Konjunktur in Deutschland Monatsbericht – Februar 2026
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Konjunktur in Deutschland Monatsbericht – Februar 2026
Monatsbericht
1 Deutsche Wirtschaftsleistung im vierten Quartal 2025 deutlich gestiegen
Die deutsche Wirtschaft beendete das Jahr 2025 mit einem deutlichen Plus. Gemäß der Schnellmeldung des Statistischen Bundesamtes erhöhte sich das reale BIP gegenüber dem Vorquartal um saisonbereinigt 1 0,3 %. Damit nahm die wirtschaftliche Aktivität die Ende 2024 begonnene Aufwärtsbewegung wieder auf. Sie war im Sommerhalbjahr 2025 vor allem aufgrund der negativen Auswirkungen der US-Handelspolitik unterbrochen worden. Der Anstieg zum Jahresende 2025 wurde vor allem vom privaten und staatlichen Konsum getragen. 2 Die privaten Haushalte nutzten wohl den höheren Ausgabenspielraum aus den kräftigen Lohnzuwächsen. Dies gab auch den konsumnahen Dienstleistern einen Schub. Die hohen US-Zölle und der im Vergleich zum US-Dollar starke Euro dürften die Exportentwicklung noch immer etwas gedämpft haben. Vor dem Hintergrund einer zunehmenden Inlandsnachfrage konnte sich die Industrie aber wieder etwas fangen. Sie weitete ihre Produktion aus, und die Umsätze stiegen leicht. Trotz der weiterhin unterausgelasteten Kapazitäten in der Industrie erhöhten sich wohl auch die Ausrüstungsinvestitionen. Die bereits seit einiger Zeit aufwärtsgerichtete Nachfrage nach Bauleistungen dürfte sich zudem in steigenden Bauinvestitionen niedergeschlagen haben. Die Bauproduktion wurde darüber hinaus durch eine im Dezember für die Jahreszeit günstige Witterung gestützt.
2 Bau, konsumnahe Dienstleister und auch Industrie legten zu
Die Industrie konnte sich im vierten Quartal wieder etwas fangen. Die Industrieproduktion sank zwar im Dezember 2025 saisonbereinigt im Vergleich zum Vormonat. Dazu trug insbesondere ein starker Rückgang der Produktion von Kraftfahrzeugen bei. Im Mittel des vierten Quartals erhöhte sich die Industrieproduktion jedoch gegenüber dem Vorquartal. Die preisbereinigten Umsätze in der Industrie stiegen im vierten Quartal ebenfalls, wenn auch schwächer als die Produktion. Die Entwicklung verlief über die Branchen hinweg uneinheitlich. Während Produktion und Umsätze beispielsweise im Bereich elektrische Ausrüstungen, Datenverarbeitungsgeräte, elektronische und optische Erzeugnisse sowie dem sonstigen Fahrzeugbau zulegten, sanken sie im Maschinenbau und der Chemieindustrie. Die Industrie profitierte vor allem von der anziehenden Inlandsnachfrage. Die preisbereinigten Warenausfuhren stiegen nur verhalten. Während die Ausfuhren in die Euro-Länder stützten, gingen die Exporte in die Drittstaaten außerhalb des Euroraums preisbereinigt weiter zurück. Sie litten weiterhin unter den hohen US-Zöllen und dem im Vergleich zum US-Dollar starken Euro. Allerdings sanken die wertmäßigen Exporte in die USA nach den starken Rückgängen im Sommerhalbjahr im vierten Quartal nur noch wenig.
Exkurs
Eine Indikatoranalyse der industriellen Schwäche in Deutschland im Vergleich mit dem Euroraum
Die industrielle Wirtschaftsleistung in Deutschland schwächelt seit mehreren Jahren. Gemessen an der Bruttowertschöpfung lag sie 2024 preisbereinigt etwa 4 % unter dem Niveau des Jahres 2017. 1 Im Vergleich dazu übertraf sie im Euroraum insgesamt (mit Deutschland, aber ohne das durch starke Sonderentwicklungen geprägte Irland) den damaligen Stand um 2,5 %. Als mögliche Ursachen für die besondere Schwäche der deutschen Industrie werden häufig Arbeitskräftemangel, hohe Energiekosten und abnehmende Wettbewerbsfähigkeit in einem sich verändernden internationalen Umfeld genannt. Diese Faktoren waren, so die Vermutung, in anderen Ländern des Euroraums von nicht so großer Bedeutung. Die Analyse hier vergleicht daher die Entwicklung der deutschen Industrie mit derjenigen des Euroraums, um anhand der unterschiedlichen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen die Bedeutung einzelner Einflussfaktoren auf die Industrieschwäche in Deutschland besser voneinander abzugrenzen.
Zur Erklärung der Industrieschwäche in Deutschland wird ein verdichteter Indikator (Composite-Indikator) aus neun möglichen Einflussfaktoren für den Zeitraum 2004 bis 2024 gebildet. Diese Vorgehensweise orientiert sich an einem ähnlichen methodischen Ansatz der OECD. 2 Die Einflussfaktoren berücksichtigen sowohl klassische Wachstumstreiber als auch aktuelle Herausforderungen der deutschen Industrie. 3 Der Composite-Indikator nutzt umfragebasierte Indikatoren zu Nachfragemangel, Finanzierungsengpässen, Wettbewerbsposition sowie Arbeits- und Fachkräftemangel, die von der Europäischen Kommission bereitgestellt werden. Hinzu kommen Daten zu Strom- und Gaspreisen, der Güterexportquote, Gewinnmargen und dem Altenquotienten. 4 Die umfragebasierten Indikatoren der Europäischen Kommission bieten regional und zeitlich konsistente Angaben zu bedeutsamen Hürden für die Unternehmen.
