Deutschland-Prognose: Energiepreisschock treibt Teuerung an und bremst die Konjunkturerholung Monatsbericht – Juni 2026
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Deutschland-Prognose: Energiepreisschock treibt Teuerung an und bremst die Konjunkturerholung Monatsbericht – Juni 2026
Monatsbericht
The Bundesbank experts will present their new forecast for Germany on Monday, 15th June 2026. The webinar will provide a forum for an exchange of opinions and perspectives on selected issues. It is aimed at national and international observers of the German economy, including representatives from the financial sector, research institutions, associations, firms and the public sector. Register here for participation
Die erst im Winterhalbjahr begonnene Erholung der deutschen Wirtschaft wird durch den Krieg im Nahen Osten zunächst wieder ausgebremst. Die stark gestiegenen Energiepreise dämpfen die Kaufkraft der privaten Haushalte und ihre Konsumausgaben. Sie belasten auch die Kostenseite der Unternehmen. Diese sind zudem mit vermehrten Lieferengpässen und vielfach einer schwächeren Nachfrage konfrontiert. Erhöhte Unsicherheit und gestiegene Zinsen bremsen die privaten Investitionen.
Ein Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) im Sommerhalbjahr wird nur durch die expansive Fiskalpolitik verhindert. Sie liefert im gesamten Prognosezeitraum einen kräftigen Wachstumsimpuls: Der kumulierte Beitrag zum BIP-Wachstum bis 2028 wird auf etwa 1,3 Prozentpunkte geschätzt. Dabei sind vor allem steigende Verteidigungsausgaben von Bedeutung.
Nach dem schwachen Sommerhalbjahr gewinnt die Konjunktur allmählich an Fahrt. Sie wird neben der weiterhin expansiven Finanzpolitik durch sinkende Energiepreise und eine anziehende Weltwirtschaft gestützt: Das kalenderbereinigte reale BIP steigt 2026 um 0,5 %, 2027 um 0,8 % und 2028 um 1,4 %. Da im laufenden und kommenden Jahr mehr Arbeitstage zur Verfügung stehen, sind die unbereinigten BIP-Raten dann etwas höher (2026: 0,7 %, 2027: 0,9 %), 2028 aber etwas niedriger (1,2 %).
Die gesamtwirtschaftlichen Kapazitäten werden damit allmählich wieder besser ausgelastet. Denn die Produktionsmöglichkeiten der deutschen Wirtschaft wachsen mit jährlichen Raten zwischen 0,4 % und 0,3 % deutlich langsamer. Strukturelle Hemmnisse wie Fachkräftemangel, vergleichsweise hohe Arbeits- und Energiekosten sowie hoher internationaler Wettbewerbsdruck bestehen fort und dämpfen das Potenzialwachstum.
Die staatliche Defizitquote klettert von 2,8 % im Jahr 2025 auf 4,9 % im Jahr 2028. Die Schuldenquote steigt auf fast 70 %.
Die Erholung am Arbeitsmarkt verzögert sich: Die Beschäftigung sinkt zunächst noch leicht und steigt erst ab Mitte des kommenden Jahres wieder spürbar an.
Die Löhne legen weiterhin kräftig zu, wenn auch merklich schwächer als zuvor. Allerdings nehmen die Lohnnebenkosten stark zu – vor allem 2028. Der inländische Preisdruck von den Arbeitskosten ermäßigt sich daher nur vorübergehend.
Der Energiepreisschock treibt die Teuerung zunächst nach oben: Die Inflationsrate steigt 2026 gemessen am HVPI auf 2,9 % und geht 2027 nur leicht auf 2,7 % zurück. Sie fällt erst 2028 deutlich auf 1,9 % – auch durch die preisdämpfende Umstellung des nationalen CO₂-Preises auf das Europäische System ETS II. Die Kernrate ohne Energie und Nahrungsmittel sinkt von hohem Niveau aus nur zögerlich. Dabei stehen im laufenden und im kommenden Jahr niedrigeren Zuwächsen der Lohnstückkosten spürbare indirekte Effekte des Energiepreisanstiegs entgegen.
Die Risiken sind für die Inflation klar nach oben und für die Konjunktur nach unten gerichtet: Insbesondere ein noch stärkerer Energiepreisschock im Zusammenhang mit der Situation im Nahen Osten könnte den BIP-Anstieg erheblich dämpfen und den Preisanstieg stark erhöhen.
Tabelle 1.1: Prognose vom Juni 2026 Veränderung gegenüber Vorjahr in %
Position
2025
2026
2027
2028
Reales BIP, kalenderbereinigt
0,3
0,5
0,8
1,4
Reales BIP, unbereinigt
0,2
0,7
0,9
1,2
Harmonisierter Verbraucherpreisindex
2,3
2,9
2,7
1,9
ohne Energie und Nahrungsmittel
2,8
2,6
2,5
2,3
Quelle: Statistisches Bundesamt (Rechenstand: 27. Mai 2026). 2026 bis 2028 eigene Prognosen.
Die Deutschland-Prognose der Bundesbank wurde am 27. Mai 2026 abgeschlossen. Sie ging in die am 11. Juni 2026 von der EZB veröffentlichte Prognose für den Euroraum ein.
1 Grundzüge des makroökonomischen Ausblicks
Die deutsche Wirtschaft ging im vergangenen Winterhalbjahr deutlicher als erwartet auf Erholungskurs. Die Wirtschaftsleistung legte saisonbereinigt im vierten Quartal 2025 und im ersten Quartal 2026 kumuliert um 0,6 % zu und damit spürbar mehr als in der Deutschland-Prognose der Bundesbank vom Dezember 2025 erwartet worden war. 1 Insbesondere das Verarbeitende Gewerbe konnte sich stärker festigen als es die Frühindikatoren vor einem halben Jahr nahelegten. Es weitete seine Wertschöpfung spürbar aus, und auch die Exporte stiegen merklich an. Im Gefolge der besseren Industriekonjunktur hielten die Unternehmen ihre Investitionen stabiler als erwartet. Zudem waren die Konsumausgaben der privaten Haushalte etwas und diejenigen des Staates deutlich schwungvoller als prognostiziert. Die stärkere Konjunkturbelebung hatte allerdings noch keinen Einfluss auf den Arbeitsmarkt. 2 Dieser schwächte sich sogar noch leicht stärker ab als erwartet, und das kräftige Lohnwachstum ermäßigte sich etwas rascher. Damit im Einklang ging die Inflationsrate – gemessen am Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) – bis zum Februar noch leicht stärker zurück als in der Prognose veranschlagt. 3 Im März stieg sie jedoch infolge des Kriegsausbruchs im Nahen Osten und der stark steigenden Rohölpreise spürbar auf 2,8 % an und übertraf die Erwartungen damit um 0,7 Prozentpunkte.
Die Folgen des Krieges im Nahen Osten bremsen die Konjunkturerholung zunächst wieder aus. Die Auswirkungen des Krieges belasten die deutsche Wirtschaft spürbar. Dies gilt bereits in der Basislinie der Prognose, in der davon ausgegangen wird, dass sich der Konflikt rasch beruhigt und die Rohölpreise bereits in der zweiten Jahreshälfte wieder merklich zurückgehen. Diese Annahme folgt den zum Abschlussdatum 4 an den Terminmärkten eingepreisten Erwartungen (vgl. Kapitel „Annahmen zum internationalen Umfeld, Wechselkursen, Rohstoffpreisen und Zinssätzen“). Sie ist jedoch mit erheblichen Risiken verbunden, die unter anderem mithilfe eines alternativen Szenarios adressiert werden (vgl. Kapitel „Risikobeurteilung“ und Exkurs „Ein schwerwiegendes Risikoszenario zu möglichen Auswirkungen des Krieges im Nahen Osten auf die deutsche Wirtschaft“). Die von dem Krieg ausgegangenen Störungen für das Wirtschaftsgeschehen sind bereits beträchtlich – auch in Deutschland: Die stark gestiegenen Preise für Rohöl und Erdgas verringern die Kaufkraft der privaten Haushalte, die sich zudem verunsichert zeigen. Sie bremsen daher ihre Konsumausgaben. Die Preisanstiege belasten auch die Kostenseite der Unternehmen, die sich zudem mit vermehrten Lieferengpässen und vielfach einer schwächeren Nachfrage konfrontiert sehen. Zugleich dämpft die erhöhte Unsicherheit die Unternehmensinvestitionen, die zudem von spürbar gestiegenen Kreditzinsen gebremst werden. Diese lasten auch auf den privaten Wohnungsbauinvestitionen. Lediglich in einigen Bereichen der exportorientierten Industrie kommt es wohl kurzfristig zu stützenden Effekten, etwa, weil die Nachfrage nach Vorleistungsgütern in Erwartung zunehmender Lieferengpässe gestiegen ist, oder einzelne Branchen davon profitieren, dass Wettbewerber aus anderen Ländern durch Lieferausfälle infolge des Krieges noch stärker betroffen sind. Insgesamt dürfte im laufenden Sommerhalbjahr der Gegenwind durch den Krieg den Auftrieb durch die expansive Fiskalpolitik nahezu ausgleichen. Letztere führt aber dazu, dass trotz der starken Verwerfungen auf den internationalen Rohstoffmärkten für das zweite Quartal noch eine Stagnation und für das dritte Quartal ein leichter BIP-Anstieg veranschlagt werden (vgl. Kapitel „Details zur Kurzfristprognose für das BIP“).
Im weiteren Prognosezeitraum nimmt die deutsche Wirtschaft schrittweise wieder stärker Fahrt auf. Denn die Kriegseffekte klingen annahmegemäß ab, und die Fiskalpolitik liefert kräftige Impulse. So sinken die Energiepreise weiter, die Unsicherheit lässt nach, und die Weltwirtschaft wächst wieder stärker (vgl. Kapitel „Annahmen zum internationalen Umfeld, Wechselkursen, Rohstoffpreisen und Zinssätzen“). Damit beginnen zum einen die realen verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte wieder zu steigen, und die Verbraucherinnen und Verbraucher weiten ihre Konsumausgaben moderat aus. Ab Mitte 2027 erhöhen sie ihren Konsum sogar noch etwas stärker, weil Vorsichtsmotive dann aufgrund des sich erholenden Arbeitsmarktes und der nachlassenden Unsicherheit an Gewicht verlieren. Zum zweiten nehmen die Exporte nach und nach stärker zu, auch wenn sie dabei aufgrund der strukturellen Wettbewerbsfähigkeitsprobleme der deutschen Wirtschaft hinter dem Expansionstempo der Auslandsnachfrage zurückbleiben. 5 Zum dritten wachsen die Unternehmensinvestitionen ab 2027 wieder spürbar und nehmen 2028 stärker Fahrt auf. Sie werden zunächst durch abklingende Unsicherheit und dann durch eine wieder verbesserte Auslastung gestützt. Die privaten Wohnungsbauinvestitionen steigen indes beinahe durchgängig moderat an (vgl. Kapitel „Zu den Prognosen der Verwendungskomponenten des BIP“). Kräftige Wachstumsimpulse erfährt die deutsche Wirtschaft im gesamten Prognosezeitraum durch die starke Lockerung der Fiskalpolitik. Die konjunkturbereinigte staatliche Defizitquote steigt bis 2028 um 2,4 Prozentpunkte. Dieser Impuls trägt schätzungsweise kumuliert von 2026 bis 2028 gut 1,3 Prozentpunkte zum erwarteten BIP-Wachstum in Deutschland bei. Die Prognose enthält diesbezüglich einen impliziten Multiplikator von knapp 0,6. 6 Steigende Ausgaben für die Verteidigung fallen am stärksten ins Gewicht (vgl. Abschnitt „Finanzpolitische Annahmen“).
Das gesamtwirtschaftliche Expansionstempo verstärkt sich damit von Jahr zu Jahr. 2026 steigt das kalenderbereinigte reale BIP um 0,5 %, 2027 um 0,8 % und 2028 um 1,4 %. 7 Da 2026 und 2027 mehr Arbeitstage als in den jeweiligen Vorjahren zur Verfügung stehen, sind die unbereinigten BIP-Raten mit 0,7 % und 0,9 % etwas höher, 2028 sorgt hingegen ein negativer Kalendereffekt für eine etwas niedrigere Rate von 1,2 %.
Tabelle 1.2: Technische Komponenten zur BIP-Wachstumsprognose in % beziehungsweise in Prozentpunkten
Quelle: Statistisches Bundesamt (Rechenstand: 27. Mai 2026). 2026 bis 2028 eigene Prognosen 1 Saison- und kalenderbereinigter Indexstand im vierten Quartal des Vorjahres in Relation zum kalenderbereinigten Quartalsdurchschnitt des Vorjahres. 2 Jahresveränderungsrate im vierten Quartal, saison- und kalenderbereinigt. 3 In % des BIP. 4 Abweichungen in der Summe rundungsbedingt.
Die BIP-Expansion fällt insgesamt schwächer aus als im Dezember erwartet. Gegenüber der Deutschland-Prognose vom Dezember 2025 wird die BIP-Rate für 2026 leicht und für 2027 spürbar abwärtsrevidiert. Im Durchschnitt des laufenden Jahres halten sich die stützenden Effekte durch das höher als erwartete BIP-Wachstum im Winterhalbjahr 2025/26 sowie die Belastungen durch den Krieg im Nahen Osten beinahe die Waage. Letztere machen sich im Jahresdurchschnitt 2027 deutlich stärker bemerkbar. Dabei wurden vor allem die Zuwachsraten für die Unternehmensinvestitionen, den privaten Konsum und die Exporte abwärtsrevidiert. Zudem ist der Anstieg der Staatsinvestitionen etwas weniger dynamisch. Die BIP-Rate für 2028 wird hingegen etwas nach oben angepasst. Dies reflektiert die verzögerte Konjunkturerholung. Insbesondere die privaten Ausgaben für Konsum und Investitionen steigen dann etwas stärker als in der Dezember-Prognose.
