie und Nahrungsmittel) erhöhte sich sogar deutlich von 2,4 % auf 2,7 %.

Im Jahresdurchschnitt 2025 sank die Inflationsrate auf 2,3 %, von 2,5 % im Jahr 2024. Die Teuerung bei Dienstleistungen gab etwas nach, blieb aber weiterhin merklich erhöht. Hier dürften unter anderem die etwas weniger stark steigenden Lohnstückkosten eine Rolle gespielt haben. Auch der Preisanstieg von Industrieprodukten ohne Energie nahm weiter ab, wozu auch die Aufwertung des Euro beitrug. Die Energiepreise gingen dagegen wegen gesunkener Rohstoffpreise erneut zurück, wenn auch etwas weniger stark als im Vorjahr. Die Inflation bei Nahrungsmitteln entsprach etwa dem Vorjahreswert und damit dem historischen Durchschnitt. Die restriktivere Geldpolitik der vorangegangenen Jahre wirkte auch 2025 noch dämpfend auf die Inflationsrate.

Im Januar stieg die Inflationsrate leicht auf 2,1 %, von 2,0 % im Dezember. Die Kernrate sank dagegen leicht von 2,5 % auf 2,4 %. Dabei wirkte sich eine Reihe von staatlichen Maßnahmen aus. Bei den Energiepreisen überwogen preiserhöhende Effekte aus der Anhebung des CO₂-Preises im Rahmen des nationalen Emissionshandels und aus verschärften Vorgaben der Treibhausgasminderungsquote (THG-Quote) gegenüber dem dämpfenden Einfluss niedrigerer Übertragungsnetzentgelte und der Abschaffung der Erdgasspeicherumlage. Bei den Dienstleistungen schlug die Verteuerung des Deutschlandtickets von 58 € auf 63 € zu Buche. Die Senkung des Mehrwertsteuersatzes für Speisen in der Gastronomie führte dagegen nicht zu niedrigeren Preisen. 

In den nächsten Monaten dürfte sich die Inflationsrate in der Nähe der 2 %-Marke bewegen. Die Kernrate dürfte zunächst erhöht bleiben, weil die Dienstleistungspreise weiterhin dynamisch steigen, insbesondere die administrierten Preise im Gesundheitswesen und in der Altenpflege. Demgegenüber sollten sich Industriegüter ohne Energie weiterhin nur wenig verteuern. Die Energiepreise dürften, trotz des jüngsten Anstiegs, auch aufgrund von Basiseffekten aus dem Vorjahr vorerst weiterhin die Gesamtrate dämpfen. Zum Jahresbeginn traten vielfältige methodische Änderungen beim HVPI in Kraft. Sie veränderten unter anderem die Struktur des HVPI-Warenkorbs stark und erforderten Anpassungen bei der Preisanalyse. Den Ausblick für die Inflationsrate haben sie aber kaum beeinflusst. 

4.5 Im ersten Quartal 2026 dürfte Wirtschaftsleistung nur verhalten wachsen

Im ersten Quartal dürfte die Wirtschaft den Erholungskurs fortsetzen, wenngleich nur mit schwacher Dynamik. Die Geschäftserwartungen der Unternehmen waren laut ifo Institut im Januar mehrheitlich noch pessimistisch, und sie schätzten ihre Geschäftslage als ungünstig ein. Die schwache Kapazitätsauslastung in der Industrie dämpft nach wie vor die Investitionen. Aufgrund der schlechten Wettbewerbsposition profitiert die deutsche Industrie zudem nur begrenzt vom wachsenden Welthandel. Die Nachfrage nach deutschen Industrieerzeugnissen erhöhte sich zwar zuletzt kräftig. Ein großer Teil der besonders stark gestiegenen Auftragseingänge aus dem Inland dürfte jedoch Großaufträgen im Zusammenhang mit zusätzlichen Staatsausgaben für die Verteidigung zuzuschreiben sein, die nicht unmittelbar produktionswirksam werden. Im Bau vergaben öffentliche Stellen in der Grundtendenz ebenfalls deutlich mehr neue Aufträge. Da auch im Wohnungsbau die Auftragseingänge zuletzt kräftig stiegen, verbreitert sich die Nachfragebelebung im Bau. Allerdings könnte die im Vergleich zum Ende des Vorquartals bislang eher ungünstige Witterung die Bauproduktion dämpfen. Außerdem weisen erste verfügbare Indikatoren darauf hin, dass der private Konsum sein erhöhtes Niveau möglicherweise nicht wird halten können. Ab dem Frühjahr dürfte die deutsche Wirtschaft, getragen vor allem durch fiskalische Impulse, aber dynamischer wachsen. 