Es zeigt sich, dass der Composite-Indikator in einer engen Beziehung zur Industrieproduktion und zur industriellen Bruttowertschöpfung steht. Im Untersuchungszeitraum liegt die Korrelation des Indikators mit den standardisierten jährlichen Veränderungsraten der Industrieproduktion beziehungsweise Bruttowertschöpfung bei rund 90 %. Dies deutet darauf hin, dass der Indikator die wirtschaftliche Entwicklung der Industrie gut nachvollziehen kann, und legt die Vermutung nahe, dass die ihm zugrunde liegenden Indikatoren für die Entwicklung der Industrie von Bedeutung sind. 5 Eine Robustheitsprüfung bestätigt, dass die Ergebnisse bei alternativen Spezifikationen erhalten bleiben. 6
Der Composite-Indikator für Deutschland legt nahe, dass der industrielle Abschwung vor der Pandemie vor allem an den nachfrage- und wettbewerbsseitigen Faktoren lag. Während 2017 noch eine steigende Nachfrage, eine gute Wettbewerbsposition und niedrige Energiekosten bestimmend waren, traten ab 2018 Abschwächungstendenzen in den Vordergrund. Sie wurden zunächst sichtbar in rückläufigen Exporten und Gewinnmargen, später in schwächerer Nachfrage und verschlechterter Wettbewerbsposition. Hinzu kamen einsetzende Arbeitsmarktengpässe durch Fachkräftemangel und demografische Veränderungen. 7
Auch die Pandemie und ihre Folgen schlugen sich vor allem in Nachfragerückgängen und Exporteinbrüchen nieder. 2021 zeigt der Indikator eine kurzzeitige Erholung, die sich durch temporär gestiegene Nachfrage und eine zwischenzeitlich laut den Umfragen gestärkte Wettbewerbsposition erklären lässt. 8
Ab 2022 wirkten zusätzlich zur Nachfrageschwäche stark gestiegene Energiekosten und verstärkte Arbeitsmarktengpässe. Der starke Anstieg der Energiepreise infolge des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine sowie verschärfte demografische Herausforderungen und Fachkräftemangel belasteten ab 2022 die deutsche Industrie zusätzlich. 9 Hinzu kam eine laut den Umfragen verschlechterte Wettbewerbsposition, die den Rückgang der industriellen Aktivität weiter verstärkte. Während der energiebedingte Kostendruck ab 2023 nachließ, trugen sinkende Nachfrage und Exporte 2024 zu einem deutlichen Rückgang der Industrieleistung bei.
Ein Vergleich mit der Entwicklung im Euroraum insgesamt zeigt, dass hier vor allem die Arbeitsmarktengpässe als dämpfender Faktor in den letzten Jahren eine deutlich geringere Rolle spielten als in Deutschland. 10 Ein Teil der Unterschiede lässt sich durch eine günstigere demografische Entwicklung in anderen Ländern des Euroraums erklären. Neben den Arbeitsmarktengpässen waren auch die Belastungen durch hohe Energiekosten 2023 und 2024 im Euroraum insgesamt geringer, wobei sie 2022 dafür stärker ins Gewicht fielen. Hier dürften unterschiedliche staatliche Maßnahmen zur Regulierung der Energiekosten eine Rolle gespielt haben. Dagegen drückte die Exportschwäche auch im Euroraum die Aktivität im Verarbeitenden Gewerbe.
Die Ausrüstungsinvestitionen könnten ausgeweitet worden sein. Dies signalisieren die preisbereinigten Inlandsumsätze der Investitionsgüterproduzenten (ohne Kraftfahrzeuge), welche im vierten Quartal kräftig zulegten. Den bis November verfügbaren nominalen Angaben zufolge entwickelten sich die Importe von Investitionsgütern (ohne Kraftfahrzeuge) schwunglos. Sowohl die Importe als auch die Inlandsumsätze deuten auf verstärkte Investitionen in Datenverarbeitungsgeräte sowie elektronische und optische Erzeugnisse hin. Gemäß Angaben des VDA erhöhten sich zudem die gewerblichen Zulassungen von Kraftfahrzeugen kräftig, was für einen Anstieg der Investitionen in die Fahrzeugflotte spricht. In beiden Fällen dürften eher Modernisierungsmotive ausschlaggebend gewesen sein. Angesichts der laut ifo Institut noch gedrückten Kapazitätsauslastung in der Industrie sind die Anreize für Erweiterungsinvestitionen weiterhin schwach. Dies dürfte für sich genommen die Ausrüstungsinvestitionen der Unternehmen gedämpft haben.
Positive Wachstumsimpulse kamen vom Bau. Die Bauproduktion erhöhte sich deutlich. Die Produktion im Tiefbau konnte das fünfte Quartal in Folge zulegen. Auch im Hochbau und im Ausbaugewerbe stieg die Produktion, nachdem sie zuvor gesunken war. Dazu dürfte die laut Umfragen des ifo Instituts zur Behinderung der Bautätigkeit eher günstige Witterung vor allem im Dezember beigetragen haben. Der Anteil der Unternehmen mit Auftragsmangel nahm im vierten Quartal im Hochbau zwar noch einmal leicht ab, war mit 45,6 % aber noch sehr hoch. Im Tiefbau war die Auftragssituation nach wie vor deutlich besser. Im Einklang mit der Produktion dürften auch die Bauinvestitionen im vierten Quartal gestiegen sein.
Der private Konsum und die damit verbundenen Dienstleistungsbereiche legten gestützt durch kräftig steigende Löhne zu. Die preis- und saisonbereinigten Umsätze im Einzelhandel erhöhten sich gegenüber dem Vorquartal etwas. Im Gastgewerbe stiegen sie den bis November verfügbaren Angaben zufolge sogar deutlich. Auch stützten wohl stark gestiegene Kraftfahrzeugkäufe den privaten Konsum. Gemäß Angaben des VDA erhöhten sich die Kraftfahrzeugzulassungen privater Halter im vierten Quartal kräftig. Zusammen mit dem deutlichen Anstieg der gewerblichen Zulassungen deutet dies auch auf einen dynamischen Kraftfahrzeughandel hin. Die preisbereinigten Umsätze im Großhandel erhöhten sich ebenfalls etwas. Die übrigen Dienstleister entwickelten sich dagegen wohl weniger günstig. Die Produktion im Dienstleistungssektor (ohne Handel) ging den bis November verfügbaren Daten zufolge gegenüber dem dritten Quartal zurück.