Tabelle 1.3a: Revisionen gegenüber der Prognose vom Dezember 2025 Veränderung gegenüber Vorjahr in %
Position
2025
2026
2027
2028
BIP (real, kalenderbereinigt)
Prognose vom Juni 2026
0,3
0,5
0,8
1,4
Prognose vom Dezember 2025
0,2
0,6
1,3
1,1
Differenz (in Prozentpunkten)
0,1
– 0,1
– 0,5
0,3
Bei schwachem Potenzialwachstum werden die gesamtwirtschaftlichen Produktionskapazitäten nach und nach besser ausgelastet. Das Wachstum der Produktionsmöglichkeiten der deutschen Wirtschaft wird durch eine Vielzahl von strukturellen Wachstumshemmnissen gedämpft. Dazu zählen der demografische Wandel und damit einhergehende Probleme, wie Fachkräftemangel und steigende Lohnnebenkosten sowie vergleichsweise hohe Energiekosten, Belastungen durch Bürokratie und Regulierung sowie die zunehmende Konkurrenz im Exportgeschäft, insbesondere aus China. Angesichts der seit geraumer Zeit schwachen privaten Investitionen wächst der Kapitalstock langsam. Vor diesem Hintergrund und aufgrund der schwächeren Investitionsprognose wurde das Potenzialwachstum für die Jahre 2027 und 2028 um jeweils 0,1 Prozentpunkte reduziert. Es wird jetzt in diesen beiden Jahren auf jeweils 0,3 % geschätzt, nach 0,4 % im Jahr 2026. Damit übersteigen die erwarteten BIP-Zuwachsraten das schwache Potenzialwachstum spürbar, und die derzeit noch deutlich negative gesamtwirtschaftliche Produktionslücke schließt sich im Prognosezeitraum. Im Jahr 2028 wird sie wieder leicht positiv.
Die staatliche Defizit- und Schuldenquote steigt deutlich. Ursache sind nicht nur zusätzliche Ausgaben für Verteidigung und nicht-militärische Investitionen. Hinzu kommen verschiedene Steuerentlastungen und Transfers (vgl. Kapitel „Finanzpolitische Annahmen“). Auch die Ausgaben der Sozialversicherungen nehmen kräftig zu. Gegen Ende des Prognosezeitraums werden diese jedoch zunehmend durch höhere Beitragssätze finanziert. Insgesamt steigt die Defizitquote von 2,8 % im Jahr 2025 auf 4,9 % im Jahr 2028. Dabei überschreitet Deutschland sowohl den EU-Referenzwert von 3 % ab 2026 als auch der Bund ab 2028 die Kreditobergrenze der nationalen Schuldenregel. Die Defizite des Sondervermögens Infrastruktur und Klimaneutralität führen nur zum Teil zu höheren Investitionen. So fließen im Prognosezeitraum nur 40 % der Ausgaben des Sondervermögens in zusätzliche nicht-militärische Investitionen. 8 Die Maastricht-Schuldenquote erhöht sich von 63,5 % im Jahr 2025 auf 69,7 % im Jahr 2028 (vgl. Kapitel „Ausblick für die öffentlichen Finanzen“).
Die Erholung am Arbeitsmarkt verzögert sich. Die Erwerbstätigkeit dürfte noch bis zum Jahresende leicht zurückgehen. Der Anstieg der Arbeitslosigkeit sollte allerdings schon etwas früher zum Stillstand kommen (vgl. Kapitel „Zur kurzfristigen Prognose für den Arbeitsmarkt“). Erst im Laufe des Jahres 2027 erholt sich die Arbeitsnachfrage so weit, dass auch die Beschäftigung wieder zunimmt. Gleichzeitig geht das Arbeitsangebot so stark zurück, dass wenig Spielraum für einen Beschäftigungsaufbau bleibt. 9 Damit geht die sich verstärkende Konjunkturerholung 2027 und 2028 mit einer steigenden Arbeitszeit sowie höherer Produktivität einher. Dazu trägt insbesondere die zunehmende Auslastung der in der Vergangenheit nicht vollumfänglich eingesetzten Belegschaften bei. Umfrageergebnisse zeigen zwar, dass ein Teil der befragten Unternehmen Produktivitätssteigerungen auch aus der zunehmenden und intensiveren Nutzung von künstlicher Intelligenz (KI) erwartet. Inwieweit sich diese Effekte bestätigen, bleibt jedoch abzuwarten. Die Beschäftigungswirkungen der KI schätzen die Unternehmen zugleich im Aggregat neutral ein. 10 Die Arbeitslosigkeit sinkt zwar bis 2028 spürbar. Die schnellen Veränderungen der beruflichen und qualifikatorischen Anforderungen durch den Strukturwandel erschweren es jedoch, angebotene und nachgefragte Qualifikationen in Einklang zu bringen. Daher ist davon auszugehen, dass die Arbeitslosigkeit auch zum Ende des Prognosezeitraums noch nicht wieder auf ihren früheren Tiefstand zurückgeht. Gleichzeitig nimmt der Fachkräftemangel weiter zu.
Die Zuwächse der Effektivverdienste lassen zwar nach, bleiben aber noch kräftig. Zu dem im vergangenen Jahr noch sehr starken Anstieg der Effektivverdienste hatten Sonderzahlungen wie Abfindungen maßgeblich beigetragen. Darauf deutet eine neue Unternehmensumfrage der Bundesbank hin (vgl. Exkurs „Zur Rolle von Sonderzahlungen für den Anstieg der Effektivverdienste in Deutschland 2025 und 2026“). Demnach erwarten die Unternehmen außerdem, dass diese Zahlungen 2026 deutlich niedriger ausfallen werden. Auch geringere Prämienzahlungen wirken 2026 lohnmindernd. Zudem fielen die jüngsten Tarifabschlüsse vergleichsweise niedrig und schwächer aus als noch in der Prognose vom Dezember 2025 erwartet. In der Industrie sind Arbeitnehmer bereit, für den Arbeitsplatzerhalt auf ein höheres Lohnplus zu verzichten. Arbeitsintensive Dienstleistungen sind hingegen von der kräftigen Mindestlohnanhebung zu Jahresbeginn besonders betroffen. Alles in allem steigen die Effektivverdienste 2026 um 3,5 %. Der Zuwachs ist damit merklich schwächer als 2025 und auch etwas niedriger als noch im Dezember erwartet. Die schwächeren Lohnabschlüsse aus dem laufenden Jahr dämpfen auch 2027 noch den Anstieg der Tarifverdienste (vgl. Kapitel „Zur Prognose für die Tariflöhne im laufenden und kommenden Jahr“). Da im kommenden Jahr lohnerhöhende Sondereffekte mit Bezug zu Abfindungen keine Rolle mehr spielen, ermäßigt sich der Anstieg der Effektivverdienste 2027 auf 3,1 %. Eine günstigere wirtschaftliche Lage und ein wieder deutlicher von Knappheiten gekennzeichneter Arbeitsmarkt stärken 2028 die Verhandlungsposition der Arbeitnehmer und sprechen für dann wieder höhere Tarifabschlüsse. Die Effektivverdienste steigen dann mit einer Rate von 3,2 % leicht stärker. Größere Zweitrundeneffekte des Energiepreisanstiegs über den Lohnkanal sind damit jedoch nicht verbunden (vgl. zur Begriffsklärung solcher Effekte Exkurs „Direkte, indirekte und Zweitrundeneffekte eines Anstiegs der Energierohstoffpreise – eine Begriffsklärung“). Die Arbeitnehmerentgelte je Arbeitnehmer legen 2028 noch deutlich mehr zu als die Effektivverdienste. Dies liegt an den kräftig steigenden Sozialbeitragssätzen, die die Lohnnebenkosten auch für die Arbeitgeber weiter erhöhen (vgl. Kapitel „Finanzpolitische Annahmen“).
Die Binneninflation lässt noch etwas nach, bleibt aber durchgängig erhöht. Der starke Anstieg der Lohnstückkosten von 4,6 % aus dem Vorjahr reduziert sich bis 2027 deutlich auf 2,3 %. Denn das Lohnwachstum ermäßigt sich und die Arbeitsproduktivität legt spürbar stärker zu. Die Unternehmen können ihre Gewinnmargen 2026 und 2027 ein wenig ausweiten – unter anderem, weil die gestiegenen Energiekosten deutlich und teilweise sogar verstärkt in die Absatzpreise weitergegeben werden. 11 Außerdem dürfte es in den Branchen, die besonders von den erhöhten Staatsausgaben profitieren, zu stärkeren Preissteigerungen kommen. Allerdings steigen die Lohnstückkosten 2028 mit 2,6 % wieder stärker an, da die Sozialversicherungsbeitragssätze kräftig zulegen. Dieser Kostenschub dürfte sich nur teilweise in den Preisen niederschlagen und die Gewinnmargen dämpfen. Unter dem Strich – und gemessen am BIP-Deflator – sinkt die Binneninflation 2026 und 2027 auf jeweils 2,7 % (von 3,0 % im Vorjahr) und ermäßigt sich 2028 auf 2,3 %. Sie bleibt damit aber immer noch durchgängig erhöht.
Der kräftige Anstieg der Energiekosten treibt die Inflationsrate 2026 und 2027 deutlich über die 2 %-Marke, bevor sie 2028 auf knapp 2 % zurückgeht. Die Vorjahresrate des HVPI steigt im laufenden Jahr deutlich auf 2,9 %, von 2,3 % im letzten Jahr. Das liegt vor allem an den höheren Energiepreisen infolge des Krieges im Nahen Osten (vgl. Kapitel „Zur Inflationsprognose im Jahr 2026“). Während die direkten Effekte der höheren Energierohstoffpreise bei Kraftstoffen und Heizöl bereits weitgehend in den Verbraucherpreisen angekommen sind, ist bei Gas mit einem verzögerten Preisauftrieb zu rechnen. Dies wirkt dem in den Rohstoffpreispfaden grundsätzlich angelegten Rückgang der Energiepreise im weiteren Prognosezeitraum etwas entgegen. Die höheren Energiepreise wirken zudem mit Verzögerung auf die Preise für Nahrungsmittel sowie für Industriegüter ohne Energie und auch für Dienstleistungen durch. Bei Nahrungsmitteln geschieht dies vor allem über steigende Kosten in der landwirtschaftlichen Produktion sowie für Logistik, insbesondere Transport und Lagerung. Hinzu kommen höhere Kosten für energieabhängige Vorleistungen wie Düngemittel. Bei Industriegütern ohne Energie wirken höhere Energiekosten ebenfalls über energieintensive Produktionsprozesse, Logistikkosten sowie verteuerte Vorleistungen. Dienstleistungen sind vor allem im Bereich der Reisen sowie über Kosten für Transport, Heizung oder eingesetzte Vorprodukte von den höheren Energiepreisen betroffen, aber insgesamt weniger stark als Waren. Diese indirekten Effekte der höheren Energiepreise wirken dem zunächst nachlassenden Druck von den Lohnstückkosten entgegen. Dadurch geht die Kernrate (ohne die volatilen Komponenten Energie und Nahrungsmittel) im laufenden und im kommenden Jahr deutlich langsamer zurück als noch im Dezember erwartet (vgl. zur Begriffsklärung der direkten versus indirekten Effekte Exkurs „Direkte, indirekte und Zweitrundeneffekte eines Anstiegs der Energierohstoffpreise – eine Begriffsklärung“). Sie sinkt von 2,6 % im laufenden Jahr nur leicht auf 2,5 % im nächsten Jahr. Da zudem die Energierohstoffpreise zurückgehen, ermäßigt sich die Gesamtrate 2027 leicht stärker auf 2,7 %. Im Jahr 2028 geht sie dann deutlich zurück, auf 1,9 %. Dabei wird der bereits von den Rohstoffpreisen angelegte Rückgang der Energiepreise in Deutschland durch die Umstellung des nationalen CO₂-Preissystems (nEHS) auf das europäische Emissionshandelssystem (EU-ETS II) vorübergehend noch verstärkt. 12 Die Kernrate geht 2028 aufgrund nachlassender indirekter Effekte des Energiepreisanstiegs zwar auch etwas zurück. Sie bleibt mit 2,3 % aber noch erhöht. Dies reflektiert die konjunkturelle Erholung und den erneuten Schub von den Lohnstückkosten.
Insgesamt wurde der Inflationsausblick gegenüber der Dezember-Prognose für 2026 und 2027 deutlich nach oben revidiert. Dabei spielen vor allem die direkten und indirekten Effekte des jüngsten Energiepreisanstiegs eine Rolle. Letztere führen auch zu einer Aufwärtsrevision der Kernrate in allen drei Jahren des Prognosezeitraums.
Tabelle 1.3b: Revisionen gegenüber der Prognose vom Dezember 2025 Veränderung gegenüber Vorjahr in %
Position
2025
2026
2027
2028
Harmonisierter Verbraucherpreisindex
Prognose vom Juni 2026
2,3
2,9
2,7
1,9
Prognose vom Dezember 2025
2,3
2,2
2,1
1,9
Differenz (in Prozentpunkten)
0,0
0,7
0,6
0,0
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Zur Rolle von Sonderzahlungen für den Anstieg der Effektivverdienste in Deutschland 2025 und 2026
2025 war das Wachstum der Effektivverdienste 1 in Deutschland – auch im Vergleich zur Tarifverdienstentwicklung – überraschend stark. Der Abstand zwischen den Vorjahresraten der Effektiv- und Tarifverdienste wird als Lohndrift bezeichnet. 2 Sie belief sich im vergangenen Jahr auf 2,1 Prozentpunkte. Eine positive Lohndrift weist darauf hin, dass die Unternehmen in der Summe vermehrt nicht-tarifliche Lohnbestandteile zahlten und dass nicht-tarifliche Löhne stärker angehoben wurden als tarifliche.
Üblicherweise reagieren die Effektivverdienste rascher auf veränderte makroökonomische Rahmenbedingungen als die Tariflöhne. So stiegen die Effektivlöhne im Gefolge des großen Inflationsschubs 2021/22 deutlich schneller an als die Tariflöhne. Letztere erreichten ihre höchste Zuwachsrate erst 2024. Die Dynamik der Effektivlöhne ermäßigte sich da bereits. Im vergangenen Jahr ließ der Tariflohnanstieg dann erheblich nach, da die schwache Konjunktur- und Arbeitsmarktlage gegenüber dem Wunsch nach Reallohnerhöhungen wieder deutlich an Bedeutung gewann. Vor diesem Hintergrund war erstaunlich, dass sich der Anstieg der Effektivverdienste nur wenig abschwächte.
