Geldpolitik und Bankgeschäft Monatsbericht – Mai 2026
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Geldpolitik und Bankgeschäft Monatsbericht – Mai 2026
Monatsbericht
1 Geldpolitik und Geldmarktentwicklung
Auf seiner geldpolitischen Sitzung im März 2026 ließ der EZB-Rat die Leitzinssätze unverändert. Der Krieg im Nahen Osten hat zu deutlich unsichereren Aussichten geführt. Der damit einhergehende Energiepreisschock hat Aufwärtsrisiken für die Inflation und Abwärtsrisiken für das Wirtschaftswachstum zur Folge. Dabei werden die mittelfristigen Auswirkungen sowohl von der Intensität und der Dauer des Konflikts als auch davon abhängen, wie die Energiepreise auf die Verbraucherpreise durchschlagen und die Wirtschaft beeinträchtigen. Die vom EZB-Stab im März erstellten Projektionen wurden im Vergleich zu den Dezember-Projektionen nach oben revidiert und erwarten nun im Basisszenario eine durchschnittliche Gesamtinflation von 2,6 % für 2026, 2,0 % für 2027 und 2,1 % für 2028. Bereits dieses Basisszenario enthielt über den zugrunde liegenden Zinspfad die Annahme von zwei Zinsschritten in der zweiten Jahreshälfte.
Seit März haben sich die Zinserhöhungserwartungen an den Finanzmärkten verfestigt. So erwarteten die Teilnehmer an der vor der Sitzung im April durchgeführten Eurosystem-Umfrage unter Geldmarktexperten (Survey of Monetary Analysts) im Median zwei Zinserhöhungen um jeweils 25 Basispunkte im Jahr 2026. In den Geldmarktterminsätzen, die vor dem Hintergrund des anhaltenden Konflikts im Nahen Osten eine erhöhte Volatilität aufweisen, sind für das laufende Jahr aktuell zwei bis drei Zinserhöhungen eingepreist. Die verstärkten Zinserhöhungserwartungen dürften darauf zurückzuführen sein, dass die Entwicklung der Energiepreise auf einen ausgeprägteren negativen Angebotsschock mit höherer Inflation und gedämpfter konjunktureller Dynamik hindeutet als in der Basislinie der März-Projektionen unterstellt.
In Anbetracht der ab Jahresmitte eingepreisten Zinsschritte ließ der EZB-Rat im April die Leitzinsen unverändert. Damit liegt der Zinssatz für die Einlagefazilität, mit dem der EZB-Rat den geldpolitischen Kurs steuert, weiterhin bei 2 % (siehe Schaubild 2.1). Der EZB-Rat betonte in diesem Zusammenhang, dass sich die Aufwärtsrisiken für die Inflation und die Abwärtsrisiken für das Wachstum im Vergleich zur Sitzung im März weiter erhöht haben.
Vor dem Hintergrund des ausgeprägten Energiepreisschocks hat sich die Kommunikationslinie des EZB-Rats zur Inflation und zur realwirtschaftlichen Aktivität gegenläufig entwickelt; dies zeigen auch textbasierte Analysen mit künstlicher Intelligenz (KI). Eine Auswertung der veröffentlichten Erklärungen des EZB-Rats mit dem von der Bundesbank entwickelten KI-Modell MILA (Monetary-Intelligent Language Agent) 1 schätzt das zuvor balancierte Inflationsnarrativ im März als sichtbar restriktiver ein (siehe Schaubild 2.2). Das wirtschaftliche Narrativ wurde laut MILA hingegen wieder deutlich weniger restriktiv als in den Vormonaten. Diese gegenläufige Entwicklung bei den Narrativen, die sich im April noch verstärkte, steht im Einklang mit den oben beschriebenen Auswirkungen eines negativen Angebotsschocks auf die Inflation und auf das Wirtschaftswachstum.
Die kurzfristigen Geldmarktsätze blieben weiterhin nahezu unverändert. Die Euro-Short Term Rate(€STR) notierte zuletzt bei 1,93 % und damit rund 7 Basispunkte unterhalb des Niveaus des Einlagesatzes.