3 Keine Trendwende am Arbeitsmarkt
Der Arbeitsmarkt verharrte auch im Schlussquartal 2025 in einer Seitwärtsbewegung. Die Erwerbstätigkeit nahm im Herbst geringfügig ab. Insgesamt ist das Beschäftigungsniveau jedoch weiterhin hoch, wobei sich die Situation in den einzelnen Wirtschaftsbereichen weiter sehr unterscheidet. Die Arbeitslosenquote blieb unverändert. Die Frühindikatoren versprechen kurzfristig keine Verbesserung der gedämpften Arbeitsmarktentwicklung.
Die Zahl der Erwerbstätigen reduzierte sich im vierten Quartal des abgelaufenen Jahres leicht. Im Durchschnitt der Monate Oktober bis Dezember waren saisonbereinigt 45,94 Millionen Personen erwerbstätig. Das war ein Minus von 25 000 Personen beziehungsweise 0,1 % gegenüber dem Sommerquartal. Gemäß den ersten Hochrechnungen der BA, die jedoch erst bis November reichen, dürfte in erster Linie die verminderte Zahl ausschließlich geringfügig Beschäftigter zu diesem Rückgang beigetragen haben. Die Selbstständigkeit ging ebenfalls zurück. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten blieb dagegen nahezu konstant. Die wirtschaftlich bedingte Kurzarbeit verharrte auf einem moderat erhöhten Niveau und konzentriert sich weiterhin auf das Verarbeitende Gewerbe.
Hinter der vergleichsweise stabilen Zahl sozialversicherungspflichtig Beschäftigter verbergen sich erhebliche Verschiebungen zwischen den Wirtschaftsbereichen. Die Trends der vergangenen Quartale haben sich dabei fortgesetzt. Das Tempo des Beschäftigungsabbaus im Verarbeitenden Gewerbe entsprach dem der vorangegangenen vier Quartale. Trotz eines massiven Rückgangs der Arbeitnehmerüberlassungen in den vergangenen drei Jahren verringerten sich diese auch aktuell weiter spürbar. Ihr Einsatz erfolgt häufig im Verarbeitenden Gewerbe. Die Beschäftigtenzahl im Baugewerbe blieb nahezu unverändert. Die Vorhaben zur Erneuerung der Infrastruktur scheinen bislang noch nicht zu vermehrten Einstellungen im Baugewerbe zu führen. Relativ kräftig wurde in dem – allerdings relativ kleinen – Bereich der Energieversorgung eingestellt. Im Dienstleistungsbereich verlor vor allem der Handel weiter an Beschäftigung. Dies trifft auch auf die Informations- und Kommunikationsbranche zu. In den meisten Dienstleistungsbereichen überwogen jedoch weiterhin die Einstellungen. Der größte Beitrag kam erneut vom Gesundheits- und Pflegebereich, in dem massiv Personal ausgeweitet wird. Positiv entwickelte sich die Beschäftigung außerdem in der Logistik, dem Gastgewerbe, den Finanzdienstleistungen, der Öffentlichen Verwaltung einschließlich Verteidigung sowie den sonstigen, meist persönlichen Dienstleistungen.
Der Strukturwandel, dem die Industrie in Deutschland besonders ausgesetzt ist, führt gleichzeitig zu Personalabbau und Fachkräftemangel. So sind nicht nur zwischen den Branchen erhebliche Verschiebungen zu beobachten, sondern auch zwischen den Berufen. Die sich wandelnden beruflichen und qualifikatorischen Anforderungen führen dazu, dass selbst im Verarbeitenden Gewerbe nicht nur einfach Personal abgebaut wird. Gleichzeitig besteht ein dringender Bedarf an neuen Qualifikationen entsprechend sich wandelnder Anforderungen. So nimmt bereits seit einigen Jahren der Anteil der Personen in klassischen Produktionsberufen mit mittlerer Qualifikation ab. Dagegen werden tendenziell vermehrt Erwerbstätige mit erhöhten Anforderungs- und Qualifikationsprofilen oder neuen Berufsfeldern gesucht. 3 Zudem steigt die Nachfrage in IT-Berufen besonders stark. Die wichtigsten qualifikatorischen Anpassungsmechanismen sind der Generationenwechsel (Abgänge in Rente und Berufseinsteiger), Fachkräftezuwanderung und berufliche Neuorientierung. Derzeit und in den nächsten Jahren sind demografiebedingt die Abgänge in Rente besonders hoch. Dies ermöglicht vielen Industrieunternehmen, Personalabbau über die normale Fluktuation zu betreiben und betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden. 4 Darin dürfte einer der Gründe liegen, warum die Arbeitslosigkeit in den vergangenen drei Jahren trotz erheblicher struktureller Herausforderungen und lang anhaltender wirtschaftlicher Schwäche nur moderat gestiegen ist und gleichzeitig ein erheblicher Fachkräftemangel herrscht.
Die registrierte Arbeitslosigkeit blieb wie schon seit Frühjahr 2025 nahezu unverändert. Im Durchschnitt des vierten Quartals 2025 waren saisonbereinigt rund 7 000 Personen mehr arbeitslos als im Sommervierteljahr. Die Arbeitslosenquote blieb unverändert bei 6,3 %. Im Januar 2026 verharrte die registrierte Arbeitslosigkeit auf dem Vormonatsniveau von 2,98 Millionen Personen. Die gesamte Unterbeschäftigung, die gemäß dem Konzept der BA auch Teilnehmer von Sprach- und Integrationskursen sowie arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen mitzählt, ging wie schon im Sommer etwas zurück. Dies liegt vor allem an einer geringeren Zahl geförderter Maßnahmenteilnehmer, sodass sich die Differenz zwischen Arbeitslosigkeit und gesamter Unterbeschäftigung etwas verringerte.