5 Deutsche Staatsfinanzen

5.1 Expansiver Fiskalkurs erhöht Defizit stark

Im letzten Jahr ging die staatliche Defizitquote noch etwas auf 2,4 % zurück. Die strukturelle Haushaltslage verschlechterte sich aber leicht. 1  Die Defizitquote verringerte sich per saldo, weil die letzten temporären Krisenhilfen entfielen. Höhere Sozialbeitragssätze und steuerliche Sonderentwicklungen schlugen zwar ebenfalls defizitsenkend zu Buche. Starke Ausgabenzuwächse wirkten aber in die Gegenrichtung. Am gewichtigsten waren die Mehrausgaben der Sozialversicherungen sowie für Personal. Die politischen Schwerpunkte Infrastruktur und Verteidigung schlugen sich bislang erst begrenzt nieder.

Ab dem laufenden Jahr wird der expansive Fiskalkurs das Defizit und die Schuldenquote stark steigen lassen. Die Bundesbank rechnet damit, dass sich die Defizitquote bis 2027 auf 4½ % erhöht. Ohne ein Gegensteuern des Bundes zur Einhaltung der Schuldenbremse würde die Defizitquote 2028 weiter Richtung 5 % steigen. Grund für die steigenden Defizite sind vor allem stark wachsende Staatsausgaben. Hinzu kommen Steuersenkungen, insbesondere für Unternehmen. Der expansive Ausgabenkurs setzt auf eine strukturelle Ausgabenquote von fast 50 % im Jahr 2025 auf. Die strukturelle Einnahmenquote lag 2025 bei annähernd 48 % und wird wohl trotz Steuersenkungen nicht substanziell sinken. Denn die Sozialbeitragssätze dürften deutlich zunehmen. 

Das Defizit des Bundes erhöhte sich im letzten Jahr um 35 Mrd € auf beinahe 85 Mrd € (Haushaltsergebnis einschließlich Extrahaushalten). Die Planungen zeigen mittelfristig weiter einen hohen Handlungsbedarf auf. Das Defizit 2025 blieb allerdings beträchtlich unter den Planwerten vom letzten Spätsommer. Der Handlungsbedarf im Kernhaushalt zur Einhaltung der Schuldenbremse für 2027 ist mittlerweile zwar deutlich gesunken. Ausschlaggebend dafür sind die günstigeren Entwicklungen bei Steuereinnahmen und Rücklagen. Für 2028 und 2029 bleiben die Handlungsbedarfe aber weiter sehr hoch. Es liegt daher für den Bund nahe, neue Belastungen seines Haushalts zu vermeiden und seine Ausgaben und Steuervergünstigungen kritisch zu überprüfen.  

Im Jahr 2025 führten die erweiterten Verschuldungsspielräume zu einer deutlich höheren Kreditaufnahme. Die Ausgaben für Verteidigung und Infrastruktur stiegen nicht im gleichen Maße. Das neue Sondervermögen Infrastruktur/Klimaneutralität konnte Kredite für seine Vorhaben aufnehmen (unter anderem für aus dem Bundeshaushalt verlagerte Investitionen). Denn die Investitionsquote von mindestens 10 % im Kernhaushalt war im Plan erreicht. Um sie auch im Ergebnis zu erreichen, hätte der Bund im Kernhaushalt 6 Mrd € zusätzlich investieren müssen. Die Kreditaufnahme des neuen Sondervermögens lag bei 24 Mrd €. Die Infrastrukturinvestitionen von Kernhaushalt und dem neuen Sondervermögen – in der engeren Abgrenzung, welche die Bundesbank empfiehlt – sowie die Investitionen des Klimafonds sanken gegenüber 2024 etwas. Die Ausgaben, die der Bund in der neuen Bereichsausnahme Verteidigung erfasst, stiegen gegenüber 2024 deutlich um überschlägig 11 Mrd €. Die Kreditaufnahme über die Bereichsausnahme lag deutlich höher bei fast 29 Mrd €.

5.2 Herausforderungen für die Staatsfinanzen

Vorübergehend höhere Defizite sind nachvollziehbar, um die Herausforderungen bei Verteidigung und Infrastruktur schnell zu bewältigen. Wichtig wären eine verlässliche Perspektive, wie die hohen Defizite wieder zurückgeführt werden, und ein gezielter Fokus auf die Herausforderungen.

Die Bundesbank hat Vorschläge gemacht, um die erweiterten Kreditspielräume gezielter einzusetzen und solide Staatsfinanzen verlässlich abzusichern. Diese stellen zum einen darauf ab, dass einem perspektivisch stark erhöhten Schuldendienst eine möglichst entsprechend verbesserte Verteidigungsfähigkeit und Infrastruktur in Deutschland gegenüberstehen. Zum anderen geht es darum, solide Staatsfinanzen verlässlich abzusichern. Eine revidierte Kreditgrenze soll den Fiskalregeln der EU Rechnung tragen. Zudem soll sie eine relativ stetige Haushaltspolitik bei anhaltend erhöhten staatlichen Investitionen ermöglichen. Bei der Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung wird es wichtig sein, mit den anstehenden Reformen die Ausgabendynamik zu bremsen. Der Druck auf die Staatsfinanzen ist angesichts von demografischen Entwicklungen und Nachholbedarf bei Verteidigung und Infrastruktur ohne Frage hoch. Solide Staatsfinanzen sind und bleiben aber eine wesentliche Grundlage für ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum und verlässliche Sozialsysteme.

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