Die geldpolitischen Wertpapierbestände sind weiter rückläufig. Die Rückzahlungsbeträge und Zinserträge der Wertpapierbestände im Rahmen des Programms zum Ankauf von Vermögenswerten (Asset Purchase Programme, APP) und des Pandemie-Notfallankaufprogramms (Pandemic Emergency Purchase Programme, PEPP) werden weiterhin nicht wiederangelegt. Insgesamt hielt das Eurosystem am 8. Mai dem APP zugehörige Aktiva in Höhe von 2 174,6 Mrd €. Die im Rahmen des PEPP ausgewiesenen Wertpapierbestände lagen am selben Tag bei 1 345,8 Mrd €.
Die Überschussliquidität nahm weiterhin ab. Ihr Volumen lag zuletzt bei 2 248,8 Mrd €. Für den Rückgang waren vor allem die auslaufenden Wertpapiere im APP und PEPP verantwortlich.
2 Monetäre Entwicklung im Euro-Währungsgebiet
Das Geldmengenwachstum verstetigte sich im ersten Quartal 2026. Die Jahreswachstumsrate von M3 lag Ende März bei 3,2 % und stieg damit verglichen zum Vorquartal etwas an (siehe Schaubild 2.3). Ausschlaggebend für das robuste Wachstum waren ein anhaltender Aufbau täglich fälliger Einlagen sowie ein verstärktes Interesse der Anleger an marktnah verzinsten Geldmarktfonds und kurzfristigen Bankschuldverschreibungen. Die Entwicklung war damit sowohl von einer erhöhten Liquiditätspräferenz als auch von renditeorientierten Umschichtungen geprägt. Auf der Entstehungsseite stützte die fortgesetzte Erholung der Kreditvergabe an den inländischen Privatsektor die monetäre Dynamik. Die Kreditvergabe an nichtfinanzielle Unternehmen blieb aufwärtsgerichtet, wobei der Anteil von Ausleihungen mit langen Laufzeiten zuletzt deutlich abnahm. Neben der Kreditvergabe trug auch eine erhöhte Auslandsnachfrage nach inländischen Wertpapieren, vor allem nach Staatsanleihen, Aktien und Investmentfondsanteilen, zur monetären Dynamik bei.
Im ersten Quartal 2026 erhöhten Haushalte und Unternehmen ihre Bestände an kurzfristigen Bankeinlagen weiter. Dies lag vor allem daran, dass nichtfinanzielle Unternehmen und private Haushalte erneut in größerem Umfang täglich fällige Einlagen aufbauten. Die Präferenz des nichtfinanziellen Privatsektors für hoch liquide Mittel setzte sich damit fort, obgleich die Zuflüsse insgesamt geringer als im Vorquartal blieben (siehe Schaubild 2.4). Nichtfinanzielle Unternehmen fragten zudem erstmals seit dem zweiten Quartal 2024 wieder verstärkt kurzfristige Termineinlagen nach. Finanzunternehmen hingegen verringerten ihre kurzfristigen Einlagen im Januar und Februar deutlich. Angesichts der zu Jahresbeginn erwarteten konjunkturellen Erholung investierten sie vermutlich einen Teil ihrer liquiden Mittel in rentablere Anlageformen. Nach Ausbruch des Irankriegs kamen diese Umschichtungen jedoch zum Stillstand. Angesichts des neuerlichen Anstiegs der Unsicherheit stockten im März sowohl finanzielle als auch nichtfinanzielle Unternehmen erneut ihre Bestände hoch liquider, täglich fälliger Einlagen auf.
Außerdem stieg im Berichtsquartal das Interesse der Anleger an marktnah verzinsten Geldmarktfondsanteilen. Diese Entwicklung betraf besonders Frankreich und Irland. Zudem fragten Investoren verstärkt kurzfristige Bankschuldverschreibungen nach, die einen Renditevorteil gegenüber Bankeinlagen boten. Dieser Vorteil nahm zum Quartalsende, getrieben von Erwartungen weiterer Leitzinserhöhungen, nochmals zu. Längerfristige Bankeinlagen und Bankschuldverschreibungen wurden zwar ebenfalls nachgefragt, jedoch in geringerem Umfang als in den Vorquartalen. Dies dürfte damit zusammenhängen, dass ihre Renditen weniger stark stiegen als die Renditen kürzer laufender Papiere.
Die Forderungen der Banken an Nichtbanken im Euroraum entwickelten sich im ersten Quartal 2026 insgesamt zwar etwas verhaltener als im Vorquartal, blieben jedoch auf Expansionskurs. Getragen wurde das Wachstum vor allem von den Buchkrediten an den Privatsektor, die ihre 2023 begonnene Erholung per saldo fortsetzten (siehe Schaubild 2.3). Dagegen nahmen die Wertpapierforderungen der Banken gegenüber Nichtbanken unter dem Einfluss des fortgesetzten Abbaus der Wertpapierbestände des Eurosystems leicht ab.