Sonderzahlungen hatten eine wesentliche Bedeutung für den großen Abstand der Effektivverdienstzuwächse zu den Tariflohnanhebungen im Jahr 2025. Die Tarifverdienste stiegen sowohl in den Dienstleistungsbereichen als auch im Verarbeitenden Gewerbe deutlich schwächer als die Effektivverdienste. Dies gilt sowohl im Vergleich mit den Bruttolöhnen und -gehältern je Arbeitnehmer aus den Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen (VGR) als auch den Brutto-Monatsverdiensten laut Verdiensterhebung des Statistischen Bundesamtes. Die Daten der Verdiensterhebung liefern Hinweise darauf, dass Sonderzahlungen eine wesentliche Rolle für den Unterschied des Zuwachses bei Tarif- und Effektivverdiensten spielten. 3
Eine neue Unternehmensumfrage der Bundesbank liefert zusätzliche Informationen zu den Sonderzahlungen. 4 Die Verdiensterhebung des Statistischen Bundesamtes liefert keine Informationen darüber, welche Sonderzahlungen das Lohnwachstum 2025 so stark erhöht haben. Um dies besser zu verstehen, wurden im Bundesbank Online Panel – Firmen (BOP-F) im März 2026 zwei Sonderfragen zur Rolle der Sonderzahlungen in den Jahren 2025 und 2026 gestellt. 5
Laut den Umfrageergebnissen spielten vor allem Abfindungen eine Rolle für die hohen Sonderzahlungen im letzten Jahr. Andere Gründe, wie leistungsabhängige Boni oder nicht-tarifliche Urlaubsgeldzahlungen, fielen hingegen 2025 laut der Umfrage tendenziell niedriger aus als üblich. Somit dürfte in den Abfindungszahlungen ein Erklärungsbeitrag für die hohe Lohndrift 2025 liegen. Die gesamtwirtschaftliche Bedeutung der Abfindungszahlungen wird dadurch verstärkt, dass diese 2025 vor allem von größeren Unternehmen geleistet wurden. Dies wird ersichtlich, wenn die Unternehmensantworten mit der Anzahl an Beschäftigten gewichtet hochgerechnet werden. Allerdings könnten diese Angaben den Beitrag der Abfindungszahlungen sogar noch unterschätzen. Denn sie berücksichtigen nicht die Höhe der Abfindungen, die laut einzelnen Unternehmensmeldungen teilweise beträchtlich ausfielen. Dies gilt auch, wenn selbst ein vergleichsweise geringer Anteil an Unternehmen hohe Abfindungssummen auszahlt.
Vor allem Unternehmen im Verarbeitenden Gewerbe zahlten häufig Abfindungen. Die Industrie befand sich 2025 weiterhin in einer Schwächephase. Stellen wurden in erheblichem Umfang abgebaut und laut BOP-F-Umfrage vermehrt Abfindungen gezahlt. Das Ausmaß der Abfindungen war gemäß Pressemeldungen in der Automobilindustrie besonders groß. Die Umfrageergebnisse deuten darauf hin, dass es in einigen Dienstleistungsbereichen ähnlich war. Im Handel gab es einen Stellenabbau, und auch dort meldeten per saldo mehr Firmen Abfindungen als üblich. Im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnik wies die Umfrage ebenfalls mehr Abfindungen aus. Diese dürften primär den Telekommunikationsbereich betreffen, der Personal unter anderem üblicherweise durch Abfindungen abbaut.
Auffällig ist auch die verminderte Bedeutung der Prämienzahlungen, die den Anstieg der Effektivverdienste 2025 etwas abgemildert haben dürften. Unternehmen kürzten nach der Umfrage 2025 Prämien deutlich häufiger als üblich. Besonders ausgeprägt war dies wiederum im Verarbeitenden Gewerbe. Die Auswertungen legen nahe, dass dies mit hohem Wettbewerbsdruck und schwacher Nachfrage zusammenhing. Passend dazu verringerte laut Pressemeldungen insbesondere die Automobilindustrie die Prämien massiv. 6 Auch in anderen Branchen wie der chemischen Industrie gab es Unternehmensmeldungen zufolge weniger Boni. 7 In weiteren Branchen, wie dem konjunkturreagiblen Groß- und Einzelhandel, wurden laut BOP-F-Ergebnissen die Mitarbeiterprämien spürbar reduziert. Insgesamt zahlten auch die Dienstleistungsbranchen 2025 weniger Prämien als üblich.
Im laufenden Jahr dürften die Abfindungen laut Unternehmenserwartungen das Wachstum der Effektivverdienste nicht mehr so stark stützen wie zuvor. Die Unternehmen erwarteten zum Zeitpunkt der Befragung eine deutliche Gegenbewegung bei den Abfindungszahlungen. Auch andere Sonderzahlungen werden laut Befragung gegenüber 2025 nicht ausgeweitet.
Der von den befragten Unternehmen erwartete Rückgang bei den Sonderzahlungen weist auf ein schwächeres Wachstum der Effektivverdienste 2026 hin. Die Ergebnisse der BOP-F-Auswertungen wurden in der Deutschland-Prognose für 2026 berücksichtigt. Die Lohndrift wird 2026 demnach erheblich kleiner als 2025 ausfallen. Die Effektivverdienstzuwächse stehen damit im Prognosezeitraum wieder deutlich stärker im Einklang mit den in den Tarifabschlüssen vereinbarten Anhebungen.
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Direkte, indirekte und Zweitrundeneffekte eines Anstiegs der Energierohstoffpreise – eine Begriffsklärung
Energiepreisschocks wirken direkt und indirekt auf die Inflationsrate und können darüber hinaus sogenannte Zweitrundeneffekte erzeugen. Direkte Effekte beschreiben den unmittelbaren Einfluss eines Energiepreisschocks auf die Energiekomponenten des Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI). Indirekte Effekte beziehen sich auf die Auswirkungen eines Energiepreisschocks entlang der Produktions- und Vertriebskette auf alle nicht dem Energiesektor zugehörigen Bestandteile des HVPI-Warenkorbs. Zusammen werden direkte und indirekte Effekte als Erstrundeneffekte bezeichnet. Zweitrundeneffekte beschreiben die Reaktion von Löhnen, Inflationserwartungen und Preissetzung von Unternehmen infolge eines Energiepreisschocks und deren Rückkopplung auf die Inflation. 1
Direkte Effekte beschreiben den Einfluss eines Energiepreisschocks auf die Verbraucherpreise für Energie. Energie macht in Deutschland rund 10 % des HVPI-Warenkorbs aus und umfasst vor allem Heizöl, Kraftstoffe, Gas und Strom. 2 Steigen die Rohölpreise, so wirkt sich das recht unmittelbar auf die Mineralölprodukte im HVPI aus, also Heizöl und Kraftstoffe. Bei steigenden Großhandelspreisen für Erdgas oder Strom erfolgt die Weitergabe an die Verbraucherpreise in Deutschland hingegen mit einer gewissen Verzögerung. Dies liegt daran, dass die Verbraucher häufig länger laufende Verträge abschließen und Energieversorger sich in der Regel durch langfristige Verträge am Terminmarkt gegen Energiepreisschwankungen absichern. Der prozentuale Anstieg der Energierohstoffpreise wirkt sich nicht 1:1 auf die Verbraucherpreise aus, da hier neben den Beschaffungskosten auch Steuern und Abgaben eine Rolle spielen. Dazu gehören unter anderem Mehrwertsteuer, Energiesteuer, CO₂-Abgaben oder Netzentgelte. Hinzu kommen Transport- und Vertriebskosten sowie Gewinnmargen.
Indirekte Effekte beschreiben den Einfluss eines Energiepreisschocks über die Produktions- und Vertriebskette hinweg auf alle nicht zum Bereich Energie gehörenden Bestandteile des HVPI-Warenkorbs. 3 Energieträger werden zur Herstellung fast aller Waren und Dienstleistungen benötigt, zum Beispiel in Form von Wärme oder zur Kühlung, für den Transport oder als Rohstoff wie bei der Herstellung von Plastik oder Düngemitteln. Nach einem Energiepreisschock steigen daher auch die Produktionskosten für diejenigen Konsumgüter, die nicht direkt dem Bereich Energie zugerechnet werden. Die Weitergabe von Energiepreisschwankungen in die einzelnen Verbraucherpreise erfolgt dabei unterschiedlich schnell und stark. Sie ist unter anderem abhängig davon, wie viele Produktionsstufen durchlaufen werden, wie groß die Energieintensität der jeweiligen Produkte ist, wie bedeutsam andere Kostenfaktoren sind (inklusive staatlicher Einflüsse), wie die Wettbewerbssituation auf den Teilmärkten ist und wie sich die konjunkturelle Lage darstellt. Indirekte Effekte eines Energiepreisschocks schlagen sich zunächst in gestiegenen Import- und Produzentenpreisen auf den vorgelagerten Produktionsstufen nieder. Sie treiben allmählich die Kernrate ohne Energie nach oben. 4 Wenn die direkten und indirekten Erstrundeneffekte eines Energiepreisschocks nach einer gewissen Zeit über alle HVPI-Komponenten hinweg an die Verbraucher weitergereicht wurden, sollte sich die Inflationsrate allmählich wieder normalisieren, solange keine Zweitrundeneffekte auftreten.
Zweitrundeneffekte beschreiben die Reaktion von Löhnen, Inflationserwartungen und Preissetzung von Unternehmen auf einen Energiepreisschock und (erwartete) Erstrundeneffekte sowie deren Rückkopplung auf die Inflation. 5 Als Reaktion auf einen Energiepreisschock und damit verbundene (erwartete) Erstrundeneffekte können sich die Inflationserwartungen der Wirtschaftsakteure 6 erhöhen, die Preissetzung der Unternehmen kann sich ändern oder die Lohndynamik steigen. 7 Dabei können sich die unterschiedlichen Kanäle gegenseitig beeinflussen und verstärken. 8 Auf diese Weise kann es – zeitgleich zu den Erstrundeneffekten oder mit Verzögerung – zu einem weiteren Aufwärtsdruck auf die Preise in Form von Zweitrundeneffekten kommen. Falls es zu Zweitrundeneffekten über Löhne kommt, so treten diese in Deutschland wegen der länger laufenden Tarifverträge mit großer Verzögerung auf. 9 Zweitrundeneffekte über Löhne hängen unter anderem ab vom Ausmaß der (erwarteten) Reallohnverluste und von der Verhandlungsposition der Tarifpartner. 10 Ist ein inflationärer Schock sehr stark, so ist die Gefahr von Zweitrundeneffekten über die Inflationserwartungen oder ein geändertes Preissetzungsverhalten besonders groß, da die Unternehmen die Preise häufiger und/oder stärker erhöhen könnten, als sie es üblicherweise täten. 11 Außerdem können Unternehmen angesichts eines großen Energiepreisschock versuchen, höhere Gewinnmargen durchzusetzen. Dann würde der Schock als ein impliziter Koordinationsmechanismus für die Preissetzung wirken. 12 Schließlich können sich Zweitrundeneffekte über Inflationserwartungen schneller bemerkbar machen, wenn eine Erfahrung mit hohen Inflationsraten den Wirtschaftsakteuren noch sehr präsent ist. 13 Insgesamt beziehen sich Zweitrundeneffekte in dieser Definition weniger auf eine zeitliche Dimension der Weitergabe eines Energiepreisschocks in die Verbraucherpreise. Sie beschreiben vielmehr die Gefahr eines persistenten Anstiegs der Inflationsrate durch eine Reaktion der Lohn- und Preissetzung sowie der Inflationserwartungen auf einen Energiepreisschock.
2 Risikobeurteilung
Das Risikobild, welches die Deutschland-Prognose begleitet, wird derzeit stark durch den Krieg im Nahen Osten geprägt. Unsicherheiten bestehen darüber hinaus auch bezüglich des Verlaufs anderer geopolitischer Konflikte oder in Bezug auf ein Wiederaufflammen von Handelskonflikten. Aus dem Inland sind insbesondere das Tempo und der Umfang der fiskalischen Ausgabensteigerung und die von der Bundesregierung in Aussicht gestellten Strukturreformen mit Unsicherheiten verbunden. Insgesamt überwiegen für die Inflation sehr klar die Aufwärtsrisiken und für die Wirtschaftsaktivität deutlich die Abwärtsrisiken.
Insbesondere von der weiteren Entwicklung im Nahen Osten und auf den internationalen Rohstoffmärkten gehen erhebliche Risiken aus. In der vorliegenden Prognose wird eine zügige Auflösung des Konflikts sowie eine zeitnahe Entspannung bei Rohöl- und Gaspreisen unterstellt (vgl. Kapitel „Annahmen zum internationalen Umfeld, Wechselkursen, Rohstoffpreisen und Zinssätzen“). Es ist zwar nicht ausgeschlossen, dass sich die Lage noch rascher entspannt als angenommen. Sollte jedoch der Krieg länger andauern und sich die Rohstoffe weiter verteuern, würde sich der Ausblick für Inflation und Konjunktur erheblich verschlechtern. Denn höhere Energierohstoffpreise schlagen sich zum einen rasch direkt in höheren Preisen für Mineralölprodukte nieder. Zudem dürften die indirekten Effekte stärker ausfallen oder länger anhalten als in der Prognose unterstellt. Außerdem könnten die Inflationserwartungen stärker steigen. Dies könnte über Zweitrundeneffekte wiederum die Inflation erhöhen (vgl. zur Begriffsklärung dieser Effekte Exkurs „Direkte, indirekte und Zweitrundeneffekte eines Anstiegs der Energierohstoffpreise – eine Begriffsklärung“). Die höhere Inflation würde die Konjunktur belasten, vor allem über einen schwächeren privaten Konsum. Hinzu kämen Belastungen für Investitionen und Exporte durch eine höhere Unsicherheit und eine schwächere Weltkonjunktur. Ein solches schwerwiegendes Risikoszenario für die deutsche Wirtschaft findet sich im Exkurs „Ein schwerwiegendes Risikoszenario zu möglichen Auswirkungen des Krieges im Nahen Osten auf die deutsche Wirtschaft“.