Gemäß den Frühindikatoren besteht kaum Aussicht auf eine kurzfristige Verbesserung am Arbeitsmarkt. Das ifo Beschäftigungsbarometer, welches die Einstellungspläne der gewerblichen Wirtschaft für die nächsten drei Monate ermittelt, verbesserte sich im Januar zwar spürbar. Allerdings hatte es im Dezember seinen tiefsten Stand seit der Covid-Pandemie erreicht. Es überwiegen weiterhin die Personalabbaupläne. Das betrifft das Verarbeitende Gewerbe und den Handel, während die Dienstleistungen und das Baugewerbe neutrale Beschäftigungsaussichten signalisieren. Das IAB-Beschäftigungsbarometer, welches zusätzlich die öffentlich finanzierten Dienstleistungsbereiche wie Gesundheit, Bildung und Verwaltung berücksichtigt, befindet sich leicht oberhalb der neutralen Schwelle. Die Zahl der bei der BA gemeldeten offenen Stellen hatte sich nach sehr langem Rückgang zum Jahresende 2025 saisonbereinigt etwas erhöht, wobei die BA dies auf wenige meldende Unternehmen mit Großaufträgen zurückführte. 5 Dieser kleine Aufschwung setzte sich im Januar auch nicht fort. Der Zugang an neuen sozialversicherungspflichtigen Stellenofferten bei der BA ist weiterhin ausgesprochen niedrig. Insgesamt dürfte der Umfang der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung zunächst weiter stabil bleiben. Ähnliches gilt für die Arbeitslosigkeit in den kommenden drei Monaten. Das IAB-Barometer Arbeitslosigkeit ist im Januar etwas unterhalb die neutrale Schwelle gesunken. Dies steht im Einklang mit einer geringfügig steigenden oder sich kaum ändernden Arbeitslosigkeit.
4 Löhne im Herbst deutlich gestiegen
Die Tarifverdienste stiegen im vierten Quartal stark an. Einschließlich der Nebenvereinbarungen nahmen sie im Herbst um 3,4 % gegenüber dem Vorjahr zu, nachdem sie im Sommer stagniert hatten. Für den schwachen Anstieg im Sommer waren stark dämpfende Sondereffekte durch hohe Inflationsausgleichsprämien und Nachzahlungen im Vorjahr ursächlich gewesen. 6 Im Herbst schlugen solche Sondereffekte deutlich schwächer auf die gesamtwirtschaftlichen Tarifverdienste durch. 7 Ein anderes Bild ergibt sich daher, wenn aus den Tarifverdiensten diese Sondereffekte und andere Einmalzahlungen herausgerechnet und ausschließlich die Grundvergütungen betrachtet werden. Diese stiegen im Herbst mit 4,0 % gegenüber dem Vorjahr weiterhin kräftig, aber weniger stark als im Sommer (5,0 %). Dies ist darauf zurückzuführen, dass ältere Tarifabschlüsse mit höheren Stufenanhebungen nach und nach auslaufen und an Einfluss verlieren.
Die Tarifrunde 2026 fällt größer aus als im Vorjahr und betrifft rund 11 Millionen Beschäftigte. Die Tarifvertragsparteien verhandeln in diesem Jahr zum Beispiel in der Chemischen Industrie, im Einzel- und Großhandel sowie in der Metall- und Elektroindustrie. Im Öffentlichen Dienst der Länder (ohne Hessen) gab es im Februar einen Tarifabschluss, der wesentlich niedriger ausfiel als der vorherige Abschluss im Dezember 2023. Bei einer vergleichsweise langen vertraglichen Laufzeit sieht der neue Tarifvertrag moderate Lohnanhebungen vor, die voraussichtlich zu leichten Reallohnzuwächsen führen. In der aktuell in Verhandlungen stehenden Chemischen Industrie verzichtet die IGBCE ausdrücklich auf eine bezifferte Lohnforderung. Sie strebt aber höhere Einkommen an, die die Kaufkraft der Beschäftigten weiter stärken. Zugleich ist der Gewerkschaft die Beschäftigungssicherung ein wichtiges Anliegen. Die jüngsten Lohnforderungen der Gewerkschaften für verschiedene Branchen liegen derzeit zwischen 5 % und 7 % und damit etwas niedriger als im Vorjahr. Da sich das gesamtwirtschaftliche Umfeld wohl nur allmählich verbessert, dürften neue Tarifabschlüsse moderat ausfallen.
Die Effektivverdienste stiegen im Herbst voraussichtlich kräftig. Darauf weisen die Nominallöhne für Oktober bis Dezember aus der Verdiensterhebung des Statistischen Bundesamtes hin, die stärker zulegten als die Tarifverdienste. 8
Im Gesamtjahr 2025 erhöhten sich die Löhne weniger stark als in den Vorjahren. Die Effektivverdienste stiegen vorläufigen Werten des Statistischen Bundesamtes zufolge um 4,6 % gegenüber dem Vorjahr, nach 5,2 % im Jahr 2024. Die Tarifverdienste legten um 2,4 % zu, nach 6,2 % im Vorjahr. Die Lohndrift war damit 2025 deutlich im Plus. Dies liegt auch daran, dass die häufigen und hohen Inflationsausgleichsprämien 2024 überwiegend in tarifgebundenen Betrieben gezahlt wurden. Ihr Wegfall dämpfte 2025 die tariflichen Löhne deutlich stärker als die nicht- und außertariflichen Löhne, die lediglich in den Effektivverdiensten erfasst sind.
