Internationales und europäisches Umfeld Monatsbericht – Mai 2026

Monatsbericht

1 Weltwirtschaft unter neuen Belastungen

Der Krieg im Nahen Osten setzte die Weltwirtschaft neuen Belastungen aus. Im Mittelpunkt steht dabei die Blockade der Straße von Hormus, der weltweit wichtigsten Transportroute für fossile Energieträger. Durch sie wird unter normalen Bedingungen ein Fünftel des globalen Öl- und Flüssiggasangebots verschifft. Die Blockade dieser Passage zusammen mit den kriegsbedingten Schäden an der Energieinfrastruktur in den Ländern der Region ließ die Energiepreise stark ansteigen. Die damit verbundenen Kosten- und Preissteigerungen dürften die globale Konjunktur spürbar dämpfen und die Inflation erhöhen.

Im ersten Quartal hielt sich die Weltwirtschaft jedoch noch gut. Eine lebhafte Nachfrage nach Hochtechnologieprodukten im Zuge des KI-Booms gab dem globalen Warenhandel spürbare Impulse. Dies trug in China zu einem höheren Wirtschaftswachstum bei. In den USA legte das BIP wieder stärker zu, auch dank der lebhaften Investitionstätigkeit, die ebenfalls mit dem KI-Boom zusammenhing. Im Euroraum verlangsamte sich das Expansionstempo hingegen. 

Das Ausmaß der wirtschaftlichen Belastungen hängt maßgeblich von Dauer und Intensität des Konflikts ab. Die Blockade der Straße von Hormus ließ die globale Ölproduktion im März und April nach Schätzungen der Internationalen Energieagentur 1 um rund 11 % sinken. 2 Die Ölpreise stiegen daraufhin sprunghaft an und zeigten sich seither auf hohem Niveau äußerst volatil. Die Straße von Hormus blieb aufgrund der iranischen und der US-amerikanischen Blockaden auch nach einem inzwischen vereinbarten Waffenstillstand weitgehend geschlossen. Am aktuellen Rand notierte Rohöl der Sorte Brent mit rund 117 US-$ je Fass etwa 63 höher als vor Kriegsbeginn und 88 % höher als zu Anfang des Jahres. Noch stärker verteuerten sich einzelne Mineralölprodukte wie Diesel und Kerosin, deren Angebot durch die Exportausfälle aus der Region besonders stark eingeschränkt ist. In einigen asiatischen Volkswirtschaften, die einen hohen Anteil ihrer Energieimporte von dort beziehen, kam es bereits zu Engpässen in der Treibstoffversorgung. In Europa erscheinen die Lager für Mineralölprodukte derzeit noch ausreichend befüllt, nicht zuletzt wegen der Freigabe strategischer Reserven. Mit anhaltender Dauer der Blockade der Straße von Hormus dürfte sich aber auch die Lage in Europa zunehmend anspannen. Die Gaspreise stiegen im Zuge der Krise in den meisten Weltregionen ebenfalls merklich. Der europäische Referenzpreis TTF lag zuletzt bei etwa 50 € je Megawattstunde, gut 61 % über dem Niveau vor Kriegsbeginn im Februar. Gleichwohl bleibt er, wie auch die Strompreise in den meisten Ländern, bei Weitem unter den Höchstständen der Jahre 2021/22 (siehe dazu die Ausführungen im Exkurs „Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Energiekrisen von 2021/22 und 2026). Neben den Energiepreisen zogen zuletzt auch die Notierungen weiterer Rohstoffe anUnter anderem verteuerten sich Schwefel, Helium und Aluminium deutlich. Die Preise für Nahrungsmittelrohstoffe stiegen ebenfalls spürbar an, wozu auch merklich gestiegene Düngemittelpreise beitrugen. 

Rohstoffpreise
Rohstoffpreise
Exkurs

Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Energiekrisen von 2021/22 und 2026

Die durch den Irankrieg ausgelöste Energiekrise weckt Erinnerungen an die Ereignisse der Jahre 2021/22. In beiden Fällen wurde die Energieversorgung im Zuge militärischer Konflikte als wirtschaftliches Druckmittel eingesetzt. Ab der zweiten Jahreshälfte 2021 hatte Russland bereits im Vorfeld seines Angriffskrieges gegen die Ukraine die Gaslieferungen nach Europa stark eingeschränkt. Später verringerten die EU und andere westliche Staaten ihre Energieimporte aus Russland und versuchten russische Energieexporte in Drittländer zu erschweren. Gegenwärtig beeinträchtigt der Irankrieg vor allem den Transport fossiler Energieträger durch die Straße von Hormus. Trotz dieser Parallelen unterscheiden sich die Ausgangslagen, die betroffenen Energieträger und die regionale Wirkung der beiden Krisen deutlich. Dies erklärt auch, warum die Preisreaktionen bislang spürbar anders ausfallen als in den Jahren 2021/22.

Ein wesentlicher Unterschied ist in der Lage der Energiemärkte vor Ausbruch der Krisen und in den Ursachen zu sehen. Bereits vor dem Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine im Februar 2022 waren die globalen Energiemärkte angespannt. Die kräftige Erholung der Weltwirtschaft nach der Pandemie ließ die Energienachfrage und damit die Energiepreise 2021 weltweit kräftig steigen. Zugleich drosselte Russland seine Gaslieferungen nach Europa, sodass die Preise für Öl, Gas, Kohle und Strom schon vor Kriegsbeginn deutlich über den Niveaus der Vorjahre lagen. Die russische Invasion verschärfte diese Lage zusätzlich, da Sorgen vor weiteren Angebotsausfällen und tatsächliche Lieferrückgänge die Preise weiter nach oben trieben. Hingegen waren die globalen Öl- und Gasmärkte Anfang 2026 sehr gut versorgt, 1 und die Energiepreise waren deutlich geringer als zu Beginn des Ukrainekriegs. Die Sperrung der Straße von Hormus und der damit einhergehende Angebotsschock trafen die Märkte somit in einer wesentlich günstigeren Ausgangslage. 