Tabelle 2.1: Konsolidierte Bilanz des MFI-Sektors im Euroraum1) Veränderung gegenüber Vorquartal in Mrd €, saisonbereinigt
Aktiva
2025 4. Vj.
2026 1. Vj.
Passiva
2025 4. Vj.
2026 1. Vj.
Forderungen gegenüber privaten Nicht-MFIs im Euroraum
182,2
152,0
Verbindlichkeiten gegenüber Zentralstaaten2)
– 32,8
19,0
davon:
Buchkredite
167,1
148,4
Geldmenge M3
208,5
154,8
Buchkredite, bereinigt3)
176,8
146,5
davon Komponenten:
Wertpapiere
15,2
3,6
Bargeld und täglich fällige Einlagen (M1)
161,9
96,4
Übrige kurzfristige Einlagen (M2-M1)
77,7
– 8,6
Forderungen gegenüber öffentlichen Haushalten im Euroraum
10,2
14,4
Marktfähige Finanzinstrumente (M3-M2)
– 31,1
67,1
davon:
Buchkredite
4,7
24,8
Geldkapital
110,4
39,8
Wertpapiere
5,5
– 10,5
davon:
Kapital und Rücklagen
54,5
4,0
Nettoforderungen gegenüber Ansässigen außerhalb des Euroraums
84,0
154,6
Sonstige längerfristige Verbindlichkeiten
56,0
35,8
Andere Gegenposten von M3
9,8
– 107,3
1 Statistisch bedingte Veränderungen (zum Beispiel statistische Brüche) und Umbewertungen ausgeschaltet. 2 Einschließlich Einlagen der Zentralstaaten beim MFI-Sektor sowie der von Zentralstaaten gehaltenen Wertpapiere, die vom MFI-Sektor begeben wurden. 3 Bereinigt um Kreditverkäufe, Kreditverbriefungen und um Positionen im Zusammenhang mit durch MFIs erbrachten fiktiven Cash-Pooling-Dienstleistungen.
Die Vergabe von Buchkrediten an nichtfinanzielle Unternehmen blieb im ersten Quartal 2026 aufwärtsgerichtet. Zwar fiel der Zuwachs nach dem kräftigen Anstieg im Vorquartal etwas geringer aus (siehe Schaubild 2.5). Insgesamt setzte sich der Anfang 2024 begonnene Erholungskurs aber fort; die Jahresrate stieg weiter leicht auf 3,2 %. Dabei fielen die nationalen Beiträge erneut recht unterschiedlich aus: So ging die Kreditvergabe deutscher Banken an nichtfinanzielle Unternehmen im Berichtsquartal leicht zurück (siehe Abschnitt „Einlagen- und Kreditgeschäft deutscher Banken mit inländischen Kunden“). Hingegen legten die Ausleihungen von Banken in anderen Ländern mit konjunkturell besserer Lage teilweise deutlich zu, vor allem in Spanien und Italien, aber auch in Frankreich.
Zum Wachstum der Unternehmenskredite trugen alle Laufzeitsegmente bei, wobei der Anteil langfristiger Ausleihungen sich im Quartalsverlauf verringerte. Die Entwicklung nach Laufzeiten wurde merklich von den Auswirkungen des Krieges im Iran beeinflusst, die den Monat März betrafen. In diesem Monat verschoben sich die Gewichte deutlich von langen Laufzeiten hin zu kurz- und mittelfristigen Ausleihungen. Verantwortlich dafür dürfte vor allem eine durch die Unsicherheit bedingte Zurückhaltung der Banken und Unternehmen bei der Finanzierung langfristiger Investitionen gewesen sein.
Die Ergebnisse des Bank Lending Surveydeuten darauf hin, dass die Banken im Euroraum ihre Angebotspolitik für Unternehmenskredite im ersten Quartal weiter verschärften. Die befragten Banken berichteten von einer erneuten und gegenüber dem Vorquartal verstärkten Straffung der Kreditrichtlinien sowie von restriktiveren Kreditbedingungen, was vor allem auf eine gestiegene Risikowahrnehmung und eine geringere Risikobereitschaft zurückzuführen war. Hierzu trug laut Bankangaben auch der Krieg im Iran bei. 2 Die befragten Banken strafften ihre Richtlinien für längerfristige Kredite per saldo stärker als für kurzfristige. Sie passten ihr Kreditangebot damit auch über eine Verkürzung der Kreditlaufzeiten restriktiv an. Gleichzeitig ging die Nachfrage nach Unternehmenskrediten leicht zurück, weil Unternehmen weniger längerfristige Kredite für die Finanzierung von Anlageinvestitionen nachfragten.