Der allgemeine gesetzliche Mindestlohn wurde zum 1. Januar 2026 um kräftige 8,4 % angehoben. Er stieg von 12,82 € auf 13,90 € je Stunde. Diese Erhöhung schlägt sich unmittelbar und besonders deutlich in den unteren Lohnsegmenten der arbeitsintensiven Niedriglohnbranchen nieder. Mittelbar trägt sie aber auch über Ausstrahleffekte auf etwas über dem Mindestlohn liegende Lohngruppen zu einem höheren gesamtwirtschaftlichen Lohnplus bei. Dies stützt den Anstieg der Effektivverdienste in diesem Jahr. 9
5 Inflationsrate zum Jahreswechsel bei etwa 2 %
Die Verbraucherpreise (HVPI) stiegen im Herbst etwas stärker an als in den beiden vorherigen Quartalen. Im Durchschnitt der Monate Oktober bis Dezember 2025 erhöhten sich die Verbraucherpreise saisonbereinigt um 0,6 %, nach 0,5 % in den beiden Vorquartalen. Die ohnehin dynamischen Dienstleistungspreise stiegen nochmals kräftiger. Besonders die Preise für Reisedienstleistungen legten deutlich zu. Aber auch andere Dienstleistungen verteuerten sich weiterhin spürbar. Hier schlugen sich die anhaltend kräftigen Lohnsteigerungen nieder. Der Preisauftrieb bei Industriegütern ohne Energie kam dagegen fast zum Erliegen. Hier dürfte sich die Aufwertung des Euro in der ersten Hälfte des Jahres 2025 verzögert niedergeschlagen haben. Die Dynamik der Nahrungsmittelpreise ließ aufgrund niedrigerer Rohstoffpreise ebenfalls deutlich nach. Dabei überlagerte der Rückgang der Preise für Molkereiprodukte den starken Preisanstieg bei Fleisch. Die Energiepreise stagnierten trotz im vierten Quartal 2025 im Vergleich zum Vorquartal rückläufiger Rohölpreise weitgehend. In der Vorjahresbetrachtung stieg die Inflationsrate im vierten Quartal 2025 unterstützt von Basiseffekten aus dem Vorjahr auf 2,3 %, nach 2,1 % im dritten Quartal. Die Kerninflationsrate (ohne Energie und Nahrungsmittel) erhöhte sich deutlich von 2,4 % auf 2,7 %. 10
Im Jahresdurchschnitt 2025 sank die Inflationsrate auf 2,3 %, von 2,5 % im Jahr 2024. Die Teuerung bei Dienstleistungen gab etwas nach, blieb aber weiterhin merklich erhöht. Hier dürften unter anderem die etwas weniger stark steigenden Lohnstückkosten eine Rolle gespielt haben. Auch der Preisanstieg von Industrieprodukten ohne Energie nahm weiter ab, wozu auch die Aufwertung des Euro beitrug. Die Energiepreise gingen wegen gesunkener Rohstoffpreise erneut zurück, wenn auch etwas weniger stark als im Vorjahr. Die Inflation bei Nahrungsmitteln entsprach etwa dem Vorjahreswert und damit dem historischen Durchschnitt unter Berücksichtigung der vergangenen Hochinflationsphase. Die restriktivere Geldpolitik der vorangegangenen Jahre wirkte auch 2025 noch dämpfend auf die Inflationsrate.
Die Verbraucherpreise erhöhten sich zum Jahresauftakt deutlich. Im Vergleich zum Dezember stiegen sie vorläufigen Schätzungen zufolge im Januar saisonbereinigt um 0,3 %. So legten die Energiepreise zu, was vor allem auf höhere Kraftstoffpreise zurückzuführen war. Dazu beigetragen hat die Anhebung des CO₂-Preises im Rahmen des nationalen Emissionshandels von 55 € je Tonne auf einen Korridor von 55 € bis 65 € zum Jahreswechsel. Damit allein lässt sich der deutliche Anstieg der Kraftstoffpreise jedoch nicht erklären. Zusätzlich dürften auch verschärfte Vorgaben der Treibhausgasminderungsquote (THG-Quote) eine Rolle gespielt haben. 11 Diese Effekte überwogen den dämpfenden Einfluss staatlicher Maßnahmen, wie die Verringerung der Übertragungsnetzentgelte oder die Abschaffung der Erdgasspeicherumlage. Auch die Nahrungsmittelpreise stiegen im Januar wieder an, nachdem sie sich in den Vormonaten kaum verändert hatten. Bei den Dienstleistungen verteuerten sich administrierte Dienstleistungen erneut deutlich, was unter anderem auf die Verteuerung des Deutschlandtickets von 58 € auf 63 € zurückzuführen ist. Die Preise in der Gastronomie waren trotz der zum Jahreswechsel gesenkten Umsatzsteuer auf Speisen aufwärtsgerichtet. Die Preise für Industrieprodukte stiegen im Januar wieder an, nachdem sie in den beiden Vormonaten deutlich nachgelassen hatten. In der Vorjahresbetrachtung stieg die Inflationsrate im Januar leicht auf 2,1 % von 2,0 % im Dezember. 12 Die Kernrate sank dagegen den europäischen amtlichen Schätzungen nach leicht von 2,5 % im Dezember auf 2,4 % im Januar.
In den nächsten Monaten dürfte sich die Inflationsrate in der Nähe der 2 %-Marke bewegen. Die Kernrate dürfte zunächst erhöht bleiben, weil die Dienstleistungspreise weiterhin dynamisch steigen, insbesondere die administrierten Preise im Gesundheitswesen und in der Altenpflege. Demgegenüber sollten sich Industriegüter ohne Energie weiterhin nur wenig verteuern. Die Nahrungsmittelpreise dürften in den nächsten Monaten moderat ansteigen. Die Energiepreise dürften trotz des jüngsten Anstiegs auch aufgrund von Basiseffekten aus dem Vorjahr vorerst weiterhin die Gesamtrate dämpfen. Die vielfältigen technischen Änderungen, die beim HVPI zum Jahresbeginn in Kraft traten (vgl. Exkurs „Zu den jüngsten technischen Änderungen des Harmonisierten Verbraucherpreisindex“), haben zwar unter anderem die Struktur des HVPI-Warenkorbs stark verändert und Anpassungen bei der Preisanalyse erforderlich gemacht. Den Ausblick für die Inflationsrate haben sie aber kaum beeinflusst.