Indikatoren zur Bedeutung der Straße von Hormus und Russlands für die internationalen Energiemärkte
Indikatoren zur Bedeutung der Straße von Hormus und Russlands für die internationalen Energiemärkte

Der Schwerpunkt der aktuellen Krise liegt am Ölmarkt, während 2021/22 die Gas- und Strommärkte besonders stark betroffen waren. Durch die Blockade der Straße von Hormus fehlen dem globalen Ölmarkt derzeit rund 11 % des üblichen globalen Angebots, während das globale Gasangebot lediglich um gut 2 % vermindert ist. 2 Damals konzentrierten sich die Angebotsausfälle vor allem auf russisches Erdgas. Das russische Öl- und Kohleangebot sank dagegen nur zeitweise und insgesamt kaum.

Der Fokus auf den Ölmarkt spiegelt sich auch in den Preisbewegungen wider. Die Rohölnotierungen der Sorte Brent übertrafen seit Beginn des Irankriegs ihren Vorkrisenstand im Mittel der Monate März und April um rund 60 %. Damit stiegen sie etwas stärker an als während der Krise 2021/22. Vor allem eine mögliche zeitnahe Deeskalation des Konflikts, die günstige Ausgangslage und die umfangreichen Puffer auf dem Ölmarkt verhinderten noch stärkere Preisausschläge. 3 Die europäischen Gaspreise stiegen in der aktuellen Krise hingegen weitaus weniger stark als während der Krise 2021/22, als sie sich teils vervielfacht hatten. Die Kohle- und Strompreise, die 2021/22 ebenfalls stark angezogen hatten, stiegen bislang nur leicht an. 

Auch die regionale Betroffenheit unterscheidet sich. Die Energiekrise 2021/22 hatte ihren Schwerpunkt eindeutig in Europa. Die wegfallenden russischen Gaslieferungen konnten dort aufgrund von Infrastrukturengpässen kurzfristig nur schwer und kostspielig ersetzt werden. 4 Deshalb stiegen die Energiepreise in Europa damals wesentlich stärker als in anderen Weltregionen. 5 Die aktuelle Krise ist dagegen stärker globaler Natur. Anders als Gas, das häufig pipelinegebunden und damit regionaler gehandelt wird, wird Öl in großem Umfang global transportiert. Dadurch sind die Ölmärkte weltweit deutlich enger miteinander verflochten. Dennoch leiden unter der aktuellen Krise viele asiatische Volkswirtschaften, die einen hohen Anteil ihrer Energieimporte aus dem Nahen Osten beziehen, besonders stark. Dort dürften die Anpassungskosten besonders hoch sein, und Versorgungsengpässe machen sich früher bemerkbar als in anderen Regionen. Auch sektoral unterscheiden sich die Belastungen. Während höhere Ölpreise sich wohl vor allem im Transportsektor, in der Landwirtschaft sowie in Teilen der Industrie kostensteigernd auswirken, lagen die Belastungen 2021/22 vor allem bei gas- und stromintensiven Bereichen.

Internationale Energierohstoffpreise während der Energiekrisen 2021/22 und 2026
Internationale Energierohstoffpreise während der Energiekrisen 2021/22 und 2026

Insgesamt erscheint der bisherige Energiepreisschock spürbar weniger breit angelegt und zumindest in Europa deutlich kleiner als in den Jahren 2021/22. Darauf deuten auch verschiedene breitere globale Energiepreisindizes hin, welche die Preisentwicklung von Öl, Gas und Kohle zusammenfassen. Verglichen mit dem Vorkriegszeitraum stiegen diese 2021/22 um 76 % bis 145 %. Derzeit sind es lediglich 43 % bis 64 %. Maßgeblich dafür ist neben den unterschiedlichen Preisentwicklungen auch die Zusammensetzung des globalen Energiemixes: Öl hat mit rund 30 % einen deutlich geringeren Anteil am globalen Primärenergieangebot als die restlichen Energieträger zusammen, die von der Krise 2021/22 wesentlich stärker betroffen waren. 

Für die weiteren wirtschaftlichen Auswirkungen werden aber letztlich Intensität und Dauer des Konflikts entscheidend sein. Die akute Phase der Krise 2021/22 erstreckte sich vom zweiten Halbjahr 2021 bis in das Jahr 2023 hinein. Der russische Angriffskrieg und der damit einhergehende Wegfall russischer Gasexporte halten bis heute an. Die aktuelle Krise besteht dagegen erst seit wenigen Monaten. Friedensverhandlungen, ein Waffenstillstand und bislang begrenzte Schäden an der Energieinfrastruktur im Nahen Osten lassen die Möglichkeit offen, dass der Energiepreisschock nach vergleichsweise kurzer Zeit abebbt. Sollten der aktuelle Konflikt und die Sperrung der Straße von Hormus jedoch noch länger fortbestehen, dürften die bislang schützenden Puffer am Ölmarkt zunehmend aufgezehrt werden. In der Folge dürften Versorgungsengpässe wahrscheinlicher werden und die Preise womöglich noch deutlich stärker als bislang steigen.