Die Kreditvergabe an private Haushalte schwächte sich gegenüber dem kräftigen Vorquartal spürbar ab. Verantwortlich dafür waren vor allem die Wohnungsbaukredite, deren zuvor kräftige Dynamik einen deutlichen Dämpfer erhielt (siehe Schaubild 2.5). Nach Angaben der im BLS befragten Banken belasteten ein verschlechtertes Verbrauchervertrauen und die Entwicklung des allgemeinen Zinsniveaus die Kreditnachfrage. Auch die Dynamik der Konsumentenkredite nahm vor dem Hintergrund gestiegener Kreditzinsen ab. Die sonstigen Kredite an private Haushalte, zu denen auch die Kredite an Selbstständige zählen, legten zwar etwas zu, konnten die schwächere Entwicklung in den anderen Segmenten jedoch nicht ausgleichen.
Die Ergebnisse des BLS deuten nicht darauf hin, dass kreditangebotsseitige Faktoren den zuvor beobachteten Auftrieb bei Wohnungsbaukrediten gebremst haben. Die befragten Banken verschärften ihre Richtlinien für Wohnungsbaukredite per saldo kaum und ließen ihre Kreditbedingungen insgesamt unverändert. Zwar wirkten sich auch hier eine verschlechterte Risikoeinschätzung und eine verringerte Risikotoleranz restriktiv aus. Dem standen jedoch expansive wettbewerbliche Einflüsse gegenüber. Nach Angaben der Banken sanken daher die Margen für Kredite mit durchschnittlichem Risikoprofil weiter.
Bei Konsumentenkrediten und sonstigen Krediten an private Haushalte fiel das Bild aus dem BLS restriktiver aus. Die Kreditrichtlinien wurden erneut und stärker als im Vorquartal verschärft, vor allem wegen höherer Risikowahrnehmungen und einer geringeren Risikotoleranz der Banken. Ergänzend dazu wurden auch die Kreditbedingungen insgesamt gestrafft. Zugleich nahm die Nachfrage nach Konsumentenkrediten und sonstigen Krediten deutlich ab. Dies hing insbesondere mit einer schwächeren Nachfrage nach langlebigen Konsumgütern und einem geringeren Verbrauchervertrauen zusammen.
Neben der Kreditvergabe an den Privatsektor leistete auch die Netto-Auslandsposition des MFI-Sektors einen beträchtlichen positiven Beitrag zum Geldmengenwachstum im Euroraum. Vorläufige Zahlungsbilanzdaten deuten darauf hin, dass Gebietsfremde ihren Nettoerwerb von Wertpapieren aus dem Euroraum gegenüber dem Vorquartal nochmals deutlich ausweiteten. Im Vordergrund standen dabei erneut von den Mitgliedsländern begebene Schuldverschreibungen sowie Aktien und Investmentfondsanteile. Demgegenüber erwarben inländische Nicht-MFIs weiterhin in deutlich geringerem Umfang ausländische Wertpapiere. Verantwortlich dafür dürfte unter anderem die erhöhte geopolitische Unsicherheit gewesen sein.
3 Einlagen- und Kreditgeschäft deutscher Banken mit inländischen Kunden
Im ersten Quartal 2026 bauten inländische Nichtbanken ihre Einlagenbestände bei deutschen Banken weiter aus. Die größten Zuflüsse kamen von privaten Haushalten, die ihre täglich fälligen Einlagen deutlich erhöhten (siehe Schaubild 2.6). Die gestiegene wirtschaftliche Unsicherheit und die anhaltende Konjunkturschwäche führten dazu, dass private Haushalte verstärkt hoch liquide Einlagen bevorzugten. Finanzielle Unternehmen bauten zudem ihre Bestände an kurzfristigen Termingeldern weiter aus und nutzten den Renditevorteil gegenüber täglich fälligen Einlagen (siehe Schaubild 2.7).