Exkurs
Zu den jüngsten technischen Änderungen des Harmonisierten Verbraucherpreisindex
Zum Jahresbeginn 2026 traten mehrere technische Änderungen des Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) in Kraft. Mit dem Berichtsmonat Januar 2026 erhielt der Warenkorb, der dem HVPI zugrunde liegt, eine neue Struktur, und es wird nun zusätzlich Glücksspiel berücksichtigt. Außerdem wurden die Anteile der Waren und Dienstleistungen am HVPI-Warenkorb sowie die Ländergewichte für den HVPI im Euroraum turnusmäßig aktualisiert, und das Mitgliedsland Bulgarien kam hinzu. 1 Darüber hinaus gab es weitere Anpassungen. Unter anderem wurde der Bezugszeitraum des Index von 2015 auf 2025 aktualisiert, 2 und Eurostat vereinheitlichte die Rundungspraxis bei den veröffentlichten HVPI-Daten. 3
Der Warenkorb des HVPI wurde stark umstrukturiert und folgt nunmehr der Klassifikation ECOICOPvs2.ECOICOPvs2 steht für die Europäische Klassifikation der Konsumausgaben privater Haushalte nach Verwendungszweck (Version 2). 4 Diese ist an die UN-COICOP-2018-Klassifikation angelehnt. 5 Die Umstellung der Klassifikation ist die größte methodische Änderung des HVPI seit seiner Einführung 1997. 6 Sie gilt rückwirkend bis 2017 und beinhaltet Umbenennungen, Aufspaltungen und Zusammenfassungen einzelner Waren- und Dienstleistungsgruppen des HVPI-Warenkorbs. 7 Durch derartige Verschiebungen hat sich die Zusammensetzung der Zeitreihen auf den unteren Gliederungsebenen des HVPI wesentlich geändert. Dadurch lag beispielsweise die Spannweite zwischen höchster und niedrigster Teuerungsrate auf der sehr disaggregierten Ebene von rund 300 Komponenten des HVPI-Warenkorbs im Jahr 2024 gemäß der neuen Klassifikation niedriger als zuvor, wobei der HVPI insgesamt unverändert blieb.
Durch die Reklassifikation wurden HVPI-Spezialaggregate und Kernraten zurück bis 2017 revidiert. 8 Die beschriebenen Fünfsteller-Gruppen fügen sich nicht nur in die neue Klassifikation ECOICOPvs2-Hierarchie ein, sondern liegen seit 2017 auch den HVPI-Spezialaggregaten „Energie“, „Nahrungsmittel“, „Industriegüter ohne Energie“ und „Dienstleistungen“ zugrunde. 9 Diese spielen im geldpolitischen Kontext und bei der Definition von Kernraten eine besondere Rolle. Durch die Reklassifikation gehören einige Fünfsteller(-Teile) nun zu anderen Spezialaggregaten. 10 Insgesamt wurden ungefähr 20 Fünfsteller im ECOICOPvs2-System – auch nur teilweise – zwischen den großen Spezialaggregaten verschoben. 11 Dadurch kam es neben den Revisionen bei Fünfstellern zu solchen bei übergeordneten Aggregaten, wobei das Ausmaß der Revisionen mit dem Aggregationsgrad abnimmt. 12 Die Vorjahresraten der obersten Spezialaggregate, Energie, Nahrung, Dienste und Industriegüter ohne Energie, wurden daher im Zeitraum von 2018 bis 2025 in der Regel lediglich in einzelnen Monaten um bis zu 0,2 Prozentpunkte revidiert. 13 Ähnliches gilt für die Kernrate ohne Energie und Nahrungsmittel. Die HVPI-Gesamtrate sowie die Energie-Komponenten blieben konstruktionsbedingt unverändert durch die Reklassifikation.
Seit dem Berichtsmonat Januar 2026 berücksichtigt der HVPI Glücksspiele. Glücksspiele haben in Deutschland, aber auch in anderen europäischen Ländern, einen nennenswerten Anteil an den Konsumausgaben. Daher fließen sie seit Januar 2026 auf der Grundlage von Bruttospielerträgen und Auszahlungsquoten in allen Ländern des Euroraums auf harmonisierte Weise in den HVPI ein. 14 Im deutschen nationalen VPI ist Glücksspiel bereits seit längerem in Form von klassischen Lotterien und mit einem Warenkorbanteil von aktuell knapp 1 % enthalten. Die im nationalen VPI erfassten Preise für Glücksspiel änderten sich im Durchschnitt seit 1999 um rund 2 % gegenüber dem Vorjahr. Dabei schwankte die Teuerungsrate zwischen Werten von − 3 % und 21 % recht stark und teilweise sprunghaft. Insofern könnte die Berücksichtigung von Glücksspiel, zumindest in Deutschland, die Schwankung des HVPI erhöhen und die sprunghaften Preisänderungen bei Glücksspiel könnten sich in der HVPI-Gesamtrate bemerkbar machen.
Zum Jahresbeginn wurden die HVPI-Gewichte für alle Länder, einschließlich des neuen Euroraum-Mitgliedslandes Bulgarien, und Komponenten turnusgemäß aktualisiert. Die Gewichte des HVPI werden jährlich an die Verbrauchsstrukturen angepasst und mit der relativen Preisentwicklung der Warenkorbkomponenten fortgeschrieben. 15 Der Anteil der Dienstleistungen am Warenkorb erhöhte sich beispielsweise im Euroraum von 45,9 % auf 46,7 %, wohl auch, weil sich Dienstleistungen zuvor relativ stärker verteuert hatten. Außerdem stieg das Gewicht der Dienstleistungen durch die erstmalige Berücksichtigung von Glücksspiel im HVPI-Warenkorb. Dagegen sank das Gewicht der Waren leicht. Energie macht nunmehr 9,0 % am Warenkorb aus, Nahrungsmittel 18,9 % und Industriegüter ohne Energie 25,3 %.
Aus den technischen Anpassungen des HVPI ergibt sich kein besonderer Revisionsbedarf der Inflationsprognose für Deutschland vom Dezember 2025. 16 Die Inflationsprognose des Eurosystems vom Dezember 2025 berücksichtigte die technischen Anpassungen des HVPI zum Jahresbeginn 2026 noch nicht. Nach bisherigen Erkenntnissen dürften diese die Warenkorbstruktur des HVPI zwar verändern und insofern Anpassungen der Preisanalyse erforderlich machen. Die Auswirkungen auf die Spezialaggregate und damit auf die Prognose des HVPI insgesamt sollten aber gering sein. Mit Veröffentlichung der neuen Inflationsprognose des Eurosystems im März 2026 liegen den tatsächlichen und projizierten HVPI-Angaben wieder derselbe Datenstand zugrunde.