Vor dem Hintergrund stark gestiegener Energiepreise mehren sich die Anzeichen für eine spürbare Eintrübung der globalen Konjunktur, die mit einem verstärkten allgemeinen Preisauftrieb einhergeht. Darauf deuten die jüngsten weltweiten Umfragen unter Einkaufsmanagern hin. Die Geschäftsaussichten verschlechterten sich auf breiter Front. Die Lageeinschätzung trübte sich vor allem im Dienstleistungssektor ein. Das Verarbeitende Gewerbe zeigte sich wohl auch deshalb noch robust, weil es angesichts erwarteter Preissteigerungen und Lieferkettenstörungen zu Vorzieheffekten kam. Zugleich verstärkte sich der Preisdruck über die verschiedenen Produktionsstufen hinweg deutlich, und die Lieferzeiten im Verarbeitenden Gewerbe verlängerten sich spürbar. Insgesamt zeichnen die Umfrageindikatoren das Bild eines erheblichen negativen Angebotsschocks, der die wirtschaftliche Aktivität dämpft und zugleich den Preisauftrieb verstärkt.

Lieferstörungen und Produzentenpreise gemäß Umfragen
Lieferstörungen und Produzentenpreise gemäß Umfragen

Die höheren Energiepreise trugen maßgeblich dazu bei, dass sich der Anstieg der Verbraucherpreise weltweit merklich verstärkte. In den Industrieländern zog die Vorjahresrate der Verbraucherpreise bis April auf 3,4 % an, verglichen mit 2,3 % im Januar. In der engeren Abgrenzung ohne Energie und Nahrungsmittel legte die Teuerung leicht auf 2,6 % zu. Die anhaltend hohen Energierohstoffpreise dürften in den kommenden Monaten die Kosten entlang der gesamten Wertschöpfungskette weiter steigern und den Verbraucherpreisauftrieb zusätzlich verstärken. 

Verbraucherpreise in Industrieländern
Verbraucherpreise in Industrieländern

Vor dem Hintergrund des Krieges im Nahen Osten hob der Stab des Internationalen Währungsfonds (IWF) seine globale Inflationsprognose für das laufende Jahr deutlich an. In der Gruppe der fortgeschrittenen Länder dürfte der Verbraucherpreisanstieg dem IWF zufolge im Jahresdurchschnitt 2026 bei 2,8 % liegen und damit 0,6 Prozentpunkte höher als noch im Januar erwartet. 3 Gleichzeitig senkte der IWF die globale Wachstumsprognose für 2026 um 0,2 Prozentpunkte auf 3,1 % und ließ sie für 2027 unter der Annahme eines zeitlich begrenzten Konflikts unverändert. Darüber hinaus betonte der IWF die beträchtliche Unsicherheit des Ausblicks und analysierte mehrere Risikoszenarien, in denen der Konflikt im Nahen Osten länger anhält. Dabei überwiegen nach seiner Einschätzung die Abwärtsrisiken für das Wachstum und die Aufwärtsrisiken für die Inflation. So würde das globale Wachstum in einem schweren Szenario mit stärkeren und länger anhaltenden Energiepreisanstiegen 2026 auf nur noch rund 2 % sinken und auch 2027 kaum höher ausfallen. Zugleich läge die weltweite Teuerungsrate 2027 bei über 6 %. Besonders stark betroffen wären nach Einschätzung des IWF rohstoffimportierende Schwellen- und Entwicklungsländer.

1.1 Wachstumsverstärkung in China bei florierendem Außenhandel

In China nahm die gesamtwirtschaftliche Aktivität im ersten Vierteljahr 2026 wieder etwas stärker zu. Das reale BIP stieg im Vorjahresvergleich um 5,0 %, nach 4,5 % im Schlussquartal 2025. 4 Die Wachstumsverstärkung ging vor allem auf die Industrie zurück. Deren Wertschöpfung legte um 6,1 % gegenüber dem Vorjahr zu. Besonders kräftig wuchs die Fertigung von Hochtechnologiegütern. Vor diesem Hintergrund expandierten die Warenexporte weiter stark. Im Vorjahresvergleich stiegen die Exporteinnahmen auf US-Dollar-Basis um fast 15 %. Auch die Warenimporte belebten sich nach einer längeren Schwächephase deutlich und nahmen dem Wert nach sogar um 23 % gegenüber dem Vorjahr zu. Sowohl auf der Export- als auch auf der Importseite trugen Halbleiter spürbar zum Handelswachstum bei. 5

China: Wirtschaftswachstum und Außenhandel
China: Wirtschaftswachstum und Außenhandel

Die Binnennachfrage blieb demgegenüber verhalten. Die Einzelhandelsumsätze entwickelten sich weiterhin nur recht schleppend. Zudem setzte sich die langjährige Immobilienkrise fort. Die Verkäufe und die Baubeginne von Wohnimmobilien gingen weiter zurück. Im Vergleich zum durchschnittlichen Niveau im Jahr 2021 beläuft sich der Rückstand inzwischen auf fast 60 % beziehungsweise sogar rund 75 %. Der Preisauftrieb auf der Verbraucherstufe verstärkte sich leicht, blieb insgesamt jedoch verhalten. Der Verbraucherpreisindex übertraf seinen Vorjahresstand im April um 1,2 %, die ohne Energie und Nahrungsmittel gerechnete Kernrate belief sich ebenfalls auf 1,2 %.