Der genaue Umfang der fiskalischen Impulse und deren Wirkung ist mit einigen Unsicherheiten behaftet. Zum einen hat die Bundesregierung umfangreiche Anpassungen der Finanzpolitik angekündigt, die aber noch nicht konkretisiert sind. So stehen größere Reformen von Einkommensteuer sowie Sozialversicherungen auf der Agenda. Zudem weist sie hohe Handlungsbedarfe im Bundeshaushalt aus, um die Schuldenbremse einzuhalten. Die hier zugrunde liegende Fiskalprognose ergibt ebenfalls einen solchen Handlungsbedarf für 2028. Zum anderen könnten die zusätzlichen Verteidigungs- und Investitionsausgaben geringer oder höher ausfallen als in der Prognose vorgesehen. Zwar legt die Vergangenheit eher einen langsameren Mittelabfluss nahe. So blieben die tatsächlichen Ausgaben bisher stärker hinter den Planwerten zurück als im Prognosezeitraum unterstellt. Geringere regulatorische und administrative Hemmnisse könnten den Abfluss jedoch noch stärker beschleunigen als hier angenommen. Angesichts der umfangreichen verfügbaren Mittel könnte dies dann den Preisdruck deutlich erhöhen. Dies betrifft vor allem die Verteidigungsindustrie und den Tiefbau, weil es dort zu stärkeren Kapazitätsengpässen kommen könnte. Dementsprechend würde wohl vor allem der Preisanstieg bei den Investitionen stärker ausfallen, aber nicht notwendigerweise die Verbraucherpreisinflation. Des Weiteren könnten je nach weiterem Verlauf des Konflikts im Nahen Osten weitere Maßnahmen gegen die Auswirkungen hoher Energiepreise erwogen werden. Diese könnten je nach Ausgestaltung auch einen direkten Effekt auf die Verbraucherpreise haben.
Erfolgreiche Strukturreformen könnten die Erholung unterstützen. Der wesentliche Treiber hinter den in der Prognose stark steigenden Arbeitskosten ist der demografische Wandel, welcher nicht nur die Löhne selbst stützt, sondern vor allem starken Druck auf die Lohnnebenkosten ausübt. Dieser könnte zwar noch stärker ausfallen als unterstellt, etwa, falls die Maßnahmen bei der gesetzlichen Krankenversicherung doch nicht zu einer – wie in der Prognose unterstellt – weitgehenden Stabilisierung der Beiträge führen würden. Sollte die Bundesregierung jedoch wie angekündigt auch den Ausgabenanstieg im Bereich Rente und Pflege begrenzen, dürfte sich dies tendenziell günstig auf die Lohnnebenkosten und die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft auswirken. Die Angebotsseite der deutschen Wirtschaft könnte auch zusätzlich gestärkt werden, wenn wachstumsfreundliche Reformen im Bereich der Steuern, des Arbeitsmarktes und der Bürokratie umgesetzt würden. In diesem Fall könnte der BIP-Anstieg kräftiger ausfallen als in der Prognose unterstellt.
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Ein schwerwiegendes Risikoszenario zu möglichen Auswirkungen des Krieges im Nahen Osten auf die deutsche Wirtschaft
Der Irankrieg ließ die Energierohstoffpreise weltweit deutlich ansteigen. Ausschlaggebend war die Blockade der Straße von Hormus. Sie zählt zu den weltweit wichtigsten Transportrouten für Öl- und LNG-Lieferungen. 1 Dabei bestehen nur begrenzte Ausweichmöglichkeiten. Eine länger anhaltende Sperrung der Straße von Hormus und eine durch den Krieg in größerem Umfang zerstörte Energieinfrastruktur in der Region dürften daher weitreichende Verwerfungen nach sich ziehen.
Das Szenario unterstellt, dass die Energierohstoffnotierungen stark über die Prognoseannahmen hinaus ansteigen und bis 2028 auf deutlich höherem Niveau bleiben. Dies könnte insbesondere dann eintreten, wenn der Schifffahrtsverkehr im Persischen Golf über einen längeren Zeitraum beeinträchtigt wäre, oder es zu weiterer Zerstörung von Energieinfrastruktur in der Region käme. Insbesondere für die Öl- und Gaspreise wird unterstellt, dass diese im Vergleich zum Basisszenario der Prognose noch einmal deutlich anziehen und über den gesamten Prognosezeitraum auf merklich höherem Niveau verharren. In der Spitze läge der Ölpreis mit 166 US-$ je Fass deutlich über den Höchstständen der Energiekrise 2021/22, während der europäische Gaspreis zwar auch deutlich stärker anstiege, mit rund 112 € je Megawattstunde diese Höchstwerte aber nicht erreicht. Erdgas ist ein wichtiger Einsatzfaktor bei der Düngemittelproduktion, die zudem in einigen Ländern des Nahen Ostens angesiedelt ist. Daher würden auch die Preise für Nahrungsmittelrohstoffe spürbar steigen, wenngleich nicht so kräftig wie die Notierungen für Energierohstoffe. Ebenso wird angenommen, dass es im Zuge dieses starken Angebotsschocks zu einer global erhöhten Unsicherheit kommt. Die Annahmen über den Anstieg der Rohstoffpreise und der Unsicherheit in diesem schwerwiegenden Risikoszenario werden von Szenario-Analysen des EZB-Stabs für den Euroraum übernommen. Deren Auswirkungen auf das internationale Umfeld stellen ebenfalls auf Analysen des EZB-Stabs für den Euroraum ab und werden in die Simulationsrechnungen integriert. 2
Die höheren Energiekosten und größere Unsicherheit belasten die Weltwirtschaft. Die höheren Öl- und Gaspreise sorgen weltweit für einen Anstieg der Inflation, verringern die realen Einkommen der privaten Haushalte sowie den Ausgabenspielraum der Unternehmen und dämpfen damit die globale Nachfrage. Zusätzlich lastet die höhere Unsicherheit auf den Konsum- und Investitionsausgaben, sodass insgesamt die Absatzmärkte deutscher Exporteure deutlich unter ihr Referenzniveau sinken.
Die Modellrechnungen deuten auf ein erhebliches Abwärtsrisiko für die Konjunktur in Deutschland hin. Die Implikationen des Szenarios für die deutsche Wirtschaft werden mit dem makroökonometrischen Modell der Bundesbank (BbkM-DE) abgeschätzt. 3 Die durch die erhöhte Unsicherheit ausgelösten Effekte in Deutschland werden durch ein Satellitenmodell quantifiziert und ebenfalls in die Rechnungen mit BbkM-DE einbezogen. 4 Kumuliert betragen die Wachstumsverluste beim realen BIP bis zum Ende des Jahres 2028 etwa 2 Prozentpunkte im Vergleich zum Basisszenario der Prognose. Während sie im laufenden Jahr mit rund drei zehntel Prozentpunkten vergleichsweise mild ausfallen, steigert sich der Rückgang gegenüber dem Basisszenario 2027 auf 1,2 Prozentpunkte. Damit würde die deutsche Wirtschaft im laufenden Jahr kaum mehr wachsen und im nächsten Jahr sogar wieder schrumpfen. Selbst im Jahr 2028 liegen die Wachstumseinbußen noch bei ½ Prozentpunkt. Insgesamt verteilen sich die dämpfenden Effekte breit über die Verwendungskomponenten des BIP. Die nachlassende Nachfrage auf den ausländischen Absatzmärkten verringert die deutschen Ausfuhren. Gestiegene Energiekosten und die erhöhte Unsicherheit resultieren vor allem in einem Rückgang der Investitionstätigkeit inländischer Unternehmen. Die realen Kaufkraftverluste infolge der deutlich gestiegenen Verbraucherpreise zwingen die privaten Haushalte, ihren Konsum einzuschränken. In der Gesamtbetrachtung der BIP-Verluste dominiert dieser Transmissionskanal. Dazu trägt auch bei, dass der Rohstoffpreisanstieg und dessen Auswirkungen auf die Inflationsrate recht persistent sind.
Die höheren Rohstoffpreise lassen die Inflationsrate in Deutschland stark und breit verteilt über ihre Komponenten ansteigen. Die dominanten Treiber sind dabei zwar die wesentlich höheren Öl- und Gaspreise und die daraus resultierenden direkten Effekte auf die HVPI-Energiekomponente.Doch auch über den Anstieg der Nahrungsmittelpreise entwickeln sich spürbare Effekte auf die Teuerungsrate. Zudem ergeben sich – etwas nachgelagert – anhaltende Impulse auf die Kernrate ohne Energie und Nahrungsmittel. Insgesamt liegt die Inflationsrate im laufenden Jahr knapp 1 Prozentpunkt über dem Basisszenario der Prognose. Der Effekt erhöht sich 2027 auf etwa 2½ Prozentpunkte und klingt 2028 nur etwas auf 2 Prozentpunkte ab. Dies würde bedeuten, dass die Inflation in der Spitze auf über 5 % anstiege und selbst 2028 noch fast 4 % betragen würde.
Die Gründe für die anhaltenden Inflationseffekte in den Simulationsrechnungen sind vielfältig. Die für das Szenario unterstellten Rohstoffpreisanstiege sind sehr persistent. Höhere Gaspreise werden in Deutschland zudem verzögert an die Verbraucher weitergegeben. Daher ergibt sich bereits über die Energie- und Nahrungsmittelkomponenten des HVPI eine länger anhaltende Inflationswirkung. Diese wird durch verzögerte und sich graduell aufbauende Effekte über die Kernrate verstärkt. Neben diesen indirekten Effekten tragen dazu auch Zweitrundeneffekte bei (vgl. zur Begriffsklärung solcher Effekte Exkurs „Direkte, indirekte und Zweitrundeneffekte eines Anstiegs der Energierohstoffpreise – eine Begriffsklärung“).
In dem hier betrachteten Szenario wird von einer Weitergabe der Rohstoffpreissteigerungen in die Verbraucherpreise ausgegangen, die über übliche historische Regularitäten hinausgeht. Die Ausgangslage der derzeitigen Energiekrise unterscheidet sich zwar in Teilen von den Anfängen der letzten Hochinflationsphase. 5 Auch das allgemeine makroökonomische Umfeld ist ein anderes als im Jahr 2022. Damals traf der Energiepreisschub auf eine Phase kräftiger Konsum-Nachholeffekte nach der Pandemie, angespannter Lieferketten und zunächst noch sehr expansiver geldpolitischer Rahmenbedingungen. Im aktuellen Umfeld ist die Nachfrage schwächer, die Finanzierungsbedingungen sind neutral, und die Inflationsraten lagen vor Ausbruch des Irankriegs erheblich näher am Preisstabilitätsziel als im Winterhalbjahr 2021/22. Damit sind zwar die Voraussetzungen für starke Zweitrundeneffekte über die Löhne heute weniger gegeben als damals. Und in den Modellsimulationen sind auch über den Lohnkanal nur die üblicherweise durch endogene Modellreaktionen hervorgerufenen Zweitrundeneffekte enthalten. Allerdings könnten die Erinnerung an die hohen Teuerungsraten 2022/23 zu stärkeren Zweitrundeneffekten über die Inflationserwartungen und eine schnellere Preisanpassungsgeschwindigkeit der Unternehmen führen. 6 Solchen nicht-linearen Effekten wird in den Modellrechnungen für Deutschland Rechnung getragen. Sie tragen zu den hier ausgewiesenen Inflationswirkungen bei. 7
Viele der zur Berechnung desschwerwiegendenRisikoszenarios getroffenen Annahmen sind selbst mit hoher Unsicherheit behaftet. Besonders unsicher sind die Dauer und Intensität möglicher Störungen der Energietransportwege sowie der für Förderung und Verarbeitung notwendigen Infrastruktur. Zudem spielt eine Rolle, in welchem Umfang andere (Öl- und Gas-)Förderländer zusätzliche Mengen bereitstellen und in welchem Umfang Reserven puffern können. Schließlich sind auch die makroökonomischen Übertragungskanäle unsicher und hängen vom verwendeten Modell sowie den bezüglich der nicht-linearen Effekte getroffenen Annahmen ab.
3 Vertiefende Ausführungen zur Deutschland-Prognose
3.1 Annahmen zum internationalen Umfeld, Wechselkursen, Rohstoffpreisen und Zinssätzen
Die Deutschland-Prognose basiert auf Annahmen über die Weltwirtschaft, die Wechselkurse, die Rohstoffpreise und die Zinssätze, die vom Eurosystem gemeinsam festgelegt wurden. Den Annahmen liegen Informationen zugrunde, die am 21. Mai 2026 verfügbar waren.
Der Krieg im Nahen Osten und die Blockade der Straße von Hormus führten zu einer erheblichen Verteuerung der Energierohstoffe. Durch die Blockade der weltweit wichtigsten Route für den Transport fossiler Energieträger und die kriegsbedingte Zerstörung von Energieinfrastruktur in den Ländern der Region kletterten die Rohölnotierungen zeitweise nahe an die Höchststände der Energiekrise 2022. Auch die Gaspreise stiegen deutlich, blieben aber weit unter den 2022 erreichten Niveaus. Dies gilt auch für die europäischen Strompreise. 13 Zwar weisen die aus den Terminnotierungen abgeleiteten Prognoseannahmen auf rasch wieder sinkende Rohöl- und Gaspreise hin, die auch bis zum Prognosehorizont weiter deutlich zurückgehen. Beide liegen aber für das laufende Jahr mehr als 50 %, für 2027 noch mehr als 30 % und auch 2028 noch deutlich über der Dezember-Prognose. Die Differenz beim Strompreis fällt verhaltener und zeitlich begrenzter aus. Die Erzeugerpreise von Nahrungsmitteln übersteigen – wohl auch infolge verteuerter Düngemittel – ebenfalls die letzte Prognose.