Exkurs
Die Preise für Wohnimmobilien in Deutschland im Jahr 2025
Die Preise für Wohnimmobilien in Deutschland stiegen 2025 moderat. Bei Zuwächsen der verfügbaren Einkommen und verhältnismäßig stabilem Arbeitsmarkt legte die Wohnraumnachfrage zu. Dazu trugen auch die etwas verbesserten Finanzierungsbedingungen bei. Indes schrumpfte die Angebotsausweitung weiter. Die Preise für Wohnimmobilien schwenkten im vergangenen Jahr auf einen Pfad ein, der weitgehend im Einklang mit den Fundamentalfaktoren steht. 1
Die Preisentwicklung war praktisch allen Preisindikatoren zufolge aufwärtsgerichtet. Gemäß den Angaben des Verbandes deutscher Pfandbriefbanken (vdp) stiegen die Preise für selbstgenutztes Wohneigentum 2025 um 2,6 %. Der Preisindex des Statistischen Bundesamtes ging im Durchschnitt der ersten drei Vierteljahre 2025 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 3,3 % nach oben. Der EPX-Preisindex für Wohnimmobilien der Hypoport AG stieg 2025 um 2,5 %.
Auch in den Städten zogen die Wohnimmobilienpreise im Jahresmittel an. In 127 Städten stiegen die Wohnimmobilienpreise laut Berechnungen auf Basis von Angaben der bulwiengesa AG im abgelaufenen Jahr um 1,3 %. Ein Jahr zuvor waren die Preise dort um 1,4 % gesunken. In den sieben Großstädten erhöhten sie sich um 1,2 %. Laut dem vdp-Preisindex für selbstgenutztes Wohneigentum gab es in den sieben Großstädten einen Anstieg um 3,3 %.
Die Teuerung bei Neuvertragsmieten ließ weiter nach. Laut vdp-Angaben legten die Neuvertragsmieten in Deutschland um 3,7 % zu. Gemäß Berechnungen anhand von Daten der bulwiengesa AG erhöhten sich die Mieten in neu abgeschlossenen Verträgen in den Städten um 2,9 %. In den sieben Großstädten stiegen sie um 2,6 %. Damit näherte sich die Teuerung bei Neuvertragsmieten den Preissteigerungen für Wohnimmobilien weiter an.
Die starke Nachfrage nach Wohnraum hielt 2025 an. Darin spiegeln sich der trotz der schwachen Konjunktur recht stabile Arbeitsmarkt, die aufgrund gesunkener Inflationsraten höhere Kaufkraft und die kräftigen Lohnzuwächse wider. Unter dem Strich war die reale Einkommenssituation der privaten Haushalte etwas besser als im Vorjahr. Die Zinsen für Hypothekarkredite ermäßigten sich im vergangenen Jahr nach ihrem drastischen Anstieg leicht. Zusammen mit den nominalen Einkommenszuwächsen glichen die etwas verbesserten Finanzierungskosten die Preisanstiege in etwa aus. Die Erschwinglichkeit von kreditfinanziertem Wohneigentum änderte sich daher kaum. Während sich die Nettozuwanderung abschwächte, setzte sich der langfristige Trend zu mehr Ein-Personen-Haushalten fort.
Dem Transaktionsindikator der Bundesbank zufolge erholte sich die Aktivität auf dem deutschen Wohnungsmarkt weiter von der Schwächephase der vorherigen Jahre. Das starke Wachstum bei den Transaktionen deutet darauf hin, dass während der vorangegangenen Jahre aufgeschobene Wohnimmobilienkäufe letztes Jahr immer mehr nachgeholt wurden. 2 Insgesamt blieb die Transaktionstätigkeit am Wohnimmobilienmarkt nur leicht hinter dem Ausmaß zurück, das sie zu Beginn des letzten Aufschwungs am Wohnimmobilienmarkt aufwies.
Die Ausweitung des Wohnraumangebots erreichte im vergangenen Jahr wohl ihren bisherigen Tiefpunkt. Die Anzahl der fertiggestellten Wohnungen dürfte hinter den 250 000 Einheiten des Jahres 2024, als die Angebotsausweitung erlahmte, deutlich zurückgeblieben sein. Darauf deuten die bis ins Jahr 2024 rückläufigen Baugenehmigungen hin, aus denen typischerweise erst mit einiger Verzögerung Fertigstellungen erwachsen. Im vergangenen Jahr erholten sich die Baugenehmigungen zwar etwas. Sie lagen insgesamt etwa 10 % über dem Wert von 2024. Dies ist jedoch noch kein Signal für eine wesentliche Verbesserung beim Wohnungsangebot. Ein wichtiger Grund für die geringe Angebotsausweitung sind die hohen Material- und Lohnkosten im Baugewerbe, die 2025 weiter stiegen. Sie machten Investitionen in zusätzlichen Wohnraum teilweise unrentabel. Hinzu kam, dass Bauland nach wie vor knapp war.
Die Preise für Wohnimmobilien in Deutschland entwickelten sich 2025 weitgehend im Einklang mit den Fundamentaldaten. Den Ergebnissen des regional differenzierten Panel-Schätzmodells zufolge lagen die Wohnimmobilienpreise in deutschen Städten 2025 in etwa bei dem Wert, der angesichts der soziodemografischen und wirtschaftlichen Fundamentalfaktoren angemessen ist. 3 Bezogen auf Deutschland insgesamt entwickelten sich die Preise für Wohnimmobilien gemäß ihrer Langfristbeziehung mit Zinsen und Einkommen. Das Verhältnis von Kaufpreis zu Jahresmiete für Wohnungen in den Städten und das gesamtwirtschaftliche Kaufpreis-Einkommen-Verhältnis sank 2025 weiter. Beide Maße überschritten ihren langfristigen Mittelwert um weniger als 15 %.
Die jüngsten Preisübertreibungen lösten sich regional gesehen stark unterschiedlich auf. Untersuchungen der Bundesbank auf Basis kreisspezifischer Daten zeigen, dass die Immobilienpreise nach ihrem Höhepunkt um 2022 in manchen Gegenden besonders kräftig sanken. Dies war dort der Fall, wo der Preisaufschwung zuvor überaus stark gewesen war. Zudem lässt sich in der Rückschau erkennen, dass die Preise in denjenigen Regionen, in denen der Grundstückswertanteil bei Immobilien besonders zugenommen hatte oder die Angebotsausweitung bei Wohnraum ausgesprochen starr war, ab etwa 2022 stärker als anderswo sanken. Offenbar begünstigten diese Faktoren die anschließenden Preisrückgänge. In den Städten waren es vor allem deutliche Preisrückgänge, die zur Rückkehr der Preise auf den Fundamentalkurs beitrugen. Auf dem Land hatte sich indes das Wohnraumangebot vor 2022 wesentlich stärker ausgeweitet. Dies milderte die Preisausschläge in beide Richtungen. Hinzu kamen dort ab etwa 2022 recht kräftige Zuwächse bei den Neuvertragsmieten. Auch deswegen ist in ländlichen Gebieten trotz geringerer Preisrückgänge ab 2022 – in manchen Fällen sogar ununterbrochener Anstiege – von keinem weiteren maßgeblichen Rückschlagpotenzial auszugehen.