1.2 Unterschiedliche Tendenzen in anderen Schwellenländern

Indiens Wirtschaft wuchs zum Jahresanfang wohl noch kräftig, die globale Energiekrise stellt das Land jedoch vor Herausforderungen. Im vierten Quartal 2025 stieg das reale BIP um 7,8 % im Vorjahresvergleich. Auch zu Beginn des Jahres 2026 dürfte das konjunkturelle Tempo hoch geblieben sein. Allerdings ist Indien aufgrund seiner hohen Abhängigkeit von Öl- und Gasimporten aus der Golfregion von der aktuellen Energiekrise vergleichsweise stark betroffen. Es kam bereits zu sektoralen Versorgungsengpässen, vor allem bei gewerblich genutztem Flüssiggas (Liquified Petroleum Gas, LPG) sowie bei Erdgas für bestimmte Industrieprozesse. Besonders exponiert ist die Düngemittelproduktion, für die Erdgas ein zentrales Vorprodukt ist. Dies könnte die Landwirtschaft zusätzlich belasten, die zuletzt bereits unter ungewöhnlich hohen Temperaturen und Trockenheit litt, und die Nahrungsmittelpreise spürbar erhöhen. Die Vorjahresrate des Verbraucherpreisindex insgesamt verstärkte sich bis April bereits auf 3,5 %. Die indische Zentralbank beließ den Leitzins bei 5,25 %.

In Brasilien könnte sich die Konjunktur zuletzt wieder etwas belebt haben. Im zweiten Halbjahr 2025 hatte das reale BIP saisonbereinigt weitgehend stagniert. Ausschlaggebend hierfür war die schwache Inlandsnachfrage, die durch die restriktive Geldpolitik gedämpft wurde. Zum Jahresbeginn 2026 scheint die Konjunktur jedoch wieder etwas angezogen zu haben. Dazu dürften auch konsumstützende Maßnahmen im Kontext der anstehenden Präsidentschaftswahlen beigetragen haben. Dennoch schwächte sich der Preisanstieg auf der Verbraucherstufe im ersten Quartal weiter auf 4,1 % im Vorjahresvergleich ab. Auch im April lag die Teuerungsrate mit 4,4 % innerhalb des Zielkorridors der brasilianischen Zentralbank. Diese senkte im März und April den Leitzins um jeweils 25 Basispunkte auf nun 14,5 %. Es handelte sich um die ersten Zinssenkungen, nachdem der Leitzins zuvor seit August 2024 um insgesamt 450 Basispunkte angehoben worden war.

In Russland verringerte sich die Wirtschaftsleistung im ersten Quartal 2026; die deutlich gestiegenen Energiepreise könnten die Konjunktur im weiteren Jahresverlauf jedoch stützen. Gemäß der Schnellschätzung des Statistikamts sank das reale BIP zum Jahresauftakt um 0,2 % gegenüber dem Vorjahr. Nach dem kriegswirtschaftlich getragenen Boom der Jahre 2023 und 2024 hatte sich die russische Wirtschaft bereits im abgelaufenen Jahr erheblich abgekühlt. Dabei wirkten insbesondere die hohen Realzinsen bremsend. Zum Jahresbeginn 2026 kamen weitere Belastungen hinzu. Hierzu zählten die Mehrwertsteueranhebung, die den Konsum deutlich dämpfte, sowie witterungsbedingte Produktionsausfälle im Baugewerbe. Seit Beginn des Irankriegs profitiert die russische Wirtschaft allerdings wieder von deutlich gestiegenen Einnahmen aus den Energieexporten. Diese gehen sowohl auf die höheren Öl- und Gaspreise als auch auf vorübergehende Sanktionslockerungen seitens der USA zurück. Der Verbraucherpreisanstieg schwächte sich bis April auf 5,6 % ab. Die Zentralbank setzte ihren geldpolitischen Lockerungskurs fort und senkte den Leitzins zuletzt auf 14,5 %.

1.3 US-Konjunktur weiterhin robust

Die US-Wirtschaft expandierte nach dem Ende des Verwaltungsstillstands im ersten Vierteljahr 2026 spürbar. Das reale BIP stieg gegenüber dem Vorquartal um 0,5 %. Zuvor war die gesamtwirtschaftliche Dynamik nahezu zum Erliegen gekommen. Der Verwaltungsstillstand hinterließ dabei deutliche Spuren. Der Arbeitsausfall in den Bundesbehörden bremste das Wachstum im Herbst unmittelbar um rund ¼ Prozentpunkt. 6 Nach der Wiederaufnahme der Aktivitäten folgte zum Jahresauftakt eine Gegenbewegung. Im Kern zeigte sich die Konjunktur in den Vereinigten Staaten weiterhin robust. Trotz der seit Längerem nur verhaltenen Realeinkommenszuwächse steigerten die Konsumenten ihre Ausgaben erneut spürbar. Die Ausrüstungsinvestitionen expandierten sogar sehr kräftig, gestützt durch den anhaltenden KI-Boom. In der Folge zogen die Einfuhren, insbesondere von Computerhardware und Kommunikationsausrüstung, erheblich an. Das Wachstum der Ausfuhren hielt damit nicht ganz Schritt.

Verwendungsseitige Determinanten der realen Wirtschaftsentwicklung in den USA
Verwendungsseitige Determinanten der realen Wirtschaftsentwicklung in den USA

Der jüngste Energiepreisanstieg dürfte die wirtschaftliche Entwicklung auch in den Vereinigten Staaten belasten. Die bereits zuvor erhöhte Teuerung verstärkte sich mit dem Konflikt im Nahen Osten nochmals. Bis April stieg die Vorjahresrate des Verbraucherpreisindex auf 3,8 %. Angesichts der Kaufkrafteinbußen trübte sich das Verbrauchervertrauen weiter ein. Auf Unternehmensseite schlugen sich die höheren Energiepreise verbreitet in steigenden Vorleistungskosten nieder. Gleichzeitig hielt sich die amerikanische Öl- und Gasindustrie angesichts der hohen Unsicherheit über die künftigen Energierohstoffpreise bislang mit größeren Investitionen zurück, was sich an den anhaltend schleppenden Bergbauinvestitionen zeigt.