Hohe Energiepreise, Unsicherheit über die globale Energieversorgung und die US-Handelspolitik beeinträchtigen die Weltwirtschaft. 14 Die Weltwirtschaft wuchs trotz der deutlichen Verteuerung von Energie im ersten Quartal 2026 insgesamt noch solide. Sie entwickelte sich damit im Winterhalbjahr weitgehend wie in der Prognose vom Dezember unterstellt. Hierzu trug eine lebhafte Investitionstätigkeit im Zusammenhang mit dem KI-Boom bei, von der besonders die US- und einzelne asiatische Volkswirtschaften profitierten. Es wird aber damit gerechnet, dass die infolge der stark gestiegenen Energiepreise verringerte Kaufkraft und die Unsicherheit über die Energieversorgung die globale Nachfrage belasten. Zudem beeinträchtigt die restriktivere US-Handelspolitik weiterhin das Wirtschaftsgeschehen. 15 Insgesamt bleibt das Wachstum des globalen BIP mit Raten von 3,0 % im laufenden Jahr und 3,2 % 2027 hinter der letzten Prognose zurück, bevor für 2028 mit einem Zuwachs von 3,3 % gerechnet wird, weitgehend im Einklang mit der Dezember-Prognose.
Das Wirtschaftswachstum in den anderen Ländern des Euroraums fällt zunächst etwas schwächer, 2028 aber etwas kräftiger aus als in der Prognose vom Dezember zugrunde gelegt. Die in der Prognose berücksichtigte wirtschaftliche Entwicklung in den anderen Ländern des Euroraums ergibt sich aus den Prognosen der nationalen Zentralbanken, die in die am 11. Juni 2026 von der EZB veröffentlichte Prognose für den Euroraum eingegangen sind. Im laufenden Jahr bleibt auch das Wirtschaftswachstum im Euroraum ohne Deutschland mit einer Rate von 0,9 % deutlich unter der Dezember-Prognose. Die Dynamik steigt in den kommenden beiden Jahren an. Bei einer Zuwachsrate von 1,4 % entspricht sie für 2027 der Dezember-Prognose und liegt mit 1,6 %2028 etwas darüber.
Der Welthandel zeigt sich widerstandsfähig; deutsche Absatzmärkte expandieren in geringerem Umfang. Der Welthandel entwickelte sich im Winterhalbjahr 2025/26 deutlich dynamischer als in der Dezember-Prognose erwartet. Durch den KI-Boom legten insbesondere die Importe der USA und einiger ostasiatischer Länder erheblich zu. Zwar wird kurzfristig wieder mit etwas geringeren Zuwächsen der globalen Importe gerechnet. Angesichts der gestiegenen Nachfrage nach Hochtechnologiegütern im Zuge des KI-Hochlaufs wird aber erwartet, dass der Welthandel kräftiger als die Weltwirtschaft expandiert. Nach einer Rate von 4,2 % im Durchschnitt des laufenden Jahres wird für die kommenden beiden Jahre mit Zuwächsen von 3,6 % und 3,5 % gerechnet. Wegen der im Verhältnis zum Welthandel schwächeren Importnachfrage der Handelspartner innerhalb des Euroraums bleibt das Wachstum der Absatzmärkte deutscher Exporteure hinter dem Welthandel zurück.
Tabelle 1.4: Wichtige Annahmen der Prognose
Juni-Prognose
Revisionen vs. Dezember-Prognose1)
Position
2025
2026
2027
2028
2025
2026
2027
2028
Wechselkurse für den Euro
US-Dollar je Euro
1,13
1,17
1,17
1,17
0,0
0,9
0,9
0,9
Effektiv2)
128,3
130,0
129,8
129,8
0,5
0,2
0,0
0,0
Zinssätze
EURIBOR-Dreimonatsgeld
2,2
2,4
2,8
2,7
0,0
0,4
0,7
0,4
Umlaufrendite öffentlicher Anleihen3)
2,6
3,1
3,3
3,4
0,0
0,3
0,3
0,2
Preise
Rohöl4)
69,1
96,9
82,2
77,1
– 0,1
55,0
31,3
20,5
Erdgas5)
36,2
45,6
37,5
27,9
– 0,8
54,1
36,4
11,6
Strom5) 6)
83,6
89,3
78,2
68,1
– 0,4
19,1
6,1
– 4,6
Sonstige Rohstoffe7) 8)
5,8
3,0
0,8
– 1,9
0,1
2,9
0,3
– 1,6
Nahrungsmittel 8) 9)
4,1
– 0,4
2,9
– 0,2
– 0,5
1,7
0,3
– 2,2
Absatzmärkte der deutschen Exporteure8) 10)
4,0
2,5
2,9
3,2
0,7
0,4
– 0,1
0,2
1 Revisionen für Wechselkurse, Rohöl-, Erdgas- und Strompreise in Prozent; für Zinssätze, Sonstige Rohstoffpreise, Nahrungsmittel und die Absatzmärkte deutscher Exporteure in Prozentpunkten.2 Gegenüber 40 Währungen wichtiger Handelspartner des Euroraums (EWK-40-Gruppe), erstes Vierteljahr 1999 = 100. 3 Umlaufrendite deutscher Staatsanleihen mit einer Restlaufzeit von über neun bis zehn Jahren. 4 US-Dollar je Fass der Sorte Brent. 5 Euro je Megawattstunde. 6 Großhandelspreise im Euroraum basierend auf Daten der Europäischen Zentralbank 7 In US-Dollar. 8 Veränderung gegenüber Vorjahr in %. 9 Erzeugerpreise für Nahrungsmittel im Euroraum basierend auf Daten der Europäischen Kommission. In Euro. 10 Kalenderbereinigt.
Die Verteidigungsausgaben steigen kräftig. Bis 2028 erhöht sich ihr Anteil am BIP gegenüber 2025 um rund 1 Prozentpunkt auf 2½ %. 16 Die breiter abgegrenzte NATO-Quote beträgt dann etwa 3¼ %.Besonders stark nehmen die militärischen Investitionen zu.
Auch die nicht-militärischen Staatsinvestitionen nehmen spürbar zu. Bis 2028 steigt ihr Anteil am BIP gegenüber 2025 um ½ Prozentpunkt. Angestoßen wird dies durch das Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität (IK). Die Kreditaufnahme des Sondervermögens IK legt in dieser Zeit allerdings noch deutlich stärker zu, und die Mittel dienen teils der Haushaltsentlastung von Bund, Ländern und Gemeinden. So fließen den Gemeinden umfangreiche Mittel zu, die sie aber insbesondere zur Konsolidierung ihrer stark defizitären Haushalte einsetzen. Die kommunale Investitionsquote bleibt weitgehend konstant. 17
Verschiedene Maßnahmen 18 zielen vor allem darauf ab, Unternehmen und private Haushalte von hohen Energiekosten zu entlasten. Dazu zählen insbesondere die Subventionierung der Netzentgelte beim Stromverbrauch ab 2026 sowie die niedrigere Stromsteuer für das Produzierende Gewerbe und die Landwirtschaft. Ferner wurden in Reaktion auf die jüngsten Preissprünge bei Treibstoffen die Energiesteuern auf Benzin und Diesel im Mai und Juni temporär gesenkt. Ab 2027 werden zudem die Stromkosten energieintensiver Industrien rückwirkend für das Vorjahr bezuschusst („Industriestrompreis“).
Weitere Steuerrechtsänderungen und ausgabenseitige Maßnahmen erhöhen das Staatsdefizit. Hierzu zählen die temporär vergünstigten Abschreibungsbedingungen für Unternehmen sowie die Körperschaftsteuersatzsenkung 2028. Von größerem Gewicht ist zudem die ab 2026 abgesenkte Umsatzsteuer auf Speisen in der Gastronomie auf den ermäßigten Satz. Demgegenüber führt die schrittweise Erhöhung der Tabaksteuer 2026 zu leichten und im weiteren Verlauf zu etwas steigenden Mehreinnahmen. Ab dem laufenden Jahr erhöhen sich die Personalausgaben von Bund und Ländern spürbar, weil sie die Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts zur amtsangemessenen Alimentation der Beamtinnen und Beamten umsetzen. Die erweiterten Mütterrenten schlagen ab 2027 zu Buche. Die VGR verbucht die Ausgaben bereits zum Entstehungszeitpunkt; die tatsächlichen Auszahlungen erfolgen voraussichtlich erst ab dem Jahr 2028.
Die Ausgaben der Sozialversicherungen steigen erheblich, und der Gesamtbeitragssatz nimmt bis 2028 um fast 2 Prozentpunkte auf 44¼ % zu. Die Ausgaben wachsen deutlich stärker als die beitragspflichtigen Arbeitsentgelte. Gründe dafür sind vor allem die demografische Entwicklung und Leistungsausweitungen. Die Beitragssätze der gesetzlichen Rentenversicherung und der Pflegeversicherung steigen daher annahmegemäß stark. Dagegen bleibt der Beitragssatz der Krankenversicherung ab 2026 stabil, weil unterstellt wird, dass die angekündigte Gesundheitsreform dieses Ziel erreicht. 19 Dazu wachsen in der Prognose die Gesundheitsausgaben langsamer und die Beitragseinnahmen durch breitere Bemessungsgrundlagen schneller als ohne Reform. 20 Zudem verhindern höhere Bundesdarlehen, dass die Beitragssätze stärker steigen. Insbesondere überbrückt der Bund konjunkturbedingte Finanzierungslücken bei der Bundesagentur für Arbeit.
Von 2,8 % im Jahr 2025 bis 2027 steigt die Defizitquote über 4,4 % auf 4,8 % im kommenden Jahr, da die Ausgabenquote deutlich zunimmt und die Einnahmenquote weitgehend stabil bleibt. Die Ausgaben steigen strukturell stark an. 21 Dies gilt insbesondere für die Verteidigungsausgaben, aber auch für die nicht-militärischen Investitionen. Zudem ist die Ausgabendynamik bei der Kranken-, Pflege- und der Rentenversicherung hoch. Die Zinsausgaben wachsen weiter – vor allem infolge der zunehmenden Durchschnittsverzinsung der staatlichen Verschuldung, aber auch aufgrund des wachsenden Schuldenstandes. Auf der Einnahmenseite sinkt die Steuerquote leicht infolge verschiedener Steuersenkungen.Die Quote der Sozialbeiträge steigt dagegen, da die Beitragssätze bei Pflege- und Krankenversicherung zunehmen.
2028 stabilisiert sich die Defizitquote dann etwa (4,9 %). Einnahmen- und Ausgabenquote wachsen 2028 dann grob im Gleichklang. Die konjunkturelle Erholung entlastet die Staatsfinanzen spürbar. Die strukturelle Ausgabendynamik bleibt jedoch hoch. Die Ausgaben für Verteidigung, Soziales, Infrastruktur und Zinsen nehmen weiter deutlich zu. Gleichzeitig steigt die strukturelle Einnahmenquote spürbar. Denn die Erhöhung der Beitragssätze ist deutlich gewichtiger als die Steuersenkungen. Vor allem der Satz der Rentenversicherung steigt sprunghaft. Bis 2027 verzeichnet die Rentenversicherung hohe Defizite und verzehrt ihre Rücklagen. Zu Beginn des Jahres 2028 sind diese weitestgehend aufgebraucht und der Beitragssatz steigt stark von 18,6 % auf 19,8 %.
Unter den staatlichen Ebenen ist der Bund (einschließlich der Extrahaushalte) ausschlaggebend für die stark wachsenden Defizite. Entscheidend ist die steigende Nettokreditaufnahme für Verteidigungsausgaben. Die Schuldenbremse begrenzt diesen Anstieg nicht mehr. Zudem erhöht das Sondervermögen IK sein Defizit, teils um Zuführungen an die Länder und Gemeinden zu finanzieren. Trotz der erweiterten Kreditspielräume verfehlt der Bund in dieser Prognose im Jahr 2028 die reguläre Grenze der Schuldenbremsen im Kernhaushalt um knapp 1 % des BIP. Die Bundesregierung weist für den Bundeshaushalt einen ähnlich großen Handlungsbedarf im Jahr 2028 aus. Die Gemeinden bauen ihre Defizite hingegen ab, auch weil sie gemäß dieser Prognose Mittel des Sondervermögens IK hierfür einsetzen. 22 Bei den Sozialversicherungen laufen bis 2027 hohe Defizite bei der Rentenversicherung auf. 2028 sind deren Rücklagen dann aufgezehrt, und sie schließt das Defizit mit einem starken Beitragssatzanstieg.
Die Entwicklung in der Prognose zeigt einen potenziellen Konflikt mit den EU-Vorgaben an (vgl. Schaubild 1.17).Die prognostizierte Defizitquote übersteigt den EU-Referenzwert von 3 % weit. Und auch unter Berücksichtigung der Ausweichklausel für Verteidigungsausgaben der europäischen Regeln 23 liegt die Defizitquote noch über 3 %. Dies geht auch aus den Projektionen der Bundesregierung hervor. Dagegen prognostizierte die Europäische Kommission zuletzt niedrigere Defizite, und sie erwartet, dass die 3 %-Grenze eingehalten wird, wenn die Ausweichklausel berücksichtigt wird. Dementsprechend empfiehlt sie derzeit kein Defizitverfahren für Deutschland. 24 Die EU-Regeln machen darüber hinaus Vorgaben für das Wachstum der gesamtstaatlichen Nettoausgaben. Diese Vorgaben werden gemäß der Bundesbank-Prognose bis 2027 eingehalten, aber 2028 verfehlt. 25 Ob die Ausgabenvorgabe verletzt ist, wird generell erst nachträglich anhand der Ergebnisse bewertet.
Die Maastricht-Schuldenquote steigt infolge der hohen staatlichen Defizite von 63,5 % Ende 2025 auf 69,6 % Ende 2028. Maßgeblich sind dafür die Defizite der Gebietskörperschaften (insbesondere des Bundes). Die Defizite der Sozialversicherungen erhöhen den Schuldenstand nicht, soweit sie über Rücklagen finanziert werden. In den Jahren 2026 und 2027 finanzieren die Sozialversicherungen ihre Defizite aber teils mit Bundesdarlehen. Dies erhöht dieMaastricht-Schuldenquote bis zum Ende des Prognosezeitraums um fast ½ Prozentpunkt, weil der Bund dafür Kredite aufnehmen muss. Nicht enthalten ist der Anteil der EU-Schulden, für den Deutschland letztlich haftet, insbesondere im Zusammenhang mit NGEU. 26 Dieser beläuft sich Ende 2028 auf 2½ % des BIP.
