Neue Publikationen der Bundesbank finden Sie zukünftig in dieser Liste. Ältere Veröffentlichungen sind weiterhin auf www.bundesbank.deabrufbar.
2026
Klimapolitik ist kostspielig für Unternehmen: Evidenz aus dem CO₂-Grenzausgleichsmechanismus der EU
Ist die Klimapolitik der EU momentan kostspielig für Unternehmen? Die wissenschaftliche Literatur hat bislang keine eindeutige empirische Evidenz aufgezeigt. Neue Forschungsergebnisse, die die jüngste Entscheidung der EU zur Einführung des CO₂-Grenzausgleichsmechanismus auswerten, deuten darauf hin, dass die CO₂-Bepreisung in Europa sich inzwischen bemerkbar macht.
Konzentration des Bankenmarkts ohne eindeutige Wirkung auf die Stärke der geldpolitischen Transmission
Die Konzentration des Bankenmarkts beeinflusst potenziell die Kreditzinssätze. Eine neue Studie (Bredl, 2025), die im Rahmen des ChaMP-Forschungsnetzwerkes erstellt wurde, untersucht diesen Zusammenhang genauer. Dabei liegt der Fokus auf der Konzentration regionaler Bankenmärkte sowie auf dem Kreditgeschäft mit kleinen Unternehmen. Die Ergebnisse zeigen, dass die regionale Konzentration keine eindeutige Wirkung auf die Weitergabe geldpolitischer Impulse hat.
Welche Bedeutung hat Finanzstabilität bei den geldpolitischen Beratungen des Federal Open Market Committee?
Seit der internationalen Finanzkrise 2007 bis 2009 ist Finanzstabilität für Zentralbanken wichtiger geworden. In diesem Beitrag untersuchen wir, wie das Federal Open Market Committee der Federal Reserve Finanzstabilität in seine geldpolitischen Beratungen einbezieht, um seine Mandatsziele zu sichern. Wir zeigen, dass Diskussionen zur Finanzstabilität, während der Niedrigzinsphase von 2009 bis 2015, in der der US-Leitzins an der effektiven Zinsuntergrenze lag, zu einer geldpolitischen Straffung beitrugen. Die geldpolitische Kommunikation orientiert sich dabei an den Mandatszielen.
| Dimitrios Kanelis, Lars H. Kranzmann, Pierre L. Siklos
Seit der Finanzkrise werden Finanzzyklen, also mittel- bis längerfristige Schwankungen bei der Kreditvergabe und den Vermögenspreisen, sowohl in der Forschung als auch in der wirtschaftspolitischen Debatte verstärkt betrachtet. In diesem Zusammenhang spielt die Geldpolitik eine zentrale Rolle, da sie im Rahmen ihres Primärziels zur Stabilisierung von Finanzzyklen beitragen kann, etwa indem sie Entwicklungen am Immobilienmarkt bei der Festlegung des Zinssatzes berücksichtigt. Rückblickend hätte eine entsprechende Geldpolitik in den USA den Boom und anschließenden Einbruch des US-Häusermarkts in den 2000er-Jahren – und damit auch die weitreichenden Folgen für die dortige Realwirtschaft – deutlich abfedern können.
Gewährung von Zentralbankkrediten gegen Sicherheiten von geringerer Bonität kann Bedingungen am Geldmarkt verbessern
Wird für die Refinanzierung über Zentralbankkredite ein breiteres Spektrum an Sicherheiten zugelassen, besteht für Banken ein Anreiz, anstelle von Staatsanleihen vormals nicht notenbankfähige Vermögenswerte von geringerer Bonität als Sicherheit zu wählen. Banken könnten dann leichter Staatsanleihen als Sicherheit in privatwirtschaftlichen Repogeschäften nutzen und so dazu beitragen, eine dortige Knappheit von Vermögenswerten zu mindern. Diese Hypothese wird in einer neuen Studie (Greppmair, Paludkiewicz, Steffen, 2024) untersucht.
| Stefan Greppmair, Karol Paludkiewicz, Sascha Steffen
Geldpolitischer Kurs zentral für Wechselkursentwicklung
Wie wirkt die Geldpolitik auf den Wechselkurs? Wegen der mittelbaren Auswirkungen des Wechselkurses auf die Inflation ist diese Frage für Zentralbanken von großer Bedeutung. Sie ist deshalb in der wirtschaftswissenschaftlichen Literatur umfangreich untersucht worden. Dennoch besteht keine Einigkeit darüber, wie geldpolitische Impulse sich im Zeitablauf auswirken und wie wichtig sie insgesamt für den Wechselkursverlauf sind. Eine kürzlich erschienene Studie kommt zu neuen Erkenntnissen: Geldpolitische Impulse entfalten ihren vollen Einfluss ohne Zeitverzögerung und könnten wichtiger für den Wechselkurs sein als bisher gedacht.
Deglobalisierungsschocks, grenzüberschreitende Kreditströme und positive Effekte von internen Kapitalmärkten am Beispiel des Brexit-Referendums
Mit dem Ausgang des Brexit-Referendums im Juni 2016 erhöhte sich abrupt die politische und ökonomische Unsicherheit. In einer neuen Studie zeigen wir, dass deutsche Banken ihre Kreditvergabe an Unternehmen im Vereinigten Königreich (UK) in Folge des Referendums verringerten. Durch den Kreditangebotsschock sanken Beschäftigung und Investitionen dieser Firmen. Dabei konnten multinationale Unternehmen im UK diesen Rückgang der externen Kredite durch ihre internationalen Strukturen abfedern, indem sie interne Kapitalmärkte stärker nutzten. Unsere Studie zeigt zum einen, dass der Ausgang des Brexit-Referendums die Wirtschaft im UK auch über indirekte Kanäle belastete. Zum anderen hebt sie die Rolle multinationaler Unternehmen hervor, welche die Folgen besser verkraften konnten.
| Björn Imbierowicz, Arne Nagengast, Esteban Prieto, Ursula Vogel
Zentralbankkommunikation gemäß KISS-Strategie kann Inflationserwartungen senken
Um auf die sprunghaft gestiegenen Inflationsraten nach der Pandemie besser reagieren zu können, haben Zentralbanken als zusätzliches geldpolitisches Instrument verstärkt die Kommunikation über den Inflationsausblick genutzt. Im vorliegenden Beitrag werden neue umfragebasierte Ergebnisse vorgestellt, die darauf hindeuten, dass die EZB-Kommunikation ihrer Inflationsprojektionen die Inflationserwartungen der privaten Haushalte deutlich senken kann. Diese Effekte fallen insbesondere dann stark aus, wenn die Zentralbank gemäß einer KISS-Strategie (keep it sophisticatedly simple) einfach und verständlich kommuniziert.
Geopolitische Risiken belasten den Außenhandel des Euroraums und der USA
In den letzten Jahren nahmen geopolitische Spannungen zu. Dies beeinflusst nicht nur unmittelbar die betroffenen Länder, sondern den gesamten internationalen Handel. In einer neuen Studie zeigen wir, dass steigende geopolitische Risiken in Handelspartnerländern Warenimporte verteuern und dämpfen und Lieferketten beeinträchtigen. Zudem dürften sie eine Fragmentierung des Welthandels fördern. Besonders bedeutend sind dabei Risiken im Zusammenhang mit China.