Eine ausgeprägte Wachstumsverlangsamung zeichnet sich in den USA gleichwohl nicht ab. Auch im April stuften Einkaufsmanager Geschäftslage und -aussichten als weitgehend robust ein. Am Arbeitsmarkt setzte sich der Beschäftigungsaufbau bis zuletzt fort. Das im längerfristigen Vergleich verhaltene Stellenwachstum blieb in etwa im Einklang mit der migrationspolitisch gebremsten Ausweitung des Arbeitsangebots. 7 Zur Stabilität der Konjunktur dürften staatliche Entlastungsmaßnahmen beitragen. Ein Gutteil der letztjährigen Steuersenkungen für private Haushalte machte sich erst jüngst im Zuge der Rückerstattungen bemerkbar. Viele Unternehmen dürfen in den kommenden Monaten zudem mit einer Rückzahlung von verfassungswidrig erhobenen Zöllen rechnen. 8 Beide Effekte federn die Belastungen durch den Energiepreisanstieg zumindest teilweise ab. Vor diesem Hintergrund sah die US-Notenbank von einer Fortsetzung ihres Zinssenkungszyklus ab und beließ die Zielspanne für ihre Leitzinsen bei 3,5 % bis 3,75 %.

Reales BIP in großen Industrieländern außerhalb des Euroraums
Reales BIP in großen Industrieländern außerhalb des Euroraums

1.4 Japans Wirtschaftsleistung wohl moderat gestiegen

Die japanische Wirtschaftsleistung nahm zu Jahresbeginn merklich zu. Laut der ersten Schätzung expandierte das BIP im ersten Quartal preis- und saisonbereinigt um 0,5 % gegenüber dem Vorquartal. Maßgeblich hierfür war ein kräftiger Anstieg der Ausfuhren. Die Binnennachfrage blieb dagegen verhalten. Die gewerblichen Anlageinvestitionen legten lediglich etwas zu, während die öffentlichen Investitionen kräftig stiegen. Der private Konsum belebte sich nur leicht, obwohl der Verbraucherpreisauftrieb zu Jahresbeginn nachließ. Die Vorjahresrate der Verbraucherpreise sank bis März infolge staatlicher Maßnahmen zur Dämpfung der Energiepreise deutlich auf 1,5 %. Die Arbeitsmarktlage blieb günstig. Die Arbeitslosenquote verharrte auf niedrigem Niveau. Zugleich zogen die Löhne im Zuge der jüngsten großen Lohnverhandlungsrunden deutlich an. Mit dem Ausbruch des Krieges im Nahen Osten trübte sich der Ausblick jedoch ein. Japan ist in hohem Maße von Energieimporten aus dieser Region abhängig. Steigende Energiepreise und mögliche Lieferstörungen dürften die Konjunktur in den kommenden Monaten spürbar belasten. Vor diesem Hintergrund setzte die Bank of Japan ihre geldpolitische Normalisierung zunächst aus und beließ ihren Leitzins Ende April bei 0,75 %.

1.5 Konjunktur im Vereinigten Königreich zu Jahresbeginn mit mehr Schwung

Im Vereinigten Königreich gewann die Konjunktur zu Jahresbeginn wieder an Schwung. Das reale BIP stieg im ersten Quartal saisonbereinigt um 0,6 % gegenüber der Vorperiode, nachdem es im Sommer und Herbst nur leicht gewachsen war. Besonders kräftig expandierte der Dienstleistungssektor. Auch das Verarbeitende Gewerbe steigerte seine Produktion deutlich. Die Aktivität in der Bauwirtschaft erholte sich hingegen nur leicht vom Einbruch im Winter. Umfragen unter Einkaufsmanagern deuten darauf hin, dass sich die gesamtwirtschaftliche Aufwärtsbewegung im April zunächst fortsetzte. Zwar dürften anziehende Preise, insbesondere bei Vorleistungen, die Stimmung merklich belastet haben. Gleichzeitig stützten aber Vorzieheffekte in Erwartung eines anhaltend hohen Preisauftriebs und möglicher Lieferengpässe infolge des Konflikts im Nahen Osten die gesamtwirtschaftliche Produktion. Am Arbeitsmarkt entspannte sich die Lage. Die Erwerbslosenquote ging zurück. Die Zahl der offenen Stellen sank merklich. Entsprechend verringerte sich das Lohnwachstum auf 3,7 % binnen Jahresfrist. Der Preisauftrieb verstärkte sich zuletzt gleichwohl, vor allem infolge höherer Kraftstoffpreise. Die Vorjahresrate des HVPI zog im März auf 3,3 % an, während die Kernrate leicht nachgab. Vor diesem Hintergrund beließ die Bank of England ihren Leitzins Ende April bei 3,75 % und verwies gleichzeitig auf die kurzfristig erhöhte Unsicherheit hinsichtlich der Energiepreisentwicklung. 