Die Wirtschaftsleistung dürfte im Sommerhalbjahr nur leicht wachsen. 27 Die Folgen des Krieges im Iran bremsen die Konjunkturerholung, die vor allem dank kräftiger fiskalpolitischer Impulse im Sommerhalbjahr angelegt war, spürbar aus. Im zweiten Quartal wird daher nur mit einer Stagnation des BIP gerechnet. Die realen verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte dürften sinken, und auch das im Frühjahr deutlich gefallene GfK-Konsumklima deutet auf einen Rücksetzer beim privaten Konsum hin. Dieser geht mit einer wohl ebenfalls zurückgehenden Aktivität der Dienstleister einher. Dafür spricht vor allem der entsprechende Einkaufsmanagerindex von S&P Global, der im April und Mai deutlich unter die Expansionsschwelle fiel, aber auch die eingetrübte ifo Lageeinschätzung unter den Dienstleistern. In der Bauwirtschaft ist nach dem witterungsbedingt schwachen Jahresstart zwar eine Normalisierung und damit ein Anstieg der Produktion angelegt. Dieser dürfte jedoch gedämpft werden, denn insbesondere den Wohnungsbau belasten nun neben Kaufkraftverlusten auch höhere Finanzierungskosten, gestiegene Baupreise und erneute Lieferkettenstörungen. Die erhöhte Unsicherheit dämpft zugleich die Unternehmensinvestitionen. Die Industrie hielt sich zuletzt aber noch ziemlich gut, im Einklang mit einer vergleichsweise robusten Exportaktivität: Der Auftragseingang aus dem Ausland legte im März erneut deutlich zu, und auch die ifo Lageeinschätzung im Verarbeitenden Gewerbe verbesserte sich noch bis Mai. Dabei dürften auch kurzfristige Vorzieheffekte und sektorale Wettbewerbsfähigkeitsgewinne eine Rolle gespielt haben. 28 Die zuletzt deutlich eingetrübten ifo Export- und Geschäftserwartungen deuten jedoch darauf hin, dass die Industrieunternehmen mit Verzögerung Belastungen aufgrund des Krieges im Nahen Osten erwarten. Insgesamt dürften Industrie und Exporte das BIP im zweiten Quartal noch stützen, im dritten Quartal dann aber dämpfen. Gleichzeitig beginnen die stärksten direkten Belastungen im dritten Quartal bereits nachzulassen: Annahmegemäß gehen die Energierohstoffpreise zurück, und die Privathaushalte haben damit real wieder etwas mehr Einkommen zur Verfügung. Zudem lassen die Unsicherheitseffekte nach. Insgesamt steigt die Wirtschaftsleistung im dritten Quartal dann wieder leicht (um 0,1 % gegenüber dem Vorquartal).
3.5 Zu den Prognosen der Verwendungskomponenten des BIP
Die Exporte werden vorübergehend ausgebremst und wachsen dann zunehmend kräftiger. Die Exporte dürften ihre hohe Dynamik vom Jahresbeginn nicht aufrechterhalten. Das kräftige Expansionstempo war wohl auch durch kurzfristig stützende Effekte im Zusammenhang mit dem Irankrieg begünstigt. So legt die monatliche Außenhandelsstatistik nahe, dass in Erwartung möglicher Lieferengpässe und steigender Preise verstärkt in Deutschland produzierte Vorleistungsgüter nachgefragt wurden. Darüber hinaus dürfte die stärkere Belastung asiatischer Märkte durch die steigenden Rohstoffpreise und Knappheiten aus dem Nahen Osten die Wettbewerbsposition der deutschen Exportindustrie teilweise verbessert haben. Im zweiten Vierteljahr dürfte diese Entwicklung noch anhalten – wenngleich deutlich abgeschwächt. Die ifo Geschäftslage der für die Exporte wichtigen Industrieunternehmen verbesserte sich bis Mai sogar noch etwas, und ihre Exporterwartungen sanken nach Beginn des Krieges zunächst nur leicht. Dementsprechend dürften die Exporte leicht zulegen. Im dritten Vierteljahr dürften dann die negativen Konsequenzen des Krieges überwiegen. Darauf deuten die im Mai dann deutlicher rückläufigen Exporterwartungen hin. Insbesondere stark gestiegene Rohstoffpreise werden den internationalen Handel und das deutsche Exportgeschäft voraussichtlich spürbar dämpfen. Ab dem vierten Quartal dürften die Exporte wieder auf einen Expansionskurs gehen. Dann zeigt sich die Auslandsnachfrage wieder dynamischer und liefert stärkere Wachstumsimpulse (vgl. Kapitel „Annahmen zum internationalen Umfeld, Wechselkursen, Rohstoffpreisen und Zinssätzen“). Davon profitieren die Exporte im kommenden Jahr dann etwas stärker. Ihr Expansionstempo erhöht sich damit zwar schrittweise, es bleibt jedoch verhalten und hinter dem der Absatzmärkte zurück. Vor dem Hintergrund zunehmender Verbreitung von KI wird letztere auch durch die hohe Nachfrage nach Mikrochips gestützt. Dies dürfte der deutschen Exportwirtschaft jedoch nur in begrenztem Maße zugutekommen. Überdies bleiben die strukturellen Wachstumshemmnisse der deutschen Wirtschaft bestehen und belasten die Wettbewerbsposition im internationalen Handel. 29 Im Prognosezeitraum ändert sich dies nicht grundlegend. Insbesondere die kräftig steigenden Lohnnebenkosten werden die preisliche Wettbewerbsfähigkeit der inländischen Firmen wohl zusätzlich spürbar belasten. Die vom Bundestag beschlossenen Maßnahmen zur Stärkung des heimischen Produktionsstandorts, wie insbesondere die Senkung der Körperschaftsteuer sowie die verbesserten Abschreibungsbedingungen, dürften die Wettbewerbsfähigkeit zwar stützen. Die anderen strukturellen Belastungen, insbesondere aus dem demografischen Wandel und zunehmender Konkurrenz aus China, bleiben davon jedoch unberührt. Sie stehen einer grundlegenden Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit entgegen. Vor diesem Hintergrund nehmen die Marktanteilsverluste der deutschen Exportwirtschaft im Prognosezeitraum weiter zu.
Die Unternehmensinvestitionen werden durch den Irankrieg zusätzlich gebremst und kommen nur schwer in Fahrt. Die ohnehin ungünstigen Rahmenbedingungen für die gewerbliche Investitionstätigkeit haben sich zuletzt weiter verschlechtert. Neben stark unterausgelasteten Kapazitäten in der Industrie dürften die sprunghaft angestiegenen Energie- und Rohstoffkosten sowie die hohe geopolitische Unsicherheit die Investitionszurückhaltung verstärken. Dementsprechend schätzen die vom ifo Institut befragten Investitionsgüterproduzenten ihre aktuelle Geschäftslage mehrheitlich schlecht ein. Ihre Geschäftserwartungen legen überdies nahe, dass die Investitionszurückhaltung zunächst anhalten dürfte. Denn diese sind bereits seit geraumer Zeit überwiegend pessimistisch und haben zuletzt nochmals deutlich nachgegeben. Die Unternehmensinvestitionen dürften daher im Sommerhalbjahr spürbar sinken und auch danach schwunglos bleiben. Erst im Laufe des kommenden Jahres belebt sich die gewerbliche Investitionstätigkeit. Zum einen sind die negativen Effekte der zuletzt beobachteten Unsicherheitsschocks dann abgeklungen. Zum anderen steigt der Auslastungsgrad im Verarbeitenden Gewerbe im Zuge einer verstärkten Exporttätigkeit und stützt die Investitionsneigung. Spürbare Wachstumsimpulse liefern die Unternehmensinvestitionen aber erst 2028. Das Expansionstempo bleibt allerdings insgesamt verhalten. Denn die Zinsen für Unternehmenskredite steigen graduell an, und das Wettbewerbsumfeld für die deutsche Industrie bleibt schwierig.
Nach den kurzfristigen Belastungen durch die gestiegenen Energiepreise expandiert der private Konsum wieder und stützt das Wirtschaftswachstum. Seit März 2026 belasten die wirtschaftlichen Folgen des Irankriegs die privaten Haushalte. Höhere Energiepreise führen zu spürbaren Kaufkraftverlusten und reduzieren die real verfügbaren Einkommen. Diese dürften auch im zweiten Quartal leicht zurückgehen. Der private Konsum wird wohl sogar noch etwas stärker sinken. Zwar federn einige Haushalte einen Teil der Einkommensverluste durch Konsumglättung ab. Zugleich deuten Umfrageergebnisse der Bundesbank jedoch auf erhöhte Vorsichtsmotive angesichts der geopolitischen Unsicherheit und der eingetrübten Arbeitsmarktlage hin. Die Sparquote dürfte daher in Summe leicht ansteigen (vgl. Exkurs „Orientierung an der Brutto- statt der Nettosparquote in der Deutschland-Prognose“). Die GfK-Stimmungsindikatoren bestätigen dieses Bild einer vorübergehenden Schwächephase. Das Konsumklima brach im März und April deutlich ein und erholte sich im Mai nur leicht. Da von den Rohölpreisen annahmegemäß aber keine weiteren Kostenschübe ausgehen, dürfte sich der private Konsum im dritten Quartal wieder etwas fangen und dann ab dem kommenden Jahr auf einen deutlicheren Erholungskurs einschwenken. Nachlassender Preisdruck und daher steigende real verfügbare Einkommen beleben die Dynamik. Zudem lassen Unsicherheit sowie arbeitsmarktbedingte Vorsichtsmotive allmählich nach, wodurch ab Mitte des kommenden Jahres die Sparquote spürbar sinkt. Allerdings bleibt sie – in der Bruttobetrachtung – bis zum Prognosehorizont noch erhöht, da persistente und strukturelle Sparmotive fortbestehen (vgl. Exkurs „Orientierung an der Brutto- statt der Nettosparquote in der Deutschland-Prognose“). Insgesamt legt der private Konsum 2027 und 2028 wieder etwas deutlicher zu und gewinnt an Bedeutung für die BIP-Expansion.
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Orientierung an der Brutto- statt der Nettosparquote in der Deutschland-Prognose
In den vergangenen Jahren liefen Netto- und Bruttosparquote in Deutschland deutlich auseinander. Für die Prognose ist die Sparquote eine wichtige Größe, da sie den privaten Konsum und damit das BIP wesentlich beeinflusst. Sie wird in den Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen (VGR) als Verhältnis zwischen dem Sparen der privaten Haushalte (verfügbares Einkommen minus Konsum) und ihrem verfügbaren Einkommen berechnet. Dabei gilt zunächst das sogenannte Bruttokonzept der Sparquote. Bisher stellten die gesamtwirtschaftlichen Prognosen der Bundesbank jedoch vor allem auf die Nettosparquote ab. Diese wird in der gleichen Weise berechnet, aber das verfügbare Einkommen geht jeweils „netto“ ein, das heißt, es ist um die Abschreibungen auf den Kapitalstock der privaten Haushalte bereinigt. Der Unterschied ist relevant für die Konjunkturdiagnose am aktuellen Rand: Die Nettosparquote ist in etwa wieder auf ihr Vor-Pandemie-Niveau zurückgekehrt und deutet daher nicht mehr auf ein erhöhtes Sparverhalten hin. 1 Die Bruttosparquote hingegen liegt aktuell weiterhin auf einem im historischen Vergleich erhöhten Niveau. Sie deutet damit auf ein anhaltend hohes Sparverhalten beziehungsweise eine Konsumzurückhaltung der privaten Haushalte hin. Daraus könnte sich im Prognosezeitraum zusätzliches Konsumpotenzial ergeben, falls die Ursachen hinter der erhöhten Bruttosparquote nachlassen.
Der zentrale Unterschied zwischen beiden Konzepten liegt in der Behandlung der Abschreibungen. Abschreibungen erfassen in den VGR den kalkulatorischen Wertverlust des Kapitalstocks, bei privaten Haushalten vor allem von Wohnimmobilien. 2 Sie werden auf Basis von Investitionspreisen für Wohnbauten zu Wiederbeschaffungskosten sowie unter Annahmen zu Nutzungsdauern berechnet. 3 Damit spiegeln sie geschätzte Kosten wider, die notwendig wären, um den Kapitalstock zu erhalten. Dabei spielen Baukosten eine wichtige Rolle. Allerdings handelt es sich bei diesen Abschreibungen um eine rechnerische Größe, die keine tatsächlichen Zahlungsströme darstellt. Sie können sich damit von dem bei privaten Haushalten wahrgenommenen Wertverlust und den dafür konkret dotierten Rücklagen deutlich unterscheiden und sind somit nicht direkt Teil der Konsumentscheidung. In den VGR haben Abschreibungen keinen Einfluss auf das Bruttosparen, aber sie reduzieren das Nettosparen, weil der Wertverlust von Immobilien als impliziter Sparbedarf verbucht wird.
Stark gestiegene Baukosten haben die Abschreibungen erhöht und damit den Keil zwischen Brutto- und Nettosparquote vergrößert. Da höhere Baukosten die Wiederbeschaffungskosten von Immobilien erhöhen, steigt in den VGR der ausgewiesene Wertverlust des Kapitals. Während die Baukosten in Deutschland zuvor über längere Zeit vergleichsweise moderat verliefen, sind sie von 2021 bis 2023 infolge gestiegener Materialkosten durch Lieferkettenstörungen und höherer Energiepreise sprunghaft gestiegen (siehe Schaubild 1.23). Dies erhöhte unmittelbar die Abschreibungen und drückte damit die Nettosparquote. Die Bruttosparquote blieb davon hingegen unberührt. Der starke Anstieg der Baukosten trug somit wesentlich zum beobachteten Auseinanderlaufen von Brutto- und Nettosparquote bei.