Über alle Sektoren hinweg wuchsen die Einlagen jedoch weniger stark als im Vorquartal. Zum einen reduzierten nichtfinanzielle Unternehmen ihre täglich fälligen Einlagen und schichteten diese teilweise in kurzfristige Termineinlagen um. Diese Entwicklung war vor allem im Januar und Februar zu beobachten, kehrte sich im März angesichts des Iran-Konflikts und seiner wirtschaftlichen Auswirkungen jedoch um. Zum anderen gingen die kurzfristigen Termineinlagen der öffentlichen Haushalte (ohne Bund) zurück, nachdem insbesondere die Sozialversicherungen diese im Vorquartal noch zur kurzfristigen Anlage von Mitteln genutzt hatten.
Die Zuwächse im Kreditgeschäft deutscher Banken mit inländischen Kunden blieben im ersten Quartal 2026 leicht unter dem Durchschnitt des Vorjahres. Der Großteil des Geschäfts entfiel auf Buchkredite an den inländischen Privatsektor; der Umfang der Kreditvergabe war – ähnlich wie im Vorquartal – moderat. Kreditnehmer waren insbesondere private Haushalte und finanzielle Unternehmen. Die Zuflüsse zu den Krediten an die öffentlichen Haushalte fielen ähnlich hoch aus wie im Vorquartal und blieben damit deutlich unter den hohen Werten der vorangegangenen Quartale. Ein Grund hierfür war, dass sich das Interesse der Banken an öffentlichen Anleihen nur leicht erholte.
Tabelle 2.2: Banken in Deutschland: Kredit- und Einlagenentwicklung1) Veränderung gegenüber Vorquartal in Mrd €, saisonbereinigt
Position
2025
2026
4. Vj.
1. Vj.
Einlagen von inländischen Nicht-MFIs2)
täglich fällig
52,5
21,6
mit vereinbarter Laufzeit
bis zu 2 Jahren
15,1
– 0,6
über 2 Jahre
2,6
2,1
mit vereinbarter Kündigungsfrist
bis zu 3 Monaten
– 3,4
– 4,6
über 3 Monate
– 1,6
1,3
Kredite
Kredite an inländische öffentliche Haushalte
Buchkredite
6,7
2,6
Wertpapierkredite
– 0,6
3,9
Kredite an inländische Unternehmen und Privatpersonen
Buchkredite3)
15,7
14,5
darunter:
an private Haushalte4)
11,0
9,6
an nichtfinanzielle Unternehmen5)
– 2,5
– 0,3
Wertpapierkredite
– 1,1
1,7
1 Banken einschließlich Geldmarktfonds. Quartalsendstände, statistisch bedingte Veränderungen (zum Beispiel statistische Brüche) und Umbewertungen ausgeschaltet. 2 Unternehmen, private Haushalte (sowie private Organisationen ohne Erwerbszweck) und öffentliche Haushalte (ohne Bund). 3 Bereinigt um Kreditverkäufe und -verbriefungen. 4 UndPrivate Organisationen ohne Erwerbszweck. 5 Nichtfinanzielle Kapitalgesellschaften und Quasi-Kapitalgesellschaften.
Die Kreditvergabe an private Haushalte schwächte sich im ersten Quartal 2026 etwas ab, wobei auch die Wohnungsbaukredite an Dynamik verloren. Zwar ist der Bedarf an Wohnraum unverändert hoch, jedoch hat der seit Anfang 2025 zu beobachtende leichte Anstieg der Zinssätze für Wohnungsbaukredite die Finanzierungskosten erhöht (siehe Schaubild 2.8). Zudem setzte sich im Jahr 2025 die Aufwärtsbewegung bei Wohnimmobilienpreisen und Baukosten fort, während sich die Situation am Arbeitsmarkt und damit die Einkommensaussichten der privaten Haushalte zuletzt eintrübten. Vor diesem Hintergrund blieb die Jahresrate der Wohnungsbaukredite zum Ende des ersten Quartals unverändert bei 2,5 %.
Die Ergebnisse des BLS stützen das Bild einer nachlassenden Nachfrage nach Wohnungsbaukrediten. Nach Angaben der befragten Banken ging die Nachfrage im ersten Quartal 2026 erstmals seit zwei Jahren geringfügig zurück. Als dämpfende Faktoren nannten die Institute vor allem das gesunkene Verbrauchervertrauen, sowie das höhere allgemeine Zinsniveau. Zugleich gingen von den Aussichten auf dem Wohnimmobilienmarkt erstmals seit zwei Jahren keine positiven Impulse mehr aus. Angebotsseitig blieben die Kreditrichtlinien für private Wohnungsbaukredite nahezu unverändert. Dagegen strafften die BLS-Banken die Kreditbedingungen per saldo leicht; dies zeigte sich vor allem in höheren Kreditzinssätzen.