1.6 Erneuter Anstieg der Wirtschaftsleistung in Polen

In Polen schwächte sich das Wachstum im ersten Vierteljahr 2026 etwas ab. Das reale BIP stieg vorläufigen Angaben zufolge im Vorquartalsvergleich um 0,5 %. Die industrielle Erzeugung legte nur wenig zu, vor allem wegen eines schwachen Jahresbeginns. Die Bauproduktion sank wetterbedingt zu Jahresbeginn sogar stark. Grundsätzlich profitiert die Baukonjunktur aber weiterhin von den Mitteln der Aufbau- und Resilienzfazilität der EU. Der Dienstleistungssektor hielt sich gut. Der private Verbrauch zeigte sich bislang unbeeindruckt von den steigenden Energiepreisen. Auch im März nahmen die Einzelhandelsumsätze spürbar zu. Hierzu dürfte zum einen das weiterhin kräftige Lohnwachstum beigetragen haben. Die Bruttolöhne im Unternehmenssektor stiegen im ersten Quartal um 6,2 % im Vorjahresvergleich. Zum anderen verstärkte sich die Teuerung aufgrund weitreichender staatlicher Entlastungsmaßnahmen bislang nur moderat auf 3,2 % im April. Die Arbeitslosenquote veränderte sich im Quartalsdurchschnitt nicht und lag bei 3,2 %. Die polnische Notenbank senkte den Leitzins im März leicht auf 3,75 %.

2 Konjunkturelle Aussichten im Euroraum spürbar eingetrübt

Im Euroraum schwächte sich das Wirtschaftswachstum im ersten Quartal 2026 ab. Laut der Schnellschätzung von Eurostat stieg das reale BIP im Euroraum um lediglich 0,1 %, nach einem Plus von 0,2 % im vierten Quartal 2025. Ein wesentlicher Grund hierfür war der starke BIP-Rückgang in Irland. Ohne Irland gerechnet fiel der Zuwachs mit 0,2 % etwas stärker aus, nach + 0,4 % im Vorquartal. 9 Die Belastungen aus dem starken Energiepreisanstieg dürften das BIP-Ergebnis im ersten Quartal noch recht wenig beeinflusst haben, aber sie trüben die konjunkturellen Aussichten deutlich ein. Die höheren Energiepreise mindern die Kaufkraft der privaten Haushalte und schränken zusammen mit der erhöhten Unsicherheit den Handlungsspielraum der Unternehmen ein. Die fiskalischen Maßnahmen zur Dämpfung des Energiekostenschocks dürften die Konjunktur ebenso wie die bereits länger geplanten staatlichen Programme zur Modernisierung der öffentlichen Infrastruktur und der Verteidigung zwar stützen. Die negativen Effekte der Energiekrise werden aber auch bei einer zügigen Beilegung des Konflikts vermutlich über längere Zeit nachwirken. Dies zeigte sich auch im Geschäftsklima, das sich laut Umfragen zuletzt spürbar eintrübte, insbesondere bei Dienstleistern. Auch das Verbrauchervertrauen ließ stark nach. Für den weiteren Jahresverlauf zeichnet sich eine verhaltene konjunkturelle Entwicklung ab. 

Der private Verbrauch verlor im ersten Quartal merklich an Schwung. Bereits vor Beginn des Irankriegs zeigten sich Schwächen: Die Einzelhandelsumsätze stiegen nicht mehr, und die Zulassungen von Kraftfahrzeugen sanken sogar. Auch die Umsätze im Gastgewerbe gingen zurück. Der starke Anstieg der Energiepreise ab März belastete die Kaufkraft der privaten Haushalte. Entsprechend blieben die Umsätze im Einzelhandel im März verhalten; bei Kraftstoffen gingen sie preisbereinigt deutlich zurück. Das ohnehin bereits gedämpfte Verbrauchervertrauen verschlechterte sich erheblich. Dies lag vor allem an pessimistischeren Erwartungen der privaten Haushalte hinsichtlich der eigenen finanziellen Situation sowie der allgemeinen wirtschaftlichen Lage.

Die Investitionskonjunktur schwächte sich im abgelaufenen Vierteljahr wohl spürbar ab. 10 Die Bautätigkeit blieb vor allem im Januar auch aufgrund von Witterungsbedingungen verhalten. Außerdem war die Zahl der Wohnbaugenehmigungen zum Jahresende 2025 merklich gesunken. Die Investitionen in Ausrüstungen gingen im ersten Quartal vermutlich sogar zurück. Umfragen zeigen, dass die Kreditnachfrage der Unternehmen für Anlageinvestitionen nachließ, und die Inlandsumsätze der Hersteller von Kapitalgütern sanken preisbereinigt. Hier dürften die seit dem letzten Jahr verstärkte Unsicherheit, die stärkere Konkurrenz aus China und die anhaltend schwache internationale Wettbewerbsfähigkeit der Produzenten im Verarbeitenden Gewerbe eine Rolle spielen. Die Ausgaben für Informations- und Kommunikationstechnologie sowie für geistiges Eigentum dürften im Zuge des Digitalisierungstrends weiter gestiegen sein.

Indikatoren des prívaten Verbrauchs für den Euroraum
Indikatoren des prívaten Verbrauchs für den Euroraum

Die Warenausfuhren in Drittländer sanken erneut. Nach Angaben aus der Handelsbilanz verringerten sich die Ausfuhren in den ersten beiden Monaten des Jahres merklich. Vor allem die Exporte nach China setzten ihren Abwärtstrend fort. Dagegen scheinen sich die Exporte in die USA nach dem kräftigen Rückgang im Zusammenhang mit den Zollanhebungen der US-Regierung in der zweiten Jahreshälfte 2025 zuletzt stabilisiert zu haben. Die Ausfuhren in das Vereinigte Königreich stiegen sogar leicht. Die Schwäche der Exporte zeigt sich über alle Warenklassen hinweg. Besonders stark betroffen sind weiterhin die Ausfuhren von Personenkraftwagen. Im Gegensatz dazu legten die Dienstleistungsexporte laut Zahlungsbilanzangaben bis Februar kräftig zu. Die Wareneinfuhren blieben schwach.