6 Im ersten Quartal 2026 dürfte Wirtschaftsleistung nur verhalten wachsen
Im ersten Quartal dürfte die Wirtschaft die Expansion fortsetzen, wenngleich nur mit schwacher Dynamik. Die Geschäftserwartungen der Unternehmen waren laut ifo Institut im Januar mehrheitlich noch pessimistisch, und sie schätzten ihre Geschäftslage als ungünstig ein. Die schwache Kapazitätsauslastung in der Industrie dämpft nach wie vor die Investitionen. Aufgrund der schlechten Wettbewerbsposition profitiert die deutsche Industrie zudem nur begrenzt vom wachsenden Welthandel. Die Nachfrage nach deutschen Industrieerzeugnissen erhöhte sich zwar zuletzt kräftig. Ein großer Teil der besonders stark gestiegenen Auftragseingänge aus dem Inland dürfte jedoch Großaufträgen im Zusammenhang mit zusätzlichen Staatsausgaben für die Verteidigung zuzuschreiben sein, die nicht unmittelbar produktionswirksam werden. Im Bau vergaben öffentliche Stellen in der Grundtendenz ebenfalls deutlich mehr neue Aufträge. Da auch im Wohnungsbau die Auftragseingänge zuletzt kräftig stiegen, verbreitert sich die Nachfragebelebung im Bau. Allerdings könnte die im Vergleich zum Ende des Vorquartals bislang eher ungünstige Witterung die Bauproduktion dämpfen. Außerdem weisen erste verfügbare Indikatoren darauf hin, dass der private Konsum sein erhöhtes Niveau möglicherweise nicht wird halten können. Ab dem Frühjahr dürfte die deutsche Wirtschaft, getragen vor allem durch fiskalische Impulse, aber dynamischer wachsen.
Die Industrie und die Exporte dürften im laufenden Quartal zulegen. Für die kurzfristigen Aussichten der Industrie gab es zuletzt zwar einige Signale, die zur Vorsicht mahnen. So blieben die Produktionspläne laut ifo Institut im Januar unter dem Vorquartal. Zudem ging die Kapazitätsauslastung gegenüber Oktober wieder etwas zurück, nachdem sie zuvor ein Jahr lang gestiegen war. Auch sank die Produktion von Kraftfahrzeugen im Januar den Angaben des VDA zufolge gegenüber dem Vormonat und Vorquartal. Für eine Fortsetzung der Erholung in der Industrie spricht aber, dass sich die Geschäftslage im Verarbeitenden Gewerbe laut ifo Institut im Januar verbesserte. Dahinter dürfte stehen, dass sich die Nachfragesituation der Industrieunternehmen erkennbar aufhellt. Der Auftragseingang in der deutschen Industrie erhöhte sich im Dezember 2025 saisonbereinigt sehr stark. Wie schon im Oktober und November trugen insbesondere Inlandsaufträge zu dem kräftigen Anstieg bei. Dabei nahm der Umfang von Großaufträgen zum dritten Mal in Folge zu. Auch im vierten Quartal insgesamt legte der Auftragseingang im Vergleich zum Vorquartal kräftig zu. Und selbst ohne Großaufträge war der Zuwachs immer noch deutlich. Für den äußerst kräftigen Anstieg der Inlandsaufträge im vierten Quartal dürften Aufträge für Militärausrüstungen eine Rolle gespielt haben. So erhöhten sich die Neuaufträge im Sonstigen Fahrzeugbau, zu welchem auch Militärfahrzeuge zählen, stark. Zudem stiegen die Inlandsaufträge der Hersteller von Waffen und Munition kräftig an. Es dürfte zwar einige Zeit dauern, bis sich diese Aufträge in einer merklich höheren Produktion niederschlagen. Sie stützen aber die Erwartung, dass im weiteren Verlauf dieses Jahres deutliche Wachstumsimpulse von der Fiskalpolitik kommen. Auch aus dem Ausland erhöhten sich die Neuaufträge mit und ohne Großaufträge. Damit zeichnet sich nach den Rückschlägen im Umfeld der Zollerhöhungen mittlerweile eine Aufwärtstendenz in der Auslandsnachfrage ab. Dazu passt, dass im Januar die Exporterwartungen laut ifo Institut anstiegen. Die Exporte dürften daher zulegen.
Der private Konsum könnte sich dagegen wieder abschwächen. Dies signalisieren die Umfragen des ifo Instituts für die konsumnahen Dienstleistungen. Die Geschäftslage im Einzelhandel verbesserte sich im Januar zwar gegenüber dem Vormonat, unterschritt jedoch das Mittel des Vorquartals. Im Gastgewerbe verschlechterte sich die Geschäftslage sogar sowohl gegenüber dem Vormonat als auch gegenüber dem Vorquartal. Die privaten Haushalte hielten sich außerdem zuletzt mit der Anschaffung von Personenkraftwagen zurück. Gemäß Angaben des VDA sanken die Kraftfahrzeugzulassungen privater Halter im Januar kräftig. Der GfK Konsumklimaindex verbesserte sich zwar zuletzt gegenüber dem schlechten Vormonatswert. Insbesondere die Einkommenserwartung aber auch die Anschaffungsneigung und die Konjunkturerwartungen legten zu. Dennoch blieb das Konsumklima auch für den Februar hinter dem Durchschnitt des Vorquartals zurück.
In diesem Beitrag wurden Daten bis zum 18. Februar 2026, 11:00 Uhr berücksichtigt.