Bei den Konsumentenkrediten verlor die in den Vorquartalen beobachtete Erholung etwas an Dynamik. Dazu dürfte beigetragen haben, dass sich der Arbeitsmarkt weiter abschwächte und das Lohnwachstum nachließ. Die sonstigen Kredite, zu denen auch Kredite an Selbstständige zählen, wurden erneut zurückgeführt, wenn auch weniger stark als in den Vorquartalen (siehe Schaubild 2.9). Die Ergebnisse des BLS bestätigen dieses Bild: Über beide Kreditsegmente hinweg berichteten die befragten Banken von einem deutlichen Rückgang der Nachfrage. Ausschlaggebend waren aus Sicht der Institute vor allem rückläufige Ausgaben der privaten Haushalte für langlebige Konsumgüter, ein gesunkenes Verbrauchervertrauen sowie das höhere allgemeine Zinsniveau. Angebotsseitig setzten die Banken die Straffung der Kreditrichtlinien fort. Auch die Kreditbedingungen passten sie restriktiv an.Sie begründeten dies vor allem mit einem gestiegenen Kreditrisiko und ihrer gesunkenen Risikotoleranz.
Eine Belebung des Kreditgeschäfts der Banken mit nichtfinanziellen Unternehmen blieb angesichts des weiterhin schwierigen Umfelds aus.Mit - 0,2 % blieb die Jahresrate Ende März leicht negativ. Die anhaltende Konjunkturschwäche in Deutschland, geo- und handelspolitische Spannungen sowie zunehmende strukturelle Herausforderungen belasteten die Kreditnachfrage der Unternehmen auch im ersten Quartal 2026. Die Kapazitätsauslastung verharrte auf niedrigem Niveau und dämpfte die Investitionsneigung der Unternehmen. Der Krieg im Nahen Osten erhöhte die Unsicherheit über die wirtschaftlichen Aussichten weiter. Dabei waren die Belastungen über Unternehmen und Sektoren hinweg ungleich verteilt.
Der Zuwachs bei den langfristigen Ausleihungen, die üblicherweise der Investitionsfinanzierung dienen, blieb hinter den Vorquartalen zurück. Zugleich setzte sich der Abbau kurz- und mittelfristiger Ausleihungen fort. Ein erhöhter kurzfristiger Liquiditätsbedarf infolge kriegsbedingter Energiepreissteigerungen oder Lieferengpässe ist somit in der Bankenstatistik bislang nicht erkennbar. Allerdings beobachteten die im BLS befragten Banken einen marginalen Anstieg der Nachfrage nach kurzfristigen Krediten, während der Finanzierungsbedarf für Anlageinvestitionen nach Einschätzung der BLS-Banken zurückging.
Die Banken strafften ihre Kreditvergabepolitik im ersten Quartal 2026 weiter; zusätzliche Verschärfungen infolge des Krieges im Nahen Osten blieben bislang jedoch aus.Nach Angaben der im BLS befragten Banken wurden die Kreditrichtlinien für Unternehmenskredite per saldo ähnlich stark gestrafft wie im Vorquartal (siehe Schaubild 2.10).Zusätzliche, über die Planungen aus dem Vorquartal hinausgehende Straffungen infolge des Krieges im Nahen Osten meldeten die BLS-Banken hingegen nicht. Ausschlaggebend für die neuerliche Anpassung der Richtlinien waren vor allem branchen- und firmenspezifische Faktoren. Zudem wirkten die gedämpfte allgemeine Wirtschaftslage und die Konjunkturaussichten sowie eine geringere Risikotoleranz der Banken erneut restriktiv. Außerdem gaben die BLS-Banken zum wiederholten Mal an, dass die Quote notleidender Kredite sowie andere Indikatoren der Kreditqualität zu Straffungen der Kreditrichtlinien beigetragen hätten. Auch die Kreditbedingungen gestalteten die im BLS befragten Banken restriktiver. Neben einem erhöhten Kreditrisiko begründeten sie dies mit gestiegenen Refinanzierungskosten.