Im Verarbeitenden Gewerbe sank die Produktion. Die Konsumgüterproduktion verringerte sich merklich, vor allem bei pharmazeutischen Produkten. Die Investitionsgüterproduktion sank ebenfalls, wozu der Rückgang der Kraftfahrzeugproduktion beitrug. Zudem gab die Erzeugung von Vorleistungen nach. Laut Umfragen der Europäischen Kommission verbesserte sich zwar die Einschätzung des Auftragsbestands, verfehlte aber weiterhin das mehrjährige Mittel. Vor allem die Aufträge aus dem Ausland erholten sich nur leicht. Hierfür dürften die gestiegenen Zölle im Handel mit den USA und die geschwächte Wettbewerbsfähigkeit europäischer Unternehmen auf den Weltmärkten verantwortlich sein. Der Preisdruck auf der Erzeugerstufe nahm insbesondere im März im Zuge des Energiepreisanstiegs spürbar zu.

In verschiedenen Dienstleistungsbereichen setzte sich die Expansion fort. In der Informations- und Kommunikationsbranche dürften die Aktivitäten kräftig zugelegt haben. Darüber hinaus stiegen sie wohl in den Bereichen Grundstücks- und Wohnungswesen sowie Verkehr und Lagerei. Im Gastgewerbe sank die Geschäftstätigkeit wohl merklich. Hierzu dürfte ein schwächeres Tourismusgeschäft beigetragen haben. Das Geschäftsklima trübte sich zum Ende des ersten Quartals merklich ein, insbesondere in den verkehrsnahen Bereichen und bei den Reisedienstleistern. Zudem sank gemäß Einkaufsmanagerindex das Neugeschäft. Der Mangel an Arbeitskräften belastet weiterhin Teile der Dienstleistungsbranche. Gleichwohl sieht laut Umfragen der Europäischen Kommission aktuell fast die Hälfte der befragten Dienstleister keine größeren Hemmnisse für ihre Geschäftstätigkeit, was für eine weiterhin günstige Lage in mehreren Bereichen, insbesondere in der Informations- und Kommunikationsbranche und bei den Beratungsdienstleistungen, spricht.

Die Abkühlung der Konjunktur betraf die meisten Mitgliedsländer. Der private Verbrauch blieb vielerorts verhalten. Auch die Investitionstätigkeit, insbesondere im Bau, verlor in vielen Mitgliedsländern an Schwung. 

Unter den großen Ländern erhöhte sich das Expansionstempo nur in Deutschland. In Frankreich stagnierte das reale BIP und blieb damit deutlich hinter den Erwartungen zurück. Dabei spielten auch temporäre Effekte, wie ein starker Rückgang bei den Exporten von Transportmitteln, eine Rolle. In Italien schwächte sich das bereits zuvor mäßige Wirtschaftswachstum etwas ab, trotz gewisser Impulse von den Olympischen Winterspielen im Februar. In Spanien stieg die gesamtwirtschaftliche Produktion abermals deutlich an, allerdings verlor die Expansion an Schwung. Dies galt auch für die Binnennachfrage. Die Ausfuhren sanken sogar. In Deutschland verstärkte sich das Expansionstempo hingegen (siehe Artikel „Konjunktur in Deutschland“).

Reales BIP im Euroraum und in ausgewählten Mitgliedsländern
Reales BIP im Euroraum und in ausgewählten Mitgliedsländern

In den übrigen Mitgliedsländern ergab sich ein gemischtes Bild. In mehreren Mitgliedsländern stieg das reale BIP deutlich, darunter in Finnland, Bulgarien und Estland. In den Niederlanden, Belgien, Österreich, der Slowakei und Zypern nahm die Wirtschaftsleistung nur leicht zu. In Portugal stagnierte das reale BIP, vor allem aufgrund starker wetterbedingter Beeinträchtigungen im Februar. In Irland und Litauen gab es spürbar nach. 11

Der Arbeitsmarkt hielt sich insgesamt weiterhin recht gut. Die Arbeitslosenquote sank leicht auf 6,2 %, und die Beschäftigung stieg leicht an. Allerdings verringerte sich die Quote der offenen Stellen, die Arbeitskräfteknappheit ließ weiter nach und die Arbeitskräftehortung gewann an Bedeutung. Dies kann als Anzeichen für eine beginnende Eintrübung der Arbeitsmarktlage angesehen werden. Nach der spürbaren Abschwächung des Lohnwachstums bis zur Jahresmitte 2025 dürfte das Wachstum der Bruttolöhne je Beschäftigten im ersten Quartal 2026 erneut leicht nachgelassen haben. 

Die Verbraucherpreise im Euroraum stiegen im ersten Vierteljahr 2026 wegen des Krieges im Nahen Osten kräftig an. Der Harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) erhöhte sich gegenüber dem Vorquartal saisonbereinigt um 0,8 % und damit etwas stärker als in den drei vorhergehenden Quartalen. Ausschlaggebend hierfür waren vor allem die stark anziehenden Energiepreise, insbesondere für Mineralölprodukte. Auch bei den Nahrungsmitteln fiel der Preisauftrieb im ersten Quartal wieder etwas stärker aus als im vorangegangenen Quartal. Dienstleistungen verteuerten sich weiterhin kräftig, wenn auch etwas schwächer als noch im Herbst. Die Preise für Industrieerzeugnisse ohne Energie erhöhten sich leicht, nachdem sie im vorangegangenen Quartal unverändert geblieben waren.