Die privaten Haushalte dürften den Anstieg der Baukosten nicht in dem Umfang in ihren Konsumentscheidungen berücksichtigt haben, wie es die Abschreibungen nahelegen. Zwar könnten Eigentümer selbstgenutzter oder vermieteter Immobilien angesichts der stark gestiegenen Baukosten vermehrt Rücklagen für Instandhaltungs- und Werterhaltungskosten bilden. Ein Einfluss auf Sparen und Konsum in der Größenordnung, wie es die in den VGR erfassten Abschreibungen nahelegen, erscheint aber unwahrscheinlich. Für die gegenwärtig noch erhöhte Bruttosparquote könnten nämlich auch andere Sparmotive eine Rolle spielen.
Mithilfe des Bundesbank Online Panel – Haushalte (BOP-HH) 4 wurde untersucht, inwieweit die derzeit erhöhte Bruttosparquote auf Rücklagenbildung der Immobilienbesitzer zurückgeht oder weitere Faktoren eine Rolle spielen. In der Erhebungswelle März 2026 der Umfrage wurden rund 4 000 Personen sowohl zu ihrer aktuellen Konsumneigung als auch zu möglichen Einflussfaktoren befragt (vgl. Schaubild 1.24). Immobilienbesitzern (etwa zwei Drittel der Befragten) wurde als zusätzlicher Faktor die Rücklagenbildung angeboten.
Die Rücklagenbildung für Wohnimmobilien ist laut Umfrage der drittstärkste Einflussfaktor für die aktuelle Konsumneigung und dämpft den privaten Konsum deutlich. 5 Noch stärkere negative Effekte gehen lediglich von Kaufkraftverlusten, insbesondere aufgrund des starken Ölpreisanstiegs im März, 6 sowie vom Sparen für größere Anschaffungen aus. Damit erweisen sich Rücklagen als wichtige Größe zur Erklärung des Sparverhaltens und dürften durchaus einen gewissen Beitrag zur erhöhten Bruttosparquote leisten. 7 Allerdings zeigen die Umfrageergebnisse auch, dass weitere Faktoren dämpfend auf den Konsum wirken, die ebenfalls im Zusammenhang mit einer erhöhten Bruttosparquote stehen. Dazu zählen zyklische Vorsichtsmotive in Bezug auf erhöhte Unsicherheit und die aktuelle Arbeitsmarktlage sowie Sparanreize infolge höherer Zinsen. Auch langfristiges Konsumglättungsverhalten im Zusammenhang mit vermehrter privater Altersvorsorge spielt eine Rolle. 8 Damit zeigt sich, dass die in den VGR über die Abschreibungen abgebildeten Effekte aus Sicht von privaten Haushalten zwar grundsätzlich einen relevanten Faktor für eine erhöhte Sparquote darstellen, 9 aber nicht die einzigen sind. In der Nettosparquote wird der Beitrag dieser anderen Faktoren durch die stark gestiegenen Abschreibungen verdeckt. In der Veröffentlichung zur Deutschland-Prognose werden daher fortan beide Sparquoten-Konzepte betrachtet, wobei der Bruttosparquote in der aktuellen Situation die größere Bedeutung beigemessen wird.
Die Umfrageergebnisse lassen Rückschlüsse auf den Verlauf der Sparquote im Prognosezeitraum zu und unterstützen damit die Ableitung der Prognose für den privaten Konsum (vgl. Kapitel „Zu den Prognosen der Verwendungskomponenten des BIP“).Die Sparquote dürfte sich zunächst leicht erhöhen. Die Konsumneigung der Befragten war bereits im März aufgrund der zuvor genannten Gründe deutlich eingetrübt. 10 Folglich dürften die Verbraucherinnen und Verbraucher insgesamt eher aus Vorsicht sparen, als ihre Konsumausgaben trotz der erheblichen Kaufkraftverluste möglichst aufrechtzuerhalten, das heißt, sie zu „glätten“. Insgesamt ist davon auszugehen, dass sich diese Faktoren erst im zweiten Quartal 2026 voll in der Sparquote zeigen. Im weiteren Prognosezeitraum dürfte die Sparquote schrittweise abnehmen. Denn dann lassen die Vorsichtssparmotive aufgrund erhöhter Arbeitslosigkeit und der geopolitischen Unsicherheit nach. Einige Faktoren dürften jedoch eher persistenter oder struktureller Natur sein und könnten die Sparquote auch längerfristig über ihrem Vorpandemieniveau halten. Dazu zählen die höhere Notwendigkeit zur Rücklagenbildung für Immobilienbesitzer, unter anderem aufgrund weiter steigender Baukosten, und insbesondere Veränderungen der privaten Altersvorsorge.
Die Erholung der Wohnungsbauinvestitionen dürfte sich im Prognosezeitraum fortsetzen, sie wird aber kurzfristig durch neue Belastungsfaktoren gedämpft. Im vierten Quartal 2025 legten die Wohnungsbauinvestitionen stärker zu als in der Deutschland-Prognose vom Dezember 2025 unterstellt. Eine Erholung war grundsätzlich schon seit Längerem gemäß der zunehmenden Nachfrageindikatoren wie den Baugenehmigungen angelegt. Zu Beginn des Jahres 2026 wurde die Bauaktivität jedoch durch die ungünstige Witterung deutlich gebremst. Entsprechend gingen die Wohnungsbauinvestitionen im ersten Quartal 2026 spürbar zurück. Ab dem zweiten Quartal sollten die zugrunde liegenden Impulse aus einer höheren Nachfrage grundsätzlich wieder stützen. Zudem dürfte die Normalisierung der Bautätigkeit nach den witterungsbedingten Einschränkungen zu einer kurzfristigen Aufwärtsbewegung führen. Allerdings wird dieser Aufholeffekt durch mehrere Belastungsfaktoren gedämpft. Kaufkraftverluste der privaten Haushalte, höhere Hypothekenzinsen sowie gestiegene Energie- und Baukosten infolge des Nahost-Konflikts dämpfen die Nachfrage und erschweren die Finanzierung neuer Wohnungsbauprojekte. Hinzu kommen mögliche Lieferengpässe, die geplante Vorhaben zusätzlich verzögern könnten. Entsprechend haben sich seit Kriegsbeginn laut ifo Institut sowohl die Lageeinschätzung als auch die Erwartungen im Wohnungsbaugewerbe deutlich verschlechtert. Im Mai stabilisierten sich Letztere lediglich auf niedrigem Niveau. Insgesamt wird im Sommerhalbjahr von einer Gegenbewegung ausgegangen, die den Einbruch im ersten Quartal nicht ganz ausgleicht. Im weiteren Prognosezeitraum stützen die wieder steigenden realen verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte und der weiterhin hohe Wohnraumbedarf die Nachfrage. Gleichzeitig bremsen die höheren Finanzierungskosten die Investitionstätigkeit weiterhin, sodass die Dynamik der Wohnungsbauinvestitionen begrenzt bleibt. Dennoch tragen sie spürbar zur BIP-Erholung in den Jahren 2027 und 2028 bei.
Die reale Staatsnachfrage wächst bis 2028 kräftig. Treiber sind vor allem deutlich steigende Verteidigungsausgaben. Diese erhöhen insbesondere die militärischen Ausrüstungsinvestitionen. Auch die nicht-militärischen Investitionen nehmen zu. Sie entfallen vor allem auf Infrastruktur- und Digitalisierungsprojekte, die sich in Ausrüstungs- und Bauinvestitionen sowie in sonstigen Anlagen niederschlagen. Des Weiteren steigt der Staatskonsum deutlich. So wachsen die sozialen Sachleistungen (insbesondere bei der Kranken- und Pflegeversicherung) weiter spürbar. Dies liegt an der demografischen Entwicklung und zunächst auch noch an Leistungsausweitungen. Ab 2027 dämpfen jedoch unterstellte Einsparungen im Zusammenhang mit der Gesundheitsreform den Anstieg etwas (vgl. Kapitel „Finanzpolitische Annahmen“). Darüber hinaus bremsen die Gemeinden den Zuwachs des laufenden Sachaufwands und der Personalausgaben, um ihre hohen Defizite zurückzuführen.
Der starke Anstieg des Ölpreises verstärkt den durch die relativ kräftige Binnennachfrage angelegten Abwärtstrend beim Leistungsbilanzüberschuss. Die realen Importe legen ab Sommer 2026 durchgängig etwas stärker zu als die realen Exporte. Dies reflektiert die vergleichsweise kräftige Binnennachfrage, zu der die expansive Fiskalpolitik beiträgt. Insbesondere die steigenden staatlichen Ausrüstungsinvestitionen gehen mit vermehrten Importen einher, da hier ein Importanteil von knapp 50 % unterstellt wird. Allein dadurch ist bereits ein weiteres Absinken des Leistungsbilanzüberschusses angelegt. Durch den ölpreisbedingten Terms-of-Trade-Schock wird diese Entwicklung noch verstärkt. Denn auch wenn die Ölpreise annahmegemäß wieder sinken, kehren sie doch nicht auf den Vorkrisenstand zurück und die Terms of Trade erholen sich bis zum Prognosehorizont nur teilweise. In der Folge schwächt sich der Handelsbilanzsaldo weiter ab, und der Überschuss der Leistungsbilanz sinkt von 4,5 % (anteilig am nominalen BIP) im vergangenen Jahr auf 3,3 % im Jahr 2028.
3.6 Zur kurzfristigen Prognose für den Arbeitsmarkt
Das konjunkturell besser als erwartete Winterhalbjahr 2025/26 hat die Beschäftigung nicht gestützt. Der kräftige Strukturwandel führte weiter zu Stellenabbau. Letzterer erfasst neben der geringfügigen Beschäftigung und der Leiharbeit inzwischen im Aggregat auch die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung. Der Beschäftigungsrückgang in der Industrie hielt an. Gleichzeitig ließ der Stellenzuwachs in einigen Dienstleistungsbereichen nach. Er konnte den Stellenabbau im Verarbeitenden Gewerbe nicht mehr ausgleichen. Die Erwerbstätigkeit insgesamt lag niedriger und die Arbeitslosigkeit höher, als in der Deutschland-Prognose vom Dezember 2025 für das vergangene halbe Jahr erwartet worden war. 30 Dagegen erhöhte sich die Arbeitszeit der Erwerbstätigen.
Die eingetrübte Konjunktur belastet auch die kurzfristigen Aussichten am Arbeitsmarkt, und die erwartete Erholung verschiebt sich weiter in die Zukunft. Die Kurzfristindikatoren der Beschäftigung befinden sich derzeit auf sehr tiefem Niveau. Die Personalplanungen der gewerblichen Wirtschaft gemäß ifo Beschäftigungsbarometer verharren tief im kontraktiven Bereich. Auch das breiter gefasste Beschäftigungsbarometer des IAB, das zusätzlich die nicht-gewerblichen Dienstleistungen Gesundheit, Pflege, Erziehung und öffentliche Verwaltung berücksichtigt, liegt auf einem relativ gedämpften Niveau. Dieses Bild wird durch die niedrige Zahl an neu gemeldeten offenen Stellen bei der Bundesagentur für Arbeit ergänzt. Die Übergangsraten aus Beschäftigung in Arbeitslosigkeit sind zwar nur wenig erhöht. Die Übergangsraten aus Arbeitslosigkeit in Beschäftigung befinden sich jedoch auf besonders niedrigem Niveau. Dies bedeutet, dass die Unternehmen zwar nicht in großem Stil entlassen, sie stellen aber auch nur sehr wenig ein. Denn in vielen Unternehmen wurde die Beschäftigung bislang nicht vollständig an die gedrückte Auftragslage angepasst. Vor diesem Hintergrund dürfte die Erwerbstätigkeit in den kommenden Monaten noch etwas zurückgehen und sich erst gegen Jahresende stabilisieren. Der intensivere Einsatz des verbleibenden Personals stützt die Produktivität. Zudem steigt die durchschnittliche Arbeitszeit weiter.
Die Arbeitslosigkeit dürfte zunächst nur noch wenig steigen und dann beginnen zu sinken. Das IAB-Barometer Arbeitslosigkeit befindet sich leicht im negativen Bereich, verbesserte sich in den vergangenen Monaten jedoch nach und nach. Die Zahl der Erwerbspersonen sinkt bereits seit Anfang des Jahres. Da das Arbeitsangebot aus demografischen Gründen zurückgeht, bedeutet eine sinkende Beschäftigung nicht automatisch eine steigende Arbeitslosigkeit.
3.7 Zur Prognose für die Tariflöhne im laufenden und im kommenden Jahr
Die Tarifverdienste steigen 2026 mit einer Rate von 2,9 % deutlich stärker als im Vorjahr. Dies liegt vor allem daran, dass im vergangenen Jahr Basiseffekte von Inflationsausgleichsprämien 31 aus 2024 lohnmindernd wirkten. Einen solchen Effekt gibt es im laufenden Jahr nicht mehr. Dafür wirken noch vergleichsweise hohe Abschlüsse aus der Hochinflationsphase nach. Die Neuabschlüsse selbst dürften hingegen eher verhalten ausfallen. Sie lagen bislang etwas unter den Erwartungen aus der Dezember-Prognose. Insbesondere im Verarbeitenden Gewerbe ist 2026 mit niedrigen Neuabschlüssen zu rechnen. Dies illustriert der schwache Abschluss in der Chemieindustrie, der nur ein geringfügiges Entgeltplus von annualisiert 1 % vorsieht. Zu den bereits seit längerem bestehenden zyklischen und strukturellen Belastungen der Industrie kamen neue aufgrund des Krieges im Nahen Osten hinzu. Deshalb dürften auch im weiteren Jahresverlauf noch ausstehende Tarifabschlüsse nur moderate Lohnsteigerungen bringen. Dies betrifft voraussichtlich vor allem die Metallindustrie, deren Tarifvertrag im Oktober ausläuft. Angesichts der trüben Konjunkturlage und der geschwächten Arbeitsnachfrage sind Arbeitnehmer in der Industrie derzeit zu Reallohnverlusten bereit, um ihren Arbeitsplatz zu erhalten. Ähnlich dürfte es in konsumnahen Dienstleistungsbranchen aussehen. Demgegenüber könnte es in anderen Dienstleistungsbranchen, zum Beispiel aufgrund des höheren allgemeinen Mindestlohns, zu Anpassungen in den Lohntabellen und damit zu stärkeren Tariflohnzuwächsen kommen. Insgesamt sind im laufenden Jahr aus derzeitiger Sicht keine nennenswerten Zweitrundeneffekte über die Tarifverdienste zu erwarten (vgl. zur Begriffsklärung solcher Effekte Exkurs „Direkte, indirekte und Zweitrundeneffekte eines Anstiegs der Energierohstoffpreise – eine Begriffsklärung“). Viele Tarifverträge haben lange Laufzeiten und erfahrungsgemäß wirken starke Preisschübe, sofern sie länger anhalten, deutlich verzögert auf die Tarifverdienste.
