4.4 Inflationsrate zum Jahreswechsel bei etwa 2 %
Die Verbraucherpreise (HVPI) stiegen im Herbst etwas stärker an als in den beiden vorherigen Quartalen. Im Durchschnitt der Monate Oktober bis Dezember 2025 erhöhten sich die Verbraucherpreise saisonbereinigt um 0,6 %, nach 0,5 % in den beiden Vorquartalen. Die ohnehin dynamischen Dienstleistungspreise stiegen nochmals kräftiger. Der Preisauftrieb bei Industriegütern ohne Energie kam dagegen fast zum Erliegen. Hier dürfte sich die Aufwertung des Euro in der ersten Hälfte des Jahres 2025 verzögert niedergeschlagen haben. Die Dynamik der Nahrungsmittelpreise ließ aufgrund niedrigerer Rohstoffpreise im Schlussquartal 2025 ebenfalls deutlich nach. Die Energiepreise stagnierten trotz im vierten Quartal 2025 im Vergleich zum Vorquartal rückläufiger Rohölpreise weitgehend. In der Vorjahresbetrachtung stieg die Inflationsrate im vierten Quartal 2025 unterstützt von Basiseffekten aus dem Vorjahr auf 2,3 %, nach 2,1 % im dritten Quartal. Die Kerninflationsrate (ohne Energie und Nahrungsmittel) erhöhte sich sogar deutlich von 2,4 % auf 2,7 %.
Im Jahresdurchschnitt 2025 sank die Inflationsrate auf 2,3 %, von 2,5 % im Jahr 2024. Die Teuerung bei Dienstleistungen gab etwas nach, blieb aber weiterhin merklich erhöht. Hier dürften unter anderem die etwas weniger stark steigenden Lohnstückkosten eine Rolle gespielt haben. Auch der Preisanstieg von Industrieprodukten ohne Energie nahm weiter ab, wozu auch die Aufwertung des Euro beitrug. Die Energiepreise gingen dagegen wegen gesunkener Rohstoffpreise erneut zurück, wenn auch etwas weniger stark als im Vorjahr. Die Inflation bei Nahrungsmitteln entsprach etwa dem Vorjahreswert und damit dem historischen Durchschnitt. Die restriktivere Geldpolitik der vorangegangenen Jahre wirkte auch 2025 noch dämpfend auf die Inflationsrate.
Im Januar stieg die Inflationsrate leicht auf 2,1 %, von 2,0 % im Dezember. Die Kernrate sank dagegen leicht von 2,5 % auf 2,4 %. Dabei wirkte sich eine Reihe von staatlichen Maßnahmen aus. Bei den Energiepreisen überwogen preiserhöhende Effekte aus der Anhebung des CO₂-Preises im Rahmen des nationalen Emissionshandels und aus verschärften Vorgaben der Treibhausgasminderungsquote (THG-Quote) gegenüber dem dämpfenden Einfluss niedrigerer Übertragungsnetzentgelte und der Abschaffung der Erdgasspeicherumlage. Bei den Dienstleistungen schlug die Verteuerung des Deutschlandtickets von 58 € auf 63 € zu Buche. Die Senkung des Mehrwertsteuersatzes für Speisen in der Gastronomie führte dagegen nicht zu niedrigeren Preisen.
In den nächsten Monaten dürfte sich die Inflationsrate in der Nähe der 2 %-Marke bewegen. Die Kernrate dürfte zunächst erhöht bleiben, weil die Dienstleistungspreise weiterhin dynamisch steigen, insbesondere die administrierten Preise im Gesundheitswesen und in der Altenpflege. Demgegenüber sollten sich Industriegüter ohne Energie weiterhin nur wenig verteuern. Die Energiepreise dürften, trotz des jüngsten Anstiegs, auch aufgrund von Basiseffekten aus dem Vorjahr vorerst weiterhin die Gesamtrate dämpfen. Zum Jahresbeginn traten vielfältige methodische Änderungen beim HVPI in Kraft. Sie veränderten unter anderem die Struktur des HVPI-Warenkorbs stark und erforderten Anpassungen bei der Preisanalyse. Den Ausblick für die Inflationsrate haben sie aber kaum beeinflusst.