Beiträge zur Teuerung (HVPI) im Euroraum
Beiträge zur Teuerung (HVPI) im Euroraum

Im Vorjahresvergleich sank die Inflationsrate im ersten Quartal dennoch leicht auf 2,0 %. Das lag am etwas nachlassenden Anstieg der Dienstleistungspreise, der mit 3,3 % jedoch weiterhin erhöht war. Die Teuerungsrate bei Industriegütern ohne Energie und Nahrungsmittel blieb unverändert. Der Beitrag der Energiepreise war im Quartalsdurchschnitt immer noch negativ, wenn auch etwas weniger stark als zuvor. Die Kerninflationsrate ohne Energie und Nahrungsmittel sank leicht auf 2,2 % und blieb damit im längerfristigen Vergleich überdurchschnittlich hoch.

Im April 2026 zog die Inflationsrate deutlich an. Sie stieg auf 3,0 %, von 2,6 % im März und 1,9 % vor Kriegsausbruch im Februar. Der Anstieg gegenüber März ging vor allem auf die nochmals höheren Energiepreise zurück, die der Aufwärtsbewegung an den internationalen Märkten für Energierohstoffe folgten. Aber auch Nahrungsmittel und Industriegüter ohne Energie verteuerten sich stärker als im März. Lediglich der Preisauftrieb bei Dienstleistungen verringerte sich leicht auf 3,0 %, auch wegen der späten Lage von Ostern im vergangenen Jahr und des damit verbundenen besonders starken Anstiegs der Reisepreise im April 2025. Entsprechend lag die Kernrate nahezu unverändert bei 2,2 %.

Der Inflationsausblick für den Euroraum ist wegen des Krieges im Nahen Osten aktuell sehr unsicher, wobei die Aufwärtsrisiken überwiegen. In den kommenden Monaten dürfte die Inflationsrate trotz verschiedener fiskalischer Entlastungsmaßnahmen in mehreren Ländern 12 zunächst deutlich erhöht bleiben. Nach den Mineralölprodukten dürfte sich der Energiepreisschock mit Verzögerung in den Verbraucherpreisen für Gas und Strom niederschlagen. Außerdem dürfte er sich in Form gestiegener Kosten für Transport, Kühlung, Wärme, Düngemittel oder Vorprodukte allmählich auf andere Waren und Dienstleistungen im HVPI-Warenkorb ausbreiten. Wie schnell und wie stark dies geschieht, hängt von vielen Faktoren ab. Einfluss hat beispielsweise, wie wichtig Energie als Kostenfaktor ist und wie viele Produktionsstufen in welcher Zeit durchlaufen werden. Außerdem sind fiskalische Einflüsse (Mehrwertsteuer oder andere Abgaben) und die Preissetzungsmacht der Unternehmen bedeutsam. Schließlich spielt eine Rolle, wie lange die Straße von Hormus für den Schiffsverkehr gesperrt bleibt. Je länger das Energieangebot eingeschränkt ist, desto mehr wird der Preisschub nicht nur die Energieprodukte beeinflussen, sondern auch auf andere Verbrauchsgüter und Dienstleistungen im HVPI-Warenkorb übergreifen. 

Stimmungsindikatoren für den Euroraum
Stimmungsindikatoren für den Euroraum

In der näheren Zukunft dürfte die wirtschaftliche Aktivität im Euroraum allenfalls leicht zulegen. Bis April reichende Stimmungsindikatoren zeigen eine Eintrübung der Lageeinschätzung bei den Dienstleistern und eine Verschlechterung der Erwartungen über beinahe alle Wirtschaftsbereiche an. Nur die Aussichten für die Bauwirtschaft blieben positiv. Die Stimmung der Verbraucher verdüsterte sich erheblich. Die Neigung, größere Anschaffungen zu tätigen, ist gering und die Sparneigung erhöht. Die Exporte dürften von den gestiegenen Zöllen im Handel mit den USA und der weiterhin schwachen Wettbewerbsfähigkeit gebremst werden. Die Wirtschaftsleistung wird wohl auch von den privaten und öffentlichen Investitionen in die digitale Transformation, die Sicherung der Energie- und Rohstoffversorgung, die Verteidigung und die Anpassung an den Klimawandel gestützt. Die bislang ergriffenen fiskalischen Maßnahmen zur Milderung des Energiepreisschocks werden hingegen wohl aufgrund ihres geringen Umfangs kaum größere Effekte haben. Insgesamt dürfte das Wirtschaftswachstum in den kommenden Monaten eher unter der Potenzialwachstumsrate bleiben. Der gesamtwirtschaftliche Ausblick ist aber derzeit mit erheblicher Unsicherheit behaftet. Entscheidend wird sein, wie lange der Krieg im Nahen Osten anhält und die Belastungen der globalen Energiemärkte fortbestehen.

Literaturverzeichnis

Bureau of Economic Analysis (2026), GDP (Second Estimate), 4th Quarter and Year 2025, 13. März 2026.

Deutsche Bundesbank (2026), Zu den Hintergründen des abnehmenden Beschäftigungswachstums in den USA, Monatsbericht, Februar 2026. 

Deutsche Bundesbank (2022), Zum jüngsten Energiepreisanstieg im historischen Vergleich, Monatsbericht, November 2022, S. 15 f.

Deutsche Bundesbank (2018), Aktivitäten multinationaler Unternehmensgruppen und nationale Wirtschaftsstatistiken, Monatsbericht, Oktober 2018, S. 67 – 81.

Internationale Energieagentur (2026a), Oil Market Report, Mai 2026.

Internationale Energieagentur (2026b), Oil Market Report, Januar 2026.

Internationaler Währungsfonds (2026), World Economic Outlook: Global Economy in the Shadow of War, April 2026.

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