Im kommenden Jahr dürften die Tarifverdienste leicht schwächer zulegen. Zwar wird für 2027 mit einer besseren Konjunkturlage gerechnet. Dadurch dürften die neuen Tarifabschlüsse wieder höher ausfallen. Im Jahresdurchschnitt ergibt sich gesamtwirtschaftlich aber ein etwas schwächerer Lohnanstieg von 2,7 %. Denn die schwächeren Abschlüsse aus den Jahren 2025 und 2026 wirken weiterhin nach.
Die Inflationsrate stieg nach Beginn des Irankriegs auf fast 3 %. Auch im Mai lag die am Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) gemessene Inflationsrate gemäß Vorausschätzung noch bei 2,7 %, und damit um 0,5 Prozentpunkte oberhalb der Deutschland-Prognose vom Dezember 2025. Maßgeblich hierfür waren die Energiepreise, die infolge des Krieges im Nahen Osten seit März deutlich gestiegen sind. Insbesondere Kraftstoff- und Heizölpreise erhöhten sich kräftiger als in der Dezember-Prognose unterstellt. Dies gilt, obwohl die befristete Senkung der Energiesteuer auf Benzin und Diesel (Tankrabatt) die Energiepreise im Mai und Juni vorübergehend dämpft. Bei Nahrungsmitteln fiel der Preisauftrieb dagegen deutlich schwächer aus als erwartet. Grund hierfür waren kräftige Preisrückgänge bei Molkereiprodukten in den vergangenen Monaten. Die Preise für Industriegüter ohne Energie und Dienstleistungen entwickelten sich weitgehend im Einklang mit der Dezember-Prognose. Das gilt daher genauso für die Kernrate, die im Mai bei 2,6 % lag.
Die HVPI-Rate dürfte in den kommenden Monaten über 3 % ansteigen. Die direkten Effekte der höheren Energierohstoffpreise dürften sich bereits weitgehend in den Kraftstoff- und Heizölpreisen niedergeschlagen haben. Nach dem Auslaufen des befristeten Tankrabatts dürfte die Energieteuerung zunächst wieder höher ausfallen. Bei Gas dürften die höheren Großhandelspreise wegen längerfristiger Beschaffungs- und Vertragsstrukturen erst mit Verzögerung bei den privaten Haushalten ankommen. Der Auftrieb der Nahrungsmittelpreise dürfte infolge annahmegemäß steigender landwirtschaftlicher Erzeugerpreise und höherer Energiekosten zunehmen. Bei Tabakwaren dürfte zudem die geplante Anhebung der Tabaksteuer voraussichtlich zum Jahreswechsel preistreibend wirken. Allerdings bleiben bis zum Jahresende die Teuerungsraten für Molkereiprodukte durch die kräftigen Preissenkungen zu Jahresbeginn noch negativ. Dadurch wird die Jahresdurchschnittsrate 2026 bei Nahrungsmitteln insgesamt gedämpft. Bei Industriegütern ohne Energie dürften indirekte Effekte des Energiepreisschubs allmählich an Bedeutung gewinnen. Höhere Produktions- und Transportkosten werden voraussichtlich erst mit Verzögerung an die privaten Haushalte weitergegeben. Im März und April zeigten sich aber bereits Preisanstiege auf den vorgelagerten Produktionsstufen. Die Dienstleistungsinflation dürfte zunächst etwa konstant bleiben. Dämpfend wirkt der nachlassende Anstieg der Lohnkosten. Dagegen dürfte der Anstieg der Mieten weiter zunehmen. Die höheren Energiepreise dürften nur in ausgewählten Dienstleistungsbereichen eine größere Rolle spielen. Dazu gehören Reise- und Transportdienstleistungen, deren Preise vergleichsweise stark von Energierohstoffen abhängen. Insgesamt steigt die Inflationsrate 2026 auf 2,9 %. Die Kernrate sinkt hingegen im laufenden Jahr leicht auf 2,6 %. Hier stehen nachlassender Kostendruck von den Löhnen sowie eine gedämpfte Nachfrage zunehmenden indirekten Effekten gegenüber.
Tabelle 1.5: Eckwerte der gesamtwirtschaftlichen Prognose Veränderung gegenüber Vorjahr in %, kalenderbereinigt 1)
Position
2025 2)
2026
2027
2028
BIP (real)
0,3
0,5
0,8
1,4
desgleichen unbereinigt
0,2
0,7
0,9
1,2
Verwendung des realen BIP
Private Konsumausgaben
1,5
0,3
0,8
1,1
nachr.: Sparquote (brutto) 3)
19,2
19,2
19,1
18,8
nachr.: Sparquote (netto) 4)
10,3
10,2
10,1
9,8
Konsumausgaben des Staates
1,5
2,6
1,5
2,3
Bruttoanlageinvestitionen
0,0
1,6
2,4
2,9
Unternehmensinvestitionen 5)
– 1,4
– 0,5
0,3
2,1
Private Wohnungsbauinvestitionen
– 2,0
– 1,1
1,9
1,8
Bruttoanlageinvestitionen des Staates
8,9
13,3
9,4
6,7
Exporte
– 0,7
1,3
1,1
2,1
Importe
3,2
1,2
2,2
3,1
nachr.: Leistungsbilanzsaldo 6)
4,5
4,1
3,6
3,3
Beiträge zum BIP-Wachstum 7)
Inländische Endnachfrage
1,1
1,0
1,2
1,7
Vorratsveränderungen
0,7
– 0,6
0,0
0,0
Exporte
– 0,3
0,5
0,5
0,9
Importe
– 1,2
– 0,5
– 0,9
– 1,2
Arbeitsmarkt
Arbeitsvolumen 8)
– 0,1
0,0
0,2
0,4
Erwerbstätige 8)
0,0
– 0,3
0,0
0,2
Arbeitslose 9)
2,9
3,0
2,9
2,7
Arbeitslosenquote 10)
6,3
6,4
6,2
5,7
nachr.: Erwerbslosenquote 11)
3,8
4,1
3,9
3,5
Löhne und Lohnkosten
Tarifverdienste 12)
2,3
2,9
2,8
3,0
Bruttolöhne und -gehälter je Arbeitnehmer
4,5
3,5
3,1
3,2
Arbeitnehmerentgelt je Arbeitnehmer
4,9
3,5
3,1
3,8
Reales BIP je Erwerbstätigen
0,4
0,8
0,7
1,1
Lohnstückkosten 13)
4,6
2,7
2,3
2,6
nachr.: BIP-Deflator
3,0
2,7
2,7
2,3
Verbraucherpreise 14)
2,3
2,9
2,7
1,9
ohne Energie
2,8
2,6
2,9
2,4
Energiekomponente
– 2,3
5,6
0,7
– 3,3
ohne Energie und Nahrungsmittel
2,8
2,6
2,5
2,3
Nahrungsmittelkomponente
2,7
2,6
4,4
2,9
Quellen: Statistisches Bundesamt; Bundesagentur für Arbeit; Eurostat. 2026 bis 2028 eigene Prognosen. 1 Falls Kalendereinfluss vorhanden. 2 Rechenstand: 27. Mai 2026. 3 Anteil des verfügbaren Einkommens (inklusive der Zunahme betrieblicher Versorgungsansprüche und der Abschreibungen privater Haushalte), der nicht konsumiert wird. 4 Anteil des verfügbaren Einkommens (inklusive der Zunahme betrieblicher Versorgungsansprüche), der nicht konsumiert wird, nach Abzug der Abschreibungen privater Haushalte. 5 Private Anlageinvestitionen ohne Wohnungsbau. 6 In % des nominalen BIP. 7 Rechnerisch, in Prozentpunkten. Abweichungen in der Summe rundungsbedingt. 8 Inlandskonzept. 9 In Millionen Personen (Definition der Bundesagentur für Arbeit). 10 In % der zivilen Erwerbspersonen. 11 International standardisiert gemäß ILO-Definition, Eurostat-Abgrenzung. 12 Ursprungswerte auf Monatsbasis; gemäß Tarifverdienstindex der Bundesbank. 13 Quotient aus dem im Inland entstandenen Arbeitnehmerentgelt je Arbeitnehmer und dem realen BIP je Erwerbstätigen. 14 Harmonisierter Verbraucherpreisindex (HVPI), Ursprungswerte.
Tabelle 1.6: Eckwerte der gesamtwirtschaftlichen Prognose –ohne Kalenderbereinigung Veränderung gegenüber Vorjahr in %
Position
20251)
2026
2027
2028
BIP (real)
0,2
0,7
0,9
1,2
desgleichen kalenderbereinigt
0,3
0,5
0,8
1,4
Verwendung des realen BIP
Private Konsumausgaben
1,3
0,5
0,9
1,0
nachr.: Sparquote (brutto) 2)
19,2
19,2
19,1
18,8
nachr.: Sparquote (netto) 3)
10,3
10,2
10,1
9,8
Konsumausgaben des Staates
1,5
2,6
1,5
2,3
Bruttoanlageinvestitionen
– 0,2
2,2
2,7
2,4
Unternehmensinvestitionen 4)
– 1,5
0,3
1,0
1,5
Private Wohnungsbauinvestitionen
– 2,2
– 0,4
2,2
1,1
Bruttoanlageinvestitionen des Staates
8,8
14,6
8,5
6,6
Exporte
– 0,9
1,9
1,4
1,6
Importe
3,1
1,7
2,4
2,7
nachr.: Leistungsbilanzsaldo 5)
4,5
4,1
3,7
3,3
Beiträge zum BIP-Wachstum 6)
Inländische Endnachfrage
1,0
1,3
1,4
1,6
Vorratsveränderungen
0,7
– 0,6
– 0,1
0,0
Exporte
– 0,4
0,8
0,6
0,6
Importe
– 1,2
– 0,7
– 0,9
– 1,1
Arbeitsmarkt
Arbeitsvolumen 7)
– 0,2
0,3
0,4
0,0
Erwerbstätige 7)
0,0
– 0,3
0,0
0,2
Arbeitslose 8)
2,9
3,0
2,9
2,7
Arbeitslosenquote 9)
6,3
6,4
6,2
5,7
nachr.: Erwerbslosenquote 10)
3,8
4,1
3,9
3,5
Löhne und Lohnkosten
Tarifverdienste 11)
2,3
2,9
2,8
3,0
Bruttolöhne und -gehälter je Arbeitnehmer
4,5
3,5
3,1
3,2
Arbeitnehmerentgelt je Arbeitnehmer
4,9
3,5
3,1
3,8
Reales BIP je Erwerbstätigen
0,2
1,1
0,9
0,9
Lohnstückkosten 12)
4,7
2,4
2,2
2,9
nachr.: BIP-Deflator
3,0
2,7
2,7
2,3
Verbraucherpreise 13)
2,3
2,9
2,7
1,9
ohne Energie
2,8
2,6
2,9
2,4
Energiekomponente
– 2,3
5,6
0,7
– 3,3
ohne Energie und Nahrungsmittel
2,8
2,6
2,5
2,3
Nahrungsmittelkomponente
2,7
2,6
4,4
2,9
Quellen: Statistisches Bundesamt; Bundesagentur für Arbeit; Eurostat. 2026 bis 2028 eigene Prognosen. 1 Rechenstand: 27. Mai 2026. 2 Anteil des verfügbaren Einkommens (inklusive der Zunahme betrieblicher Versorgungsansprüche und der Abschreibungen privater Haushalte), der nicht konsumiert wird. 3 Anteil des verfügbaren Einkommens (inklusive der Zunahme betrieblicher Versorgungsansprüche), der nicht konsumiert wird, nach Abzug der Abschreibungen privater Haushalte. 4Private Anlageinvestitionen ohne Wohnungsbau. 5 In % des nominalen BIP. 6 Rechnerisch, in Prozentpunkten. Abweichungen in der Summe rundungsbedingt. 7 Inlandskonzept. 8 In Millionen Personen (Definition der Bundesagentur für Arbeit). 9 In % der zivilen Erwerbspersonen. 10 International standardisiert gemäß ILO-Definition, Eurostat-Abgrenzung. 11 Ursprungswerte auf Monatsbasis; gemäß Tarifverdienstindex der Bundesbank. 12 Quotient aus dem im Inland entstandenen Arbeitnehmerentgelt je Arbeitnehmer und dem realen BIP je Erwerbstätigen. 13 Harmonisierter Verbraucherpreisindex (HVPI), Ursprungswerte.
Deutsche Bundesbank (2026a), Überblick, Monatsbericht, Mai 2026.
Deutsche Bundesbank (2026b), Auswirkungen des demografischen Wandels auf Arbeitsangebot und Wachstum in Deutschland – Herausforderungen und Handlungsspielräume, Monatsbericht, Juni 2026, der Artikel erscheint am 18. Juni 2026.
Gautier, E., C. Conflitti, D. Enderle, L. Fadejeva, A. Grimaud, E. Gutiérrez, V. Jouvanceau, J.-O. Menz, A. Paulus, P. Petroulas, P. Roldan-Blanco und E. Wieland (2026), Consumer Price Stickiness in the Euro Area During an Inflation Surge, Europäische Zentralbank, Working Paper, Nr. 3181.
Lane, P. (2026), Analytical perspectives on energy supply shocks, Dinner remarks by Philip R. Lane, Member of the Executive Board of the ECB, at the Centre for European Reform, London, 13 May 2026.